Robert Bathurst mit seiner Frau Brit in Sponvika (Norwegen), an der Grenze zu Schweden. (Foto: Ola Tunander, Privatarchiv)

Über ein beschädigtes Mini-U-Boot 1982 in Schweden

„Eine Unterwasser-U-2“: Teil 3

Teil 1: [1], Teil 2: [2]

Von Ola Tunander , veröffentlicht am: 13. Juni 2023, Kategorien: Geopolitik, Gesellschaft & Geschichte

Dieser Text wurde zuerst am 31.03.2023 auf www.olatunander.substack unter der URL <https://olatunander.substack.com/p/an-underwater-u-2-part-iii> veröffentlicht. Lizenz: Ola Tunander, Free21, CC BY-NC-ND 4.0

7. Robert Bathurst und Bobby Inman [3]

Robert Bathurst ist 1959 Dolmetscher für Nikita Chruschtschow und Präsident Eisenhower in Camp David gewesen. Er hatte die russische Sprachgruppe in der US-Marine geleitet und war 1963, nach der Kubakrise, für den heißen Draht zwischen dem Weißen Haus und Moskau verantwortlich (eigentlich zwischen dem Pentagon und Moskau, mit einer Verbindung zum Weißen Haus). Im August 1964 war er Nachtoffizier im Pentagon, als es einen „Nichtangriff“ auf den Zerstörer Maddox gab, mit dem die US-Bombardierung Vietnams begann. Er rief den Leiter der Marineoperationen mitten in der Nacht an, wusste aber nicht, dass es sich um eine Falschimeldung handelte. Wahrscheinlich war dies jedoch der Grund, warum er zum stellvertretenden Attaché in Moskau (1964-67) ernannt wurde, als zur selben Zeit, der vier Jahre jüngere Bobby Ray Inman stellvertretender Attaché in Stockholm war. Robert Bathurst wurde dann Leiter des Attachédienstes für Osteuropa im Verteidigungsministerium (1967-69) und anschließend Leiter des Marine-Geheimdienstes in Europa (vormals Assistant Chief of Staff for Intelligence, US Naval Forces Europe, 1969-72), während Inman das Naval War College besuchte und danach die gleiche Position für den Pazifik erhielt, die Robert Bathurst für Europa inne hatte. Robert Bathurst hatte dann den Admiral Layton-Lehrstuhl für Nachrichtendienst am Naval War College (1972-75) unter dem Präsidenten, Admiral Stansfield Turner, inne, der Bill Caseys Vorgänger als Direktor der CIA bzw. offiziell als Direktor der Central Intelligence (1977-81) war. Robert und ich sprachen mit Turner als er in Oslo am Nobel-Institut war (1995-96). Ich hatte ihn auch auf einer PRIO-Pugwash-Konferenz (for Science and World Affairs, benannt nach Pugwash in Nova Scotia, Kanada, Anm. d. Red.) im Jahr 1988 getroffen, aber damals war ich noch viel zu jung, um zu verstehen, was vor sich ging. Turner war auch kein echter „Insider“ wie sein Vorgänger George H.W. Bush (1976-77) und sein Nachfolger Bill Casey (1981-87). Robert Bathurst promovierte später in vergleichender Literaturwissenschaft, er war am Harvard Russian Research Center und erhielt eine Professur an der Naval Postgraduate School in Monterey, Kalifornien, wo er Brit kennenlernte. Weshalb er 1990, als ihr Vater alt wurde, nach Oslo zog. Robert wollte ein Büro, in dem er sitzen und an seinem Buch Intelligence and the Mirror: On Creating an Enemy (London: Sage 1993) schreiben konnte. Ich habe ihn 1991 für PRIO angeworben.

Robert Bathurst glaubte, dass die Erklärung für die vielen Mini-U-Boote, die in den schwedischen Schären und Marinestützpunkten auftauchten, auf Bobby Inman (der der eigentliche „Insider“ war) und auf seinen „Deal“ mit den Schweden, über die Aufstellung amerikanischer Hydrophone, zurückging. Für Robert lautete die Frage: „Wie würden wir Inman zum Reden kriegen?“ Bei den kleinen U-Booten, die in den 1980er Jahren auftauchten, handelte es sich wahrscheinlich um dieselben, die immer noch zur Wartung der Hydrophone in schwedischen Gewässern eingesetzt wurden. Sowohl Robert Bathurst als auch Bobby Inman waren die Vorgesetzten des zehn Jahre jüngeren Bill Studeman, der später Direktor des Marinegeheimdienstes, Direktor der NSA und stellvertretender CIA-Direktor wurde. Auch Studeman musste von diesen U-Booten in schwedischen Gewässern gewusst haben.

1998 schrieb Jonas Olsson vom schwedischen Fernsehsender SVT an Studeman und bat um ein Interview. Er schlug vor, mit dem SVT- „Experten Dr. Ola Tunander in die USA zu reisen, der seine Dissertation über die maritime Strategie der USA geschrieben hat und ein Kollege von Robert Bathurst, [Captain] U.S. Naval Intelligence (ret.), ist“, um den Brief von SVT zu zitieren. Aber Studeman lehnte den Vorschlag von SVT für ein Interview ab. Im Februar 2000, einen Monat bevor SVT das Interview von Jonas Olsson mit Caspar Weinberger (US-Verteidigungsminister 1981-1987, Anm. d. Red.) ausstrahlte, hatte Robert Bathurst eine E-Mail an Norman Channell geschickt, seinen Nachfolger als Leiter des US-Marinegeheimdienstes für Europa bis Herbst 1981. Robert schickte auch meinen frühen Entwurf über westliche U-Boot-Aktivitäten in schwedischen Gewässern und schrieb: „Glaubst du, dass wir Bobby Inman jemals zum Reden bringen können?“ Channell schrieb ein paar nette Worte über meine Analyse, aber er fügte auch hinzu, dass er darüber wahrscheinlich sowieso nicht informiert worden wäre. Obwohl er Leiter des Marinegeheimdienstes in Europa war, wurde er nicht darüber informiert, was die US Navy SEALs und die CIA [die SOF-Kräfte (Special Operations Forces, Anm. d. Red) und die Mitarbeiter der Agency] in seinem eigenen Zuständigkeitsbereich taten. Er wurde im Dunkeln gelassen und hatte keinen Zweifel daran, dass CIA-Direktor Bill Casey mit solchen Operationen begonnen haben könnte. Channell schrieb auch: „Ich habe die Zusammenarbeit mit BRI [Bobby Ray Inman] sehr genossen, aber er ist eine wahre Sphinx.“

Admiral Bobby Ray Inman (rechts) erhält 1981 von Verteidigungsminister Caspar Weinberger die Distinguished Service Medal. Außerdem erhält er seinen vierten Stern. (Foto: NARA & DVIDS Public Domain Archive)

Im Juli 1982 trat Bobby Inman aus Protest gegen Casey als stellvertretender Direktor und für einige Zeit als amtierender Direktor der Central Intelligence (DCI) (als Direktor der CIA) zurück. Inman war Direktor des Marinegeheimdienstes (1974-76), stellvertretender Direktor der DIA (1976-77) (Defense Intelligence Agency), Direktor der NSA (1977-81) (National Security Agency) und übernahm im Januar 1981 das Amt des stellvertretenden CIA-Direktors von Frank Carlucci. Carlucci wurde stellvertretender Verteidigungsminister, nationaler Sicherheitsberater und 1987, nach Weinberger, Verteidigungsminister (Als ich Carlucci zufällig traf, erzählte er mir nicht viel). Während Casey sich mit verdeckten Aktionen befasste, konzentrierte sich Inman, der über einen Hintergrund beim Marinegeheimdienst und der NSA verfügte, auf die Sammlung technischer Informationen (aber er war auch, als „wahre Sphinx“, tief in verdeckte Aktionen verstrickt und er wurde später Vorstandsvorsitzender von Xe Services, dem früheren Blackwater). Die New York Times war der Meinung, dass Casey und nicht Inman 1982 hätte zurücktreten müssen. Und einflussreiche Leute wie Senator Barry Goldwater hatten sich bereits 1981 für Inman als CIA-Direktor eingesetzt. Inman war der erste Offizier des Marinegeheimdienstes der vier Sterne erhielt. Als er 1982 in den Ruhestand ging, waren fast alle zentralen Figuren anwesend. Carlucci war da, John Vessey, der Vorsitzende der Joint Chiefs of Staff (Generalstabchefs, Anm. d. Red.), und sogar Casey. Die Zeremonie wurde vom Marineminister John Lehman geleitet, der Bobby Inman mit einer „viel zu langen“ Rede würdigte. „Ich war ein Vorbild für alles auf diesem Weg. Es war peinlich“, sagte Inman anschließend.

Links: Präsident Ronald Reagan bei der Bekanntgabe zur Ernennung zum Verteidigungsminister von Frank Carlucci, nach dem Rücktritt von Caspar Weinberger (Foto: Weißes Haus / gemeinfrei). Rechts: das offizielle Foto des Marineministers John Lehman (Foto: Wikipedia / gemeinfrei).

Seit den 1960er Jahren war Inman mit mehreren schwedischen Marineoffizieren befreundet. Er machte Urlaub mit Vizeadmiral Per Rudberg, dem Chef der Marine (deutsches Äquivalent: Inspekteur der Marine, Anm. d. Red), und seiner Familie (siehe Teil II). Wir haben Grund zu der Annahme, dass Inman über Caseys U-Boot-Spiel in Schweden besorgt war und dass es Inmans eigenes schwedisches Hydrophonsystem und die italienischen Mini-U-Boote, die das System warteten, enthüllen könnte. Eine U-Boot-Jagd auf ein vermutetes „sowjetisches U-Boot“ könnte sich als Jagd auf einige seiner eigenen Schiffe entpuppen, und dann könnte das gesamte System verloren gehen. Der Konflikt zwischen Casey und Inman war so heftig, dass Admiral Ingebrigtsen, Caseys „Gegenstück“ in Norwegen, tatsächlich glaubte, dass meine Quelle für „eine Unterwasser-U-2“ in schwedischen Gewässern 1982 Bobby Inman und nicht Doug MacEachin (CIA) war, aber da hat er Inmans Disziplin eindeutig unterschätzt. Als Doug MacEachin und Bobby Inman 2011 in der Reagan Library über „Intelligence Used to End the Cold War“ („Einsatz der Geheimdienste, um den Kalten Krieg zu beenden“) sprachen, war es Inman, der sagte, dass, wenn es um die heikleren Dinge geht, „man für die nächsten 40 Jahre hoffentlich nichts darüber lesen wird”.

