Die amerikanischen „Freunde“:

Eine Spionage-Operation gegen Julian Assange

Von Published On: 26. März 2021Kategorien: Medien & Technik
Eine exklusive Untersuchung von The Grayzone enthüllt weitere Einzelheiten über die entscheidende Rolle, die Sheldon Adelsons «Las Vegas Sands» bei einer offenkundigen Spionageoperation der CIA gegenüber Julian Assange gespielt hat und legt offen, wie das Sicherheitspersonal bei Sands die hinterhältige Kampagne koordinierte.

Dieser Text wurde zuerst am 14.05.2020 auf www.thegrayzone.com unter der URL <https://thegrayzone.com/2020/05/14/american-sheldon-adelsons-us-spy-julian-assa> veröffentlicht. Lizenz: Max Blumenthal TheGrayzone.com, CC BY-NC-ND 4.0

Julian Paul Assange (* 3. Juli 1971 in Townsville, Queensland) ist ein australischer investigativer Journalist, Politaktivist, Programmierer und Gründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks. Foto: Pixabay/Flickr/cbcindustries, thierry ehrmann Lizenz: Pixabay License, CC BY 2.0

„Ich war der Direktor des CIA. Wir haben gelogen, wir haben betrogen, wir haben gestohlen.“

Mike Pompeo [1], College Station, Texas, 15. April 2019

Als Mitbegründer einer kleinen Sicherheitsberatungsfirma namens UC Global hat sich David Morales jahrelang in den unteren Rängen der privaten Söldnertruppen abgerackert. Der ehemalige Offizier einer spanischen Spezialeinheit sehnte sich danach, wie Erik Prince zu werden, der Gründer von Blackwater, der dank seiner privaten Söldnertruppe weltweit hochrangige politische Verbindungen knüpfen konnte. Bis 2016 hatte er jedoch nur einen einzigen bedeutenden Auftrag erhalten: er sollte die Kinder des damaligen ecuadorianischen Präsidenten Rafael Correa und die ecuadorianische Botschaft in Großbritannien bewachen.

Der Vertrag mit der Londoner Botschaft sollte sich für Morales als besonders wertvoll erweisen. Auf dem Anwesen der Botschaft bewachten seine Männer den Wikileaks-Gründer, Julian Assange, Zielperson der US-Regierung, der seit 2012, als Correa ihm Asyl gewährte, dort lebte [2]. Morales erkannte schnell, dass sich ihm eine Gelegenheit bot, zu den ganz Großen aufzusteigen.

2016 eilte Morales alleine zu einer Sicherheitsmesse in Las Vegas, wo er hoffte, als „Hüter“ von Assange lukrative neue Jobs aufzutreiben. Einige Tage später kehrte er mit spannenden Neuigkeiten nach Jerez de Frontera, dem Hauptsitz seines Unternehmens in Spanien, zurück.

Julian Assange spricht am 19.08.2012 auf dem Balkon der ecuadorianischen Botschaft in London. Foto: Wikimedia / wl dreamer, Lizenz: CC BY-SA 3.0

„Ab jetzt spielen wir in der ersten Liga“, verkündete Morales seinen Mitarbeitern. Als ein Miteigentümer von UC Global fragte, was er denn meine, antwortete Morales, dass er „zur dunklen Seite“ übergegangen sei – und meinte damit scheinbar die Geheimdienste der USA. „Die Amerikaner werden für uns überall auf der Welt Aufträge organisieren“, versicherte er seinem Geschäftspartner.

Morales hatte gerade einen Auftrag angenommen, die „Königin Miri“ zu bewachen [3], eine $ 70 Millionen Jacht, die einem prominenten Casino-Tycoon gehörte, dem ultra-zionistischen Milliardär und Mega-Sponsor der republikanischen Partei, Sheldon Adelson. Da Adelson und seine Familie permanent schon von einem beachtlichen Sicherheitsteam überbewacht wurden, war der Vertrag zwischen UC Global und Adelsons‘ Las Vegas Sands offensichtlich ein Deckmantel für eine verschlagene Spionageaktion, scheinbar unter der Leitung der CIA.

Morales, der spanische Sicherheitsberater, der den Auftrag bekam, hatte Pech: Die Sache wurde bekannt.

Nach der Inhaftierung Assanges haben mehrere verdrossene ehemalige Angestellte das Rechtsteam von Assange kontaktiert, um über ihr Fehlverhalten und die wohl illegalen Aktivitäten bei UC Global zu informieren. Ein früherer Geschäftspartner teilte dem Team mit, dass sie sich dazu entschlossen hatten, nachdem ihnen klar geworden war, dass „David Morales sich dafür entschieden hatte, alle Informationen an den Feind, die USA, zu verkaufen“. Ein Strafantrag wurde bei einem spanischen Gericht eingereicht und Morales’ Verhaftung wurde insgeheim vom Richter vorbereitet.

Im Oktober 2019 verklagte ein spanisches Obergericht Morales dafür, die Privatsphäre von Assange und sein Recht auf Vertraulichkeit in seinen Verhandlungen mit seinen Anwälten verletzt zu haben. Die Klage lautete ferner auf Geldwäsche und Bestechung. Durch die Offenlegung der Dokumente vor Gericht, vor allem Backups von Firmencomputern, wurden die beunruhigenden Aktivitäten Morales auf der „dunklen Seite“ offengelegt.

In den Akten von UC Global, welche diverse Medien, darunter The Grayzone erhielten, finden sich detaillierte Einzelheiten über eine ausgeklügelte und offensichtlich illegale Überwachungskampagne der USA, bei der die Sicherheitsfirma Assange, sein juristisches Team, seine amerikanischen Freunde, US-Journalisten und ein amerikanisches Kongressmitglied, das angeblich von Präsident Donald Trump in die ecuadorianische Botschaft entsandt worden war, ausspionierte. Sogar die ecuadorianischen Diplomaten, zu deren Schutz UC Global angeheuert worden war, wurden vom Spionagering ins Visier genommen.

Bei den noch laufenden Ermittlungen wurden verdeckte, sogenannt „schwarze“ Einsätze detailliert untersucht, die vom Abhören der privaten Gespräche des Wikileaks-Gründers bis hin zum Herausfischen einer Windel aus einem Mülleimer der Botschaft reichten, um festzustellen, ob die darin enthaltenen Fäkalien tatsächlich von seinem Sohn waren. [4]

Laut Zeugenaussagen, die The Grayzone vorliegen, wurde in das Büro des leitenden Anwalts von Assange eingebrochen, nur wenige Wochen nachdem Morales vorgeschlagen hatte, dies zu tun. Die Zeugen sprachen auch von einem detaillierten Plan, Assange zu entführen oder zu vergiften. Bei einer Polizeirazzia in Morales’ Heim wurden zwei Handfeuerwaffen mit abgefeilten Seriennummern und stapelweise Bargeld mitgenommen. [5]

Eine der Untersuchung nahestehende Quelle berichtete The Grayzone, dass ein ecuadorianischer Beamter mit vorgehaltener Waffe ausgeraubt wurde, als er vertrauliche Informationen über einen Plan zur Sicherung der diplomatischen Immunität von Assange bei sich trug.

Während der gesamten Dauer der verdeckten Kampagne scheint der US-Geheimdienst über Adelsons Las Vegas Sands gearbeitet zu haben, ein Unternehmen, welches einige Jahre zuvor angeblich als Fassade für eine CIA-Erpressungsaktion gedient hatte. Der Einsatz startete offiziell, als Donald Trump, der von Adelson sorgfältig ausgewählte Präsidentschaftskandidat, im Januar 2017 das Weiße Haus betrat. In ihrer Berichterstattung über die mutmaßliche Beziehung zwischen der CIA, UC Global und Adelsons Sands schrieb die New York Times, es sei „unklar, ob es die Amerikaner waren, die hinter der Abhörung der Botschaft steckten“.

Obwohl er in Firmen-E-Mails den Auftrag für einen „amerikanischen Kunden“ umriss, bestand Morales vor einem spanischen Richter darauf, dass die von ihm in der Botschaft durchgeführten Spionagetätigkeiten ausschließlich im Namen der ecuadorianischen SENAIN-Sicherheitsdienste durchgeführt wurden [6]. Gegenüber CNN Español behauptete er sogar , er habe lediglich versucht, seine Mitarbeiter zu motivieren, als er sich nach seiner verhängnisvollen Reise nach Las Vegas damit brüstete, „in der ersten Liga zu spielen“. Die Untersuchung wird die Rolle der US-Regierung als Lenker der Spionagekampagne von UC Global weiter aufklären, ein neues Licht auf die offenkundige Beziehung zwischen der CIA und Adelsons Sands werfen und aufdecken, wie UC Global die ecuadorianische Regierung im Auftrag eines Kunden, den Morales als „amerikanische Freund“ bezeichnete, getäuscht hat.

