03/2018

Kriegsverbrecher auf freiem Fuß

Goodbye US-Dollar?

Wollen wir den totalen Krieg? Ich denke nicht. Wir wollen Frieden und Zusammenarbeit, Gemeinsamkeit und Entwicklungsmöglichkeiten – genau das, was wir 1992 mit der Wiedervereinigung und der Auflösung der Sowjetunion in Aussicht hatten. US-Präsident Trump will es heute offensichtlich anders. Er will mit niemandem mehr reden und lehnt jede Vereinbarung in Richtung Dialoge und Entspannung ab. Sein Vorgänger, Präsident Obama, ging schon diesen Weg, indem er beschloss, die amerikanischen Atomwaffen in Europa zu erneuern, was die Wahrscheinlichkeit eines Einsatzes von Atomwaffen im Falle eines Krieges gegen Russland vervielfacht.

In Washington sind die Neokonservativen seit Jahrzehnten intensiv damit beschäftigt, jeder Zusammenarbeit zwischen Europa und Russland/China Steine in den Weg zu legen. Jetzt reagieren aber auch die Europäer. Als Gegenmaßnahme zur US-Absage vom Atomabkommen mit dem Iran Anfang Mai haben jetzt Frankreich, Deutschland, Großbritannien und der Iran ein Programm zur Unterstützung und Festigung der Wirtschaftsbeziehungen vereinbart –  und dabei werden wir dann iranisches Öl in Euro bezahlen. Wieso denn auch nicht?

Präsident Trump hat den geplanten Besuch in Nordkorea abgesagt, er will mit Kim Jong-un nicht reden, obwohl dieser neulich das Atomtestgelände seines Landes in einer Geste des Friedens zerstört hat. Nord- und Südkorea haben sich aber geeinigt, gemeinsam in die Olympiade zu gehen, als ein Volk, ein Land. Nicht einmal Südkorea sieht Nordkorea als Feind – das Feindbild ist „made in USA”.

Seit Ende des 2. Weltkrieges leben wir unter einer Herrschaft des US-Dollars, die den Westen kontrolliert. In 1947 haben die westlichen Länder sich entschieden, die „sicherste Währung der Welt“ zur Leitwährung für internationale Geschäfte zu machen. Dies war die Grundlage für den kolossalen Wiederaufbau Europas im Rahmen des Marshall-Hilfe-Programms. Die Hilfe hatte aber ihren Preis: Eine politische und wirtschaftliche Abhängigkeit vom Geldgeber USA. Der US-Dollar wurde dadurch in der Tat zur globalen Währung – und die Menge der US-Dollar wird schon seit 1913 von der im Privatbesitz befindlichen amerikanischen Notenbank bestimmt, dem Federal Reserve  System (FED). Tatsächlich verdient die Groß-Finanz und die Wall-Street-Milliardäre als Aktionäre in dem FED aus der Geldschöpfung der USA.

Im Jahr 2005 hat China die Dollar-Kopplung aufgehoben. Seither werden innerhalb der BRICS-Staaten bilaterale Geschäfte ganz ohne Dollar getätigt. Diese sind nun aber keine Länder, in die man einfach so einmarschiert und ein neues Regime einsetzt – so gern das die USA getan hätten. Stattdessen versucht man es hier mit Sanktionen. Doch diese schaden nicht nur die genannten Länder, sie behindern auch die Zusammenarbeit mit Europa. Tausende von europäischen Unternehmen leiden unter den Sanktionen, die die USA gegen China, Russland, Syrien und Iran verhängt haben, fast alle bestehenden Beziehungen sind beendet worden, jeder aufgeblühte Handel wurde damit zum Erliegen gebracht.

Dass der Westen sich der USA so offenbar unterwirft, liegt nicht nur am irrsinnigen Geldsystem, welches, wie viele in der Finanzwelt befürchten, vor seinem Ende steht. Doch die Ankündigung der EU-Länder, die Sanktionen gegen den Iran zu umgehen und zur Euro-Zahlung zu wechseln, hat einen enormen Symbolwert. Damit wird gesagt: Genug ist genug! Auch wir wollen Handelsbeziehungen und Zusammenarbeit lieber als weitere Kriege. Die Zukunft liegt im globalen Austausch, die Politik der geschlossenen Türen dient eh nur den Kriegsmachern. In diesem Sinne: Power to the Paper!

