05/2020

Der totale Reset

©Shooft

Geopolitisches Schachbrett

Das Cover dieser Ausgabe ist – mit Absicht – ein wenig rätselhaft, denn Denkstoff zu liefern, gehört zu den Aufgaben von Free21. Wir versuchen, Ihnen Artikel vorzustellen, deren Haltbarkeit nicht nach wenigen Tagen oder Wochen abgelaufen ist.

„The Grand Chessboard“ heißt das Buch des US-Strategen Zbigniew Brzeziński, die wörtliche Übersetzung lautet „Das grandiose Schachbrett – Amerikanische Vorherrschaft und ihre geostrategischen Gebote “. Brzeziński war die graue Eminenz der Außenpolitik der USA, seit seiner Amtszeit als nationaler Sicherheitsberater von Präsident Jimmy Carter, aber auch unter Ronald Reagan, George Bush Sr., Bill Clinton, George W. Bush und Barack Obama. Dass er die Rolle als US-Geopolitiker unter all diesen Präsidenten einnehmen konnte, belegt gleich mehrere Thesen:

Erstens, dass es die Außenpolitik steuernde übergreifende US-Interessen gibt, angesichts derer die politischen Gegner nur um die wirksamsten Maßnahmen streiten. Zweitens, dass das Ziel dieser Maßnahmen die globale Dominanz der USA als einzige Weltmacht ist. Drittens, dass diese wichtigste der wesentlichen Tatsachen in der deutschen Berichterstattung über Außenpolitik so gut wie nicht vorkommt.

Genauso wenig, wie wir über die Theorien von Halford Mackinder, Alfred Thayer Mahan oder Nicholas Spykman wissen, die in der Titelgeschichte von Pepe Escobar als bekannt vorausgesetzt werden. In Deutschland sind sie es nicht. Obwohl sie Grundlage der außenpolitischen Ideen von Brzeziński und vielen der wichtigsten Neocon-Geopolitiker wie Richard Perle, John Kagan, Edward Luttwak oder Paul Wolfowitz sind. Die ebenfalls in Deutschland eher unbekannt sind. Über das Wichtigste in Sachen Außenpolitik wissen wir am wenigsten. Warum?

In Großbritannien gibt es den Begriff „The Great Game“, damit ist der Konflikt zwischen Russland und Großbritannien um die Vorherrschaft in Zentralasien gemeint. Er begann mit dem Abzug von Napoleons Armee aus Russland 1813 und endete mit der Unabhängigkeit Indiens 1947. Oder auch nicht. Das perfide „Große Spiel“, das politische, militärische und geheimdienstliche „Teile und Herrsche“, das Großbritannien als damals wichtigste Großmacht perfektioniert hat, ist heute angloamerikanisches Elite-Grundwissen.

Großbritannien war viel zu klein und zu bevölkerungsschwach, um Asien zu beherrschen und musste deshalb Konflikte und Kriege zwischen seinen Gegnern schüren. Nur wenn die damit beschäftigt waren, sich gegenseitig zu zerfleischen, konnte England als lachender Dritter obsiegen. Wenn man die Unterstützung der Islamisten in Afghanistan durch die USA, eine Falle Brzezinskis, um die Sowjetunion in einen sowjetischen Vietnamkrieg zu locken, oder die Iran-Contra-Affäre unter diesem Aspekt analysiert, dann wird klar, warum die Nutzung von Terroristen, die gleichzeitige Unterstützung von Iran und Irak durch die USA, sowie die Finanzierung von Waffenlieferungen durch Kokainhandel keine Ausrutscher sind. Sondern, dass Geopolitiker solche Methoden konsequent im „Großen Spiel“ nutzen.

Mittlerweile gibt es den „Pivot to Pacific“, die Verlagerung des Weltschwerpunktes in die pazifische Region, vor allem nach China, womit ein zentraler Begriff Mackinders, nämlich „Pivot“ (Dreh- und Angelpunkt) erneut ins geopolitische Spiel gebracht wird. Es gelten die gleichen Regeln wie immer.

In Deutschland wird in Politik und Medien hingegen der Eindruck verbreitet, dass es in der Außenpolitik um westliche Werte und eine überlegene „Moral“ geht. Weswegen man sich mit dem Abbruch von „Nordstream 2“ gefälligst ins eigene Fleisch schneiden müsse.

