Wie ukrainische Terroristen vor dem 2. Weltkrieg brutale Terrortechniken erfanden

Schon vor dem 2. Weltkrieg wandten ukrainische Faschisten brutale Terrortechniken gegen die Zivilbevölkerung an. Nach dem 2. Weltkrieg förderte die CIA diese Terroristen und nutzte ihre Techniken. Teil 1 einer dreiteiligen Serie über den ukrainischen Faschismus und die USA.

Von Published On: 13. August 2022Kategorien: Gesellschaft & Geschichte

Dieser Text wurde zuerst am 09.07.2022 auf www.covertactionmagazine.com unter der URL <https://covertactionmagazine.com/2022/06/09/how-pre-ww-ii-ukrainian-fascists-pioneered-brutal-terror-techniques-later-improved-by-cia-now-ironically-taught-to-descendants/> veröffentlicht. Lizenz: ©, Evan Reif, Covert Action Magazine

Die eifrigen Schüler der CIA, die den Terrorismus gegen die Zivilbevölkerung üben: Die Partisanen der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN), die von der CIA für den Kampf gegen die Sowjets rekrutiert wurden. (Quelle: rbth.com, public domain)

„Der Terror wird nicht nur ein Mittel der Selbstverteidigung sein, sondern auch eine Form der Agitation, die Freund und Feind gleichermaßen trifft – egal, ob sie es wollen oder nicht.“ [Aus einer Broschüre der UVO (faschistische ukrainische Militärorganisation) aus dem Jahr 1929]

Die Geschichte der Ukraine ist wechselvoll und lang. Seit Jahrtausenden ist das fruchtbare Land mit seiner schwarzen Erde und den reichen Meeren hart umkämpft. Von den Skythen der Antike über die Waräger, die später zu den Rurukiden und den ersten Zaren wurden, bis hin zu den Mongolen, dem Hetmanat und der Ukrainischen SSR (ukrainische Sowjetrepublik, Anm. d. Red.) ist es unmöglich, die heutige Situation der Ukraine ohne einen gewissen historischen Hintergrund zu verstehen.

Unter all denen, die in der Ukraine gelebt haben, gekämpft und gestorben sind, ragt eine Gruppe aufgrund ihrer Bedeutung für die heutigen Ereignisse heraus: Die faschistischen Terroristen, Banditen und Kollaborateure, bekannt als die „Organisation Ukrainischer Nationalisten“ (OUN).

Es ist nicht meine Absicht mit diesem Text eine umfassende Geschichte der OUN zu liefern. Vielmehr möchte ich einen Bogen aufspannen, der die Terroristen der Vergangenheit direkt mit denen der Gegenwart verbindet. Dazu bedarf es einiger Hintergrundinformationen.

Der Anfang: Yevhen und die UVO

„Der Terror wird nicht nur ein Mittel der Selbstverteidigung sein, sondern auch eine Form der Agitation, die Freund und Feind gleichermaßen treffen wird – ob sie es wollen oder nicht.“ [UVO, 1929]

Yevhen Konovalets, ein ehemaliger österreichisch-ungarischer Armee-Leutnant, gründete die OUN 1929 in Wien, aus der Asche seiner früheren Organisation, der Ukrainischen Militärorganisation UVO. [1] Die UVO war 1920 aus Gruppen rechtsgerichteter österreichisch-ungarischer Veteranen des Ersten Weltkriegs hervorgegangen, die in der frühen Zwischenkriegszeit für die kurzlebige Ukrainische Volksrepublik kämpften. Die UVO operierte hauptsächlich in der Westukraine, die damals von Polen besetzt war, und führte eine umfangreiche Terrorkampagne gegen die Polen und Sowjets durch.

Der Fairness halber sollte an dieser Stelle erwähnt werden, dass das polnische Regime zu dieser Zeit eine rechtsextreme Regierung war [2], die eine Reihe Landreform- und Sprachgesetze umsetzte, die in der Bevölkerung Widerwillen auslöste. Dennoch ist die völkermörderische Reaktion der UVO darauf nicht zu rechtfertigen. Die UVO attackierte und tötete weit mehr unschuldige polnische Zivilisten als Soldaten oder Polizisten. Die Gruppe versuchte und verübte auch zahlreiche erfolgreiche Bombenanschläge und Attentate. 1921 marschierte sie im Rahmen eines letztendlich gescheiterten „Befreiungsangriffes“ sogar in die Ukrainische SSR ein [3].

Ebenfalls 1921 begann Konovalets die offizielle Zusammenarbeit mit dem deutschen Nachrichtendienst und traf sich mit Friedrich Gempp, dem Leiter des militärischen Nachrichtendienstes der Weimarer Republik [4]. Von 1921 bis 1928 erhielt die UVO mehrere Millionen Mark Unterstützung aus dem Weimarer Deutschland. Auf Druck der polnischen und der sowjetischen Regierung wurde die UVO-Führung nach Berlin verlegt, wo der Weimarer Geheimdienst mit ihrer Ausbildung begann. Nach der Machtübernahme durch die Nazis setzten Konovalets und die Abwehr ihre Zusammenarbeit unverändert fort.

Die UVO betrachtete den Terrorismus als integralen Bestandteil ihres Kampfes, und zwar in einem solchen Ausmaß, dass sie sogar gemäßigte Nationalisten wie Ivan Babij [5] tötete, weil sie nicht extrem genug waren. Sie agierten meist als Banditen – eine bewährte Taktik. So verübte die UVO im Jahr 1922 etwa 2.300 Angriffe auf polnische Bauernhöfe und nur 17 auf das polnische Militär und die Polizei. Um Vorräte zu beschaffen überfiel die UVO Bauernhöfe, tötete die anwesenden Besitzer und Arbeiter und verbrannte die Ernte. Später wurden fliegende Brigaden gegründet, um polnisches Eigentum zu „enteignen“, wobei sie zur Finanzierung der Organisation häufig auf Banküberfälle zurückgriffen.

Über Jahre hinweg agierte die UVO in dieser Art und verübte mit unterschiedlichem Erfolg Terroranschläge und Raubzüge. Mehrmals wurde sie von der polnischen Polizei fast ausgelöscht, bis 1929 ein Zusammenschluss von fünf ukrainischen nationalistischen Gruppen zur Gründung der OUN (Organisation Ukrainischer Nationalisten, Anm. d. Red.) führte.

Logo der OUN und Yevhen Konovalets, der die OUN 1929 gründete. (Logo: Seeklogo.com, public domain; Bild: Wikipedia.org, gemeinfrei)

Stepan Bandera übernimmt die Führung: Wie die OUN zu ihrem B kam

„Die OUN schätzt das Leben ihrer Mitglieder, schätzt es hoch ein; aber unsere Idee ist unserem Verständnis nach so groß, dass, wenn wir über ihre Verwirklichung sprechen, nicht nur einzelne Individuen, auch nicht Hunderte, sondern Millionen geopfert werden müssen, um sie zu verwirklichen.“ [Stepan Bandera, 1933]

Nach dem Zusammenschluss geriet Konovalets in Vergessenheit, da jüngere, radikalere Mitglieder die Führung der OUN übernahmen. Die UVO existierte technisch gesehen weiter, aber ihre Rolle wurde in der neuen Organisation drastisch reduziert. Einer dieser jungen Anführer war Stepan Bandera.

Bandera war der Sohn eines katholischen Priesters aus Lemberg (Lviv) und ein langjähriger Faschist. Er fing als Junge in der Plast-Bewegung (einer faschistischen Pfadfindergruppe) an, bevor er zur OUN wechselte. Er stieg schnell auf und wurde 1931 Propagandachef, bevor er 1933 zum Leiter der nationalen Exekutive ernannt wurde.