Dank neuer Enthüllungen vor Gericht ist The Grayzone auch dazu in der Lage, die Identitäten der Mitarbeiter von Sands bekannt zu geben, die vermutlich zwischen Morales, Adelsons Firma und dem US-Geheimdienst vermittelten. Gerichtsdokumenten und der Aussagen eines ehemaligen Geschäftspartners und Angestellten von Morales zufolge war es Adelsons oberster Leibwächter, ein israelisch-amerikanischer Mann namens Zohar Lahav, der Morales persönlich rekrutierte und dann die Beziehung zwischen dem spanischen Sicherheitsunternehmer und Sands routinemäßig handhabte. Nach ihrem ersten Treffen in Vegas wurden die beiden Sicherheitsprofis enge Freunde, besuchten sich gegenseitig im Ausland und führten häufig miteinander Gespräche. Während der Spionageaktion arbeitete Lahav direkt für Brian Nagel, dem Direktor für globale Sicherheit bei Las Vegas Sands. Der ehemalige stellvertretende Direktor des amerikanischen Geheimdienstes und Cyber-Sicherheitsexperte Nagel wurde nach erfolgreicher Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungs- und Geheimdiensten auf Bundesebene offiziell von der CIA ausgezeichnet. Bei Sands schien er auf der Ebene der nationalen Sicherheit ein idealer Vermittler zwischen dem Unternehmen und den USA zu sein sowie potenziell eine Orientierungshilfe bei den komplexen Überwachungsaufgaben, die Morales übertragen wurden.

Als der von Adelson favorisierte Kandidat, Donald Trump, ins Oval Office einzog, geriet die CIA unter die Kontrolle von Mike Pompeo, einem weiteren Verbündeten Adelsons, der die Gelegenheit zu genießen schien, im Namen der nationalen Sicherheit, illegale Handlungen – einschließlich der Bespitzelung amerikanischer Bürger – durchzuführen.

Sheldon Gary Adelson war ein US-amerikanischer Unternehmer, der sein Vermögen vor allem in der Immobilienbranche in Las Vegas verdient hat. Er war Besitzer der Las-Vegas-Sands-Gruppe. Foto: Wikipedia / Matty Stern / U.S. Embassy Jerusalem. Lizenz: creativecommons.org/licenses/by/2.0/legalcode

Die erste öffentliche Ansprache Pompeos als Direktor der CIA fand am 13. April 2017 vor den Mitgliedern des Think-Tanks im Zentrum für strategische und internationale Studien, Washington DC statt und war eine der am meisten von Paranoia und Missgunst geprägten Ansprachen, die ein Leiter der Nachrichtendienste je gehalten hatte. [7]

Der ehemalige Abgeordnete für die Republikaner in Kansas eröffnete seine Rede mit einer längeren Schimpftirade gegen die „Philip Agees dieser Welt“, womit er den CIA Whistleblower meinte, der tausende Geheimdokumente mit erschütternden Einzelheiten über kriminelle, von den USA in der ganzen Welt ausgeführte „Regime Changes“ und Mordanschläge an linksgerichtete Verleger übergab. In einer Anspielung auf gegenwärtige „Seelenverwandte“ Agees meinte Pompeo, „Das einzige, was sie nicht mit Agee gemein haben, ist ein Herausgeber. Heute reichen ein Smartphone und Internetzugang. In der heutigen digitalisierten Welt können sie gestohlene, geheime Dokumente der USA in Sekundenschnelle auf dem ganzen Globus Terroristen, Diktatoren, Hacker und allen anderen, die uns schaden wollen, zugänglich machen“.

Der Chef der CIA machte keinen Hehl daraus, wen er meinte. „Es ist Zeit, Wikileaks als das zu benennen, was es ist: ein nicht-staatlicher, feindseliger Nachrichtendienst, der oft von staatlichen Akteuren wie Russland angestiftet wird“ polterte er vom Podium. Während der nächsten Minuten zog Pompeo über Assange her und beschimpfte ihn als „Narzisst“, „Schwindler“ und „Feigling“. Der rechts-außen Republikaner zitierte sogar Sam Biddle von The Intercept, der Assange kritisiert hatte. [8]

Danach versprach Pompeo eine „längerfristige“ Kampagne gegen Wikileaks. „Wir müssen erkennen, dass wir Assange und seinen Kollegen den Freiraum nicht mehr gestatten können, um Werte der Redefreiheit gegen uns einzusetzen. Ihnen einen Raum zu ermöglichen, worin sie uns mit geplünderten Geheimnissen zermalmen können, ist eine Perversion dessen, wofür unsere große Verfassung steht. Damit ist es jetzt aus“, schwor er. Obwohl Pompeo erkenne, dass „die CIA von Gesetzes wegen in den USA Menschen nicht elektronisch überwachen darf“, schien er schon ein aggressives Programm in Bewegung gesetzt zu haben, um nicht nur Assange auszuspionieren, sondern auch seine amerikanischen Freunde, seine Anwälte und praktisch alle in seiner unmittelbaren Umgebung.

UC Global Spionageaufnahmen des Comedian und Aktivisten Randy Credico zu Besuch bei Julian Assange im November 2017. Foto: The Grayzone, Lizenz: ©thegrayzone

Die Kampagne wurde von UC Global ausgeführt und beinhaltete die Aufnahme von Privatgesprächen von amerikanischen Zielpersonen, Zugang zu ihren Telefonen, das Fotografieren privater Dokumente und sogar die Entwendung ihrer E-Mail Passwörter.

Der offensichtliche Angriff der CIA auf Assange war schon Wochen vorher aktiviert worden, als Wikileaks die Vault 7 Dokumente der CIA veröffentlichte. In nicht allzu langer Zeit würde das Sicherheitsteam Adelsons in Las Vegas damit beginnen, Arbeitsräume für Morales vorzubereiten.

Eine Reise auf die „dunkle Seite“

Am 26. Februar 2017 kündigte Wikileaks die Veröffentlichung einer großen Tranche CIA-Dateien an, worin die Instrumente der Nachrichtendienste für das Hacken und die elektronische Überwachung detailliert dargestellt wurden. Eine dieser Applikationen hieß „Marble“ [9] und ermöglichte es Spionen der Nachrichtendienste, einen Code zu verwenden, der ihre Identität auf von ihnen gehackten Computer, verschleierte. Andere Dateien enthielten Nachweise für Programme, mit denen Hacker in verschlüsselte Apps wie Signal und Telegram eindringen konnten, oder Samsung smart Fernseher zu Abhörgeräten umfunktionieren konnten. Zwei Tage nach der Ankündigung von Wikileaks wurde Morales von Spanien zu einem Hotel in Alexandrien, Virginia, gebracht – nur einen Katzensprung vom Hauptsitz der CIA in Langley entfernt. Obwohl UC Global keine öffentlich bekannten Aufträge von irgend einer Firma in Langley hatte, wird aus gerichtlichen Akten im Besitz von The Grayzone ersichtlich, dass Morales von einer IP-Adresse in Alexandria aus verschlüsselte E-Mails versandt und während der nächsten acht Tage in einem nahe gelegenen Hotel Rechnungen bezahlt hatte.

Von diesem Zeitpunkt an reiste er fast monatlich zwischen Spanien, der Region um Washington DC, New York, Chicago oder Adelsons Zentrale in Las Vegas hin und her. Wenn er in DC war, verschickte er E-Mails von einer statischen IP-Adresse im Grand Hyatt Hotel, nur vier Straßen vom Weißen Haus entfernt.

Die Instagram Posts von Noelia Páez, Morales Frau und Reisepartnerin, zeigen deutlich, wie oft er gereist ist.

Kollegen auf der UC Global Führungsetage fingen an, gegenüber Morales und seinen geheimnistuerischen Kontakten in den USA Verdacht zu schöpfen. Gemäß ihren Zeugenaussagen sprach er dauernd von seiner Zusammenarbeit mit den Amerikanern, obwohl UC Global von den Nachrichtendiensten Ecuadors angeheuert worden war, um für Sicherheit in der Londoner Botschaft zu sorgen – nicht dafür, deren Bewohner auszuspionieren.

Es wurde ihnen immer klarer, dass Morales den Kunden in Quito hinterging, um mächtigeren Kräften in Washington zu dienen. „Ich erinnere mich, dass David Morales einen Mitarbeiter der Firma bat, ein sicheres Telefon vorzubereiten, mit gesicherten Applikationen wie ein verschlüsselter Computer, um mit den ‚amerikanischen Freunden‘ zu kommunizieren und seine Beziehungen zu den USA der Reichweite der Firma zu entziehen“, meinte ein ehemaliger Mitarbeiter von UC Global.