Ein späterer Nachfolger von Ingebrigtsen als Leiter des norwegischen Geheimdienstes, Generalmajor Alf Roar Berg (1988-93), bezeichnete Bill Casey als „völlig verrückt“. Berg war das „Gegenstück“ zu CIA-Direktor Robert Gates (1991-93) gewesen, und Gates war unter Casey stellvertretender CIA-Direktor. Danach war Berg das „Gegenstück“ zu Bill Studeman, der das Amt des stellvertretenden und später des amtierenden CIA-Direktors übernahm. General Berg erzählte mir von einer Dringlichkeitssitzung, die sie in Washington im Zusammenhang mit dem Kongsberg-Toshiba-Skandal hatten. Dabei handelte es sich um ein Treffen zwischen den Vereinigten Staaten (mit Bill Studeman, dem damaligen Leiter des Marinegeheimdienstes und Admiral Crowes (Vorsitzender der Generalstabchefs, Anm. d. Red.) Mann, Richard Perle, Weinbergers stellvertretendem Verteidigungsminister) einerseits und Norwegen (mit Verteidigungsminister Johan Jørgen Holst, Alf Roar Berg vom Geheimdienst und Erik Klippenberg, Direktor des Verteidigungsforschungsinstitutes FFI) auf der anderen Seite. Perle wollte Norwegen für das „Durchsickern“ von Hightech an die Sowjetunion bestrafen, ähnlich wie er Schweden in den frühen 80er Jahren bestraft hatte (Schweizer, 1994). Doch dies wurde von Admiral Studeman gestoppt, der sagte, dass Norwegen für einen Großteil der Rohdaten, über die die Vereinigten Staaten verfügen, verantwortlich sei. Einschließlich 90% der sowjetischen U-Boot-Signaturen, die die US Navy in ihren Archiven hat. Es wäre ein Fehler, Norwegen zu bestrafen. Richard Perle musste einen Rückzieher machen.

CIA-Chef Robert Gates und die US-Botschafterin in Norwegen Loret Miller Ruppe (beide rechts) besuchen den norwegischen Geheimdienstchef Generalmajor Alf Roar Berg (links), hier auf dem Oslofjord im Juni 1992 (Foto: Privatarchiv Ola Tunander).

Die westlichen U-Boot-Operationen, nicht zuletzt die amerikanischen, waren so geheim, dass nichts zu Papier gebracht werden konnte. Laut Verteidigungsminister Weinberger waren es „Navy-to-Navy-Konsultationen“, die zu gemeinsamen Entscheidungen führten. Die schwedisch-amerikanischen Vereinbarungen wurden durch persönliche Beziehungen zwischen den meisten hohen Offizieren aufrechterhalten, sagte er.

Bei einem Mittagessen, das ich im Juni 1989 mit General John Vessey (1981-85) hatte – Admiral Crowes Vorgänger als Vorsitzender der Joint Chiefs of Staff (Generalstabchefs, Anm. d. Red.) – sagte er: „Wenn es um Schweden geht, gibt es nur eine Regel: Nichts auf Papier“.

Es waren die persönlichen Beziehungen zwischen einigen amerikanischen und schwedischen Offizieren, die die geheimsten Vereinbarungen garantierten und die dafür sorgten, dass das schwedische Militär eine amerikanische Präsenz wollte. Während eines Mittagessens im Zusammenhang mit einer Atomwaffenkonferenz in Norwegen im Juni 1993 fragte ich den ehemaligen CIA-Direktor und Verteidigungsminister James Schlesinger nach seiner Meinung über Schweden während seiner Zeit in der Regierung. Er fragte zurück: „Welches Schweden? Das ˏpolitische Schweden´ oder das militärische? Das ˏmilitärische Schweden´ wollte, dass wir so schnell wie möglich kommen.“

Es gab eine kleine schwedische Militärelite mit einigen hochrangigen Offizieren, die auf einen schwedisch-amerikanischen Konsens, zusammen mit einer ähnlichen Elite in den Vereinigten Staaten, hinarbeitete. Caspar Weinberger sagte dem schwedischen Fernsehsender SVT im März 2000, dass es nie formelle Vereinbarungen mit Schweden gegeben habe. „Es waren Gespräche, die zu einem Konsens führten“, sagte er. Aber wenn jemand gegen diesen „Konsens“ – diese mündlichen Vereinbarungen – verstieß, gab es keine rechtlichen Sanktionen, sondern nur physische Gewalt. Im April 2000 – einen Monat nachdem Weinberger gegenüber SVT erklärt hatte, dass westliche U-Boote regelmäßig in schwedischen Gewässern operierten – flog Robert Bathurst, mit meiner Abschrift des vollständigen SVT-Interviews im Gepäck, mit Weinberger, nach Kalifornien zu seinen Freunden an der Naval Postgraduate School. Robert sprach mit mehreren ehemaligen Kollegen wie Norman Channell und Wayne Hughes, der militärischer Berater des stellvertretenden Marineministers und späteren CIA-Direktors James Woolsey gewesen ist, über die Intrusionen in Schweden (Intrusion = Eindringen in fremde, hier schwedische, Gewässer, Anm. d. Red.). Sie kamen zu ihm zurück und sagten: „Rühren Sie es nicht an. Es ist physisch gefährlich“.

Nachdem Robert Bathurst aus den USA zurückkam, hatte er am 6. Mai eine E-Mail-Kommunikation mit einem Offizier des Marinegeheimdienstes und am 24. und 25. Mai mit einem Offizier der U.S. Navy SEALs, einem „Frosch“. Er schrieb: „Ich versuche, einem Kollegen, einem schwedischen Forscher, zu helfen […] Wenn es zu heikel ist, lasse ich es fallen“. Robert starb später im Juni.

8. Eine Erklärung für die Operationen [4]

Der Ursprung der Operationen der US-Marine und der CIA mit kleinen U-Booten in schwedischen Häfen, Schären und Marinestützpunkten in den 1980er Jahren scheint auf Bobby Inmans „Deal“ aus den späten 1960er Jahren, über den Einsatz von Hydrophonen, mit jemandem auf schwedischer Seite, zurückzugehen. Höchstwahrscheinlich mit Verteidigungsminister Sven Andersson und Vize-Admiral Åke Lindemalm, dem Inspekteur der Marine. Ab etwa 1970 wurden diese Hydrophone von kleinen U-Booten italienischer Bauart gewartet, die auf umgebauten zivilen Handelsschiffen – z. B. Tankern mit einem Raum für diese U-Boote – in die Ostsee und zu den schwedischen Schären gebracht wurden. Als hohe Beamte der Reagan-Administration, insbesondere CIA-Direktor William Casey, Schweden und ganz Skandinavien als ein Problem ansahen – als ein Land, das an die Sowjetunion grenzt, aber kein „realistisches Verständnis der sowjetischen Bedrohung“ hat oder vielmehr „eine zu unabhängige Position“ gegenüber den USA und dem Vereinigten Königreich entwickelte – war es naheliegend, die Anwesenheit dieser U-Boote in schwedischen Gewässern dadurch zu demonstrieren, dass sie ihr Periskop, ihre Beflaggung und manchmal das gesamte U-Boot zeigten, um die Schweden und andere Skandinavier dazu zu bringen, die sowjetische Bedrohung ernst zu nehmen und sich mehr den Westmächten zuzuwenden. Das wurde auch in norwegischen Gewässern gemacht, aber „wir sind nicht an die Öffentlichkeit gegangen“, sagte mir ein ehemaliger stellvertretender norwegischer Geheimdienstchef. Während die Schweden ein großes Fass um eindringende U-Boote aufmachten, „versuchten wir, uns zurückzuhalten“, sagte er. Wir schlugen den Schweden vor, dass sie dasselbe tun sollten, „aber sie wollten nicht auf uns hören“, sagte er. Der ehemalige Oberbefehlshaber für Südnorwegen, Vizeadmiral Carsten Lütken, schrieb mir einen Brief: „Wir haben uns bemüht zu sagen, dass es nichts war, wenn wir was gefunden haben. […] Wir wussten nicht immer, was unsere Verbündeten taten“. In diesem Fall, so Lütken, war es besser zu schweigen. Das war ein ganz anderer Ansatz als der der schwedischen Admiräle, die Schlagzeilen machen wollten, und das war es auch, was die Briten und die USA ihnen vorgeschlagen hatten.

Laut einer Reihe von Dokumenten des britischen Außenministeriums aus den Jahren 1979-82 müsse man mit den Norwegern „ernsthaft reden“. Der norwegische Premierminister Odvar Nordli (1976-81) hatte in seiner Neujahrsansprache 1981 über die Möglichkeiten einer atomwaffenfreien Zone im nordischen Raum gesprochen. Dies war für die Briten und Amerikaner inakzeptabel und sie mussten die skandinavische Politik ändern. Nordli wurde sofort ersetzt, aber das war nicht genug.

Die Norweger befanden sich auf einem „gefährlichen Weg“, schrieb das britische Verteidigungsministerium in einem Dokument, und die Schweden waren sogar ein noch größeres Problem. Man musste etwas Drastisches tun, und es war offensichtlich, dass das Problem nicht nur die politische Führung, sondern die gesamte Bevölkerung war. Man musste die Mentalität, die politischen Ansichten ändern.

Am 27. Oktober 1981 fuhr ein leitender Navigationsoffizier eines sowjetischen U-Boots der Whiskey-Klasse mit seinem U-Boot auf einen Felsen in der Nähe des schwedischen Marinestützpunkts Karlskrona (Der „Whiskey on the Rocks“-Vorfall). Als das U-Boot auf einer kleinen Insel strandete, hatte er die Propeller vorwärts laufen lassen, um das U-Boot höher auf die Insel zu bringen (was durch die Untersuchung der Taucher herausgefunden wurde). Karl Andersson, der Stabschef des Marinestützpunktes, Kommandant und spätere Kommodore, erhielt den Befehl, ihn nicht zu befragen. Die anderen wesentlichen Offiziere auf dem U-Boot wurden alle von den Schweden und von Andersson befragt, nicht aber der leitende Navigationsoffizier Josef Avrukevich, der für diese sehr merkwürdige Navigation verantwortlich war. Einige hochrangige Offiziere in Schweden wussten schon im Vorfeld von diesem Vorfall. Und die US-Marineattachés waren kurz vor dem Vorfall in Karlskrona eingetroffen. Karl Andersson erzählte in einem aufgezeichneten Interview, dass sich an diesem Morgen zwei sehr merkwürdige Dinge ereignet hätten: Erstens seien zwei US-Marineattachés frühmorgens in seinem Büro aufgetaucht, ohne dass er als Stabschef vorher benachrichtigt worden sei, was weder vor noch nach diesem Vorfall jemals vorgekommen sei; und zweitens sei ein sowjetisches U-Boot auf einer Insel gestrandet, die tief in einem Fjord lag, der so eng und seicht war, dass man nicht tauchen konnte und Schwierigkeiten hatte zu wenden. Warum sollten die Sowjets mit einem U-Boot an der Oberfläche tief in ein neutrales Land und in einen Fjord fahren, in dem es keinen Ausweg gibt? Es machte keinen Sinn, aber es veränderte die schwedische und skandinavische Mentalität.

Nach diesem Vorfall von 1981 erklärten die dänischen Vertreter des politischen und militärischen Bereichs ihren britischen Amtskollegen „es würde lange dauern, bis die Sowjetunion ihre Glaubwürdigkeit wiedererlangt, und dass der Vorfall der Todesstoß für den Vorschlag einer atomwaffenfreien Zone im nordischen Raum gewesen ist“. Aber noch wichtiger ist, dass der britische Botschafter in Stockholm nach der dramatischen U-Boot-Jagd auf dem Marinestützpunkt Muskö im Oktober 1982 schrieb, dass der schwedische Außenminister nun begann, „realistischer“ zu sprechen. Karl Frithiofson, der ehemalige schwedische Staatssekretär für Verteidigung, der ein Sommerhaus in unmittelbarer Nähe von Andersson und Lindemalm hatte, sagte im folgenden Jahr informell, dass die U-Boote aus dem Westen stammen.

