06/2016

Magazin

Die Männer hinter Trump

Evan Guest, flickr.com, CC BY2.0

Nur ein Präsident

Nach fast eineinhalb Jahren intensiver medialer Berichterstattung über die Wahl in den USA hat die Spannung jetzt ein Ende gefunden. Auf einmal sieht alles scheinbar ganz anders aus als vorher. Auf einmal werden die Ergebnisse und ihre Bedeutung für unsere gemeinsame Zukunft analysiert und diskutiert. Politiker und Kommentatoren aus der ganzen Welt äußern ihre Meinung dazu. Sie agieren genau wie nach der Wahl 2008, bei der Barack Obama dank „Yes we can“ und seinen charismatischen Reden fast die ganze Welt überzeugt hatte, das neue Zeitalter stehe vor der Tür.

Genau die Realität der Jahre danach hat es aber deutlich gezeigt: Das angekündigte „Change“ war nur der Wechsel des Namens – nicht mehr. Es sind immer noch Großfinanz und Neokonservative, die in Washington die Macht in den Händen halten. Sie verdienen an den Leiden der Welt und haben nicht vor, diese großartige Geschäftsgrundlage aufzugeben.

Die amerikanischen Wähler haben es satt. Diesmal hatten sie die Wahl zwischen Trump und Clinton, die beide nur knapp 26% der abgegebenen Stimmen erhielten. Mehr als 46% der registrierten Wähler haben keinen von beiden gewollt und haben gar nicht gestimmt. Hinzu kommt, dass Millionen Bürger der USA nicht einmal als Wähler registriert sind. Eine erhebliche Mehrheit der US-Bevölkerung hat die Wahl also abgelehnt, wir diskutieren aber lustig weiter über die Rolle dieses „neuen Amerikas“.

Vor seiner Wahl wollte Barack Obama das gesetzes- und menschenrechtswidrige Torturlager in Guantanamo schließen. Es ist immer noch nicht geschlossen. Er wollte für Frieden sorgen, hat aber ununterbrochen Kriege und Geheimoperationen durchgeführt, um die geopolitischen Ziele der Neokonservativen in den USA zu verteidigen. Vor der Wahl wollte Trump Hillary Clinton noch vor Gericht stellen; bereits jetzt hat er angekündigt die Untersuchung der E-Mail-Affäre beenden zu wollen. Vor der Wahl wollte Trump den Fall 9/11 wieder eröffnen, bereits jetzt tauchen erste Namen uralter neokonservativer Kreise in seiner Umgebung auf.

Trump hat sich in einem Gespräch in seinem New Yorker Wolkenkratzer von Henry Kissinger beraten lassen. Dabei haben sie über China, Russland, Iran, Europa und „weiteres Geschehen in der Welt“ gesprochen – wie Kissinger das bereits seit Jahrzehnten mit jedem Präsidenten tut. Trump wird wie Obama zur Geisel des „Krieges gegen den Terror“ gemacht. Er wird gar keine Zeit für grundlegende Veränderungen haben, der Ball ist schon auf dem Spielfeld. Krieg ist die Grundlage des jetzigen Wohlstandes und des Wachstums in den USA. Fast die ganze Nation ist von den Kriegen abhängig, fast zwei Drittel der gesamten jährlichen Ermessensausgaben verschwinden bereits im „Verteidigungsbudget“ der USA – zusätzlich zu dem enormen Betrag, der bereits im festen Staatshaushalt dafür vorgesehen ist. Der „Krieg gegen den Terror“ unterscheidet sich von allen bisherigen Kriegen der USA dadurch, dass er nie enden wird. Er ist eine Geldmaschine und gleichzeitig der Weg der USA, ihre geopolitischen Ziele durchzusetzen. Dagegen kann ein Präsident nichts tun, er kann nur das bestehende System vertreten, unabhängig davon, was er vor der Wahl gesagt hat. Das haben die amerikanischen Wähler in den letzten Jahren mehr und mehr verstanden, das Vertrauen ins politische System wird immer geringer. Der Gewinner der Wahl nach Mehrheiten ist „Mr. Keine-Stimme“. Die Person, die jetzt für die Präsidentenrolle für die nächsten vier Jahren ausgewählt wurde, wird kaum Neues bringen. „Wenigstens ist er nicht Bush“, sagten die US-Amerikaner über Präsident Obama, als der Glanz bereits verlosch, da es sich in den ersten Jahren abzeichnete, dass wohl kaum ein Wahlversprechen erfüllt wird. Wenigstens ist Donald Trump nicht Hillary Clinton. Und noch wichtiger: Er ist nur ein Präsident …

Tommy Hansen, Chefredakteur free21.org

Inhalt der Ausgabe

  • Die Männer hinter Donald Trump

    Der Aufstieg der extremen Rechten in den USA vollzieht sich schon seit einigen Jahren spiegelbildlich zum sozialen Niedergang großer Teile der Bevölkerung. Sichtbar wurde das spätestens durch den furiosen Erfolg der Tea-Party-Bewegung ab 2009, deren populäre Anführerin Sarah Palin in den deutschen Medien vor einigen Jahren ganz ähnlich verlacht und karikiert […] Weiter lesen