Tommy Hansen, Chefredakteur

Inhalt der Ausgabe

  • Kriegsverbrecher auf freiem Fuß

    Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass Demokratien keine Angriffskriege beginnen und keine Terroranschläge ausführen. Die historischen Fakten für die Zeit von 1945 bis heute zeigen eine ganz andere Realität: Immer wieder haben sich demokratische Staaten aus Europa und Nordamerika in den vergangenen 70 Jahren an Angriffskriegen und Terroranschlägen beteiligt. Es […] Weiter lesen

  • Der Fall „Blutige Gina“

    Die Karriere von Gina Haspel taugt wohl nicht für einen typischen Hollywood-Blockbuster. Afrikanische und asiatische Folterknechte kriegen dort von einem aufrechten amerikanischen Helden eine 9mm-Kugel zwischen die Augen verpasst. Und wenn es keine Blockbuster, sondern zivilisiertere „Arthouse-Filme“ sind, landen die Bösewichte vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag und müssen sich […] Weiter lesen

  • Falsche Flaggen – Von Anthrax bis Novichok

    Es handelt sich um die geleakten Papiere, mit denen die britische Regierung die europäischen Nationen erfolgreich überzeugte, sich an der Ausweisung russischer Diplomaten zu beteiligen. Beweise werden auf den fünf Seiten des Briefings keine benannt – außer dass das Gift sehr wahrscheinlich von einem Typ sei, der in der Sowjetunion entwickelt […] Weiter lesen

  • Die „einfache Welt“ der Leitmedien

    Isabell Hülsen ist eine nüchterne Analytikerin. Seit über zehn Jahren arbeitet sie im Wirtschaftsressort des SPIEGEL und schreibt dort vor allem zu Medienthemen. Gern interviewt sie die Größen der Branche, von Claus Kleber bis zur Chefredaktion der New York Times. Sie kennt sich aus unter den Alpha-Journalisten des Westens, teilt deren […] Weiter lesen

  • Es geht um Asien, verdammt!

    600 Millionen Menschen! 600 Millionen Menschen hat der lange chinesische Wirtschaftsaufschwung aus extremer Armut emporgehoben. Ein gigantischer Binnenmarkt ist dadurch entstanden. Gleichzeitig exportiert und investiert China in alle Welt.   Vor wenigen Jahrzehnten, nach dem „Jahrhundert der Demütigung“ durch den Kolonialismus, war dieses China ein agrarisch strukturiertes Dritte-Welt-Land ohne nennenswerte Industrie. […] Weiter lesen

  • Es geht um die Weltinsel

    In der aktuellen Ausgabe der Kulturzeitschrift „Lettre International“ [2]  ist dieser Vortrag jetzt zum ersten Mal auf Deutsch erschienen, wofür man sehr dankbar sein muss. Denn es handelt sich zum einen um einen klassischen Schlüsseltext der Geopolitik und zum anderen ist Mackinders „Heartland“-Theorie nach wie vor von erstaunlicher aktueller Bedeutung. Wer […] Weiter lesen

  • Der neue Feind

    Während sich zwischen Nord- und Südkorea die Wogen glätten und ein Friedensabkommen in greifbare Nähe rückt, stehen die Zeichen beim Iran auf Eskalation. Trump hat das Atom-Abkommen aufgekündigt und erneut Sanktionen gegen den Iran angekündigt. Patrick Cockburn mit einer Gegenüberstellung.   Als Journalist waren mir schon immer jene Reportagen über Treffen […] Weiter lesen

  • Die Houthis und das Haus Saud

    Das Elend im Jemen übersteigt jede Vorstellungskraft. Angesichts von 10.000 Toten, 50.000 Verletzten und über 3 Millionen Menschen auf der Flucht, von Choleraepidemie und Hungersnot spricht die UN von der „größten humanitären Katastrophe der Welt“ und doch könnte der Krieg kaum abwesender sein.   Seit März 2015 bombardiert eine von Saudi-Arabien […] Weiter lesen

  • Lasst uns Syrien aufteilen!