Ein ehemaliger Geschäftspartner von UC Global erklärte in seiner Zeugenaussage, „Manchmal, wenn ich darauf drängte, zu wissen, wer seine ‚amerikanischen Freunde’ waren, antwortete David Morales, dass sie Teil der ‚Nachrichtendienste der USA’ waren. Wenn ich aber fragte, mit wem genau er sich traf und wer von ihm Informationen bekam, beendete er das Gespräch und wies darauf hin, dass die Sache außerhalb der Firma war und nur ihm unterlag“.

Der ehemalige Geschäftspartner vermutete, dass Morales über ein Konto, welches von seiner Frau Páez verwaltet wurde, von den US-Nachrichtendiensten Zahlungen erhielt. „Einmal hörte ich ein Gespräch über Zahlungen an ein Konto, welches Herr Morales den anderen Mitarbeitern verschweigen wollte“.

Als dem ehemaligen UC Global Geschäftspartner das Ausmaß des Betrugs klarwurde, verwandelte sich sein Misstrauen in Zorn. „Ich fing an, ihn offen in aggressiven Auseinandersetzungen anzugreifen und wiederholte mehrmals, dass eine Firma wie unsere darauf angewiesen ist, Vertrauen zu schaffen, und dass er der Gegenseite nicht einfach Informationen liefern kann“, erinnerte er sich. Nach mehreren Streitgesprächen dieser Art, sagte er, habe Morales sein Hemd aufgerissen, seine Brust vorgestreckt und gerufen, „Ich bin mit Leib und Seele Söldner!“

Eine Kamera für Ecuador, eine andere für „den amerikanischen Klienten“

Zwei ehemalige UC Global Angestellte sagten, dass Morales im Juni 2017 in der Botschaft ein ausgeklügeltes Spionagesystem einzurichten begann. Diese Aussage wurde von E-Mails, die Morales denjenigen Angestellten schickte, welche die Überwachung beaufsichtigten, erhärtet.

Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Kameras in und im Umfeld der ecuadorianischen Botschaft normale CCTV Geräte. Sie waren einzig dazu da, auf Einbrecher aufmerksam zu machen. Sie machten vor allem keine Tonaufnahmen.

Um die einfachen Sicherheitskameras auf aktiv eindringende Spionageinstrumente umzustellen, schrieb Morales einem Kollegen, „Carlos C. D. (Spion)“, der Inhaber einer Firma für Überwachungsausstattungen namens „Espiamos“ bzw. „Wir spionieren“ war. Er teilte Carlos mit, „unser Kunde“ verlange, dass neue Kameras mit verborgenen Mikrofonen in der Botschaft angebracht würden.

Am 27. des gleichen Monats schrieb Morales der gleichen Person: „Der Kunde möchte das Streaming von den Kameras kontrollieren können, diese Kontrolle wird von zwei Standorten aus eingerichtet werden müssen“. Er verlangte einen alleinstehenden Speicherort, der von „außerhalb des Aufnahmeorts bedient werden kann“. Indem er die Kameras so einrichtete, dass sie von Außen bedient werden konnten und sie mit geheimen Mikrofonen ausstattete, bereitete Morales eine Einrichtung vor, womit die persönlichen Gespräche Assanges mit seinen Freunden und Anwälten mitgesehen und -gehört werden konnten. Er richtete auch einen externen Speicherort ein, so dass die Überwachungskampagne dem ecuadorianischen SENAIN verborgen blieb. Seine Befehle erhielt er von einer Organisation, die er schlicht als „der amerikanische Kunde“ beschrieb. Ungefähr alle 14 Tage schickte Morales einen der Angestellten zur Botschaft, um die DVR Aufnahmen abzuholen und zum Hauptsitz der Firma in Jerez in Spanien zu bringen. Einige wichtige Clips wurden auf einen Server namens „Operation Hotel“ hochgeladen. Später arbeiteten sie mit einem Web-basierten System. Wenn die Datenmenge zu groß war, um hochgeladen zu werden, brachte Morales die DVR persönlich zu seinem „Klienten“ in den USA.

Im Dezember 2017 wurde Morales für eine Sondersitzung mit den „amerikanischen Freunden“ nach Las Vegas Sands beordert. Am 10. des gleichen Monats schickte er von einer statischen IP-Adresse im Venetian Hotel Adelsons eine Reihe von E-Mails an sein Spionage-Team. Darin waren neue Anweisungen enthalten. „Niemand darf von meinen Reisen erfahren, vor allem nicht von denen in die USA“, schrieb Morales seinen Angestellten, „SENAIN hat nämlich davon Wind bekommen“.

Um den Zugang der ecuadorianischen Regierung zu dem in der Botschaft installierten Überwachungssystem noch mehr zu begrenzen, befahl er seinen Arbeitern: „Zu einem Teil des Programms können wir ihnen keinen Zugang geben, damit sie nicht sehen können wer öfter einloggt oder gerade online ist … [aber] alles soll so aussehen, als hätten sie Zugang dazu.“

Morales schickte seinem Team eine PowerPoint Präsentation mit Anleitungen für das neue System. Das Ziel der Anleitungen war, zwei unterschiedliche User-Kategorien zu schaffen: Ein Administrator für den ecuadorianischen Kunden ohne Zugang zum Login, damit sie den zweiten User nicht sehen würden, und ein zweites, geschütztes Login für die Amerikaner, die über alle Merkmale des Überwachungssystems die volle Kontrolle haben sollten. The Grayzone ist im Besitz der Folien, die in perfektem Englisch von einem Muttersprachler verfasst waren, also eindeutig nicht von Morales.

„Offensichtlich hatte David Morales das technische Wissen nicht“, meinte ein ehemaliger UC Global IT-Spezialist, der die Anleitung erhielt, „das Dokument muss von einer anderen Person stammen“. „Da es in englischer Sprache verfasst war, vermute ich, dass es von den Nachrichtendiensten der USA stammt“.

Die PowerPoint Anleitung wurde von jemandem geschrieben, der offensichtlich in Cybersicherheit ein Experte war und in der elektronischen Überwachung und im Hacken Erfahrung hatte. Diese Person zeigte ihre Fachkenntnisse, indem sie alle Metadaten des Dokuments löschte, bis auf den Usernamen „PlayerOne“. Die Präsentation wurde scheinbar in der Anwesenheit Morales weitergegeben, der dann seinen Mitarbeitern mitteilte, „diese Leute haben mir die folgenden Anleitungen auf Englisch gegeben“. Im Umfeld Adelsons gab es mindestens einen Cybersicherheitsexperten, der nachweislich lange mit den amerikanischen Strafverfolgungsbehörden und den Nachrichtendiensten zusammengearbeitet hatte: der langjährige Vizepräsident und Leiter der globalen Sicherheitsdienste bei Las Vegas Sands, Brian Nagel.

Vom höchsten Ermittler gegen Internetkriminalität zum Leiter von Adelsons Sicherheitsdiensten

Während seiner langen Karriere in den amerikanischen Sicherheitsdiensten arbeitete Nagel am Schnittpunkt zwischen den Strafverfolgungsbehörden und den Nachrichtendiensten der USA. In den 1990-er Jahren war Nagel nicht nur an den persönlichen Sicherheitsvorkehrungen für die Präsidenten George H. W. Bush und Bill Clinton beteiligt, er erhielt den Auftrag, wie er 2011 in einem US-Bezirksgericht aussagte, mit zwei ausländischen Sicherheitsdiensten „zusammenzuarbeiten“, nach der Ermordung und der versuchten Ermordung ihrer jeweiligen Staatsoberhäupte. Nagel sagte auch aus, dass er später den Direktor und stellvertretenden Direktor einer Bundesagentur, die er nicht benannte, beschützt hatte. In der gleichen Zeugenaussage sagte Nagel, dass er vom CIA mit dem „Intelligence Community Seal Medallion“ geehrt worden war, einer Auszeichnung, die an nicht-CIA Mitarbeiter verliehen wird, „die einen signifikanten Beitrag geleistet haben“. [10]

Als stellvertretender Direktor der Geheimdienste trat er an der Seite vom damaligen Generalstaatsanwalt der USA, John Ashcroft, an einer Pressekonferenz über den Kampf gegen die Internetkriminalität im November 2003 auf [11] und sagte vor einer Unterkommission des US Heimatschutzes im März 2007 aus. Bis auf diese öffentlichen Auftritte ist Nagel nie vor einer Kamera erschienen.

In der öffentlichen Wahrnehmung wird der US-Geheimdienst mit stämmigen Männern assoziiert, die in dunklen Anzügen und Sonnenbrillen in ihre Ärmel hineinflüstern, während sie Präsidenten beschatten; gleichzeitig ist die Agentur die führende Ermittlungsbehörde des Landes gegen Internetkriminalität.