Dass die Absicht des amerikanischen und britischen Einsatzes von U-Booten tief in schwedischen Gewässern darin bestand, die schwedische „Bereitschaft“ und das Bewusstsein für die sowjetische Bedrohung zu erhöhen, wurde im Jahr 2000 nach den Interviews mit dem damaligen US-Verteidigungsminister Weinberger, dem britischen Marineminister Keith Speed und später auch durch das Interview mit dem ehemaligen US-Marineminister John Lehman deutlich. Sowohl Weinberger als auch Speed sagten, sie hätten U-Boote in schwedischen Gewässern eingesetzt, um die schwedische Bereitschaft zu testen – um zu sehen, „wie weit wir kommen können“, ohne dass man uns entdeckt, um Speed zu zitieren. Aber es war jedem klar, dass es auch um etwas anderes ging. Die Operationen veränderten die schwedische Wahrnehmung der Sowjetunion. Ich schrieb im Vorwort, dass bis 1980 25-30% der Schweden die Sowjetunion als direkte Bedrohung oder als feindlich gegenüber Schweden wahrgenommen haben. Drei Jahre später, 1983, nachdem fast täglich U-Boote in schwedischen Gewässern beobachtet worden waren, war diese Zahl auf 83% gestiegen. Schweden hatte sich in ein anderes Land verwandelt. Die gesamte öffentliche Meinung hatte sich geändert. Schweden wurde ausgetrickst oder getäuscht.

Laut John Lehman war es ein „Täuschungsausschuss“ („Deception Comittee“) unter CIA-Direktor William Casey, der die Entscheidungen über die schwedischen Operationen – von denen Weinberger sprach – getroffen hat.

Und laut Schlüsselfiguren in der CIA war es Lehmans Schützling Admiral Ace Lyons, der dafür verantwortlich war. Werfen wir einen Blick darauf:

Fritz Ermarth war in den 1970er Jahren Sonderberater („Special Assistant“) des CIA-Direktors. Von 1983-86 war er National Intelligence Officer der CIA, zuständig für die Sowjetunion und ebenfalls verantwortlich für die sowjetische Marine (in Zusammenarbeit mit dem Marinegeheimdienst, mit Studeman und Haver sowie mit Marineminister Lehman) im National Intelligence Estimate (Geheimdienstdossier der 17 US-Geheimdienste zur nationalen Sicherheit, Anm. d. Red.). Von 1986-88 war Ermarth Sonderberater von Präsident Reagan und Leiter des Bereichs Sowjetunion und Osteuropa im Nationalen Sicherheitsrat, während er von 1988-93 den Vorsitz im Nationalen Geheimdienstrat der CIA inne hatte, der direkt den CIA-Direktoren Webster, Gates und Woolsey unterstellt war. Er arbeitete 20 Jahre lang mit Gates zusammen und war zusammen mit Doug MacEachin der vielleicht wichtigste CIA-Analyst für die Beurteilung der Sowjetunion in der Reagan-Regierung. Ermarth sagte, dass Admiral James „Ace“ Lyons für einige „sehr geheime Operationen in Nordeuropa“, d.h. in skandinavischen Gewässern, verantwortlich gewesen sei. Ich habe den Fernsehsender ARTE mit Dirk Pohlmann informiert, der 2014 in die Vereinigten Staaten geflogen ist und Lyons interviewt hat. Teile des Interviews wurden in der ARTE/ZDF-Sendung Täuschung: Die Methode Reagan, am 5. Mai 2015 ausgestrahlt. Lyons sagte, CIA-Direktor Bill Casey habe ihn (im Oktober/November 1983 nach dem Bombenanschlag auf US-Marines in Beirut am 23. Oktober und kurz nachdem Casey aus Stockholm zurückgekehrt war) angerufen und ihn gebeten, einige Spezialeinheiten darauf vorzubereiten, physische Angriffe gegen ihre eigenen Marinestützpunkte durchzuführen und die Bereitschaft der USA auf all ihren Stützpunkten weltweit zu testen. Ähnlich wie er es bereits in nördlichen Gewässern, also in Nordeuropa, getan hatte. Lyons sagte, dass Anweisungen nicht ausreichend seien. Man müsse „physisch“ sein. „Und ich hatte die Genehmigung des Marineministers John Lehman, dies zu tun“, sagte er. ARTE fragte nach den Operationen in schwedischen Gewässern in den 1980er Jahren: Haben Sie versucht, die schwedische Bereitschaft zu erhöhen, so wie Sie später versucht haben, die Bereitschaft amerikanischer Basen durch physische Aktionen zu erhöhen? Pohlmann fragte: „Waren die U-Boot-Aktionen in Schweden eine ähnliche Idee: dort hineinzugehen und die Aufmerksamkeit der Schweden zu wecken?“ Lyons antwortete: „Ja, richtig, richtig, richtig. […] Es war mein Personal, ich! Genau hier! Ich bin derjenige, der das zusammengebracht hat: die Täuschungsmanöver, die ganzen Lockvögel, und, die die das gemacht haben, all das waren ich und meine Mitarbeiter.“ Pohlmann und ARTE fuhren fort: „Wurden die U-Boot-Einsätze in Schweden [gemacht], damit das schwedische Militär versteht: ˏWir können das, macht mit uns weiter?´“ Lyons antwortete: „Nun, ich bin sicher, dass sie erkannten, was wir taten.“ Pohlmann fuhr fort: „War die Strandung des U-Boots in Schweden [The Whiskey on the Rocks], war das auch eine Täuschungsaktion?“ Lyons antwortete: „Ja, könnte sein. [Langes großes Gelächter]. Ja, ja, ja.“ Pohlmann fragte: „Wenn man sich diese Dinge ansieht, mit dieser Charakteristik, kann ich eine Ähnlichkeit erkennen.“ Lyons weiter: „Könnte sein, ja.“ Pohlmann fuhr fort: „Aber Sie dürfen nicht darüber sprechen?“ Lyons antwortete: „Manche Dinge behält man noch für sich.“ Als Lyons das Gespräch verließ, war er irritiert. Er hätte nicht alles erzählen sollen. Er ist zu enthusiastisch geworden. Als ich ein paar Jahre später einen Offizier der US-Marine zu den Äußerungen von Admiral Lyons befragte, sagte er nur: „Lyons hat zu viel gesagt.“ Er ist 2018 gestorben.

Links: Der ehemalige CIA-Chefanalyst für Russland, Fritz Ermarth, spricht 1999 vor dem Kongress (C-Span, Screenshot). Rechts: Admiral Ace Lyons (links) mit dem ehemaligen Marineminister John Lehman, als Lehman 2011 der „Freedom Flame Award” verliehen wird.

Es war klar, dass es bei diesen Operationen in schwedischen Gewässern nicht nur darum ging, die Bereitschaft der schwedischen Marine zu testen – „Wie bei einem Waffentest“ – wie Caspar Weinberger gesagt hat. Sondern dass es dabei – und vielleicht in erster Linie – um Täuschung ging. Die Mitteilung ging direkt von CIA-Direktor Bill Casey an Admiral Ace Lyons. Es ging darum, die schwedische und größtenteils auch die europäische öffentliche Meinung völlig zu verändern.

Einem Dokument aus dem Jahr 1981 zufolge sollten US-Operationen des „Perception Management“ (Wahrnehmungsmanagement) eingeleitet werden, „um die [europäische] Wahrnehmung der sowjetischen Aktivitäten in der Region zu erhöhen und eine [europäische] Reaktion auszulösen“.

Die Idee war in diesem Fall, die Schweden und die Europäer dazu zu bringen, die sowjetische Bedrohung ernster zu nehmen. Diese US-Aktionen waren nicht in erster Linie gegen die Sowjetunion oder ihre Verbündeten gerichtet. Die logische Folge daraus ist, dass die USA auf US-Freunde (oder Verbündete) wie Schweden abzielen sollten, damit diese sich der „wahren sowjetischen Bedrohung“ bewusst würden, z. B. durch Unterwasserprovokationen, die für sowjetische Militäraktionen gehalten wurden („Täuschung“).

Das Ziel, so beschrieb es General Richard Stilwell, der stellvertretende Unterstaatssekretär für Verteidigungspolitik (1981-85), waren offenbar einige westliche Staaten, die sich nicht an den US-Diskurs hielten und die sowjetische Bedrohung nicht ernst genug nahmen. General Stilwell empfahl den USA den Einsatz von Provokationen, um „die Wahrnehmung sowjetischer Aktivitäten“ zu schärfen und „eine Reaktion“ in den befreundeten Ländern (also Schweden) auszulösen. Doch Freunde ins Visier zu nehmen, war äußerst heikel. Der US-Geheimdiensthistoriker Jeffrey Richelson schreibt, dass am 4. Februar 1983 auf Wunsch von Stilwell eine Löschbenachrichtigung (Cancellation Notice) für einige sehr sensible Dokumente verschickt wurde. „In der Mitteilung wurden die Empfänger aufgefordert, alle in ihrem Besitz befindlichen Kopien von zwei Richtlinien des Verteidigungsministeriums mit dem Titel ‚The Defense Special Plans Office‘ ‚unverzüglich zu entfernen und zu vernichten‘”. Wahrscheinlich war im Herbst 1982 etwas Ernstes passiert, das ein Handeln erforderlich machte. Im März 1984 kam eine Direktive des Präsidenten (National Security Decision Directive Number 130) zu dem Schluss, dass PSYOP (psychologische Operationen) und „Perception Management“ von zentraler Bedeutung sind, aber diese Operationen setzten „unmittelbare Kriegsgefahr“ voraus. Diese Direktive des Präsidenten war wahrscheinlich erforderlich, um das System zu bereinigen, damit es sich nicht verselbstständigt. Im Herbst 1982 war etwas Ernstes passiert, und am 4. Februar 1983 wurde angeordnet, dass einige sehr sensible Dokumente geschreddert werden sollten.

Dies ist wahrscheinlich die Erklärung für die Behauptungen der USA und Großbritanniens auf einer Sitzung des wesentlichsten Geheimdienstausschusses der NATO – des Intelligence Steering Committee (Lenkungsausschuss der Geheimdienste, Anm. d. Red.) – im Herbst 1988. Der norwegische Geheimdienstchef Alf Roar Berg erklärte, dass die amerikanischen und britischen Leiter des militärischen Geheimdienstes (vermutlich Generalleutnant Leonard Perroots und Generalleutnant Derek Boorman) behauptet hätten, ein sowjetischer Militärschlag gegen den Westen stehe „unmittelbar bevor“. Alle anderen NATO-Staaten unterstützten Washington und London, aber der norwegische Militärgeheimdienst wusste, dass die russische Bereitschaft gering war und dass diese Behauptungen über einen „unmittelbar bevorstehenden Krieg“ falsch waren. Diese Behauptungen wurden aus anderen Gründen aufgestellt. General Berg widersetzte sich den Briten und Amerikanern. Einer nach dem anderen wechselte auf die norwegische Seite. Die USA und die Briten mussten sich zurückziehen. Es stellt sich die Frage, warum die Amerikaner und Briten die NATO dazu brachten, solche offensichtlich falschen Behauptungen zu akzeptieren. Dafür gibt es zwei vernünftige Erklärungen. Erstens wollten sie die Fortsetzung von PSYOP- und „Perception Management“-Operationen rechtfertigen, z. B. mit U-Boot-Einsätzen in schwedischen Gewässern, die eine „unmittelbare Kriegsgefahr“ begründen würden. Diese Operationen wurden bis in die frühen 1990er Jahre fortgesetzt. Zweitens konnten die Briten und Amerikaner durch die Behauptung, dass eine sowjetische Invasion „unmittelbar bevorstehe“, die europäischen Länder dazu bringen, angloamerikanischen Schutz zu suchen. So wie es die Vereinigten Staaten und Großbritannien in den 1980er Jahren getan haben, indem sie ihre eigenen U-Boote in schwedischen Gewässern als sowjetische U-Boote agieren ließen, um die Schweden und andere aus den nordischen Ländern dazu zu bringen, sich an die Vereinigten Staaten und Großbritannien zu wenden, um einen amerikanischen Hegemonialdiskurs zu gewährleisten. Der Untergang eines kleinen U-Boots in Hårsfjärden 1982 war ein Unfall, der nie an die Öffentlichkeit gelangen sollte.