Bandera war ein engagierter, aber psychotischer Faschist, der sich von klein auf selbst folterte, um seine Widerstandskraft zu stärken. Und er war ein fanatischer, gewalttätiger Antisemit, Antikommunist, Anti-Ungar und Anti-Pole. Außerdem war er ein Revanchist, der sogar Gebiete zurückerobern wollte, die den Ukrainern seit Jahrhunderten nicht mehr gehörten, und sie von allen Nicht-Ukrainern säubern wollte. Bandera radikalisierte die OUN schnell weiter, und sein Blick für Talente bedeutete, dass die OUN sowohl größer, als auch effektiver werden konnte. Dies wurde 1934 deutlich, als die OUN-B ihren bisher dreistesten Anschlag verübte und den polnischen Außenminister Bronisław Pieracki aus nächster Nähe mit einer Pistole ermordete. [6]

Die polnischen Behörden nahmen Bandera daraufhin fest und verurteilten ihn zusammen mit anderen OUN-Führern zum Tode. Das Todesurteil wurde in lebenslänglich umgewandelt, und Bandera blieb bis 1939, als die Nazis in Polen einmarschierten, inhaftiert. Es ist unklar, wer genau ihn freiließ, nachdem die Gefängniswärter vor den einmarschierenden Nazis geflohen waren: Die Nazis selbst oder seine Kameraden. Ich glaube nicht, dass die Unterscheidung wichtig ist: Seine Freilassung erfolgte wegen der Nazis, wenn vielleicht auch nicht direkt durch sie.

Nach seiner Freilassung begannen die Nazis mit den Vorbereitungen für die Operation Barbarossa (den Überfall auf die UdSSR), bei dem Bandera und die OUN eine wichtige Rolle spielen sollten.

Auf Anweisung der obersten Naziführung – darunter Hitler, Abwehrchef Wilhelm Canaris und die Generäle Wilhelm Keitel und Alfred Jodl – setzte die Abwehr ab 1940 Bandera und die OUN aktiv ein.

Ziel dieser Zusammenarbeit war es nicht nur, die Sowjets anzugreifen, sondern auch über eine brutale und effiziente Truppe zu verfügen, die Repressalien und Gräueltaten an der Zivilbevölkerung verüben konnte. Um aus der Zeugenaussage von General Erwin von Lahousen [7] bei den Nürnberger Prozessen zu zitieren:

„COL. AMEN: Damit das Protokoll ganz klar ist: Von welchen Maßnahmen genau sagte Keitel, sie wären bereits vereinbart worden?

LAHOUSEN: Nach Aussage des Chefs des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW), waren die Bombardierung Warschaus und die Erschießung der von mir erwähnten Personengruppen bereits vereinbart worden.

COL. AMEN: Und um wen handelte es sich dabei?

LAHOUSEN: Vor allem die polnische Intelligenz, der Adel, der Klerus und natürlich die Juden.

COL. AMEN: Was wurde – wenn über­haupt – über eine mögliche Zu­sammen­arbeit mit einer ukrainischen Gruppe gesagt?

LAHOUSEN: Canaris wurde vom Chef des OKW beauftragt. Dieser gab an, eine Anweisung zu übermitteln. Offenbar hatte er diese von Ribbentrop erhalten, denn im Zusammenhang mit den politischen Plänen des Außenministers sprach er davon, in der galizischen Ukraine einen Aufstand zur Vernichtung von Juden und Polen anzuzetteln.

COL. AMEN: Zu welchem Zeitpunkt stießen Hitler und Jodl zu diesem Treffen?

LAHOUSEN: Hitler und Jodl traten entweder nach den soeben geschilderten Gesprächen oder gegen Ende der gesamten Diskussion zu diesem Thema ein, als Canaris bereits mit seinem Bericht über die Lage im Westen begonnen hatte – das heißt, über die inzwischen eingetroffenen Nachrichten zur Reaktion der französischen Armee am Westwall.

COL. AMEN: Und welche weiteren Dis­kus­sionen fanden dann statt?

LAHOUSEN: Nach dieser Unterredung im Privatwagen des OKW-Chefs verließ Canaris den Wagen und führte ein weiteres kurzes Gespräch mit Ribbentrop, der, auf das Thema Ukraine zurückkommend, ihm noch einmal sagte, der Aufstand solle so inszeniert werden, dass alle Höfe und Wohnungen der Polen in Flammen aufgehen und alle Juden getötet werden.

COL. AMEN: Wer hat das gesagt?

LAHOUSEN: Das hat der damalige Außenminister Ribbentrop zu Canaris gesagt. Ich habe neben ihm gestanden.

COL. AMEN: Haben Sie auch nur den geringsten Zweifel daran?

LAHOUSEN: Nein. Daran habe ich nicht den geringsten Zweifel. Ich erinnere mich mit besonderer Deutlichkeit an die irgendwie neue Formulierung, dass ,alle Höfe und Wohnungen in Flammen aufgehen sollten‘. Zuvor war nur von ,Liquidierung‘ und ,Beseitigung‘ die Rede gewesen.“

Der aufgebahrte polnische Außenminister Bronisław Pieracki, der von der OUN-B erschossen wurde. (Bild: Polish National Archive)

Erwin Stolz [8], Oberst der Abwehr, klärte auf, wen Lahousen meinte:

„Während der Ausführung der oben erwähnten Anweisungen von Keitel und Jodl nahm ich Kontakt mit den ukrainischen Nationalsozialisten auf, die im deutschen Nachrichtendienst tätig waren sowie mit anderen Mitgliedern der nationalistischen faschistischen Gruppen, welche ich für die Ausführung der oben genannten Aufgaben einspannte.

Insbesondere wurden die Führer der ukrainischen Nationalisten, Melnik (Codename ,Konsul I‘) und Bandera, von mir persönlich angewiesen, sich sofort nach dem Angriff Deutschlands auf die Sowjetunion zu organisieren und Demonstrationen in der Ukraine zu provozieren, um die unmittelbare Nachhut der sowjetischen Armeen zu stören und auch die internationale Öffentlichkeit von einem angeblichen Zerfall der sowjetischen Nachhut zu überzeugen.

Wir haben auch spezielle Sabotagegruppen der Abwehr II für subversive Aktivitäten in den baltischen Republiken der Sowjetunion vorbereitet.“

Zwar gab es keine Einwände gegen die Kollaboration mit den Nazis, doch war die OUN in der Frage, wie es danach weitergehen sollte, tief gespalten. Der damalige Führer der OUN, Andriy Melnyk, befürwortete eine gemäßigtere Haltung, die den Nazis gegenüber unterwürfiger war. Bandera war damit nicht einverstanden. Er befürwortete eine revolutionäre Haltung und die Erklärung der ukrainischen Unabhängigkeit. Die Meinungsverschiedenheiten führten zu einer heftigen Spaltung, wobei Bandera die radikalsten Mitglieder mitnahm und mit ihnen die OUN-B gründete. Melnyks Gruppe, die durch weitere Spaltungen geschwächt war und nun von Bandera angegriffen wurde, wurde schnell übernommen. Die OUN-M überlebte zwar den Krieg, aber von diesem Zeitpunkt an kontrollierte Bandera die faschistische Bewegung der Ukraine mit wenig Widerspruch.

Schon bald sollte die Zusammenarbeit mit der Abwehr ihre schrecklichen Früchte tragen. Unter der Ägide des Abwehr-Kommando-Bataillons „Brandenburg“, aber unter dem Kommando der OUN, wurden zwei OUN-Einheiten gebildet, „Roland“ und „Nachtigall“. Letztere stand unter dem Kommando des berüchtigten Massenmörders Roman Shukhevych [9], der später einige der schlimmsten OUN-Gräueltaten planen sollte. Es gab auch andere OUN-Kräfte, die sowohl der Wehrmacht als auch der Gestapo angehörten und meist als Dolmetscher und Führer dienten. „Nachtigall“ und „Roland“ wurden 1941 zusammen mit Nazi-Truppen nach Lemberg geschickt, um ihre blutige Mission zu erfüllen.

Die blutige Nachtigall

„Wir sind alle UPA-Soldaten und vor allem alle Untergrundkämpfer. Und ich bin mir bewusst, dass wir früher oder später im Kampf gegen die brutale Gewalt sterben müssen. Aber ich versichere Ihnen, dass wir keine Angst vor dem Tod haben werden, denn wenn wir sterben, werden wir uns bewusst sein, dass wir Dünger für das ukrainische Land sein werden. Dies ist unsere Heimat, die viel Dünger braucht, damit in der Zukunft eine neue ukrainische Generation auf ihr heranwächst, die das vollendet, was uns nicht bestimmt war zu vollenden.“[Roman Shukhevych [10]]

Seit dem 13. Jahrhundert bis zum Jahr 1943 war Lemberg (Lviv) entweder unter polnischer oder österreichischer Kontrolle. Es war eine Stadt mit etwa 500.000 Einwohnern, von denen mehr als die Hälfte polnische Katholiken waren, mit einer beträchtlichen jüdischen Minderheit von 100.000-160.000 Einwohnern und Zehntausenden Flüchtlingen aus dem von den Nazis besetzten Europa. Der Anteil der ukrainischen Bevölkerung betrug etwa 20%. Die OUN verschwendete keine Zeit, daran was zu ändern.