    Unter dem Titel „Washington an seine Verbündeten: Lasst uns Syrien aufteilen“ [1] erschien am 22. Februar 2018 ein Artikel in der libanesischen Tageszeitung Al Akhbar. Der Text der Kollegen Mohammad Ballout und Walid Scharara basiert auf einem Protokoll, das sie erhalten hatten, und in dem ein Treffen in Washington am 11. […] Weiter lesen

  • Die geplante Zerschlagung Syriens

    Die libanesische Tageszeitung Al Akhbar hat am 22. Februar 2018 einen ausführlichen Artikel über die US-amerikanischen Pläne für Syrien veröffentlicht. Der Originaltext mit dem Titel „Washington an seine Verbündeten: Lasst uns Syrien aufteilen“ stammt von den Journalisten Mohammad Ballout und Walid Scharara. Der Text basiert auf einem diplomatischen Protokoll, das Al […] Weiter lesen

  • Die Logik imperialer Kriege

    Aufgrund ihrer ökonomischen und militärischen Vormachtstellung nehmen die USA seit dem Zweiten Weltkrieg und insbesondere seit 1990 die Rolle eines modernen Imperiums ein. Hieraus ergibt sich für ihre Außenpolitik eine eigene, genuin imperiale Handlungslogik (siehe obige Abbildung).   Die zentrale Unterscheidung (Nr. 1) aus Sicht eines Imperiums ist dabei jene in […] Weiter lesen

  • Geplanter Flächenbrand

    Die vergangene Woche [die 2. Maiwoche, Anm. d. Red.] im Mittleren Osten hat gezeigt, wie Entscheidungen in Washington die Lage in der Region gefährlich eskalieren lassen. Krieg gibt es ohnehin genug: in Syrien, im Irak, im Jemen und täglich sterben Palästinenser durch die Gewalt der israelischen Besatzungsmacht. Dass im Libanon am […] Weiter lesen

  • China dominiert die Welt

    Ist die Annäherung Nordkoreas und Südkoreas ein diplomatischer Coup Donald Trumps? Zeigt sich hier die Macht der USA? Nein. Hier zeigt sich lediglich das totale Unverständnis westlicher Beobachter für das Kräfteverhältnis zwischen China und den USA.   Stattdessen ist das Wesen der Entwicklung eine Annäherung Südkoreas an China, eine Befreiung Südkoreas […] Weiter lesen

  • Rechtsstaat am Ende

    Erstes Beispiel: Die Gründung der Bundesrepublik Deutschland unter der Aufsicht der Vereinigten Staaten von Nordamerika   Von ihrer Gründung an im Jahr 1949 stand die westdeutsche Bundesrepublik bis zum Jahr 1955 unter der Aufsicht der US-amerikanischen Hochkommissare John Jay McCloy und James Conant. John McCloy hatte nach eigener Aussage in seiner […] Weiter lesen

  • Privat: Ein klares Signal an die Finanzelite

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  • Die „linken Intellektuellen“ des Imperiums fordern Regime-Change

    In Nordamerika und in Westeuropa ist ein auf Täuschung beruhender sozialer Aktivismus entstanden, der vom Konzern-Establishment gefördert und kontrolliert wird. Dieser manipulierte Prozess hat die Bildung einer neuen Massenbewegung gegen den Krieg, gegen Rassismus und gegen soziale Ungerechtigkeit unmöglich gemacht. Dass die Antikriegsbewegung tot ist, zeigt sich auch daran, dass Leute, […] Weiter lesen

  • Privat: Assad, der Dieb

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  • Privat: Zur Kündigung des iranischen Atomabkommens

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  • Facebook wird zum Nato-Organ

    Nur noch neutrale Informationen über die segensreichen Wirkungen der weltweiten Friedenseinsätze der Natotruppen und über die Gräueltaten der Regime, die aus humanitären Gründen beseitigt werden müssen, sollen uns erreichen.   Katie Harbath, Direktorin für Globale Politik und Regierungen von Facebook, sagte dazu laut einer Pressemitteilung des Atlantic Council: “Diese Partnerschaft wird […] Weiter lesen