Der „Unterwasser-U-2“-Vorfall von 1982 war wahrscheinlich ein viel ernsterer Vorfall als der U-2-Vorfall von 1960. Man könnte sagen, dass er nie öffentlich gemacht wurde, weil es eine schwedisch-amerikanische Elite gab, einen „tiefen Staat“, der in der Lage war, jedes sensible Ereignis zu verbergen. Und weil es keine formellen Vereinbarungen gab, ging es nur um physische Gewalt. Der „Unterwasser-U-2-Vorfall“ am 5. Oktober 1982 hat nicht stattgefunden, weil er nicht stattfinden durfte.

Über all dies habe ich kürzlich in einem schwedischen Buch geschrieben, Det svenska ubåtskriget (Der schwedische U-Boot-Krieg, Stockholm: Medströms 2019). Es wurde von einigen der erfahrensten Botschafter Schwedens rezensiert, dem langjährigen schwedischen Botschafter in Moskau, Sven Hirdman, der im Oktober 1982 Staatssekretär für Verteidigung und nach Angaben des schwedischen Verteidigungsministers amtierender Verteidigungsminister war; von Pierre Schori, der in den 1980er Jahren Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten und im schwedischen Außenministerium für diese Fragen zuständig war (später war er Botschafter bei der UNO und Minister); von Mathias Mossberg, der im schwedischen Außenministerium für sowjetische Angelegenheiten zuständig war, Leiter der Analysegruppe des Ministeriums und Generalsekretär der offiziellen schwedischen U-Boot-Untersuchung über die Einmischungen in den 1980er Jahren (2001) sowie Generalsekretär der offiziellen schwedischen sicherheitspolitischen Untersuchung über die schwedische Geschichte des Kalten Krieges 1969-1989 (2002); und schließlich von Sune Olofson, Journalist und Redakteur, der 25 Jahre lang Verteidigungsreporter und Feuilletonredakteur bei der konservativen Tageszeitung Svenska Dagbladet war. Diese vier, die alle eine zentrale Rolle für die offizielle schwedische Wahrnehmung der Einmischungen der 1980er Jahre gespielt haben und wichtige Vertreter des offiziellen Schwedens waren, schrieben gemeinsam eine sehr positive Rezension meines Buches, aber keine der vier großen schwedischen Zeitungen (Svenska DagbladetDagens NyheterExpressen und Aftonbladet) nahm den Artikel an. Diese Fragen sind immer noch viel zu heikel, als dass man sie in den schwedischen Medien ansprechen könnte.

Das Quellenproblem

Ich schrieb meine Doktorarbeit über Waffentechnologie, US-Marinestrategie und Geopolitik in Nordeuropa. Es war eine Arbeit über Sicherheitspolitik und Militärstrategie, und mein erster schwedischer Entwurf wurde 1987 von der FOA (Forschungsinstitut der schwedischen Streitkräfte) veröffentlicht. Dieser Bericht, Norden och USA’s Maritima Strategi, wurde zu einem der beiden Hauptbücher im Lehrplan der schwedischen Militärakademie, während meine Dissertation über maritime Strategie – Cold Water Politics: The Maritime Strategy and Geopolitics of the Northern Front (London: Sage, 1989) auf dem Lehrplan des U.S. Naval War College stand. Ich hielt Vorträge darüber am Center for Naval Analysis der US-Marine im Pentagon und an der U.S. Naval Postgraduate School in Monterey, Kalifornien. Von 1986 bis 2016 habe ich an zahlreichen sicherheits- und verteidigungspolitischen Konferenzen in Europa, den USA und Asien (in China und Indien) teilgenommen. Viele nordische Konferenzen wurden von den Instituten für internationale Angelegenheiten und den Friedensforschungsinstituten, aber auch vom Institut für Verteidigungsstudien organisiert. Ich habe an Konferenzen teilgenommen, die von der U.S. Navy, der Royal Navy und der Canadian Navy sowie von Universitäten wie der Harvard Universität organisiert wurden. Ich war auf Historikerkonferenzen, auf Konferenzen der Friedensforschung und der Politikwissenschaft sowie auf Konferenzen über Geheimdienste und Militärstrategien. Natürlich war ich auch auf den großen Kongressen der International Studies Association, die jährlich in den Vereinigten Staaten oder in Kanada mit Tausenden von Teilnehmern stattfinden.

Viele Konferenzen führten zu Büchern, an denen ich mit Kapiteln beteiligt war. Bei einigen dieser Bücher war ich der Herausgeber oder Mitherausgeber, und einige von ihnen standen auf dem Lehrplan von Universitäten in verschiedenen Ländern, z. B. der Universität in Oxford. An vielen dieser Konferenzen nahmen Akademiker teil, aber auch Offiziere und Beamte des öffentlichen Dienstes, manchmal hochrangige Offiziere und Minister sowie ihre Berater aus den nordischen Ländern, aus den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Russland und anderen europäischen Staaten sowie aus Indien und China. Es waren nie amerikanische, russische oder chinesische Präsidenten oder Premierminister anwesend, wohl aber einige ihrer engsten Berater. Ich führte Gespräche mit den US-Verteidigungsministern, den Marineministern, Generalstabschefs der Verteidigung (in Deutschland: Generalinspekteur der Bundeswehr, Anm. d. Red.), den Direktoren der CIA und ihren Stellvertretern sowie den Direktoren der NSA. Ich führte Gespräche mit den Verteidigungs- und Marinechefs sowie den Geheimdienstchefs mehrerer Länder. Wir haben zusammen zu Mittag- und Abend gegessen und lange Gespräche geführt, in denen es manchmal um Fragen ging, die möglicherweise als geheim eingestuft gewesen sein könnten. In den Vereinigten Staaten ist das nichts Ungewöhnliches. Als Forscher trifft man einen Marineminister oder einen CIA-Direktor, nicht als Journalist, der in erster Linie Fragen stellt, sondern als Partner, mit dem man Themen von gemeinsamem Interesse diskutiert. Viele meiner Quellen gehören zu dieser Kategorie. Jemand kann sich an etwas falsch erinnern. Man kann sich irren, aber es gibt viele Quellen, die fast dasselbe sagen. Und wir können kaum die Tatsache ignorieren, dass schwedische Taucher sagen, sie hätten Dinge erlebt, die ihre Kommandeure bestätigen und die mit dem übereinstimmen, was die ranghöchsten Vertreter der CIA und der US Navy gesagt haben. Wenn hochrangige Vertreter der CIA und der US-Marine sagen, dass es 1982 in schwedischen Gewässern bei Muskö eine „Unterwasser-U-2“ gab und dass CIA-Direktor Casey und Admiral Lyons dafür verantwortlich gewesen seien, und wenn Lyons selbst genau dasselbe sagt, dann muss man das ernst nehmen.

Viel Material ist auch in meinen Büchern zu finden: Det svenska ubåtskriget (Der schwedische U-Boot-Krieg, Stockholm: Medströms förlag, 2019, 416 S. und 1,2 Kilo) [5]. Es wurde im Herbst 2019 im schwedischen Armeemuseum und der schwedischen ABF und am 25. Februar 2020 im Norwegischen Institut für Internationale Angelegenheiten (NUPI) vorgestellt: „Das versteckte Spiel der Macht – U-Boote in skandinavischen Gewässern“ [6]. Mein Buch Navigationsexperten (Stockholm: Karneval förlag, 2021) befasst sich mit dem Ereignis von 1981, dem „Whiskey on the Rocks“-Vorfall. Ich habe bereits mehrere Bücher über das U-Boot-Ereignis von 1982 geschrieben, darunter Hårsfjärden (Stockholm: Norstedts förlag, 2001) und The Secret War against Sweden: US and British Submarine Deception in the 1980s (London: Frank Cass; Naval Policy and History Series, 2004), und einen 400-seitigen Bericht für die Universitäten Stockholm und Göteborg, Spelet under ytan: Teknisk bevisning i nationalitetsfrågan för ubåtsoperationen mot Sverige 1982 (Das Spiel unter der Oberfläche: Technische Beweise für die Nationalität der U-Boot-Operation gegen Schweden 1982”; Forschungsprogramm: Schweden im Kalten Krieg, Bericht 16, überarbeitete Ausgabe) [7]; die ARTE-Dokumentation Täuschung: Die Methode Reagan wurde am 5. Mai 2015 ausgestrahlt und behandelt das gleiche Thema. Darin enthalten sind Interviews mit Caseys engem Berater Herb Meyer, mit Marineminister John Lehman, mit Admiral Ace Lyons, mit dem schwedischen Kommodore Karl Andersson, mit Ingemar Engman, dem engen Berater von Verteidigungsminister Sven Andersson, mit dem sowjetischen Führer Michail Gorbatschow und Außenminister Boris Pankin, mit Botschafter Mathias Mossberg, Ola Frithiofson und mit mir selbst. [8]

Quellen:

[1] Free21, Ola Tunander, „Eine Unterwasser-U-2“: Teil 1”, am 17.05.2023, <https://free21.org/eine-unterwasser-u-2-teil-1/>
[2] Free21, Ola Tunander, „Eine Unterwasser-U-2“: Teil 2”, am 05.06.2023,<https://free21.org/eine-unterwasser-u-2-teil-2/>
[3] Ola Tunander, „40 år siden «U-2-episoden under vann»”, 01.10.2022, <https://terjealnes.files.wordpress.com/2022/09/u-2-under-vann-1-oktober-2022.pdf>
[4] siehe [1]
[5] Medströms Bokförlag, „Katalog“, <https://www.medstromsbokforlag.com/portfolio-c17to>
[6] NUPI, „Det skjulte maktspelet – ubåtar i skandinavisk farvatn”, am 25.02.2020, <https://www.nupi.no/arrangementer/2020/det-skjulte-maktspillet-ubaater-i-skandinavisk-farvann>
[7] PRIO, Ola Tunander, „Spelet under ytan: Teknisk bevisning i nationalitetsfrågan för ubåtsoperationen mot Sverige 1982“, 2009, <https://files.prio.org/files/projects/Spelet under ytan/Spelet-under-ytan.pdf>
[8] Youtube, Arte, Dirk Pohlmann, „Täuschung – Die Methode Reagan“, <https://www.youtube.com/watch?v=rc0jThe2F4Q>