Die OUN-Truppen rückten mit dem ausdrücklichen Befehl in die Stadt ein, die jüdische, polnische und russische Bevölkerung zu vernichten [11] – eine Aufgabe, die sie mit Bravour erfüllen sollten.

Das erste Blutvergießen wurde in den späten Stunden des 30. Juni 1941 von den Dolmetschern begangen. Ihnen wurde die zweifelhafte Ehre zuteil, das erste Massaker nach dem Fall von Lemberg zu begehen. Es handelte sich dabei um die Entführung, Folterung und Ermordung mutmaßlicher polnischer Anti-Nazi-Professoren.

Roman Shukhevych, Kommandant von „Nachtigall“. (Bild wikiquote / public domain)

Auf der Grundlage von Abschusslisten der OUN verhafteten nationalsozialistische und ukrainische Kräfte die Professoren und ihre Familien und hielten sie stundenlang unter Folter in den Wohnheimen fest. Bis auf einen wurden alle hingerichtet, und nach ihrem Tod wurden ihre Wohnungen von SS- und OUN-Offizieren geplündert und besetzt.

Um nicht ins Hintertreffen zu geraten, machte sich „Nachtigall“ bald darauf an die Arbeit [12]. Was sich ab dem 30. Juni 1941 in Lemberg abspielte, ist nicht als ein einziges Massaker zu verstehen, sondern als eine Massaker-Serie, die sich über einen Monat hinzog. „Nachtigall“ war eine der ersten beiden Einheiten, die in Lemberg einmarschierten. In Begleitung von Nazi-Elitetruppen nahm „Nachtigall“ die auf einem Hügel gelegene Burg ein, richtete dort ein Hauptquartier ein und begann, die örtlichen Juden zusammenzutreiben, wobei die Juden zunächst gezwungen wurden, die Straßen von Leichen und Bombenschäden zu befreien. Wahllose Morde und Plünderungen jüdischer Häuser und Besitztümer begleiteten diese Arbeit in der ersten Nacht.

Ein Einheimischer verprügelt einen Juden auf der Straße. (Bild: Wehrmacht Propaganda Kompanie / CC BY-SA 3.0)

Am Morgen wurden die OUN-Infiltratoren, Überläufer und Sympathisanten mobilisiert und begannen an der Seite der Nazis mit der systematischen Gewalt gegen Juden. In den Tagen vor dem Angriff wurden in Lemberg Propaganda-Flugblätter der OUN verbreitet, in denen die Bewohner aufgefordert wurden, sich zu melden: „Werft Eure Waffen noch nicht weg. Nehmt sie auf! Vernichtet den Feind. […] Moskau, Ungarn, die Juden – das sind Eure Feinde. Vernichtet sie!” [13]

Es scheint, dass viele von ihnen diesen Rat beherzigt haben. Bei dem darauf folgenden Pogrom verübten die ukrainischen Nationalisten am helllichten Tag Tausende brutale Gewalttaten gegen Juden in der ganzen Stadt. Sie zwangen viele Frauen auf die Straße, wo die Nationalisten sie nackt auszogen, vergewaltigten und ermordeten. Die Männer kamen nur wenig besser weg; viele wurden auf der Straße mit Knüppeln und Fäusten brutal geschlagen, während die Menge sie verspottete und mit Müll bewarf.

Die Reporter der Nazis filmten und fotografierten viele dieser Gewalttaten. Eine Propagandakompanie der Wehrmacht nahm beispielsweise das Bild oben auf, auf dem ein Einheimischer einen Juden auf der Straße verprügelt. Es diente in Zeitungen und Filmen in ganz Deutschland als Beweis dafür, dass die Nazis ihre seit langem geplanten und bekannten Vernichtungspläne durchführen würden und könnten. An diesem Tag im Jhar 1941 wurden zwischen 2.000 und 5.000 Juden willkürlich abgeschlachtet – nahezu alle von der OUN und den mit ihr verbündeten Kräften.

Bald darauf trafen die Einsatzgruppen ein. Sie waren professionelle Mörder, die Elitetruppe der faschistischen Henker, die bereits zahllose Städte und Dörfer in ganz Polen und der UdSSR „gesäubert“ hatte.

Die Einsatzgruppen gingen von Tür zu Tür, jagten und fanden ihre vorrangigen Ziele. In einer einigermaßen geordneten Art und Weise führten die Männer der Einsatzgruppen sie zu vorher ausgehobenen Gruben, zwangen sie in die Knie und exekutierten sie durch Schüsse. Sie wiederholten diesen Vorgang stundenlang, bis etwa 3.000 Juden tot waren. „Nachtigall“, [14] die OUN-Milizen und verschiedene andere faschistische Kollaborateure waren an jedem Aspekt dieses Massakers beteiligt. In ihrer Funktion als Polizei halfen sie dabei, die Juden auf Lastwagen zu verladen und sie zu den Stadien zu fahren, wo sie mit Maschinengewehren hingerichtet werden sollten.

Diese Ausrottungsaktionen zogen sich über Tage dahin, zusammen mit der systematischen Plünderung des Eigentums der jüdischen Bevölkerung. Die Buchhalter der Nazis in Berlin verlangten, dass die unterworfenen Menschen in höchstem Maße wirtschaftlich ausgebeutet werden sollten, was so weit ging, dass man ihnen die Zahnfüllungen entfernte, wobei ein Großteil des Geldes direkt an deutsche Industrielle ging, die von den Arbeits- und Vernichtungsprogrammen der Nazis enorm profitierten. Dabei wurden mehr als 4.000 Menschen getötet, viele von ihnen mit Knüppeln zu Tode geprügelt. Der Gesamtwert all dessen, was den Opfern dieses Massakers und vieler anderer dieser Art gestohlen wurde, wird nie bekannt werden.

Traurigerweise waren „Nachtigall“ und Co. noch nicht fertig. Am 25. Juli 1941 [15] begannen die ukrainischen Streitkräfte ein weiteres Pogrom, das etwa drei Tage dauerte. In den sogenannten Pelitura-Tagen (benannt nach einem ermordeten ukrainischen Führer ), marschierten ukrainische Nationalisten vom Lande unter dem Kommando der OUN in Lemberg ein. Anhand von Listen, zur Verfügung gestellt von der ukrainischen Hilfspolizei, machten die nationalistischen Kräfte Jagd auf die verbliebenen Juden, Polen, Kommunisten und andere „Unerwünschte“.

In einem dreitägigen Aderlass wurden etwa 2.000 Menschen ermordet; die meisten von ihnen wurden mit landwirtschaftlichen Geräten zerhackt. Diese Art von Brutalität sollte das Aushängeschild von Shukhevych und der OUN für den Rest ihrer gesamten Existenz bleiben.

Als die Rote Armee 1944 Lemberg befreite, waren nur noch 150.000 Menschen übrig, von denen nur 800 Juden waren. Die OUN, die ukrainischen Hilfstruppen und die Nazis brachten den Rest entweder um oder verhafteten und deportierten sie in das Konzentrationslager Belzec. Dort ermordeten die Nazis sie alle im Rahmen der „Operation Reinhard“ [16]. Belzec war so effizient, dass weniger als ein Dutzend Überlebende übrigblieben.

Hoch oben in der Burg war die OUN-Führung nicht untätig. Während das Gemetzel in Lemberg weiterging, rief Jaroslaw Stetsko, der zweite Befehlshaber der OUN, ein gebürtiger Lemberger und selbst ein militanter Faschist, eine unabhängige, mit den Nazis verbündete ukrainische Regierung aus [17]. Damit wurde der Grundstein für ein komplizierteres Kapitel in der Geschichte der OUN gelegt.