Im November 2002 berichtete die LA Times über Nagels Rolle in der Erschaffung der Los Angeles Electronic Crimes Task Force, einer riesigen, bundesweiten Institution, die auf einem ganzen Stockwerk eines LA Wolkenkratzers untergebracht war [12]. Ganz der Bekämpfung von elektronischem Verbrechen und Cyber-Terrorismus gewidmet, schloss die Sondereinheit das FBI, lokale Strafverfolgungsbehörden, private Sicherheitsdienste und den amerikanischen Geheimdienst mit ein. Es ging darum, „bestehende Partnerschaften zu vertiefen und neue aufzubauen“, sagte Nagel. Im Oktober 2004 wurde Nagel die Zerschlagung einer bedeutenden internationalen cyber-kriminellen Organisation namens shadowcrew.com [13] (ohne Verbindung zu den Shadow Broker Hacker, die NSA Geheimnisse geleakt haben) zugeschrieben. Laut TechNewsWorld haben die Geheimdienste unter Nagel „Wanzen, einen verdeckten Informanten und ihre eigenen Hacker“ eingesetzt, um Zugang zu den verborgenen Teilen der Shadowcrew Webseite zu bekommen. [14]

Diese Taktiken gleichen auffallend jenen, die 13 Jahre später zur Bespitzelung von Julian Assange eingesetzt wurden. Bevor er sich 2008 aus der Öffentlichkeit zurückzog, half Nagel dem Ministerium für innere Sicherheit (DHS), das Nationale Forensische Institut für Computer aufzubauen. Der damalige Direktor des DHS, Michael Chertoff, gelobte damals, dass das Institut „den Spieß umdrehen würde“, indem die Behörden dazu ermächtigt wurden, „die gleichen Technologien“ wie Hacker und Cyber-Kriminelle einzusetzen. [15]

Zwei Jahre danach, als Wikileaks erstmals veröffentlichte, waren die spezialisierten Sicherheitseinheiten Nagels vermutlich an vorderster Front im Kampf gegen die online Informationsplattform von Assange.

Adelsons israelisch-amerikanischer Leibwächter wird zum spionierenden Mittelsmann

Als Nagel als Direktor für globale Sicherheit zu Las Vegas Sands kam, wurde ihm die Verantwortung für die Sicherung eines internationalen finanziellen und politischen Imperiums übertragen, das sich von den USA über Israel bis nach Macao in der Volksrepublik China erstreckte. Der Vorsitzende von Sands, Sheldon Adelson, besaß ein Vermögen im Wert von rund 30 Milliarden Dollar, das ihn durchwegs in die Top Ten der Forbes-Liste der reichsten Amerikaner platzierte. Adelsons politische Aktivitäten wurden von zwei Faktoren geleitet: seinem Wunsch, seine Glücksspielgeschäfte weltweit auszuweiten, und seinem fanatischen Zionismus. Er setzte sich so sehr für den selbsternannten jüdischen Staat ein, dass er einmal beklagte, als junger Mann in der US-Armee gedient zu haben, anstatt im israelischen Militär [16].

Benjamin Netanjahu ist ein israelischer Politiker (Likud) und Israels Ministerpräsident. Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/ legalcode

Als persönlicher Freund und finanzieller Wohltäter des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu investierte Adelson sein Geld in einen fehlgeschlagenen Versuch, die Wiederwahl von Präsident Barack Obama und die Unterzeichnung des Atomdeals mit dem Iran zu verhindern. Im Jahr 2016 wurde er einer der wichtigsten Geldgeber im Präsidentschaftswahlkampf von Trump und trug dazu bei, die am stärksten pro-Likud-orientierte Regierung in der Geschichte der USA zu kultivieren [17].

Um seinen persönlichen Schutz zu gewährleisten, stellte Adelson eine Gruppe ehemaliger israelischer Soldaten und Geheimdienstmitarbeiter als Leibwächter zusammen. An der Spitze seiner Sicherheitsabteilung stand Zohar Lahav, ein israelischer Staatsbürger, der als Vizepräsident für den Schutz der Exekutive in Las Vegas Sands diente. In den USA eingebürgert, arbeitete Lahav in den 1990er Jahren eine Zeit lang als Verwalter im israelischen Konsulat in Miami. Er war 1996 Gegenstand kleinerer Kontroversen, als die Miami New Times berichtete, dass die Stadt Miami ihn als Ordnunghüter (Sergeant-at-Arms) anheuerte und ihn mit dem Schutz des Bürgermeisters und einer Reihe von undefinierten Aufgaben betraute, darunter auch als persönlicher Helfer [18].

Lahav fand sich 2011 erneut in den Nachrichten wieder, als neun Mitglieder von Adelsons Führungsteam seinen Arbeitgeber in Las Vegas Sands verklagten, weil er sich weigerte, ihnen Überstunden zu bezahlen. Drei der Mitarbeiter änderten die Klage und behaupteten, dass ihnen Beförderungen verweigert wurden, weil sie Afroamerikaner seien. [19]

„Das [Exekutivschutzteam] wurde während seines gesamten 14-jährigen Bestehens von einem Exekutivmanagementteam geleitet und kontrolliert, das ausschließlich aus ehemaligen israelischen Staatsbürgern bestand, die weiße Männer sind“, klagte ihr Anwalt. (Neben Lahav wurde in der Klage Adi Barshishat als Israeli genannt, der bei der Leitung von Adelsons Sicherheitsteam geholfen hat. In seiner Biographie in Linkedin führt Barshishat eine umfassende Überwachung des Trainings durch eine namenlose „israelische Regierungsbehörde“ auf [20]). In ihrer Beschwerde gegen Sands behaupteten die Kläger, Lahav habe routinemäßig rassistische Witze erzählt. Einer von ihnen beschuldigte Lahav, Teammitglieder zum „Transport von Schusswaffen unter Verletzung staatlichen Rechts“ gezwungen zu haben und sie dazu zu bringen, ein nicht registriertes Röntgengerät zu bedienen, das ihre Gesundheit gefährdete [21]. Zwei der Sicherheitskräfte verklagten daraufhin Adelson, weil er sie dazu gebracht habe, „Verletzungen, einschließlich Sterilisation“ zu erleiden, indem er sie gezwungen habe, jedes Stück der Post des Milliardärs zu röntgen [22]. Lahav wurde auch beschuldigt, das Sicherheitspersonal angewiesen zu haben, unter keinen Umständen mit Nagel zu kommunizieren.

Sands übte rasch Vergeltungsmaßnahmen gegen die verärgerten Sicherheitskräfte aus und wies ihnen demütigende Aufgaben im Stil eines Einkaufszentrumspolizisten zu. Als nächstes beschuldigte Adelsons Anwalt den gegnerischen Anwalt des Antisemitismus und behauptete, er habe Lahav mit „beleidigenden Fragen über Rasse, seine Religion“ und Adelsons Familie belästigt [23]. Schließlich drängte Brian Nagel darauf, zu verhindern, dass das Gerichtsverfahren gefilmt wird, und bestand vor einem Bezirksrichter darauf, dass die Fernsehberichterstattung „Material für die virale Nutzung im Internet durch extremistische Hassgruppen und Terroristen“ schaffen würde, das Adelsons persönliche Sicherheit gefährden könnte.

Es handelte sich um die ironische Behauptung eines Sicherheitsmitarbeiters, dessen Firma anscheinend an einer höchst aufdringlichen und möglicherweise illegalen Spionageoperation gegen Assange und zahlreiche Anwälte, Journalisten, Politiker, US-Bürger und ecuadorianische Diplomaten beteiligt war.

Eine CIA-Front auf chinesischem Territorium?

Zum Zeitpunkt der Klage schien Adelsons Firma eng mit dem CIA zusammengearbeitet zu haben. In einem vertraulichen Bericht eines von der Glücksspielindustrie beauftragten Privatdetektivs aus dem Jahr 2010 wurde Adelsons Kasino in Macau als Front für die Operationen der Agentur gegen China identifiziert.

„Eine zuverlässige Quelle hat berichtet, dass Beamte der chinesischen Zentralregierung fest daran glauben, dass Sands CIA/FBI-Agenten erlaubt hat, von seinen Einrichtungen aus zu operieren. Diese Agenten ‚überwachen offenbar Regierungsbeamte auf dem Festland‘, die in den Kasinos spielen“, hieß es darin. Der vertrauliche Bericht, der zuvor vom Guardian im Jahr 2015 ausführlich beschrieben und von The Grayzone im Mai dieses Jahres eingesehen wurde, zitierte Beweise aus offiziellen chinesischen Quellen über „US-Agenten, die von Sands aus operieren, Beamte der Festlandregierung, die am Glücksspiel beteiligt sind, ‚anlocken‘und in die Falle locken, um sie zur Zusammenarbeit mit den Interessen der US-Regierung zu zwingen“. [24] Ein Sprecher von Adelson‘s Sands dementierte den Bericht nicht und bezeichnete ihn als „eine Idee für ein Filmskript“. Nicht lange danach schien eine weitere Zusammenarbeit zwischen Adelson und Langley in Arbeit zu sein, und auch sie enthielt alle Elemente eines Blockbuster-Spionagethrillers „Ich verstehe es so, dass diese Person ihm angeboten hat, mit den amerikanischen Geheimdienstbehörden zusammenzuarbeiten“.