Über ein beschädigtes Mini-U-Boot 1982 in Schweden

„Eine Unterwasser-U-2“: Teil 3

Von Ola Tunander , veröffentlicht am: 13. Juni 2023, Kategorien: Geopolitik, Gesellschaft & Geschichte

Dieser Text wurde zuerst am 31.03.2023 auf www.olatunander.substack unter der URL <https://olatunander.substack.com/p/an-underwater-u-2-part-iii> veröffentlicht. Lizenz: Ola Tunander, Free21, CC BY-NC-ND 4.0

Robert Bathurst mit seiner Frau Brit in Sponvika (Norwegen), an der Grenze zu Schweden. (Foto: Ola Tunander, Privatarchiv)

Teil 1: [1], Teil 2: [2]

7. Robert Bathurst und Bobby Inman [3]

Robert Bathurst ist 1959 Dolmetscher für Nikita Chruschtschow und Präsident Eisenhower in Camp David gewesen. Er hatte die russische Sprachgruppe in der US-Marine geleitet und war 1963, nach der Kubakrise, für den heißen Draht zwischen dem Weißen Haus und Moskau verantwortlich (eigentlich zwischen dem Pentagon und Moskau, mit einer Verbindung zum Weißen Haus). Im August 1964 war er Nachtoffizier im Pentagon, als es einen „Nichtangriff“ auf den Zerstörer Maddox gab, mit dem die US-Bombardierung Vietnams begann. Er rief den Leiter der Marineoperationen mitten in der Nacht an, wusste aber nicht, dass es sich um eine Falschimeldung handelte. Wahrscheinlich war dies jedoch der Grund, warum er zum stellvertretenden Attaché in Moskau (1964-67) ernannt wurde, als zur selben Zeit, der vier Jahre jüngere Bobby Ray Inman stellvertretender Attaché in Stockholm war. Robert Bathurst wurde dann Leiter des Attachédienstes für Osteuropa im Verteidigungsministerium (1967-69) und anschließend Leiter des Marine-Geheimdienstes in Europa (vormals Assistant Chief of Staff for Intelligence, US Naval Forces Europe, 1969-72), während Inman das Naval War College besuchte und danach die gleiche Position für den Pazifik erhielt, die Robert Bathurst für Europa inne hatte. Robert Bathurst hatte dann den Admiral Layton-Lehrstuhl für Nachrichtendienst am Naval War College (1972-75) unter dem Präsidenten, Admiral Stansfield Turner, inne, der Bill Caseys Vorgänger als Direktor der CIA bzw. offiziell als Direktor der Central Intelligence (1977-81) war. Robert und ich sprachen mit Turner als er in Oslo am Nobel-Institut war (1995-96). Ich hatte ihn auch auf einer PRIO-Pugwash-Konferenz (for Science and World Affairs, benannt nach Pugwash in Nova Scotia, Kanada, Anm. d. Red.) im Jahr 1988 getroffen, aber damals war ich noch viel zu jung, um zu verstehen, was vor sich ging. Turner war auch kein echter „Insider“ wie sein Vorgänger George H.W. Bush (1976-77) und sein Nachfolger Bill Casey (1981-87). Robert Bathurst promovierte später in vergleichender Literaturwissenschaft, er war am Harvard Russian Research Center und erhielt eine Professur an der Naval Postgraduate School in Monterey, Kalifornien, wo er Brit kennenlernte. Weshalb er 1990, als ihr Vater alt wurde, nach Oslo zog. Robert wollte ein Büro, in dem er sitzen und an seinem Buch Intelligence and the Mirror: On Creating an Enemy (London: Sage 1993) schreiben konnte. Ich habe ihn 1991 für PRIO angeworben.

Robert Bathurst glaubte, dass die Erklärung für die vielen Mini-U-Boote, die in den schwedischen Schären und Marinestützpunkten auftauchten, auf Bobby Inman (der der eigentliche „Insider“ war) und auf seinen „Deal“ mit den Schweden, über die Aufstellung amerikanischer Hydrophone, zurückging. Für Robert lautete die Frage: „Wie würden wir Inman zum Reden kriegen?“ Bei den kleinen U-Booten, die in den 1980er Jahren auftauchten, handelte es sich wahrscheinlich um dieselben, die immer noch zur Wartung der Hydrophone in schwedischen Gewässern eingesetzt wurden. Sowohl Robert Bathurst als auch Bobby Inman waren die Vorgesetzten des zehn Jahre jüngeren Bill Studeman, der später Direktor des Marinegeheimdienstes, Direktor der NSA und stellvertretender CIA-Direktor wurde. Auch Studeman musste von diesen U-Booten in schwedischen Gewässern gewusst haben.

1998 schrieb Jonas Olsson vom schwedischen Fernsehsender SVT an Studeman und bat um ein Interview. Er schlug vor, mit dem SVT- „Experten Dr. Ola Tunander in die USA zu reisen, der seine Dissertation über die maritime Strategie der USA geschrieben hat und ein Kollege von Robert Bathurst, [Captain] U.S. Naval Intelligence (ret.), ist“, um den Brief von SVT zu zitieren. Aber Studeman lehnte den Vorschlag von SVT für ein Interview ab. Im Februar 2000, einen Monat bevor SVT das Interview von Jonas Olsson mit Caspar Weinberger (US-Verteidigungsminister 1981-1987, Anm. d. Red.) ausstrahlte, hatte Robert Bathurst eine E-Mail an Norman Channell geschickt, seinen Nachfolger als Leiter des US-Marinegeheimdienstes für Europa bis Herbst 1981. Robert schickte auch meinen frühen Entwurf über westliche U-Boot-Aktivitäten in schwedischen Gewässern und schrieb: „Glaubst du, dass wir Bobby Inman jemals zum Reden bringen können?“ Channell schrieb ein paar nette Worte über meine Analyse, aber er fügte auch hinzu, dass er darüber wahrscheinlich sowieso nicht informiert worden wäre. Obwohl er Leiter des Marinegeheimdienstes in Europa war, wurde er nicht darüber informiert, was die US Navy SEALs und die CIA [die SOF-Kräfte (Special Operations Forces, Anm. d. Red) und die Mitarbeiter der Agency] in seinem eigenen Zuständigkeitsbereich taten. Er wurde im Dunkeln gelassen und hatte keinen Zweifel daran, dass CIA-Direktor Bill Casey mit solchen Operationen begonnen haben könnte. Channell schrieb auch: „Ich habe die Zusammenarbeit mit BRI [Bobby Ray Inman] sehr genossen, aber er ist eine wahre Sphinx.“

Admiral Bobby Ray Inman (rechts) erhält 1981 von Verteidigungsminister Caspar Weinberger die Distinguished Service Medal. Außerdem erhält er seinen vierten Stern. (Foto: NARA & DVIDS Public Domain Archive)

Im Juli 1982 trat Bobby Inman aus Protest gegen Casey als stellvertretender Direktor und für einige Zeit als amtierender Direktor der Central Intelligence (DCI) (als Direktor der CIA) zurück. Inman war Direktor des Marinegeheimdienstes (1974-76), stellvertretender Direktor der DIA (1976-77) (Defense Intelligence Agency), Direktor der NSA (1977-81) (National Security Agency) und übernahm im Januar 1981 das Amt des stellvertretenden CIA-Direktors von Frank Carlucci. Carlucci wurde stellvertretender Verteidigungsminister, nationaler Sicherheitsberater und 1987, nach Weinberger, Verteidigungsminister (Als ich Carlucci zufällig traf, erzählte er mir nicht viel). Während Casey sich mit verdeckten Aktionen befasste, konzentrierte sich Inman, der über einen Hintergrund beim Marinegeheimdienst und der NSA verfügte, auf die Sammlung technischer Informationen (aber er war auch, als „wahre Sphinx“, tief in verdeckte Aktionen verstrickt und er wurde später Vorstandsvorsitzender von Xe Services, dem früheren Blackwater). Die New York Times war der Meinung, dass Casey und nicht Inman 1982 hätte zurücktreten müssen. Und einflussreiche Leute wie Senator Barry Goldwater hatten sich bereits 1981 für Inman als CIA-Direktor eingesetzt. Inman war der erste Offizier des Marinegeheimdienstes der vier Sterne erhielt. Als er 1982 in den Ruhestand ging, waren fast alle zentralen Figuren anwesend. Carlucci war da, John Vessey, der Vorsitzende der Joint Chiefs of Staff (Generalstabchefs, Anm. d. Red.), und sogar Casey. Die Zeremonie wurde vom Marineminister John Lehman geleitet, der Bobby Inman mit einer „viel zu langen“ Rede würdigte. „Ich war ein Vorbild für alles auf diesem Weg. Es war peinlich“, sagte Inman anschließend.

Links: Präsident Ronald Reagan bei der Bekanntgabe zur Ernennung zum Verteidigungsminister von Frank Carlucci, nach dem Rücktritt von Caspar Weinberger (Foto: Weißes Haus / gemeinfrei). Rechts: das offizielle Foto des Marineministers John Lehman (Foto: Wikipedia / gemeinfrei).

Seit den 1960er Jahren war Inman mit mehreren schwedischen Marineoffizieren befreundet. Er machte Urlaub mit Vizeadmiral Per Rudberg, dem Chef der Marine (deutsches Äquivalent: Inspekteur der Marine, Anm. d. Red), und seiner Familie (siehe Teil II). Wir haben Grund zu der Annahme, dass Inman über Caseys U-Boot-Spiel in Schweden besorgt war und dass es Inmans eigenes schwedisches Hydrophonsystem und die italienischen Mini-U-Boote, die das System warteten, enthüllen könnte. Eine U-Boot-Jagd auf ein vermutetes „sowjetisches U-Boot“ könnte sich als Jagd auf einige seiner eigenen Schiffe entpuppen, und dann könnte das gesamte System verloren gehen. Der Konflikt zwischen Casey und Inman war so heftig, dass Admiral Ingebrigtsen, Caseys „Gegenstück“ in Norwegen, tatsächlich glaubte, dass meine Quelle für „eine Unterwasser-U-2“ in schwedischen Gewässern 1982 Bobby Inman und nicht Doug MacEachin (CIA) war, aber da hat er Inmans Disziplin eindeutig unterschätzt. Als Doug MacEachin und Bobby Inman 2011 in der Reagan Library über „Intelligence Used to End the Cold War“ („Einsatz der Geheimdienste, um den Kalten Krieg zu beenden“) sprachen, war es Inman, der sagte, dass, wenn es um die heikleren Dinge geht, „man für die nächsten 40 Jahre hoffentlich nichts darüber lesen wird”.