  • Lügenpresse und Medienkrise

    Statistische Erhebungen belegen, dass die Unzufriedenheit mit den Medien heute nicht signifikant größer ist als vor zehn bis fünfzehn Jahren [1]. Und doch ist die Qualität dieser Unzufriedenheit heute offensichtlich eine andere. Warum sonst berichten Journalisten von zunehmender Wut und Ablehnung, mit der sie von Seiten des potentiellen oder tatsächlichen Publikums […] Weiter lesen

  • Auf der Suche nach dem Sündenbock

    Der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Russland und China entwickelt sich an zwei Fronten: Einerseits sucht Washington einen möglichen Sündenbock, dem es die Verantwortung für den Krieg gegen Syrien zuschieben kann, andererseits versucht Moskau, das die syrischen und die jemenitischen Vorgänge bereits miteinander verknüpft hat, sie mit der ukrainischen Problematik […] Weiter lesen

  • Mit Hurra in den Dritten Weltkrieg

    Der US-Kriegsminister Ash Carter verkündete, dass eine „kampfbereite Task-Force“ in Bataillonsstärke von etwa 900 US-Soldaten in den Osten von Polen geschickt würde, sowie eine weitere, separate mobile Truppe, die mit Panzern und anderem schweren Gerät ausgestattet ist.   Der britische Kriegsminister Michael Fallon sagte, dass Großbritannien ab Mai ein 800-köpfiges Bataillon […] Weiter lesen

  • Journalismus als PR-Waffe der Industrie

    Zum Thema eines zweiten „Stummen Frühlings“ hatten die NachDenkSeiten bereits vor einiger Zeit darüber berichtet, wie kritische Forschung, die sich dem Gemeinwohl verpflichtet sieht, immer stärker unter Beschuss gerät. Im Interview mit Jens Wernicke berichtet die österreichische Journalistin Tina Goebel nun von ähnlichen Entwicklungen im Bereich der Mobilfunkindustrie, die seit Jahren […] Weiter lesen

  • Reise in ein bestraftes Land

    Schon im Frühjahr diesen Jahres − 2016 − haben mein Mann und ich beschlossen, nach Russland und von dort auf die Krim zu reisen. Angesichts der einseitigen Berichterstattung über Russland hielten wir es für einen Akt zur Rettung des gesunden Menschenverstandes, selbst in dieses Land zu fahren und uns ein eigenes […] Weiter lesen

  • Die Reaktionen der deutschen Medien auf Trumps Wahlsieg

    Erschreckend ist, dass keiner der Leitartikler zwischen Symptomen und Ursache zu unterscheiden weiß und die offensichtliche Frage stellt, warum die Amerikaner sich vom Establishment abgewendet haben.   Die Ahnungslosen und die Arroganten Beginnen wir mit einem Highlight von Roland Nelles, der ja auch schon gegen Sanders gehetzt hat. Hätten die Demokraten […] Weiter lesen

  • Das Strahlungskartell

    Jens Wernicke: Herr Adlkofer, Sie sind einer der renommiertesten Kritiker der inzwischen gigantischen Mobilfunkindustrie, die, schenkt man den Darstellungen des Films „Das Strahlungskartell“ glauben, alles dafür tut, um „geschäftsschädigende Kritik“ an ihrem Wirken zu unterdrücken und mundtot zu machen. Worüber sprechen wir hier? Was ist das Problem an Mobilfunk sowie am „Strahlungskartell“? […] Weiter lesen

  • Trojanische Pferde des Kreml

    Der Atlantic Council zeichnet sich durch die Zusammenarbeit von Wirtschaftsführern global agierender Großunternehmen, ehemaligen Regierungschefs und Spitzenbeamten (auch aus dem militärischen Bereich) aus. Jede Menge hochrangiger Regierungsmitglieder und Regierungsberater in Washington rekrutierten sich aus seinen Reihen. Es gibt enge Verbindungen zu anderen transatlantischen Vereinigungen, wie dem von George Soros ins Leben […] Weiter lesen

  • Wie die US-Propaganda im Syrienkrieg funktioniert

    Die Manipulation der öffentlichen Wahrnehmung hat mit dem Aufstieg mächtiger sozialer Medien neue Höhen erreicht. Facebook, Twitter und Google sind Multimilliarden-Dollar-Konzerngiganten, die die öffentliche Meinung gewaltig beeinflussen. Die Kampagnen in den Sozialen Medien beinhalten das „Anfeuern“ von Facebook-Posts, die bezahlte Förderung von Tweets und einseitige Resultate in Suchmaschinen.Marketing- und Werbefirmen benutzen […] Weiter lesen

  • Die „Fake News“-Hysterie und der neue „vormundschaftliche Staat“

    Eine wissenschaftliche Studie habe diese russische Propaganda-Kampagne nun belegt – so berichtete es jedenfalls die Washington Post. Und viele, sehr viele Journalisten übernahmen diese Darstellung. Der stellvertretende ZDF-Chefredakteur Elmar Theveßen verbreitete den Text auf Twitter. Das Problem dabei: Der Artikel und die ihm zugrunde liegende Studie sind so unsauber und fragwürdig, […] Weiter lesen

  • Wetter als Waffe: Gedankenspiele des US-Militärs

    Von daher ist in letzter Zeit eine Denkschrift der US-Streitkräfte aus dem Jahre 1996 öfter in der Diskussion. Ihr Titel lautet: „Weather as a force Multiplier: Owning the Weather in 2025“. Also in etwa sinngemäß auf Deutsch: „Das Wetter als ein Mittel, Macht zu erweitern – wir kontrollieren im Jahre 2025 […] Weiter lesen