Eine Messe der Sicherheitsbranche im Jahr 2016 in Las Vegas auf der Sands Expo bot Adelsons Unternehmen – und vermutlich auch der CIA – die Gelegenheit, David Morales zu verpflichten. Sein persönlicher Rekrutierer war laut Zeugenaussagen Lahav.

Als Morales von Vegas zu seiner Heimatbasis in Spanien zurückkehrte, teilte er seinem damaligen Geschäftspartner Einzelheiten des Geschäfts mit.

„Aus den Gesprächen mit David Morales, in denen er seine auf seiner US-Reise erzielten Vereinbarungen im Detail gestand“, sagte der Ex-Partner später vor dem spanischen Gericht aus, „entnahm ich, dass der Sicherheitschef von Las Vegas Sands, ein jüdischer Mann namens Zohar Lahav, Kontakt mit Herrn Morales aufnahm und sich auf der Sicherheitsmesse in Las Vegas gut mit ihm anfreunden konnte. Ich verstand es so, dass diese Person ihm anbot, mit den amerikanischen Geheimdienstbehörden zusammenzuarbeiten, um Informationen über Mr. Assange zu senden.“ Morales bestätigte seine und Lahavs enge Freundschaft während eines Interviews vor einem spanischen Gericht, das im Februar dieses Jahres von Aitor Martinez – einem spanischen Anwalt, der Assange in diesem Fall vertritt – geführt wurde. In einem früheren Gerichtstermin hatte der spanische Staatsanwalt Morales direkt nach der Verbindung zwischen Lahav und den US-Geheimdiensten gefragt; Morales behauptete, er habe keine Ahnung.

Macau ist eine etwa 50 Kilometer westlich von Hongkong gelegene Sonderverwaltungszone der Volksrepublik China. Foto: Wikimedia / kewl.lu, Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/ by/2.0/legalcode

Ein ehemaliger Geschäftspartner von Morales erinnerte sich an einen Vorfall, „als Zohar [Lahav] nach Spanien kam und eine Woche lang in [Morales‘] gewöhnlichem (privaten) Haus (oder Privathaus) wohnte“. Weitere Beweise für die Beziehung zwischen Lahav und Morales finden sich in einem undatierten Empfehlungsschreiben, das Lahav für seinen Freund schrieb. Auf dem Briefkopf von Sands verfasst, erklärte Lahav, dass er „drei Jahre lang mit Herrn David Morales‘ CEO bei UC Global S.L. zusammengearbeitet habe“ und lobte ihn für seine „Loyalität und Beständigkeit“. Bis Ende 2017 war die angebliche Zusammenarbeit zwischen Morales und Sands vollständig ausgereift, wobei die CIA offenbar eine führende Rolle spielte. Gemeinsam haben diese Einheiten die Überwachung von Assanges Mitarbeitern verstärkt und seinen Plan vereitelt, die Botschaft unter dem Schutz der diplomatischen Unverletzlichkeit zu verlassen.

Spionieren, Windeln stehlen und Einbruchspläne

Stefania Maurizi, eine italienische Journalistin, die Assange regelmäßig in der Botschaft in London besuchte, erinnerte sich an entspannte Begegnungen mit minimaler Sicherheit und freundschaftlichen Umgang mit Botschaftsangehörigen in den ersten fünf Jahren des Aufenthalts des Wilkileaks-Gründers. Es war im Dezember 2017, als sich alles änderte.

Während eines Besuchs zum Interview mit Assange in jenem Monat forderten die spanischen Sicherheitsbeamten von UC Global Maurizi zum ersten Mal auf, ihren Rucksack und alle darin befindlichen Gegenstände auszuhändigen. Sie protestierte gegen das neue und scheinbar willkürliche Verfahren, aber vergeblich. „Sie haben alles beschlagnahmt“, sagte Maurizi gegenüber der Grayzone. „Sie nahmen meine beiden Telefone mit – eines davon verschlüsselt – , meinen iPod und viele USB-Sticks. Es gab keine Möglichkeit, meinen Rucksack zurückzubekommen. Der Wächter sagte mir: ‚Machen Sie sich keine Sorgen, alles wird gut, niemand wird auf Ihr Material zugreifen oder Ihren Rucksack öffnen.‘ Ich war sehr misstrauisch. Ich durfte nicht einmal einen Stift mit reinbringen, um Notizen zu machen.“

Es stellte sich heraus, dass Mitarbeiter von UC Global die eindeutige internationale Mobilgeräte-Identifikationsnummer und die SIM-Kartennummer im Inneren des Telefons von Maurizi und vielen anderen Besuchern fotografiert hatten. Auf einem Foto, das The Grayzone erhalten hatte, entfernten die Sicherheitsfirmen die SIM-Karte, um ein klares Bild der Codes zu erhalten. Es schien, dass dies die Informationen waren, die sie brauchten, um die Telefone zu hacken.

Maurizi wusste zu diesem Zeitpunkt nichts über die Beziehung zwischen der CIA und dem Sicherheitsteam der Botschaft, die derzeit untersucht wird. Sie wusste nur, dass Correa, der linke Präsident Ecuadors, der sich für Assange einsetzte, Monate zuvor, im Mai 2017, von seinem früheren Vizepräsidenten Lenin Moreno abgelöst worden war, den er als Trojanisches Pferd für die Interessen der USA brandmarkte.

Die neue Regierung nahm eine plötzliche pro-amerikanische Wende, die eine Feindseligkeit gegenüber Assange und seiner Organisation mit sich brachte [25]. Als der IWF seiner bargeldlosen Regierung ein massives Darlehen gewährte, verunglimpfte Moreno Assange als „Hacker“ und sperrte seinen Internetzugang sowie Besuche von außen für einen längeren Zeitraum [26]. Assange war seinerseits davon überzeugt, dass der Sicherheitsdienst der Botschaft ihn ausspioniert hatte. Ende 2017 benutzte er eine Maschine mit weißem Rauschen im Hauptkonferenzraum, um seine Gespräche mit Anwälten sicher zu halten, und hielt die heikelsten Treffen mit seinen Anwälten auf der Damentoilette ab, wobei er die Wasserhähne öffnete, um den Ton ihrer Gespräche zu übertönen. UC Global konterte, indem sie ein magnetisches Mikrofon an der Unterseite eines Feuerlöschers platzierten, mit dem sie durch das weiße Rauschen schnüffeln konnten. Ein zweites Mikrofon wurde in der Damentoilette installiert.

Andere Pläne, die in E-Mails des Unternehmens UC Global enthüllt wurden, sahen vor, ein Mikrofon zu platzieren, das durch Wände hindurch hören kann, und es heimlich im Büro des Botschafters zu platzieren, der in E-Mails als „Direktor des Hotels“ bezeichnet wurde.

Morales schlug auch vor, Abhörgeräte im Schlafzimmer von Assange zu installieren und sogar ein Programm einzuführen, um alle Feuerlöscher auszutauschen und sie durch neue mit versteckten Mikrofonen zu ersetzen. Das Mikrofon im Hauptkonferenzraum nahm den Großteil der Gespräche auf und befindet sich derzeit im Besitz des spanischen Richters, der den Fall beaufsichtigt.

Von Mitarbeitern des UC Global angefertigtes Fotos des Mobiltelefones eines Besuchers von Assange. Foto: The Grayzone/ George Ourfalian, Lizenz: ©theggrayzone

„Julian war äußerst besorgt. Er sagte, die Wachen arbeiteten für den Geheimdienst“, erinnerte sich sein Anwalt Martinez. „Ich sagte ihm, es seien nur Leute aus der Arbeiterklasse aus Südspanien, wo ich herkomme. Aber jetzt wird mir klar, dass er völlig Recht hatte.“

Am 12. Dezember, zwei Tage nach Erhalt der Powerpoint-Anweisungen in Las Vegas Sands zur Erstellung separater Überwachungskamera-Feeds, schickte Morales eine E-Mail an sein Botschaftsspionageteam, in der er bestimmte individuelle Ziele benannte. Nach Angaben eines ehemaligen Mitarbeiters von UC Global wurde die Liste von „den Amerikanern“ erstellt. Zu den ersten, auf die sich das Team konzentrieren sollte, gehörten „Fix“, ein deutscher Cyber-Sicherheitsexperte, und „MULLER“, eine Anspielung auf Andrew Müller-Maguhn, einen deutschen Hacker und Internetrechtsaktivisten, der eng mit Assange befreundet war. Bei einem Besuch in der Botschaft fotografierte UC Global security den Inhalt von Müller-Maguhns Rucksack und die Kontaktnummern in seinem Mobiltelefon. Morales forderte auch die Überwachung von Ola Bini, einem schwedischen Softwareentwickler, der Assange besuchte, und Felicity Ruby, einer Kollegin von Bini bei der Firma Thought Works, die Morales als „ein Team von Hackern“ bezeichnete.