Ein späterer Nachfolger von Ingebrigtsen als Leiter des norwegischen Geheimdienstes, Generalmajor Alf Roar Berg (1988-93), bezeichnete Bill Casey als „völlig verrückt“. Berg war das „Gegenstück“ zu CIA-Direktor Robert Gates (1991-93) gewesen, und Gates war unter Casey stellvertretender CIA-Direktor. Danach war Berg das „Gegenstück“ zu Bill Studeman, der das Amt des stellvertretenden und später des amtierenden CIA-Direktors übernahm. General Berg erzählte mir von einer Dringlichkeitssitzung, die sie in Washington im Zusammenhang mit dem Kongsberg-Toshiba-Skandal hatten. Dabei handelte es sich um ein Treffen zwischen den Vereinigten Staaten (mit Bill Studeman, dem damaligen Leiter des Marinegeheimdienstes und Admiral Crowes (Vorsitzender der Generalstabchefs, Anm. d. Red.) Mann, Richard Perle, Weinbergers stellvertretendem Verteidigungsminister) einerseits und Norwegen (mit Verteidigungsminister Johan Jørgen Holst, Alf Roar Berg vom Geheimdienst und Erik Klippenberg, Direktor des Verteidigungsforschungsinstitutes FFI) auf der anderen Seite. Perle wollte Norwegen für das „Durchsickern“ von Hightech an die Sowjetunion bestrafen, ähnlich wie er Schweden in den frühen 80er Jahren bestraft hatte (Schweizer, 1994). Doch dies wurde von Admiral Studeman gestoppt, der sagte, dass Norwegen für einen Großteil der Rohdaten, über die die Vereinigten Staaten verfügen, verantwortlich sei. Einschließlich 90% der sowjetischen U-Boot-Signaturen, die die US Navy in ihren Archiven hat. Es wäre ein Fehler, Norwegen zu bestrafen. Richard Perle musste einen Rückzieher machen.

CIA-Chef Robert Gates und die US-Botschafterin in Norwegen Loret Miller Ruppe (beide rechts) besuchen den norwegischen Geheimdienstchef Generalmajor Alf Roar Berg (links), hier auf dem Oslofjord im Juni 1992 (Foto: Privatarchiv Ola Tunander).

Die westlichen U-Boot-Operationen, nicht zuletzt die amerikanischen, waren so geheim, dass nichts zu Papier gebracht werden konnte. Laut Verteidigungsminister Weinberger waren es „Navy-to-Navy-Konsultationen“, die zu gemeinsamen Entscheidungen führten. Die schwedisch-amerikanischen Vereinbarungen wurden durch persönliche Beziehungen zwischen den meisten hohen Offizieren aufrechterhalten, sagte er.

Bei einem Mittagessen, das ich im Juni 1989 mit General John Vessey (1981-85) hatte – Admiral Crowes Vorgänger als Vorsitzender der Joint Chiefs of Staff (Generalstabchefs, Anm. d. Red.) – sagte er: „Wenn es um Schweden geht, gibt es nur eine Regel: Nichts auf Papier“.

Es waren die persönlichen Beziehungen zwischen einigen amerikanischen und schwedischen Offizieren, die die geheimsten Vereinbarungen garantierten und die dafür sorgten, dass das schwedische Militär eine amerikanische Präsenz wollte. Während eines Mittagessens im Zusammenhang mit einer Atomwaffenkonferenz in Norwegen im Juni 1993 fragte ich den ehemaligen CIA-Direktor und Verteidigungsminister James Schlesinger nach seiner Meinung über Schweden während seiner Zeit in der Regierung. Er fragte zurück: „Welches Schweden? Das ˏpolitische Schweden´ oder das militärische? Das ˏmilitärische Schweden´ wollte, dass wir so schnell wie möglich kommen.“

Es gab eine kleine schwedische Militärelite mit einigen hochrangigen Offizieren, die auf einen schwedisch-amerikanischen Konsens, zusammen mit einer ähnlichen Elite in den Vereinigten Staaten, hinarbeitete. Caspar Weinberger sagte dem schwedischen Fernsehsender SVT im März 2000, dass es nie formelle Vereinbarungen mit Schweden gegeben habe. „Es waren Gespräche, die zu einem Konsens führten“, sagte er. Aber wenn jemand gegen diesen „Konsens“ – diese mündlichen Vereinbarungen – verstieß, gab es keine rechtlichen Sanktionen, sondern nur physische Gewalt. Im April 2000 – einen Monat nachdem Weinberger gegenüber SVT erklärt hatte, dass westliche U-Boote regelmäßig in schwedischen Gewässern operierten – flog Robert Bathurst, mit meiner Abschrift des vollständigen SVT-Interviews im Gepäck, mit Weinberger, nach Kalifornien zu seinen Freunden an der Naval Postgraduate School. Robert sprach mit mehreren ehemaligen Kollegen wie Norman Channell und Wayne Hughes, der militärischer Berater des stellvertretenden Marineministers und späteren CIA-Direktors James Woolsey gewesen ist, über die Intrusionen in Schweden (Intrusion = Eindringen in fremde, hier schwedische, Gewässer, Anm. d. Red.). Sie kamen zu ihm zurück und sagten: „Rühren Sie es nicht an. Es ist physisch gefährlich“.

Nachdem Robert Bathurst aus den USA zurückkam, hatte er am 6. Mai eine E-Mail-Kommunikation mit einem Offizier des Marinegeheimdienstes und am 24. und 25. Mai mit einem Offizier der U.S. Navy SEALs, einem „Frosch“. Er schrieb: „Ich versuche, einem Kollegen, einem schwedischen Forscher, zu helfen […] Wenn es zu heikel ist, lasse ich es fallen“. Robert starb später im Juni.

8. Eine Erklärung für die Operationen [4]

Der Ursprung der Operationen der US-Marine und der CIA mit kleinen U-Booten in schwedischen Häfen, Schären und Marinestützpunkten in den 1980er Jahren scheint auf Bobby Inmans „Deal“ aus den späten 1960er Jahren, über den Einsatz von Hydrophonen, mit jemandem auf schwedischer Seite, zurückzugehen. Höchstwahrscheinlich mit Verteidigungsminister Sven Andersson und Vize-Admiral Åke Lindemalm, dem Inspekteur der Marine. Ab etwa 1970 wurden diese Hydrophone von kleinen U-Booten italienischer Bauart gewartet, die auf umgebauten zivilen Handelsschiffen – z. B. Tankern mit einem Raum für diese U-Boote – in die Ostsee und zu den schwedischen Schären gebracht wurden. Als hohe Beamte der Reagan-Administration, insbesondere CIA-Direktor William Casey, Schweden und ganz Skandinavien als ein Problem ansahen – als ein Land, das an die Sowjetunion grenzt, aber kein „realistisches Verständnis der sowjetischen Bedrohung“ hat oder vielmehr „eine zu unabhängige Position“ gegenüber den USA und dem Vereinigten Königreich entwickelte – war es naheliegend, die Anwesenheit dieser U-Boote in schwedischen Gewässern dadurch zu demonstrieren, dass sie ihr Periskop, ihre Beflaggung und manchmal das gesamte U-Boot zeigten, um die Schweden und andere Skandinavier dazu zu bringen, die sowjetische Bedrohung ernst zu nehmen und sich mehr den Westmächten zuzuwenden. Das wurde auch in norwegischen Gewässern gemacht, aber „wir sind nicht an die Öffentlichkeit gegangen“, sagte mir ein ehemaliger stellvertretender norwegischer Geheimdienstchef. Während die Schweden ein großes Fass um eindringende U-Boote aufmachten, „versuchten wir, uns zurückzuhalten“, sagte er. Wir schlugen den Schweden vor, dass sie dasselbe tun sollten, „aber sie wollten nicht auf uns hören“, sagte er. Der ehemalige Oberbefehlshaber für Südnorwegen, Vizeadmiral Carsten Lütken, schrieb mir einen Brief: „Wir haben uns bemüht zu sagen, dass es nichts war, wenn wir was gefunden haben. […] Wir wussten nicht immer, was unsere Verbündeten taten“. In diesem Fall, so Lütken, war es besser zu schweigen. Das war ein ganz anderer Ansatz als der der schwedischen Admiräle, die Schlagzeilen machen wollten, und das war es auch, was die Briten und die USA ihnen vorgeschlagen hatten.

Laut einer Reihe von Dokumenten des britischen Außenministeriums aus den Jahren 1979-82 müsse man mit den Norwegern „ernsthaft reden“. Der norwegische Premierminister Odvar Nordli (1976-81) hatte in seiner Neujahrsansprache 1981 über die Möglichkeiten einer atomwaffenfreien Zone im nordischen Raum gesprochen. Dies war für die Briten und Amerikaner inakzeptabel und sie mussten die skandinavische Politik ändern. Nordli wurde sofort ersetzt, aber das war nicht genug.

Die Norweger befanden sich auf einem „gefährlichen Weg“, schrieb das britische Verteidigungsministerium in einem Dokument, und die Schweden waren sogar ein noch größeres Problem. Man musste etwas Drastisches tun, und es war offensichtlich, dass das Problem nicht nur die politische Führung, sondern die gesamte Bevölkerung war. Man musste die Mentalität, die politischen Ansichten ändern.

Am 27. Oktober 1981 fuhr ein leitender Navigationsoffizier eines sowjetischen U-Boots der Whiskey-Klasse mit seinem U-Boot auf einen Felsen in der Nähe des schwedischen Marinestützpunkts Karlskrona (Der „Whiskey on the Rocks“-Vorfall). Als das U-Boot auf einer kleinen Insel strandete, hatte er die Propeller vorwärts laufen lassen, um das U-Boot höher auf die Insel zu bringen (was durch die Untersuchung der Taucher herausgefunden wurde). Karl Andersson, der Stabschef des Marinestützpunktes, Kommandant und spätere Kommodore, erhielt den Befehl, ihn nicht zu befragen. Die anderen wesentlichen Offiziere auf dem U-Boot wurden alle von den Schweden und von Andersson befragt, nicht aber der leitende Navigationsoffizier Josef Avrukevich, der für diese sehr merkwürdige Navigation verantwortlich war. Einige hochrangige Offiziere in Schweden wussten schon im Vorfeld von diesem Vorfall. Und die US-Marineattachés waren kurz vor dem Vorfall in Karlskrona eingetroffen. Karl Andersson erzählte in einem aufgezeichneten Interview, dass sich an diesem Morgen zwei sehr merkwürdige Dinge ereignet hätten: Erstens seien zwei US-Marineattachés frühmorgens in seinem Büro aufgetaucht, ohne dass er als Stabschef vorher benachrichtigt worden sei, was weder vor noch nach diesem Vorfall jemals vorgekommen sei; und zweitens sei ein sowjetisches U-Boot auf einer Insel gestrandet, die tief in einem Fjord lag, der so eng und seicht war, dass man nicht tauchen konnte und Schwierigkeiten hatte zu wenden. Warum sollten die Sowjets mit einem U-Boot an der Oberfläche tief in ein neutrales Land und in einen Fjord fahren, in dem es keinen Ausweg gibt? Es machte keinen Sinn, aber es veränderte die schwedische und skandinavische Mentalität.

Nach diesem Vorfall von 1981 erklärten die dänischen Vertreter des politischen und militärischen Bereichs ihren britischen Amtskollegen „es würde lange dauern, bis die Sowjetunion ihre Glaubwürdigkeit wiedererlangt, und dass der Vorfall der Todesstoß für den Vorschlag einer atomwaffenfreien Zone im nordischen Raum gewesen ist“. Aber noch wichtiger ist, dass der britische Botschafter in Stockholm nach der dramatischen U-Boot-Jagd auf dem Marinestützpunkt Muskö im Oktober 1982 schrieb, dass der schwedische Außenminister nun begann, „realistischer“ zu sprechen. Karl Frithiofson, der ehemalige schwedische Staatssekretär für Verteidigung, der ein Sommerhaus in unmittelbarer Nähe von Andersson und Lindemalm hatte, sagte im folgenden Jahr informell, dass die U-Boote aus dem Westen stammen.