Exhumierte Überreste von OUN-Opfern, Polen, 1990er Jahre. (Bild: kresy.pl)

Die Frage der Kollaboration

„Der neu gebildete ukrainische Staat wird eng mit dem nationalsozialistischen Großdeutschland unter der Führung seines Führers Adolf Hitler zusammenarbeiten, das eine neue Ordnung in Europa und in der Welt schafft und dem ukrainischen Volk hilft, sich von der moskowitischen Besatzung zu befreien. Die Ukrainische Revolutionäre Volksarmee, die sich auf ukrainischem Boden gebildet hat, wird mit der Alliierten Deutschen Armee gegen die moskowitische Besatzung für einen souveränen und geeinten Staat und eine neue Ordnung in der ganzen Welt weiter kämpfen. Es lebe die ukrainische Souveräne Vereinigte Ukraine! Es lebe die Organisation der ukrainischen Nationalisten! Es lebe der Führer der Organisation der ukrainischen Nationalisten und das ukrainische Volk!” [Stepan Bandera, Ruhm Der Ukraine! [18], Yaroslaw Stetsko, aus dem „Gesetz zur Wiederherstellung des ukrainischen Staates“ [19]]

Hier würden die Nationalisten wohl empört erwidern: Bandera wurde verhaftet! Er war in den Lagern! Er war weder ein Faschist noch ein Nazi! Die OUN hat die Nazis bekämpft!

Ich finde diese Argumente aus verschiedenen Gründen nicht überzeugend. Erstens können Bandera und die OUN für sich allein genommen als Faschisten gelten [20]. Sie waren gewalttätig und militant antisemitisch, polenfeindlich, antikommunistisch und ethno-nationalistisch. Selbst wenn sie keine Nazi-Kollaborateure waren, würden ihre eigenen schrecklichen Gräueltaten einen bleibenden schwarzen Fleck auf ihrer Weste hinterlassen.

Die vielleicht schockierendste dieser Aktionen fand in Wolyna [21] statt, eine ethnische Säuberungskampagne, die in zweijährigen Kämpfen zwischen polnischen und OUN-Kräften durchgeführt wurde und mit dem „Blutsonntag“ ihren Höhepunkt erreichte. Am 11. Juli 1943 griff Roman Shukhevych etwa 100 polnische Siedlungen gleichzeitig an. Die UPA (Ukrainische Aufständige Armee, militärischer Arm der OUN, Anm. d. Red.) ermordete an diesem Tag etwa 8.000 polnische Zivilisten, von denen viele während der Messe in ihren Kirchen erschossen oder lebendig verbrannt wurden. Anschließend verteilte sich die UPA auf dem Land und jagte und tötete mit Äxten, Hämmern und Messern alle, die entkommen waren. Mehr als zwei Jahre lang metzelte die OUN die lokale Bevölkerung nieder, wobei etwa 100.000 Menschen starben, die meisten von ihnen waren Frauen und Kinder.

Ukrainische Hilfspolizei bei der Hinrichtung einer Mutter mit Kind in Miropol, UdSSR, 1941 (Bild: static01.nyt.com)

Diese Art von Brutalität war sehr typisch für die OUN. Moshe Maltz, ein ukrainischer Jude, der sich vor den Banderiten versteckt hielt, notierte dies in seinem Tagebuch, das später als seine Memoiren veröffentlicht wurde [22].

„Die Bandera-Männer […] machen keinen Unterschied, wen sie töten; sie erschießen die Bevölkerung ganzer Dörfer…. Da es kaum noch Juden zu töten gibt, haben sich die Bandera-Banden gegen die Polen gewandt. Sie hacken die Polen buchstäblich in Stücke. Jeden Tag […] kann man die Leichen von Polen sehen, mit Drähten um den Hals, die den Fluss Bug hinuntertreiben.“

Daher braucht die OUN keinen Hitler, um sie schlecht aussehen zu lassen. Zweitens waren sie Nazi-Kollaborateure. Einige Monate nach der Unabhängigkeitserklärung, die von den Nazis übrigens nicht akzeptiert wurde, nahmen die Spannungen so stark zu, dass die Nazis Bandera, Stetsko und andere Führer verhafteten. Nach einer Zeit des Hausarrests wurden sie 1943 in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht.

Der Aufenthalt von Bandera war jedoch nicht typisch [23]. Bandera hatte eine Zweizimmersuite mit Gemälden und Teppichen, durfte seine Frau besuchen, leistete keine Zwangsarbeit, trug keine Uniform, war vom Appell befreit, aß mit den Wärtern und seine Zellentür wurde nachts nicht verschlossen. [24]

Die Nazis ließen Bandera 1944 nach einem Treffen mit Hitlers oberstem Befehlshaber Otto Skorzeny frei [25], um eine Terrorkampagne gegen die vorrückende Rote Armee durchzuführen. Die Nazis hätten Bandera und Stetsko in der Zwischenzeit jederzeit töten können, taten es aber nicht. Stattdessen unternahmen sie große und erfolgreiche Anstrengungen, um sie zu rekrutieren.

Die OUN ging zwar gegen die Nazis vor, aber nur kurz und halbherzig. Im Jahr 1942 kam es praktisch zu keinerlei Kampfhandlungen.

Anfang 1943 änderte sich dies, und in der Westukraine kam es zu Kämpfen. Wie es ihrem Ruf als Banditen entsprach, überfielen die OUN hauptsächlich Bauernhöfe und kleine Siedlungen und branntschatzten und mordeten dabei. Bei den meisten dieser, mit der typischen Brutalität durchgefhührten, OUN-Angriffe, gab es mehr zivile als militärische Tote.

Im Jahr der Kämpfe tötete die OUN etwa 12.000 „Deutsche“. Nur 700-1.000 von ihnen gehörten der Wehrmacht an [26]; der Rest waren Zivilisten, die entweder in der NS-Verwaltung arbeiteten oder einfache Bauern in den von den Nazis kontrollierten Gebieten waren. Sowjetischen Partisanenberichten aus dieser Zeit zufolge hat sich die OUN nur dann mit Nazi-Soldaten angelegt, wenn es nötig war: „Die Nationalisten betreiben keine Sabotage; sie nehmen nur dann am Kampf mit den Deutschen teil, wenn die Deutschen die ukrainische Bevölkerung verhöhnen und wenn die Deutschen sie angreifen.“

Die Nazis, die planten, beide Gruppen irgendwann zu vernichten, nutzten die Situation, indem sie polnische Kollaborationseinheiten in die Region verlegten. Diese polnischen Kollaborateure führten zusammen mit ungarischen Hilfstruppen den Großteil der Kämpfe gegen die OUN.

Der sowjetische Sieg bei Stalingrad versetzte jedoch sowohl die Nazis als auch die OUN in Angst und Schrecken und zwang sie zu Verhandlungen und einer Abkühlung der Spannungen.

Auf ihrer dritten Ratsversammlung Ende 1943 bekräftigte die OUN-Führung noch einmal, dass die Sowjets ihr Hauptfeind sind und beendete die aktiven Bemühungen gegen die Nazis. Einige Scharmützel zwischen den Nazis und der OUN wurden bis 1944 fortgesetzt, aber es waren keine nennenswerten Kämpfe mehr [27]. Um den Historiker Russ Bellant [28] zu zitieren:

„Die OUN organisierte 1943 unter deutscher Schirmherrschaft eine multi­nationale Truppe, die für die sich zurückziehende deutsche Armee kämpfen sollte. Nach der Schlacht von Stalingrad 1943 hatten die Deutschen ein größeres Bedürfnis, mehr Verbündete zu bekommen. Und so schlossen sich die rumänische Eiserne Garde, das Ungarische Pfeilkreuz, die OUN und andere, die über militärische Formationen verfügten, zusammen und bildeten die Einheitsfront, die sich Komitee der unterworfenen Nationen nannte und wiederum für das deutsche Militär arbeitete. Im Jahr 1946 benannten sie es in Antibolschewistischer Block der Nationen (ABN) um. Stetsko war bis zu seinem Tod im Jahr 1986 dessen Leiter.“

Es ist verlockend, die OUN nur mit ihren Anführern in Verbindung zu bringen, aber in Wirklichkeit bestand die OUN immer aus Tausenden von meist anonymen einfachen Kämpfern. Viele dieser Kämpfer wechselten von nationalistischen Milizen zu den Nazis und wieder zurück.