In einem Bulletin vom September 2017 gab Morales eine Liste von zehn Einzelzielen zur Untersuchung heraus und forderte aktualisierte Profile von Assange-Anwälten wie Renata Avila, Jennifer Robinson, Carlos Poveda und dem spanischen Richter Baltasar Garzon. Er drängte auf „besondere Aufmerksamkeit“ für Stella Morris, ein Mitglied des Rechtsteams, das kürzlich enthüllte, dass sie eine Beziehung zu Assange aufgenommen und während seiner Zeit in der Botschaft zwei Kinder mit ihm hatte. Nachdem er „eine Person, die sich ganz und gar der Tätigkeit des Spionierens von Morris widmet“, vorgeschlagen hatte, wies Morales schließlich einen Mitarbeiter an, eine Windel von einem von Morris‘ kleinen Söhnen zu stehlen, um DNA zu extrahieren, die beweisen könnte, dass sie die Mutter von Assanges Kindern sei. „Zu der Zeit“, sagte der Angestellte aus, „gab Morales absichtlich an, dass ‚die Amerikaner‘ darauf bestanden, [die DNA-Ergebnisse] zu bestätigen“. Aufgebracht durch den bizarren Auftrag, fing die UC Global-Mitarbeiterin Morris schließlich vor der Botschaft ab, um sie über den geplanten Windeldiebstahl zu informieren und sie davor zu warnen, das Kind mit hineinzunehmen.

„Sie waren besessen von amerikanischen Besuchern, allen von ihnen, von Anwälten über Journalisten bis hin zu Freunden. Sie konzentrierten sich sehr auf Glenn Greenwald, öffneten sogar seinen Reisepass, machten Fotos von seinem Visum für Russland und schickten sie an ihr Hauptquartier“, sagte Martinez und bezog sich dabei auf den in Brasilien lebenden amerikanischen Journalisten, der Assange besucht hatte. (Die Grayzone hat das Foto des Einreisevisums von UC Global in Greenwalds Pass gesehen).

Die E-Mail von Morales vom 12. Dezember ersuchte auch um Aufmerksamkeit für alle „russischen Bürger“, die Assange besuchen. Die Direktive schien die wachsende amerikanische Verbissenheit widerzuspiegeln, Wikileaks mit dem russischen Geheimdienst in Verbindung zu bringen, sowie das angebliche Hacken der E-Mail-Server des Demokratischen Nationalkomitees im Jahr 2016. Infolge der intensivierten Überwachung wurde Garzon – der spanische Richter, der Assanges Rechtsteam leitete – von Spionen von UC Global verfolgt, als er den ehemaligen ecuadorianischen Präsidenten Correa am Barajas-Flughafen in Madrid, Spanien, abholte. Die beiden wurden fotografiert, während sie sich in Garzons Haus befanden. Morales schickte daraufhin per E-Mail einen Bericht und Fotos von dem Treffen.

Ein ehemaliger Mitarbeiter von UC Global sagte aus, dass Morales im November 2017 vorschlug, in das Madrider Büro von Garzon einzubrechen, um „relevante Informationen über Herrn Assange zu erhalten und sie [den Amerikanern] zu geben“. WEiterhin sagte er, dass zwei Wochen später in Garzons Büro eingebrochen wurde und kein Geld oder Wertgegenstände mitgenommen wurden. Die spanische Tageszeitung El Pais berichtete, dass drei schwarz gekleidete Kapuzenmänner am 18. Dezember 2017 in Garzons Büro einbrachen, kein Geld nahmen, sondern „durch Dokumente blätterten“ [27]. Alle Überwachungs-, Verfolgungs- und Kommunikationsanfragen zu Baltasar Garzón stammten, wie David Morales sagte, „von den Amerikanern“, sagte der ehemalige Mitarbeiter aus.

Morales schickte auch Berichte über ein Treffen, das Correa in Brüssel abgehalten hatte, mit Einzelheiten über die Seriennummern seiner Geräte, intimen Informationen über die Personen, mit denen er sich traf, und den Inhalt dieser Gespräche. Merkwürdigerweise wurde der Bericht von Morales auf Englisch verfasst und an sein Team geschickt, damit er auf dem speziellen Server, der für den „amerikanischen Kunden“ eingerichtet worden war, ausgetauscht werden konnte. Er behauptete unplausibel, dass der Bericht für die ecuadorianische SENAIN war.

Pamela Denise Anderson ist eine kanadisch-US-amerikanische Schauspielerin. Foto: Wikimedia / Glenn Francis, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Doch als er vom Staatsanwalt und von Martinez, dem Anwalt von Assange, gefragt wurde, warum er eine E-Mail an spanischsprachige ecuadorianische Beamte in englischer Sprache verfasst hatte, rang Morales um eine Entschuldigung. „Manchmal schreibe ich gerne auf Englisch“, behauptete er.

Maurizi ihrerseits stellte fest, dass Anrufe, E-Mails und Texte ihrer Redakteure – damals bei der italienischen Tageszeitung La Repubblica – nicht durchkamen. „Niemand konnte diese Störung erklären“, sagte Maurizi. „Ich frage mich, ob es etwas mit diesen Spionageaktivitäten zu tun hatte. Das kann ich bis heute nicht sagen.“

Unterdessen wurden der amerikanischen Schauspielerin Pam Anderson, die eine Freundin von Assange wurde, bei einem Besuch von UC Global ihre E-Mail- und Mobiltelefon-Passwörter gestohlen.

Der Diebstahl ereignete sich, als Anderson ihre Passwörter auf einen Notizblock schrieb, damit Assange die Sicherheit ihrer Konten überprüfen konnte. Mit dem von ihnen installierten Kamerasystem gelang es den Spionen von UC Global, den Notizblock zu fotografieren, wodurch sie Zugang zu ihren Konten erhielten.

Das Spionagenetz verstrickte praktisch jeden, der die Botschaft betrat, sogar die damalige US-Abgeordnete Dana Rohrabacher. Die Anwältin von Assange, Jennifer Robinson, nahm an dem Treffen mit Rohrabacher im August 2017 teil und behauptete, er habe sich als offizieller Abgesandter von Trump angekündigt. Sie sagte, der Kongressabgeordnete habe eine Begnadigung durch den Präsidenten unter der Bedingung angeboten, dass der Herausgeber von Wikileaks konkrete Beweise vorlegen könne, dass die russische Regierung den E-Mail-Server des DNC nicht gehackt habe. Rohrabacher gab später zu, dass er die Möglichkeit einer Begnadigung in Betracht zog, behauptete jedoch, dass sein Besuch eine persönliche „Erkundungsmission“ sei, die nichts mit irgendeiner Trump-Initiative zu tun habe [28, 29].

Ein ehemaliger Mitarbeiter von UC Global sagte aus, dass „die Amerikaner sehr nervös wegen des Besuchs von Rohrabacher waren“, und „bat Morales persönlich darum, absolut alles im Zusammenhang mit diesem Besuch zu kontrollieren und zu überwachen“. Während des Treffens wurde Rohrabacher aufgefordert, sein Telefon bei Spionen von UC Global zu lassen.

Sabotage von Assanges Ausstiegsstrategie, Raub- und Attentats- verschwörungen

Während des gesamten Dezembers 2017 formulierten Assange und seine Anwälte einen Plan, um die Botschaft unter jenem Schutz zu verlassen, der Diplomaten im Rahmen des Wiener Übereinkommens über diplomatische Beziehungen gewährt wird. Ein Vorschlag sah vor, Assange als Diplomaten für eine befreundete Regierung wie Bolivien oder Serbien zu ernennen und ihm damit diplomatische Immunität zu garantieren. Die letzte Komponente des Plans stützte sich auf die Zusammenarbeit mit dem Chef der ecuadorianischen SENAIN, Rommy Vallejo, der technisch gesehen der Chef von Morales war. Vallejo traf am 20. Dezember 2017 in der Botschaft ein – nur fünf Tage bevor Assange die Botschaft verlassen wollte.