Dass die Absicht des amerikanischen und britischen Einsatzes von U-Booten tief in schwedischen Gewässern darin bestand, die schwedische „Bereitschaft“ und das Bewusstsein für die sowjetische Bedrohung zu erhöhen, wurde im Jahr 2000 nach den Interviews mit dem damaligen US-Verteidigungsminister Weinberger, dem britischen Marineminister Keith Speed und später auch durch das Interview mit dem ehemaligen US-Marineminister John Lehman deutlich. Sowohl Weinberger als auch Speed sagten, sie hätten U-Boote in schwedischen Gewässern eingesetzt, um die schwedische Bereitschaft zu testen – um zu sehen, „wie weit wir kommen können“, ohne dass man uns entdeckt, um Speed zu zitieren. Aber es war jedem klar, dass es auch um etwas anderes ging. Die Operationen veränderten die schwedische Wahrnehmung der Sowjetunion. Ich schrieb im Vorwort, dass bis 1980 25-30% der Schweden die Sowjetunion als direkte Bedrohung oder als feindlich gegenüber Schweden wahrgenommen haben. Drei Jahre später, 1983, nachdem fast täglich U-Boote in schwedischen Gewässern beobachtet worden waren, war diese Zahl auf 83% gestiegen. Schweden hatte sich in ein anderes Land verwandelt. Die gesamte öffentliche Meinung hatte sich geändert. Schweden wurde ausgetrickst oder getäuscht.

Laut John Lehman war es ein „Täuschungsausschuss“ („Deception Comittee“) unter CIA-Direktor William Casey, der die Entscheidungen über die schwedischen Operationen – von denen Weinberger sprach – getroffen hat.

Und laut Schlüsselfiguren in der CIA war es Lehmans Schützling Admiral Ace Lyons, der dafür verantwortlich war. Werfen wir einen Blick darauf:

Fritz Ermarth war in den 1970er Jahren Sonderberater („Special Assistant“) des CIA-Direktors. Von 1983-86 war er National Intelligence Officer der CIA, zuständig für die Sowjetunion und ebenfalls verantwortlich für die sowjetische Marine (in Zusammenarbeit mit dem Marinegeheimdienst, mit Studeman und Haver sowie mit Marineminister Lehman) im National Intelligence Estimate (Geheimdienstdossier der 17 US-Geheimdienste zur nationalen Sicherheit, Anm. d. Red.). Von 1986-88 war Ermarth Sonderberater von Präsident Reagan und Leiter des Bereichs Sowjetunion und Osteuropa im Nationalen Sicherheitsrat, während er von 1988-93 den Vorsitz im Nationalen Geheimdienstrat der CIA inne hatte, der direkt den CIA-Direktoren Webster, Gates und Woolsey unterstellt war. Er arbeitete 20 Jahre lang mit Gates zusammen und war zusammen mit Doug MacEachin der vielleicht wichtigste CIA-Analyst für die Beurteilung der Sowjetunion in der Reagan-Regierung. Ermarth sagte, dass Admiral James „Ace“ Lyons für einige „sehr geheime Operationen in Nordeuropa“, d.h. in skandinavischen Gewässern, verantwortlich gewesen sei. Ich habe den Fernsehsender ARTE mit Dirk Pohlmann informiert, der 2014 in die Vereinigten Staaten geflogen ist und Lyons interviewt hat. Teile des Interviews wurden in der ARTE/ZDF-Sendung Täuschung: Die Methode Reagan, am 5. Mai 2015 ausgestrahlt. Lyons sagte, CIA-Direktor Bill Casey habe ihn (im Oktober/November 1983 nach dem Bombenanschlag auf US-Marines in Beirut am 23. Oktober und kurz nachdem Casey aus Stockholm zurückgekehrt war) angerufen und ihn gebeten, einige Spezialeinheiten darauf vorzubereiten, physische Angriffe gegen ihre eigenen Marinestützpunkte durchzuführen und die Bereitschaft der USA auf all ihren Stützpunkten weltweit zu testen. Ähnlich wie er es bereits in nördlichen Gewässern, also in Nordeuropa, getan hatte. Lyons sagte, dass Anweisungen nicht ausreichend seien. Man müsse „physisch“ sein. „Und ich hatte die Genehmigung des Marineministers John Lehman, dies zu tun“, sagte er. ARTE fragte nach den Operationen in schwedischen Gewässern in den 1980er Jahren: Haben Sie versucht, die schwedische Bereitschaft zu erhöhen, so wie Sie später versucht haben, die Bereitschaft amerikanischer Basen durch physische Aktionen zu erhöhen? Pohlmann fragte: „Waren die U-Boot-Aktionen in Schweden eine ähnliche Idee: dort hineinzugehen und die Aufmerksamkeit der Schweden zu wecken?“ Lyons antwortete: „Ja, richtig, richtig, richtig. […] Es war mein Personal, ich! Genau hier! Ich bin derjenige, der das zusammengebracht hat: die Täuschungsmanöver, die ganzen Lockvögel, und, die die das gemacht haben, all das waren ich und meine Mitarbeiter.“ Pohlmann und ARTE fuhren fort: „Wurden die U-Boot-Einsätze in Schweden [gemacht], damit das schwedische Militär versteht: ˏWir können das, macht mit uns weiter?´“ Lyons antwortete: „Nun, ich bin sicher, dass sie erkannten, was wir taten.“ Pohlmann fuhr fort: „War die Strandung des U-Boots in Schweden [The Whiskey on the Rocks], war das auch eine Täuschungsaktion?“ Lyons antwortete: „Ja, könnte sein. [Langes großes Gelächter]. Ja, ja, ja.“ Pohlmann fragte: „Wenn man sich diese Dinge ansieht, mit dieser Charakteristik, kann ich eine Ähnlichkeit erkennen.“ Lyons weiter: „Könnte sein, ja.“ Pohlmann fuhr fort: „Aber Sie dürfen nicht darüber sprechen?“ Lyons antwortete: „Manche Dinge behält man noch für sich.“ Als Lyons das Gespräch verließ, war er irritiert. Er hätte nicht alles erzählen sollen. Er ist zu enthusiastisch geworden. Als ich ein paar Jahre später einen Offizier der US-Marine zu den Äußerungen von Admiral Lyons befragte, sagte er nur: „Lyons hat zu viel gesagt.“ Er ist 2018 gestorben.

Links: Der ehemalige CIA-Chefanalyst für Russland, Fritz Ermarth, spricht 1999 vor dem Kongress (C-Span, Screenshot). Rechts: Admiral Ace Lyons (links) mit dem ehemaligen Marineminister John Lehman, als Lehman 2011 der „Freedom Flame Award” verliehen wird.

Es war klar, dass es bei diesen Operationen in schwedischen Gewässern nicht nur darum ging, die Bereitschaft der schwedischen Marine zu testen – „Wie bei einem Waffentest“ – wie Caspar Weinberger gesagt hat. Sondern dass es dabei – und vielleicht in erster Linie – um Täuschung ging. Die Mitteilung ging direkt von CIA-Direktor Bill Casey an Admiral Ace Lyons. Es ging darum, die schwedische und größtenteils auch die europäische öffentliche Meinung völlig zu verändern.

Einem Dokument aus dem Jahr 1981 zufolge sollten US-Operationen des „Perception Management“ (Wahrnehmungsmanagement) eingeleitet werden, „um die [europäische] Wahrnehmung der sowjetischen Aktivitäten in der Region zu erhöhen und eine [europäische] Reaktion auszulösen“.

Die Idee war in diesem Fall, die Schweden und die Europäer dazu zu bringen, die sowjetische Bedrohung ernster zu nehmen. Diese US-Aktionen waren nicht in erster Linie gegen die Sowjetunion oder ihre Verbündeten gerichtet. Die logische Folge daraus ist, dass die USA auf US-Freunde (oder Verbündete) wie Schweden abzielen sollten, damit diese sich der „wahren sowjetischen Bedrohung“ bewusst würden, z. B. durch Unterwasserprovokationen, die für sowjetische Militäraktionen gehalten wurden („Täuschung“).

Das Ziel, so beschrieb es General Richard Stilwell, der stellvertretende Unterstaatssekretär für Verteidigungspolitik (1981-85), waren offenbar einige westliche Staaten, die sich nicht an den US-Diskurs hielten und die sowjetische Bedrohung nicht ernst genug nahmen. General Stilwell empfahl den USA den Einsatz von Provokationen, um „die Wahrnehmung sowjetischer Aktivitäten“ zu schärfen und „eine Reaktion“ in den befreundeten Ländern (also Schweden) auszulösen. Doch Freunde ins Visier zu nehmen, war äußerst heikel. Der US-Geheimdiensthistoriker Jeffrey Richelson schreibt, dass am 4. Februar 1983 auf Wunsch von Stilwell eine Löschbenachrichtigung (Cancellation Notice) für einige sehr sensible Dokumente verschickt wurde. „In der Mitteilung wurden die Empfänger aufgefordert, alle in ihrem Besitz befindlichen Kopien von zwei Richtlinien des Verteidigungsministeriums mit dem Titel ‚The Defense Special Plans Office‘ ‚unverzüglich zu entfernen und zu vernichten‘”. Wahrscheinlich war im Herbst 1982 etwas Ernstes passiert, das ein Handeln erforderlich machte. Im März 1984 kam eine Direktive des Präsidenten (National Security Decision Directive Number 130) zu dem Schluss, dass PSYOP (psychologische Operationen) und „Perception Management“ von zentraler Bedeutung sind, aber diese Operationen setzten „unmittelbare Kriegsgefahr“ voraus. Diese Direktive des Präsidenten war wahrscheinlich erforderlich, um das System zu bereinigen, damit es sich nicht verselbstständigt. Im Herbst 1982 war etwas Ernstes passiert, und am 4. Februar 1983 wurde angeordnet, dass einige sehr sensible Dokumente geschreddert werden sollten.

Dies ist wahrscheinlich die Erklärung für die Behauptungen der USA und Großbritanniens auf einer Sitzung des wesentlichsten Geheimdienstausschusses der NATO – des Intelligence Steering Committee (Lenkungsausschuss der Geheimdienste, Anm. d. Red.) – im Herbst 1988. Der norwegische Geheimdienstchef Alf Roar Berg erklärte, dass die amerikanischen und britischen Leiter des militärischen Geheimdienstes (vermutlich Generalleutnant Leonard Perroots und Generalleutnant Derek Boorman) behauptet hätten, ein sowjetischer Militärschlag gegen den Westen stehe „unmittelbar bevor“. Alle anderen NATO-Staaten unterstützten Washington und London, aber der norwegische Militärgeheimdienst wusste, dass die russische Bereitschaft gering war und dass diese Behauptungen über einen „unmittelbar bevorstehenden Krieg“ falsch waren. Diese Behauptungen wurden aus anderen Gründen aufgestellt. General Berg widersetzte sich den Briten und Amerikanern. Einer nach dem anderen wechselte auf die norwegische Seite. Die USA und die Briten mussten sich zurückziehen. Es stellt sich die Frage, warum die Amerikaner und Briten die NATO dazu brachten, solche offensichtlich falschen Behauptungen zu akzeptieren. Dafür gibt es zwei vernünftige Erklärungen. Erstens wollten sie die Fortsetzung von PSYOP- und „Perception Management“-Operationen rechtfertigen, z. B. mit U-Boot-Einsätzen in schwedischen Gewässern, die eine „unmittelbare Kriegsgefahr“ begründen würden. Diese Operationen wurden bis in die frühen 1990er Jahre fortgesetzt. Zweitens konnten die Briten und Amerikaner durch die Behauptung, dass eine sowjetische Invasion „unmittelbar bevorstehe“, die europäischen Länder dazu bringen, angloamerikanischen Schutz zu suchen. So wie es die Vereinigten Staaten und Großbritannien in den 1980er Jahren getan haben, indem sie ihre eigenen U-Boote in schwedischen Gewässern als sowjetische U-Boote agieren ließen, um die Schweden und andere aus den nordischen Ländern dazu zu bringen, sich an die Vereinigten Staaten und Großbritannien zu wenden, um einen amerikanischen Hegemonialdiskurs zu gewährleisten. Der Untergang eines kleinen U-Boots in Hårsfjärden 1982 war ein Unfall, der nie an die Öffentlichkeit gelangen sollte.