Es fehlt an Grundwissen, es fehlt der Überblick. Doch den liefert uns ein Pepe Escobar. Statt sich am Nasenring durch die Manege führen zu lassen, können Sie z.B. Free21 lesen. Und für ihre Bekannten „liegenlassen“. Als „Grund-Immunisierung“ gegen Unwissenheit.

Dirk Pohlmann, Chefredakteur

Inhalt der Ausgabe

  • Von 9/11 bis zum Großen Reset, von Al Qaida bis zum COVID-Virus…

    Der Grundstein des neuen Jahrtausends war der 11. September 2001 – der immer noch so unergründlich ist, wie die Mysterien von Eleusis. Im vergangenen Jahr habe ich in der Asia Times erneut eine Reihe von Fragen aufgeworfen, die immer noch unbeantwortet sind. [1] Eine Überblicksanalyse in Lichtgeschwindigkeit der „Schlingen und Pfeile   […] Weiter lesen

  • Beirut war kein Unfall

    Am 4. August 2020 explodiert im Hafen von Beirut – der Hauptstadt Libanons – etwas. Darunter auch 2750 Tonnen Ammoniumnitrat, mit unvorstellbarer Wucht. Die Explosion riss einen Krater von über 140 Meter Durchmesser und 43 Meter Tiefe. Der Boden bebte, was noch in 240 Kilometer Entfernung in Zypern zu spüren war. […] Weiter lesen

  • Das universelle Grundeinkommen

    Seit Längerem habe ich auf dem Plan, über das Universal Basis Income (UBI), das universelle Grundeinkommen, zu schreiben. Dass ich es jetzt endlich tue, hat seinen Anlass darin, dass im Sudan dieses Konzept nun erstmals umgesetzt wird. Einen ersten Beitrag dazu habe ich schon geschrieben [1]. Eine weitere Spurensuche zu den […] Weiter lesen

  • Die Hiroshima-Vertuschung

    Zu Beginn des Atomzeitalters reiste ein unabhängiger australischer Journalist namens Wilfred Burchett nach Japan, um über die Folgen des Atombombenabwurfs auf Hiroshima zu berichten. Das einzige Problem war, dass General Douglas MacArthur den Süden Japans zum Sperrgebiet erklärt hatte, mit Ausnahme der Presse. Bei den Atombombenangriffen auf Hiroshima und Nagasaki starben […] Weiter lesen

  • Angst machen mir die Ja-Sager und Mitläufer

    Ich kann die ganzen Meldungen zu Corona langsam nicht mehr hören. Von Tag zu Tag nimmt die Debatte groteskere Züge an und von Tag zu Tag werden die Gräben zwischen den Lagern tiefer. In Leitartikeln[1] und Kommentaren in den sozialen Netzwerken wird bereits den „strengen Regeln des Lockdowns“ nachgetrauert. Viele Mitmenschen […] Weiter lesen

  • Mutigmacher e.V.

    Denn immer häufiger hört man von Menschen, die massiv diffamiert werden oder ihren Job verlieren, weil sie sich öffentlich kritisch über Corona äußern. Menschen wie Uti Dawson, die sich öffentlich über Facebook zur aktuellen Corona-Krise geäußert hat, insbesondere zur Maskenpflicht für Kinder in der Schule. Sie zeigte sich solidarisch mit demonstrierenden […] Weiter lesen

  • The New Normals: Gleichschaltung

    Keine freundlichen Worte und geradezu ketzerisch in Zeiten, wo die Kirche der Angst von allen medialen Kanzeln den unbedingten Pandemismus predigt und keinen Zweifel oder gar Widerspruch duldet. Diese „New Normal Gleichschaltung“ [2] hat Hopkins am Beispiel des jüngsten „Reichtagssturms“ aufgezeigt, auf dessen plumpe Inszenierung ich hier [3] ja schon hingewiesen […] Weiter lesen

  • Nawalny und Nordstream 2

    Ein Vorschlag, der bisher nicht die Unterstützung der Mehrheit der Bevölkerung findet. 55% der Deutschen sind gegen eine Beendigung von Nordstream 2.[1] Nur die Wähler der Grünen sind mehrheitlich der Ansicht der Spitzenpolitiker dieser Partei. Fraktionschefin Katrin Göring-Eckhart war die erste Bundestagspolitikerin, die forderte, Nordstream 2 zu stoppen, andere Grüne wie […] Weiter lesen