„Es war der letzte Schritt“, sagte Martinez über den Besuch des SENAIN-Chefs. „[Vallejo] wollte mit Julian [Assange] über die letzten Einzelheiten sprechen, um die Botschaft zu verlassen und ein Diplomatenfahrzeug zu organisieren. Nun, nachdem wir alle Aufzeichnungen und E-Mails überprüft hatten, stellten wir fest, dass Morales [sein Spionageteam] bei seinem Besuch bei Julian [Assange] sagte, er solle alles aufzeichnen, alle Kameras öffnen und alle Daten aller Telefonhandys mitnehmen.“

Sobald das Treffen beendet war, bat Morales seine Mitarbeiter, ihm die vollständigen Überwachungsaufzeichnungen per Dropbox zu schicken. Das Team von UC Global öffnete Vallejos Telefone und nahm seine Handycodes mit.

Am 21. Dezember – am Tag nach Assanges Treffen mit dem SENAIN-Chef – reichten US-Staatsanwälte beim Bundesgericht in Alexandria, Virginia, heimlich Anklage gegen Assange ein [30]. Laut einer Quelle, die an dem Plan beteiligt war, Assange diplomatische Immunität zu gewähren, teilte der US-Botschafter in Ecuador, Todd Chapman, den ecuadorianischen Behörden mit, dass er von der Initiative erfahren habe und warnte sie vor ihrer Ausführung.

Die Quelle berichtete The Grayzone auch, dass, als einer der ecuadorianischen Beamten, die an der Ausarbeitung der Strategie zur Befreiung Assanges aus der Botschaft beteiligt waren, nach Quito zurückkehrte und sein offizielles Regierungsfahrzeug auf einer Straße von maskierten Schützen auf einem Motorrad angehalten wurde, die ihm seinen Laptop raubten. Der Computer enthielt detaillierte Informationen über den Plan, Assange legal das Verlassen der Botschaft zu erlauben.

Der ecuadorianische Außenminister Guillaume Long unter Präsident Correa, sagte gegenüber Grayzone, die von den USA koordinierte Spionageoperation gegen Assange in der ecuadorianischen Botschaft sei „ein schwerer Verstoß gegen die Souveränität, das Völkerrecht und die Regeln der internationale Diplomatie. Sie ist völlig illegal und untergräbt – so würde ich argumentieren – wirklich den US-Fall für die Auslieferung von Julian Assange“. Der angebliche Raubüberfall auf einen ecuadorianischen Beamten in Quito stand im Einklang mit einem anderen gewalttätigen Plan, der von einem ehemaligen Mitarbeiter von UC Global vor dem spanischen Gericht aufgedeckt wurde.

Der Ex-Mitarbeiter erinnerte sich an Morales, der erwähnte, dass „die Amerikaner verzweifelt versuchten“, Assanges Anwesenheit in der Botschaft zu beenden. So „schlugen sie vor, extremere Maßnahmen gegen ihn zu ergreifen“, einschließlich „der Möglichkeit, die Tür einer diplomatischen Mission offen zu lassen, mit dem Argument, dass es ein versehentlicher Fehler sei, das Einreisen des Asylbewerbers zuzulassen, um ihn schließlich zu entführen; oder sogar die Möglichkeit, Herrn Assange zu vergiften“.

Die Mitarbeiter waren schockiert, als sie von dem Vorschlag erfuhren, und protestierten bei Morales, dass die Richtung, die er einschlug, „anfing, gefährlich zu werden“.

Nach einer Spionagekampagne folgt die Strafverfolgung nach dem Spionagegesetz

Am 11. April 2019 führte die britische Polizei eine Razzia in der ecuadorianischen Botschaft in London durch und zerrte Assange in einen wartenden Kleinbus. Es war das erste Mal in der Geschichte, dass eine Regierung der Strafverfolgungsbehörde eines anderen Landes erlaubte, in ihr Hoheitsgebiet einzudringen, um einen ihrer Bürger zu verhaften.

Ola Bini ist ein schwedischer Programmierer und Internetaktivist, der für das Digital Autonomy Center in Ecuador an Themen wie Datenschutz, Sicherheit und Kryptographie arbeitet. Foto: Wikipedia, Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/legalcode

Am selben Tag wurde Ola Bini – der schwedische Computerprogrammierer, der von Morales als „Hacker“ gebrandmarkt und von den USA scheinbar überwacht wurde – in Ecuador verhaftet und monatelang ohne Anklage inhaftiert [31]. Bini wird der Kollaboration mit Assange und verschiedenen Cyberverbrechen beschuldigt und wurde im ecuadorianischen El Inca-Gefängnis festgehalten, wo die US-Behörden angeblich darum gebeten haben, ihn zu verhören [32]. Amnesty International hat Bini als „digitalen Verteidiger“ bezeichnet und „unzulässige Einmischung der Regierung“ sowie die Einschüchterung seines Verteidigerteams verurteilt [33].

Assange, ein australischer Staatsbürger, wurde daraufhin im Belmarsh-Gefängnis inhaftiert, wo er nun auf eine mögliche Auslieferung an die USA und einen Prozess wegen 18 Anklagepunkten wartet, von denen sich 17 auf die Verletzung des Spionagegesetzes beziehen. Die Anklagepunkte sehen eine Höchststrafe von 175 Jahren Gefängnis vor. Während der ersten Auslieferungsanhörung am 24. Februar dieses Jahres wurde Assange in einen Glaskasten gesperrt, der ihn daran hinderte, direkt mit seinen Anwälten zu sprechen. Beobachter, darunter der ehemalige britische Diplomat Craig Murray, sagten, sie hätten bemerkt, dass US-Agenten außerhalb des Gerichtssaals mit britischen Staatsanwälten konferierten [34].

Ein Zeuge bei der Auslieferungsanhörung stellte The Grayzone Fotos von mehreren Teilnehmern zur Verfügung, von denen sie behaupteten, dass es sich bei ihnen um Beamte des US-Justizministeriums handelte, die während des gesamten Verfahrens direkt hinter britischen Staatsanwälten saßen. Die Fotos, die unten zu sehen sind, zeigen die angeblichen Beamten außerhalb des Gerichtssaals. Nach Beginn der Anhörung traf nach Angaben von Assanges Anwalt Martinez eine britische Rechtsanwältin ein und bat um die Erlaubnis zur Beobachtung. Sie vertrat Las Vegas Sands, ein klarer Hinweis darauf, dass Adelson über den Ausgang des Verfahrens zutiefst besorgt war.

Nachdem Mike Pompeo vom CIA-Direktor zum Außenminister befördert worden war, legte er Berichten zufolge den Grundstein für seine Kandidatur für den US-Senat in Kansas. Der erste Schritt in Pompeos noch jungem Wahlkampf war laut einer Reihe von Artikeln die Kontaktaufnahme mit Sheldon Adelson, um „das Interesse“ an der Finanzierung der Senatskandidatur abzuschätzen [35]. Ende 2019, nachdem die Beziehung zwischen Sands und UC Global aufgedeckt worden war, enthüllten ehemalige Mitarbeiter von Morales das Gerücht, dass Adelsons Leibwächter Zohar Lahav von Las Vegas Sands entlassen worden war. Als Morales bei einem Auftritt vor dem spanischen Gericht im Februar dieses Jahres gefragt wurde, ob das Gerücht wahr sei, bestätigte er es und gab an, dass Lahav wegen des „Schlamassels“, den er mitverursacht hatte, entlassen worden sei.

Als Lahav am 12. Mai telefonisch von der Grayzone erreicht wurde, legte er sofort auf, als ihm mitgeteilt wurde, dass er mit einem Reporter spreche.

Quellen:

[1] Youtube, Mike Pompeo, „We lied, we cheated, we stole“, am 24.04.2019, <https://www.youtube.com/watch?v=DPt-zXn05ac>

[2] The Grayzone, Kevin Gosztola, „As Assange’s trial begins, his lawyers highlight risk of extradition with CIA spying operation’s ‘extreme measures’“, am 24.02.2020, <https://thegrayzone.com/2020/02/24/assanges-trial-risk-extradition-cia-spying/>

[3] Superyacht Fan, Raphael Belly, „Queen Miri Yacht – Neorion – 2004 – Sheldon Adelson“, <https://www.superyachtfan.com/yacht/queen-miri/>

[4] El Pais, Josè Maria Ireju, „Spanish Firm that spied on Julian Assange tried to find out if he fathered a Child at Ecuadorian Embassy“, am 15.04.2020, <https://english.elpais.com/international/2020-04-15/spanish-firm-that-spied-on-julian-assange-tried-to-find-out-if-he- fathered-a-child-at-ecuadorian-embassy.html4>

[5] El Pais, Stella Moris, „Why Julian Assange must urgently be freed“, am 01.05.2020, <https://english.elpais.com/spanish_news/ 2020-05-01/why-julian-assange-must-urgently-be-freed.html>

[6] CNN, Arturo Torres und Kay Guerrero, „David Morales: «No trabajo para la CIA»“, am 05.12.2019, <https://cnnespanol.cnn.com/2019/12/05/david-morales-no-trabajo-para-la-cia/>