Der „Unterwasser-U-2“-Vorfall von 1982 war wahrscheinlich ein viel ernsterer Vorfall als der U-2-Vorfall von 1960. Man könnte sagen, dass er nie öffentlich gemacht wurde, weil es eine schwedisch-amerikanische Elite gab, einen „tiefen Staat“, der in der Lage war, jedes sensible Ereignis zu verbergen. Und weil es keine formellen Vereinbarungen gab, ging es nur um physische Gewalt. Der „Unterwasser-U-2-Vorfall“ am 5. Oktober 1982 hat nicht stattgefunden, weil er nicht stattfinden durfte.

Über all dies habe ich kürzlich in einem schwedischen Buch geschrieben, Det svenska ubåtskriget (Der schwedische U-Boot-Krieg, Stockholm: Medströms 2019). Es wurde von einigen der erfahrensten Botschafter Schwedens rezensiert, dem langjährigen schwedischen Botschafter in Moskau, Sven Hirdman, der im Oktober 1982 Staatssekretär für Verteidigung und nach Angaben des schwedischen Verteidigungsministers amtierender Verteidigungsminister war; von Pierre Schori, der in den 1980er Jahren Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten und im schwedischen Außenministerium für diese Fragen zuständig war (später war er Botschafter bei der UNO und Minister); von Mathias Mossberg, der im schwedischen Außenministerium für sowjetische Angelegenheiten zuständig war, Leiter der Analysegruppe des Ministeriums und Generalsekretär der offiziellen schwedischen U-Boot-Untersuchung über die Einmischungen in den 1980er Jahren (2001) sowie Generalsekretär der offiziellen schwedischen sicherheitspolitischen Untersuchung über die schwedische Geschichte des Kalten Krieges 1969-1989 (2002); und schließlich von Sune Olofson, Journalist und Redakteur, der 25 Jahre lang Verteidigungsreporter und Feuilletonredakteur bei der konservativen Tageszeitung Svenska Dagbladet war. Diese vier, die alle eine zentrale Rolle für die offizielle schwedische Wahrnehmung der Einmischungen der 1980er Jahre gespielt haben und wichtige Vertreter des offiziellen Schwedens waren, schrieben gemeinsam eine sehr positive Rezension meines Buches, aber keine der vier großen schwedischen Zeitungen (Svenska DagbladetDagens NyheterExpressen und Aftonbladet) nahm den Artikel an. Diese Fragen sind immer noch viel zu heikel, als dass man sie in den schwedischen Medien ansprechen könnte.

Das Quellenproblem

Ich schrieb meine Doktorarbeit über Waffentechnologie, US-Marinestrategie und Geopolitik in Nordeuropa. Es war eine Arbeit über Sicherheitspolitik und Militärstrategie, und mein erster schwedischer Entwurf wurde 1987 von der FOA (Forschungsinstitut der schwedischen Streitkräfte) veröffentlicht. Dieser Bericht, Norden och USA’s Maritima Strategi, wurde zu einem der beiden Hauptbücher im Lehrplan der schwedischen Militärakademie, während meine Dissertation über maritime Strategie – Cold Water Politics: The Maritime Strategy and Geopolitics of the Northern Front (London: Sage, 1989) auf dem Lehrplan des U.S. Naval War College stand. Ich hielt Vorträge darüber am Center for Naval Analysis der US-Marine im Pentagon und an der U.S. Naval Postgraduate School in Monterey, Kalifornien. Von 1986 bis 2016 habe ich an zahlreichen sicherheits- und verteidigungspolitischen Konferenzen in Europa, den USA und Asien (in China und Indien) teilgenommen. Viele nordische Konferenzen wurden von den Instituten für internationale Angelegenheiten und den Friedensforschungsinstituten, aber auch vom Institut für Verteidigungsstudien organisiert. Ich habe an Konferenzen teilgenommen, die von der U.S. Navy, der Royal Navy und der Canadian Navy sowie von Universitäten wie der Harvard Universität organisiert wurden. Ich war auf Historikerkonferenzen, auf Konferenzen der Friedensforschung und der Politikwissenschaft sowie auf Konferenzen über Geheimdienste und Militärstrategien. Natürlich war ich auch auf den großen Kongressen der International Studies Association, die jährlich in den Vereinigten Staaten oder in Kanada mit Tausenden von Teilnehmern stattfinden.

Viele Konferenzen führten zu Büchern, an denen ich mit Kapiteln beteiligt war. Bei einigen dieser Bücher war ich der Herausgeber oder Mitherausgeber, und einige von ihnen standen auf dem Lehrplan von Universitäten in verschiedenen Ländern, z. B. der Universität in Oxford. An vielen dieser Konferenzen nahmen Akademiker teil, aber auch Offiziere und Beamte des öffentlichen Dienstes, manchmal hochrangige Offiziere und Minister sowie ihre Berater aus den nordischen Ländern, aus den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Russland und anderen europäischen Staaten sowie aus Indien und China. Es waren nie amerikanische, russische oder chinesische Präsidenten oder Premierminister anwesend, wohl aber einige ihrer engsten Berater. Ich führte Gespräche mit den US-Verteidigungsministern, den Marineministern, Generalstabschefs der Verteidigung (in Deutschland: Generalinspekteur der Bundeswehr, Anm. d. Red.), den Direktoren der CIA und ihren Stellvertretern sowie den Direktoren der NSA. Ich führte Gespräche mit den Verteidigungs- und Marinechefs sowie den Geheimdienstchefs mehrerer Länder. Wir haben zusammen zu Mittag- und Abend gegessen und lange Gespräche geführt, in denen es manchmal um Fragen ging, die möglicherweise als geheim eingestuft gewesen sein könnten. In den Vereinigten Staaten ist das nichts Ungewöhnliches. Als Forscher trifft man einen Marineminister oder einen CIA-Direktor, nicht als Journalist, der in erster Linie Fragen stellt, sondern als Partner, mit dem man Themen von gemeinsamem Interesse diskutiert. Viele meiner Quellen gehören zu dieser Kategorie. Jemand kann sich an etwas falsch erinnern. Man kann sich irren, aber es gibt viele Quellen, die fast dasselbe sagen. Und wir können kaum die Tatsache ignorieren, dass schwedische Taucher sagen, sie hätten Dinge erlebt, die ihre Kommandeure bestätigen und die mit dem übereinstimmen, was die ranghöchsten Vertreter der CIA und der US Navy gesagt haben. Wenn hochrangige Vertreter der CIA und der US-Marine sagen, dass es 1982 in schwedischen Gewässern bei Muskö eine „Unterwasser-U-2“ gab und dass CIA-Direktor Casey und Admiral Lyons dafür verantwortlich gewesen seien, und wenn Lyons selbst genau dasselbe sagt, dann muss man das ernst nehmen.

Viel Material ist auch in meinen Büchern zu finden: Det svenska ubåtskriget (Der schwedische U-Boot-Krieg, Stockholm: Medströms förlag, 2019, 416 S. und 1,2 Kilo) [5]. Es wurde im Herbst 2019 im schwedischen Armeemuseum und der schwedischen ABF und am 25. Februar 2020 im Norwegischen Institut für Internationale Angelegenheiten (NUPI) vorgestellt: „Das versteckte Spiel der Macht – U-Boote in skandinavischen Gewässern“ [6]. Mein Buch Navigationsexperten (Stockholm: Karneval förlag, 2021) befasst sich mit dem Ereignis von 1981, dem „Whiskey on the Rocks“-Vorfall. Ich habe bereits mehrere Bücher über das U-Boot-Ereignis von 1982 geschrieben, darunter Hårsfjärden (Stockholm: Norstedts förlag, 2001) und The Secret War against Sweden: US and British Submarine Deception in the 1980s (London: Frank Cass; Naval Policy and History Series, 2004), und einen 400-seitigen Bericht für die Universitäten Stockholm und Göteborg, Spelet under ytan: Teknisk bevisning i nationalitetsfrågan för ubåtsoperationen mot Sverige 1982 (Das Spiel unter der Oberfläche: Technische Beweise für die Nationalität der U-Boot-Operation gegen Schweden 1982”; Forschungsprogramm: Schweden im Kalten Krieg, Bericht 16, überarbeitete Ausgabe) [7]; die ARTE-Dokumentation Täuschung: Die Methode Reagan wurde am 5. Mai 2015 ausgestrahlt und behandelt das gleiche Thema. Darin enthalten sind Interviews mit Caseys engem Berater Herb Meyer, mit Marineminister John Lehman, mit Admiral Ace Lyons, mit dem schwedischen Kommodore Karl Andersson, mit Ingemar Engman, dem engen Berater von Verteidigungsminister Sven Andersson, mit dem sowjetischen Führer Michail Gorbatschow und Außenminister Boris Pankin, mit Botschafter Mathias Mossberg, Ola Frithiofson und mit mir selbst. [8]

Quellen:

[1] Free21, Ola Tunander, „Eine Unterwasser-U-2“: Teil 1”, am 17.05.2023, <https://free21.org/eine-unterwasser-u-2-teil-1/>
[2] Free21, Ola Tunander, „Eine Unterwasser-U-2“: Teil 2”, am 05.06.2023,<https://free21.org/eine-unterwasser-u-2-teil-2/>
[3] Ola Tunander, „40 år siden «U-2-episoden under vann»”, 01.10.2022, <https://terjealnes.files.wordpress.com/2022/09/u-2-under-vann-1-oktober-2022.pdf>
[4] siehe [1]
[5] Medströms Bokförlag, „Katalog“, <https://www.medstromsbokforlag.com/portfolio-c17to>
[6] NUPI, „Det skjulte maktspelet – ubåtar i skandinavisk farvatn”, am 25.02.2020, <https://www.nupi.no/arrangementer/2020/det-skjulte-maktspillet-ubaater-i-skandinavisk-farvann>
[7] PRIO, Ola Tunander, „Spelet under ytan: Teknisk bevisning i nationalitetsfrågan för ubåtsoperationen mot Sverige 1982“, 2009, <https://files.prio.org/files/projects/Spelet under ytan/Spelet-under-ytan.pdf>
[8] Youtube, Arte, Dirk Pohlmann, „Täuschung – Die Methode Reagan“, <https://www.youtube.com/watch?v=rc0jThe2F4Q>