Diese „Polizeieinheiten“ [29] erledigten den größten Teil der schmutzigen Arbeit, des von den Nazis so genannten „Sicherheitskrieges“, erledigten. Dies war wenig mehr als ein Euphemismus für die Terrorisierung und den Massenmord an allen, die sich der Naziherrschaft widersetzten. Abwehrkommando-Einheiten [30] boten den OUN-Kämpfern eine weitere Möglichkeit zur Zusammenarbeit und wurden fast ausschließlich zur Befriedung von Widerstandsbewegungen eingesetzt. Die berüchtigte SS-Division Galizien wurde ebenfalls 1943 gebildet, und die Überschneidungen zwischen dieser Division und der OUN waren groß. Trotz umfangreicher Versuche, ihren Ruf reinzuwaschen, war die Galizien-Division so kriminell [31], wie man es von einer SS-Division nur erwarten kann [32]. Märsche und Denkmäler zu Ehren der Galizien-Division sind noch heute in der Westukraine üblich.

„Die russische Ukraine kann nicht mit dem österreichischen Galizien verglichen werden […] Die österreichisch-galizischen Ruthenen sind eng mit dem österreichischen Staat verflochten. Daher ist es in Galizien möglich, der SS zu gestatten, eine Division aus der örtlichen Bevölkerung zu bilden.“ [Adolf Hitler, 1942]

Der größte Teil dieser Debatte ist jedoch müßig, da die Ukrainer selbst diese Frage 1993 entschieden geregelt haben. Auf Anweisung der ukrainischen Regierung [34] unter dem damaligen Präsidenten Leonid Kravchuk [35] wurde der SBU (ukrainische Staatssicherheit) angewiesen, das Ausmaß der Zusammenarbeit der OUN mit den Nazis zu untersuchen. Kravchuk beabsichtigte, die Rehabilitierung der OUN einzuleiten, und wollte dafür eine historische Rechtfertigung. Er sollte sie nicht bekommen.

Aus den Ergebnissen dieser Untersuchung geht hervor: „Die Archive enthalten Materialien, Trophäendokumente der OUN-UPA und deutscher Sonderdienste, die nur von kleineren Scharmützeln zwischen den UPA-Einheiten und den Deutschen im Jahr 1943 zeugen. In den Dokumenten wurden keine bedeutenden Offensiv- oder Defensivoperationen, keine groß angelegten Schlachten verzeichnet. Die Taktik des Kampfes der UPA-Einheiten mit den Deutschen in diesem Zeitraum beschränkte sich auf Angriffe auf Posten, kleine militärische Einheiten, die Verteidigung ihrer Stützpunkte und Hinterhalte auf der Straße.“ [Sicherheitsdienst der Ukraine, „Über die Aktivitäten der OUN-UPA“, 7.3.1993 [36]]

Wie ich bereits dargelegt habe, gab es 1942 überhaupt keine Kämpfe. 1944 hatte die OUN den bewaffneten Kampf gegen die Nazis offiziell beendet. Da die OUN laut der SBU-Untersuchung auch 1943 kaum gegen die Nazis kämpfte, liegt die Schlussfolgerung nahe, dass sie die Nazis überhaupt nicht bekämpfte.

Vor diesem Hintergrund braucht der ehemalige Komiker Zelensky [37] vielleicht bessere Witze.

Ukrainische Faschisten marschieren unter dem Logo der SS-Division Galizien, 2018, Quelle: ria.ru

Dreizack und Gladius

„ABN (Anti-Bolschewistischer Block der Nationen, Anm. d. Red.) waren die besten Auftragskiller, von denen man je gehört hat.“ [L. Fletcher Prouty, Chef für Sondereinsätze für die Vereinigten Stabschefs unter Kennedy [38]]

Bandera und die OUN blieben bis zum Ende des Krieges Gefolgsleute der Nazis [39]. Der deutlichste Beweis dafür ist, dass Jaroslaw Stetsko fast in einem Nazi­konvoi ums Leben kam, der 1945 von amerikanischen Streitkräften beschossen wurde. Bis in die 1950er Jahre hinein verübte die OUN weiterhin verschiedene Terroranschläge in der West­ukraine. Nach Angaben des KGB war die OUN jedoch nicht in der Lage, ihre Verluste auszugleichen. Dies und andere aktive Gegen-Maßnahmen führten dazu, dass die OUN um 1954 als Kampforganisation aufgelöst wurde. Der Tod von Roman Shukhevych bei einem Überfall der sowjetischen Streitkräfte 1950 war ebenfalls ein schwerer Schlag für die UPA, von dem sie sich nicht mehr erholen konnte.

Zunächst aber brauchte die OUN zum Ende des 2. Weltkrieges hin dringend neue Unterstützer, und sie verschwendeten keine Zeit bei der Suche.

Im Jahr 1944 gründete die OUN zusammen mit anderen nationalistischen Gruppen den Obersten Ukrainischen Befreiungsrat (UHVR). Die üblichen Verdächtigen der OUN-nahen Organisationen wurden zu Mitgliedern. Präsident der UHVR war Iwan Hrinioch, ein ehemaliger Kaplan von „Nachtigall“, Außenminister wurde Mykola Lebed, Chef der berüchtigten Geheimpolizei der OUN [40]. Später bezeichnete ihn die US-Armee als einen „bekannten Sadisten und Kollaborateur der Deutschen“ (und er sollte später ein Kollaborateur der CIA werden, Anm.d.Verf. [41]).

Zusammen mit dem UPA-Verbindungsoffizier Juri Lopatinski begaben sich Iwan Hrinioch und Mykola Lebed 1944 auf eine Mission in den Vatikan, um die Unterstützung westlicher Regierungen einzuholen. Es ist unklar, was genau bei diesem Treffen herauskam, aber es ist erwiesen [42], dass die Briten etwa zu dieser Zeit begannen, die Gruppe zu unterstützen.

Wie schon zuvor bei der OUN löste Bandera schnell eine heftige Spaltung innerhalb der UHVR aus. Diese wurde 1947 in der Frage der Ostukraine zwischen Bandera/Stetsko und Lebed/Hrinioch offen ausgetragen. Die Ostukraine ist größtenteils russisch und war schon immer – eine große Schwachstelle für die heftig anti-russische OUN.

Bandera bestand nicht nur auf einer Einparteien-Diktatur (die er anführen würde), sondern auch auf einem rein ukrainischen Ethnostaat, der von jeglichem russischen Einfluss befreit war. Lebed und Hrinioch waren der Ansicht, die Ostukrainer müssten in die Bewegung einbezogen werden, damit sie erfolgreich sein könne.

Wegen dieser Meinungsverschiedenheit schloss Bandera 1948 Lebed und Hrinioch aus der UHVR aus. Schlussendlich führte diese Entscheidung zu Banderas Untergang, denn die CIA fand, er sei viel zu extrem und zu wenig kompromissbereit, um ein für die CIA nützlicher Agent zu sein.

Bandera genoss zwar in der faschistischen Untergrundbewegung großes Ansehen, doch seine jahrelangen gewaltsamen Angriffe auf Rivalen führten dazu, dass viele nicht mit ihm zusammenarbeiten wollten. Die CIA wollte eine ­geeinte Front und war sich darüber im Klaren, dass dies mit Bandera an der Spitze nicht möglich war.

Es gibt immer noch einige Lücken in der Chronologie der frühen Nachkriegszeit. Die jüngsten Freigaben von Dokumenten haben jedoch zu einem besseren Verständnis von Banderas Rolle und der OUN als Agenten der CIA und des Westens geführt.

Gehlen und Mitarbeiter besuchen ein russisches Kriegsgefangenenlager auf der Suche nach Rekruten für die so genannte Russische Befreiungsarmee, Quelle: allthatsinteresting.com

Was wir mit Sicherheit sagen können, ist: Sehr bald nach dem 2. Weltkrieg entdeckte die Spionageabwehr der US-­Armee, dass sich Bandera in der amerikanischen Besatzungszone vor den Sowjets versteckte. Dies geht aus freigegebenen KGB-Dokumenten hervor, in denen eine gescheiterte Sonderaktion zur Entführung Banderas im Jahr 1946 beschrieben wird. Dieser Entführungsversuch wurde erst nach einem Jahr voller gescheiterter Auslieferungsverhandlungen zwischen Sowjets und US-Amerikanern unternommen. [43]

Mindestens seit 1946 lebte Bandera in München. Dort arbeitete er unter dem Schutz von und in enger Zusammenarbeit mit Reinhard Gehlen [44], dem Nazi-Spionagemeister, der zum CIA-Agenten [45] und künftigen Chef des westdeutschen Geheimdienstes wurde.