[7] CIA,<https://www.cia.gov/news-information/speeches-testimony/2017-speeches-testimony/pompeo-delivers-remarks-at-csis.html>

(Seite nicht mehr erreichbar)

[8] Twitter, The Intercept@theintercept, „The docs provided here are deeply interesting, but not worth the concern WikiLeaks generated by its public comments.“, am 24.03.2017, <https://twitter.com/theintercept/status/845332278024830980>

[9] WikiLeaks, Marble Framework.pptx, „Marble Framework“, am 22.04.2015, <https://wikileaks.org/ciav7p1/cms/page_14588467.html>

[10] Internet Archive, CIA, „Medals of the CIA“, am 13.10.2012, <https://web.archive.org/web/20121013001622/https:/www.cia.gov/library/ publications/additional-publications/the-work-of-a-nation/items-of-interest/medals-of-the-cia.htm>

[11] C Span, „Internet Fraud“, am 20.11.2003, <https://www.c-span.org/video/?179216-1/internet-fraud%23>

[12] Los Angeles Times, Greg Krikorian, „Joining Forces to Tackle High-Tech Crime“, am 08.11.2002, <https://www.latimes.com/archives/ la-xpm-2002-nov-08-me-thelaw8-story.html>

[13] Shadow Crew, <http://shadowcrew.com/>

[14] Tech News Wolrd, Susan B. Shor, „Cybercrime Marketplace Shut Down, 28 Arrested“, am 29.10.2004, <https://www.technewsworld.com/story/37731.html>

[15] Occupational Health & Safety, „National Computer Forensic Institute Opens in Alabama“, am 13.03.2007, <https://ohsonline.com/articles/2007/03/national-computer-forensic-institute-opens-in-alabama.aspx?admgarea=magazine&m=1>

[16] Archive Today, Ali Abunimah, „Billionaire Gingrich backer Adelson regrets he served in US instead of Israeli military“, am 27.01.2012, <https://archive.is/o/lWjkH/https:/electronicintifada.net/blogs/ali-abunimah/billionaire-gingrich-backer-adelson-regrets-he-served-us-instead-israeli-military>

[17] Archive Today, Eli Clifton, „Trump Has A $259 Million Reason To Bomb Iran“, am 22.06.2019, <https://archive.is/o/lWjkH/https:/lobelog.com/trump-has-a-259-million-reason-to-bomb-iran/>

[18] Archive Today, Robert Andrew Powell, „Sergeant Up in Arms“, am 05.12.1996, <https://archive.is/o/lWjkH/https:/www.miaminewtimes.com/news/sergeant-up-in-arms-6361159>

[19] Archive Today, Steve Green, „Security officers, driver for LV Sands CEO file lawsuits alleging violations of overtime law“, am 11.06.2011, <https://archive.is/o/lWjkH/https:/vegasinc.lasvegassun.com/business/legal/2011/jun/11/lawsuits-accuse-lv-sands/>

[20] Archive Today, Adi Barshishat, „Director Of Executive Protection at Fortune 500 Company“, am 27.06.2020, <https://archive.is/o/lWjkH/https:/www.linkedin.com/in/adi-barshishat-6247b014>

[21] Archive Today, „Three Adelson security officers argue racism cost promotions“, am 17.11.2011, <https://archive.is/o/lWjkH/https:/www.reviewjournal.com/crime/courts/three-adelson-security-officers-argue-racism-cost-promotions/>

[22] Archive Today, Nick Divito, „Sheldon Adelson Made Them|Sterile, Security Guards Say“, am 21.12.2012, <https://archive.is/o/lWjkH/https:/www.courthousenews.com/sheldon-adelson-made-themsterile-security-guards-say/>

[23] Archive Today, Steve Green, „Las Vegas Sands overtime lawsuit expands with race claim“, am 12.10.2011, <https://archive.is/o/lWjkH/https:/vegasinc.lasvegassun.com/business/legal/2011/oct/12/las-vegas-sands-overtime-lawsuit-expands-race-clai/>

[24] Archive Today, Chris McGreal, Lowell Bergman und Zachary Stauffer, „China feared CIA worked with Sheldon Adelson‘s Macau casinos to snare officials“ , am 22.07.2015, <[25] Archive Today, Denis Rogatyuk, „Sell Out: How Corruption, Voter Fraud and a Neoliberal Turn Led Ecuador’s Lenin to Give Up Assange“, am 14.04.2019, <https://archive.is/o/lWjkH/https:/thegrayzone.com/2019/04/14/lenin-moreno-julian-assange-wikileaks-ecuador/>

<https://archive.is/o/lWjkH/https:/www.theguardian.com/world/2015/jul/22/china-cia-sheldon-adelson-macau-casinos>

[26] Archive Today, Gonzalo Solano, „Ecuador cuts WikiLeaks founder Assange’s internet at embassy“, am 28.03.2018, <https://archive.is/o/lWjkH/https:/apnews.com/aab0a5a4592746b397cd925d96b4329d/Ecuador-cuts-WikiLeaks-founder-Assange‘s-internet-at-embassy>

[27] Archive Today, Patricia Ortega Dolz, „Varios encapuchados entran en el despacho del exjuez Baltasar Garzón“, am 19.12.2017, <https://archive.is/o/lWjkH/https:/elpais.com/politica/2017/12/18/actualidad/1513624552_376146.html>

[28] Archive Today, Michael Isikoff, „Rohrabacher confirms he offered Trump pardon to Assange for proof Russia didn‘t hack DNC email“, am 20.02.2020, <https://archive.is/o/lWjkH/https:/news.yahoo.com/rohrabacher-confirms-he-offered-trump-pardon-to-assange-for-proof-russia-didnt-hack-dnc-email-131438007.html>

[29] Archive Today, „Dana Rohrabacher denies offering Assange a pardon from Trump“, am 20.02.2020, <https://archive.is/o/lWjkH/https:/www.bbc.com/news/uk-51566470>

[30] Archive Today, Pete Williams, „U.S. secretly filed charges against Assange last year“, am 15.04.2019, <https://archive.is/o/lWjkH/https:/www.nbcnews.com/politics/national-security/u-s-secretly-filed-charges-against-assange-last-year-n994786>

[31] Archive Today, Denis Rogatyuk, „After Assange, Ecuador’s Lenin Moreno escalates persecution of critics and perceived foes“, am 12.03.2019, <https://archive.is/o/lWjkH/https:/thegrayzone.com/2019/05/12/lenin-moreno-persecution-ola-bini/>

[32] Archive Today, Eric Tucker und Joshua Goodman, „Sources: US to question Assange pal jailed in Ecuador“, am 17.06.2019, <https://archive.is/o/lWjkH/https:/www.seattletimes.com/business/sources-us-to-question-assange-pal-jailed-in-ecuador/>

[33] Archive Today, Duncan Tucker, „Ecuador: Violent raid jeopardizes Ola Bini’s right to a fair trial“, am 06.09.2019, <https://archive.is/o/lWjkH/https:/www.amnesty.org/en/latest/news/2019/09/ecuador-allanamiento-violento-pone-en-riesgo-juicio-justo-ola-bini/>

[34] Archive Today, „Episode 15: Interview with Nadira Murray & Craig Murray“, am 27.06.2020, <https://archive.is/o/lWjkH/https:/ www.assangecountdowntofreedom.com/videos/themurrays>

[35] Archive Today, Michael Wilner und Bryan Lowry, „Quietly recruiting megadonors, Pompeo eyes a massive Senate campaign war chest“, am 03.12.2019, <https://archive.is/o/lWjkH/https:/www.mcclatchydc.com/news/politics-government/white-house/article238004609.html>

[36] Archive Today, Max Blumenthal, „Republican Gomorrah“, am 14.07.2010, <https://archive.is/o/lWjkH/https:/www.amazon.com/Republican-Gomorrah-Inside-Movement-Shattered/dp/1568584172>

[37] Archive Today, Max Blumenthal, „Goliath“, <https://archive.is/o/lWjkH/https:/www.amazon.com/Goliath-Life-Loathing-Greater-Israel/dp/1568586345>

[38] Archive Today, Max Blumenthal, „The 51 Day War: Ruin and Resistance in Gaza“, <https://archive.is/o/lWjkH/https:/www.amazon.com/51-Day-War-Ruin-Resistance/dp/156858511X>

[39] Archive Today, Max Blumenthal, „How America’s National Security State Fueled the Rise of Al Qaeda, ISIS and Donald Trump“, am 06.07.2018, <https://archive.is/o/lWjkH/https:/www.versobooks.com/books/2868-the-management-of-savagery>

[40] Archive Today, Max Blumenthal und Dan Cohen, „Killing Gaza“, am 27,06.2020, <https://archive.is/o/lWjkH/https:/killinggaza.com>