Gehlen war ein reueloser Nazi, der im Verborgenen die berüchtigten „Rattenlinien“ betrieb, die unzähligen Nazis halfen, vor der Justiz zu entkommen – in mit den USA verbündete Staaten! Er tat dies mit der vollen Unterstützung und Rückendeckung der CIA, die diese Männer als Aktivposten in den Bünsnisstaaten nutzen wollte.

Allein im Jahr 1946 erhielt Gehlen rund 3,5 Millionen Dollar [46] und beschäftigte 50 Mitarbeiter, davon 40 ehemalige SS-Leute. Unter denen, denen Gehlen zur Flucht verhalf, waren Adolf Eichmann [47] und Otto Skorzeny.

Schon früh arbeiteten Bandera und die OUN (oder vielmehr die SB, die von Lebed gegründete Geheimpolizei) als Attentäter für den MI6 in den Lagern für „Vertriebene“. Die SB nahm Kommunisten, rivalisierende Faschisten und jeden ins Visier, der zu viel über die blutige Vergangenheit der OUN wusste. Tausende Flüchtlinge fanden ihr Ende in den Händen der OUN bzw. SB im Rahmen der vom Westen sogenannten „Operation Ohio“. OUN/SB erwarben sich einen Ruf als erschreckend effiziente Killer, und hier verdiente sich Lebed seinen Codenamen „Teufel“.

1946 gründeten Bandera und Stetsko in München den Block der Antibolschewistischen Nationen (ABN). Als eine Art faschistische Internationale vereinigte er rechtsextreme antikommunistische Terror­gruppen aus der ganzen Welt zu einer einzigen, gut finanzierten Front. Jaroslaw Stetsko war der Anführer; seine enge Freundschaft mit Bandera bedeutete jedoch, dass er für die CIA zu diesem Zeitpunkt nicht akzeptabel war [48].

Bandera hatte zwar anfangs einige Kontakte zum OSS (dem Vorläufer der CIA), wurde aber schnell als viel zu extrem [49], operativ gefährlich (er weigerte sich oft, verschlüsselte Kommunikation zu verwenden) und widerspenstig eingestuft. Daher arbeitete Bandera hauptsächlich mit dem MI6 zusammen, während die CIA Lebed unterstützte. Die Situation zwischen den beiden war schließlich so angespannt, dass die CIA 1954 intervenierte, um den MI6 dazu zu bringen, Bandera als Agent zu entlassen.

Auf der OUN-Konferenz 1954 wurde er aus der OUN-Führung entfernt und durch „Reformisten“ ersetzt. Abgesehen davon schützten die CIA und die Deutschen Bandera auch vor mehreren Attentatsversuchen. Zu verschiedenen Zeiten wurde er entweder von Amerikanern des Army-CIC (Counter Intelligence Corps) oder von Gehlens SS-Schlägern bewacht. Mindestens einmal gab die CIA per Funk geheime Informationen an die westdeutsche Polizei weiter, um Bandera zu schützen. Sie waren zwar nicht mehr bereit, sich voll hinter Bandera zu stellen, wollten aber auch nicht, dass er zum Märtyrer wird.

Ab 1954 scheint die CIA-Strategie bzgl. Bandera darin bestanden zu haben, die Bestie einfach auszuhungern. Sie wollten Bandera loswerden, indem sie ihn aus der ABN-Führung entfernten und von der Finanzierung abschnitten.

Banderas Karriere würde so einfach im Sande verlaufen und sterben. Bandera würde zwar für den Rest seines Lebens in gewisser Weise weiter für Gehlen arbeiten, aber seine Rolle und sein Profil würden gezielt heruntergeschraubt.

Dennoch hatte auch der KGB Bandera weiterhin unter Beobachtung. Seit Ende des Krieges gab es Auslieferungsverhandlungen zwischen Sowjets und den USA, (Bandera galt bei den Sowjets als Kriegsverbrecher). Die Amerikaner lehnten jedoch rundherum ab. Daher unternahm der KGB wiederholt Versuche, Bandera zu töten. Wir wissen von gescheiterten Versuchen in den Jahren 1947, 1948, 1952 und 1959. Ein zweiter Versuch im Jahr 1959 sollte dann schließlich gelingen.

Am 15. Oktober 1959 drang der KGB-Agent Bohdan Stashynsky in Banderas Wohnung in München ein und schoss ihm mit einer speziell entwickelten Giftpistole ins Gesicht.

Bandera brach zusammen, blutete aus dem Mund und erlitt bei einem Treppensturz einen Schädelbasis-Bruch. Als Todesursache wurde zunächst ein Schlaganfall als Folge des Sturzes angenommen. Weitere Untersuchungen ergaben Spuren von Kaliumcyanid in Banderas Körper; bis zur Verhaftung von Stashynsky im Jahr 1961 war jedoch unklar, wer ihn vergiftet hatte. Ein Hauptverdächtiger war Theodor Oberländer [50], ein westdeutscher Politiker und Ex-Nazi, der 1941 als politischer Offizier für „Nachtigall“ gearbeitet hatte.

Nachdem Bandera ins Abseits seiner Organisation gedrängt wurde und dann starb, wurden die CIA-Sanktionen gegen ABN aufgehoben, und Yaroslav Stetsko übernahm eine stark erweiterte aktive Rolle als CIA-Kollaborateur. In dieser Rolle sollte er für den Rest seines Lebens brillieren.

In zukünftigen Artikeln dieser Artikelserie werde ich die Geschichte der Zusammenarbeit von Stetsko mit der CIA näher beleuchten. Denn es gibt eine klare Verbindung zwischen dieser Zusammenarbeit und den Ereignissen des Maidan-Putsches.

Quellen:

[1] Wikipedia, „Ukrainian Military Organization“, <https://en.wikipedia.org/wiki/Ukrainian_Military_Organization>
[2] Wikipedia, „Sanation“, <https://en.wikipedia.org/wiki/Sanation>
[3] ukrstor.com, A.A. Voitsekhovsky und G.S. Tkachenko, „Ukrainische antisowjetische Auswanderung. UVO-OUN“, am 05.09.2008, <https://web.archive.org/web/20141228093117/http:/www.ukrstor.com/ukrstor/bezprava-kniga1-1.2.html>
[4] Wikipedia, „Friedrich Gempp“, <https://en.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Gempp>
[5] Wikipedia, „Ivan Babij“, <https://en.wikipedia.org/wiki/Ivan_Babij>
[6] pk.org, „Zamach na ministra Bronisława Pierackiego i proces zamachowców (18 XI 1935 – 13 I 1936) w świetle publikacji prasowych“, <https://archive.ph/vzF2O>
[7] Yale Law School, The Avalon Project, „Nuremberg Trial Proceedings Volume 2“, am 30.11.1945, <https://avalon.law.yale.edu/imt/11-30-45.asp>
[8] Yale Law School, The Avalon Project, „Nuremberg Trial Proceedings Vol. 7“, am 11.02.1946, <https://avalon.law.yale.edu/imt/02-11-46.asp>
[9] United States Holocaust Memorial Museum, „The Holocaust in Ukraine“, 2013 <https://www.ushmm.org/m/pdfs/20130500-holocaust-in-ukraine.pdf>
[10] tyzhden.ua, „Кулебська трагедія“, 02.12.2011, <https://tyzhden.ua/History/17986>
[11] Canadian Slavonic Papers, „The Lviv Pogrom of 1941: The Germans, Ukrainian Nationalists, and the Carnival Crowd“, 2011, <https://www.academia.edu/3181252>
[12] Brill, Per Anders Rudling, „The Cult of Roman Shukhevych in Ukraine: Myth Making with Complications“, am 26.05.2016, <https://brill.com/view/journals/fasc/5/1/article-p26_3.xml?language=en>
[13] Google Books, Martina Bitunjac und Julius H. Schoeps, „Complicated Complicity: European Collaboration with Nazi Germany during …“, <https://books.google.com/books?id=1dIuEAAAQBAJ&pg=PT106&lpg=PT106&dq=%22Don%27t+throw+away+your+weapons+yet.+Take+them+up.+Destroy+the+enemy.+…+Moscow,+the+Hungarians,+the+Jews%E2%80%94these+are+your+enemies.+Destroy+them.%22>
[14] siehe [9]
[15] Yad Vashem The Holocaust Martyrs‘ and Heroes‘ Remembrance Authority, „July 25: Pogrom in Lvov“, <https://archive.ph/20050311225417/http:/www1.yadvashem.org/about_holocaust/chronology/1939-1941/1941/chronology_1941_18.html%23top>
[16] Holocaust Encyclopedia, United States Holocaust Memorial Museum, Washington, DC, „OPERATION REINHARD (EINSATZ REINHARD)“, 14.05.2021, <https://encyclopedia.ushmm.org/content/en/article/operation-reinhard-einsatz-reinhard>
[17] Wikipedia, „Ukrainian national government (1941)“, <https://en.wikipedia.org/wiki/Ukrainian_national_government_(1941)>
[18] AP News, Mary Clare Jalonick, „‘Slava Ukraini’: Zelenskyy becomes Congress’ great unifier“, am 16.03.2022, <https://apnews.com/article/russia-ukraine-zelenskyy-europe-nancy-pelosi-impeachments-dbef6b1eadb5ee1794d56878d1046ed9>
[19] Wikiwand, „Act of restoration of the Ukrainian state“, <https://www.wikiwand.com/en/Act_of_restoration_of_the_Ukrainian_state>
[20] The Carl Beck Papers in Russian & East European Studies, Per A. Rudling, „The OUN, the UPA and the Holocaust: A Study in the Manufacturing of Historical Myths “, November 2011 <https://carlbeckpapers.pitt.edu/ojs/index.php/cbp/article/view/164/160>
[21] Slavic Review Vol. 75, No. 3 (FALL 2016), S. 630-654 , Jared McBride, „Peasants into Perpetrators: The OUN-UPA and the Ethnic Cleansing of Volhynia, 1943–1944“, 2016 <https://www.jstor.org/stable/10.5612/slavicreview.75.3.0630?read-now=1&seq=11>
[22] Shengold, Moshe Maltz, „Years of Horror–glimpse of Hope: The Diary of a Family in Hiding“, 1993, <https://books.google.com/books/about/Years_of_Horror_glimpse_of_Hope.html?id=81amAAAACAAJ>
[23] siehe [20]
[24] Zaxid.net, Василь Расевич, „Кого і чому не вчить історія“, 2016, <https://zaxid.net/kogo_i_chomu_ne_vchit_istoriya_n1397286>
[25] istpravda.com.ua, „“Спритний, фанатичний слов’янин“. Як нацисти характеризували Степана Бандеру“, 2018, <https://www.istpravda.com.ua/articles/2018/12/31/153492/>
[26] Acta studiosa historica, 2014 Ч. 4 С. 84-89, „БОРОТЬБА ОУН-УПА ПРОТИ НІМЕЦЬКИХ ВІЙСЬК: МІФ ЧИ РЕАЛЬНІСТЬ?“, <https://er.ucu.edu.ua/bitstream/handle/1/505/8.pdf?sequence=1>
[27] history.neu.edu, Jeffrey Burds, „Gender and Policing in Soviet West Ukraine, 1944-1948“, <https://web.archive.org/web/20070127004924/http:/www.history.neu.edu/fac/burds/Gender.pdf>
[28] <https://fpif.org/seven-decades-nazi-collaboration-americas-dirty-little-ukraine-secret/>
[29] Wikipedia, „Ukrainian Auxiliary Police“, <https://en.wikipedia.org/wiki/Ukrainian_Auxiliary_Police>
[30] istmat.org, „Приложение №14. Протокол допроса сотрудника «Абверкоманды-202» З.М. Мюллера об обучении в школах «Абверкоманды-202» украинских националистов“, <https://istmat.org/node/40613>
[31] Esprit de Corps Canadian Military Magazine, David Pugliese, „WHITEWASHING THE SS: THE ATTEMPT TO RE-WRITE THE HISTORY OF HITLER’S COLLABORATORS“, am 30.10.2020, <http://espritdecorps.ca/history-feature/whitewashing-the-ss-the-attempt-to-re-write-the-history-of-hitlers-collaborators>
[32] The Guardian, Geoffrey Goodman, „An unshown film“, 12.06.2000 <https://www.theguardian.com/politics/2000/jun/12/freedomofinformation.uk>
[33] Institute of National Remembrance, „Investigation into the Crime committed at the Village of Huta Pieniacka“, am 26.06.2001, <https://web.archive.org/web/20140301051417/http:/ipn.gov.pl/en/commission/selected-investigations/investigation-into-the-crime-committed-at-the-village-of-hut>
[34] Verkhovna Rada of Ukraine, „До питання про перевірку діяльності ОУН-УПА“, am 18.09.1995, <https://zakon.rada.gov.ua/laws/show/2964-12>
[35] Wikipedia, „Leonid Kravchuk“, <https://en.wikipedia.org/wiki/Leonid_Kravchuk>
[36] Wikisource, „Довідка Служби безпеки України № 113 «Про діяльність ОУН-УПА» від 30.07.1993“, <https://uk.wikisource.org/wiki/%D0%94%D0%BE%D0%B2%D1%96%D0%B4%D0%BA%D0%B0_%D0%A1%D0%BB%D1%83%D0%B6%D0%B1%D0%B8_%D0%B1%D0%B5%D0%B7%D0%BF%D0%B5%D0%BA%D0%B8_%D0%A3%D0%BA%D1%80%D0%B0%D1%97%D0%BD%D0%B8_%E2%84%96_113_%C2%AB%D0%9F%D1%80%D0%BE_%D0%B4%D1%96%D1%8F%D0%BB%D1%8C%D0%BD%D1%96%D1%81%D1%82%D1%8C_%D0%9E%D0%A3%D0%9D-%D0%A3%D0%9F%D0%90%C2%BB_%D0%B2%D1%96%D0%B4_30.07.1993>
[37] Kyiv Post, Oleksii Chaharnyi, „Lawmakers ask Zelensky to return ‘Hero of Ukraine’ title to Bandera, Shukhevych“, am 05.07.2021, <https://www.kyivpost.com/ukraine-politics/lawmakers-ask-zelensky-to-return-hero-of-ukraine-title-to-bandera-shukhevych.html>
[38] Wikipedia, „L. Fletcher Prouty“, <https://en.wikipedia.org/wiki/L._Fletcher_Prouty>
[39] siehe [30]
[40] Wikipedia, „Sluzhba Bezpeky“, <https://en.wikipedia.org/wiki/Sluzhba_Bezpeky>
[41] CIA, Memorandum For The Chief Plans, „Project AERODYNAMIC (Renewal)“, am 28.08.1953, <https://cryptome.org/2016/01/cia-ua-aerodynamic.pdf>
[42] The Carl Beck Papers in Russian & East European Studies, Jeffrey Burds, „The Early Cold War in
Soviet West Ukraine, 1944–1948“, Januar 2001, <https://carlbeckpapers.pitt.edu/ojs/index.php/cbp/article/download/116/117>
[43] siehe [42]
[44] The National Security Archive, Tamara Feinstein, „The CIA and Nazi War Criminals“, am 04.02.2005, <https://nsarchive2.gwu.edu/NSAEBB/NSAEBB146/index.htm>
[45] Wikipedia, „Gehlen Organization“, <https://en.wikipedia.org/wiki/Gehlen_Organization>
[46] izvestia.ru, „Ветеран разведки Виталий Коротков: „Курта“ обменяли на целый автобус западных шпионов“, 2007, <https://archive.ph/20120714063121/izvestia.ru/hystory/article3111475/>
[47] The New York Times, Scott Shane, „C.I.A. Knew Where Eichmann Was Hiding, Documents Show“, am 07.06.2006, <https://www.nytimes.com/2006/06/07/world/americas/07nazi.html>
[48] CIA, „AERODYNAMIC VOL. 9 (DEVELOPMENT AND PLANS)“, 23.-25.04.1951, <https://www.cia.gov/readingroom/docs/AERODYNAMIC%20%20%20VOL.%209%20%20(DEVELOPMENT%20AND%20PLANS)_0039.pdf>
[49] siehe [48]
[50] Wikipedia, „Theodor Oberländer“, <https://en.wikipedia.org/wiki/Theodor_Oberl%C3%A4nder>

Wie ukrainische Terroristen vor dem 2. Weltkrieg brutale Terrortechniken erfanden

Schon vor dem 2. Weltkrieg wandten ukrainische Faschisten brutale Terrortechniken gegen die Zivilbevölkerung an. Nach dem 2. Weltkrieg förderte die CIA diese Terroristen und nutzte ihre Techniken. Teil 1 einer dreiteiligen Serie über den ukrainischen Faschismus und die USA.

Von Published On: 13. August 2022Kategorien: Gesellschaft & Geschichte

Dieser Text wurde zuerst am 09.07.2022 auf www.covertactionmagazine.com unter der URL <https://covertactionmagazine.com/2022/06/09/how-pre-ww-ii-ukrainian-fascists-pioneered-brutal-terror-techniques-later-improved-by-cia-now-ironically-taught-to-descendants/> veröffentlicht. Lizenz: ©, Evan Reif, Covert Action Magazine

Die eifrigen Schüler der CIA, die den Terrorismus gegen die Zivilbevölkerung üben: Die Partisanen der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN), die von der CIA für den Kampf gegen die Sowjets rekrutiert wurden. (Quelle: rbth.com, public domain)

„Der Terror wird nicht nur ein Mittel der Selbstverteidigung sein, sondern auch eine Form der Agitation, die Freund und Feind gleichermaßen trifft – egal, ob sie es wollen oder nicht.“ [Aus einer Broschüre der UVO (faschistische ukrainische Militärorganisation) aus dem Jahr 1929]

Die Geschichte der Ukraine ist wechselvoll und lang. Seit Jahrtausenden ist das fruchtbare Land mit seiner schwarzen Erde und den reichen Meeren hart umkämpft. Von den Skythen der Antike über die Waräger, die später zu den Rurukiden und den ersten Zaren wurden, bis hin zu den Mongolen, dem Hetmanat und der Ukrainischen SSR (ukrainische Sowjetrepublik, Anm. d. Red.) ist es unmöglich, die heutige Situation der Ukraine ohne einen gewissen historischen Hintergrund zu verstehen.

Unter all denen, die in der Ukraine gelebt haben, gekämpft und gestorben sind, ragt eine Gruppe aufgrund ihrer Bedeutung für die heutigen Ereignisse heraus: Die faschistischen Terroristen, Banditen und Kollaborateure, bekannt als die „Organisation Ukrainischer Nationalisten“ (OUN).

Es ist nicht meine Absicht mit diesem Text eine umfassende Geschichte der OUN zu liefern. Vielmehr möchte ich einen Bogen aufspannen, der die Terroristen der Vergangenheit direkt mit denen der Gegenwart verbindet. Dazu bedarf es einiger Hintergrundinformationen.

Der Anfang: Yevhen und die UVO

„Der Terror wird nicht nur ein Mittel der Selbstverteidigung sein, sondern auch eine Form der Agitation, die Freund und Feind gleichermaßen treffen wird – ob sie es wollen oder nicht.“ [UVO, 1929]

Yevhen Konovalets, ein ehemaliger österreichisch-ungarischer Armee-Leutnant, gründete die OUN 1929 in Wien, aus der Asche seiner früheren Organisation, der Ukrainischen Militärorganisation UVO. [1] Die UVO war 1920 aus Gruppen rechtsgerichteter österreichisch-ungarischer Veteranen des Ersten Weltkriegs hervorgegangen, die in der frühen Zwischenkriegszeit für die kurzlebige Ukrainische Volksrepublik kämpften. Die UVO operierte hauptsächlich in der Westukraine, die damals von Polen besetzt war, und führte eine umfangreiche Terrorkampagne gegen die Polen und Sowjets durch.

Der Fairness halber sollte an dieser Stelle erwähnt werden, dass das polnische Regime zu dieser Zeit eine rechtsextreme Regierung war [2], die eine Reihe Landreform- und Sprachgesetze umsetzte, die in der Bevölkerung Widerwillen auslöste. Dennoch ist die völkermörderische Reaktion der UVO darauf nicht zu rechtfertigen. Die UVO attackierte und tötete weit mehr unschuldige polnische Zivilisten als Soldaten oder Polizisten. Die Gruppe versuchte und verübte auch zahlreiche erfolgreiche Bombenanschläge und Attentate. 1921 marschierte sie im Rahmen eines letztendlich gescheiterten „Befreiungsangriffes“ sogar in die Ukrainische SSR ein [3].

Ebenfalls 1921 begann Konovalets die offizielle Zusammenarbeit mit dem deutschen Nachrichtendienst und traf sich mit Friedrich Gempp, dem Leiter des militärischen Nachrichtendienstes der Weimarer Republik [4]. Von 1921 bis 1928 erhielt die UVO mehrere Millionen Mark Unterstützung aus dem Weimarer Deutschland. Auf Druck der polnischen und der sowjetischen Regierung wurde die UVO-Führung nach Berlin verlegt, wo der Weimarer Geheimdienst mit ihrer Ausbildung begann. Nach der Machtübernahme durch die Nazis setzten Konovalets und die Abwehr ihre Zusammenarbeit unverändert fort.

Die UVO betrachtete den Terrorismus als integralen Bestandteil ihres Kampfes, und zwar in einem solchen Ausmaß, dass sie sogar gemäßigte Nationalisten wie Ivan Babij [5] tötete, weil sie nicht extrem genug waren. Sie agierten meist als Banditen – eine bewährte Taktik. So verübte die UVO im Jahr 1922 etwa 2.300 Angriffe auf polnische Bauernhöfe und nur 17 auf das polnische Militär und die Polizei. Um Vorräte zu beschaffen überfiel die UVO Bauernhöfe, tötete die anwesenden Besitzer und Arbeiter und verbrannte die Ernte. Später wurden fliegende Brigaden gegründet, um polnisches Eigentum zu „enteignen“, wobei sie zur Finanzierung der Organisation häufig auf Banküberfälle zurückgriffen.

Über Jahre hinweg agierte die UVO in dieser Art und verübte mit unterschiedlichem Erfolg Terroranschläge und Raubzüge. Mehrmals wurde sie von der polnischen Polizei fast ausgelöscht, bis 1929 ein Zusammenschluss von fünf ukrainischen nationalistischen Gruppen zur Gründung der OUN (Organisation Ukrainischer Nationalisten, Anm. d. Red.) führte.

Logo der OUN und Yevhen Konovalets, der die OUN 1929 gründete. (Logo: Seeklogo.com, public domain; Bild: Wikipedia.org, gemeinfrei)

Stepan Bandera übernimmt die Führung: Wie die OUN zu ihrem B kam

„Die OUN schätzt das Leben ihrer Mitglieder, schätzt es hoch ein; aber unsere Idee ist unserem Verständnis nach so groß, dass, wenn wir über ihre Verwirklichung sprechen, nicht nur einzelne Individuen, auch nicht Hunderte, sondern Millionen geopfert werden müssen, um sie zu verwirklichen.“ [Stepan Bandera, 1933]

Nach dem Zusammenschluss geriet Konovalets in Vergessenheit, da jüngere, radikalere Mitglieder die Führung der OUN übernahmen. Die UVO existierte technisch gesehen weiter, aber ihre Rolle wurde in der neuen Organisation drastisch reduziert. Einer dieser jungen Anführer war Stepan Bandera.

Bandera war der Sohn eines katholischen Priesters aus Lemberg (Lviv) und ein langjähriger Faschist. Er fing als Junge in der Plast-Bewegung (einer faschistischen Pfadfindergruppe) an, bevor er zur OUN wechselte. Er stieg schnell auf und wurde 1931 Propagandachef, bevor er 1933 zum Leiter der nationalen Exekutive ernannt wurde.

Bandera war ein engagierter, aber psychotischer Faschist, der sich von klein auf selbst folterte, um seine Widerstandskraft zu stärken. Und er war ein fanatischer, gewalttätiger Antisemit, Antikommunist, Anti-Ungar und Anti-Pole. Außerdem war er ein Revanchist, der sogar Gebiete zurückerobern wollte, die den Ukrainern seit Jahrhunderten nicht mehr gehörten, und sie von allen Nicht-Ukrainern säubern wollte. Bandera radikalisierte die OUN schnell weiter, und sein Blick für Talente bedeutete, dass die OUN sowohl größer, als auch effektiver werden konnte. Dies wurde 1934 deutlich, als die OUN-B ihren bisher dreistesten Anschlag verübte und den polnischen Außenminister Bronisław Pieracki aus nächster Nähe mit einer Pistole ermordete. [6]

Die polnischen Behörden nahmen Bandera daraufhin fest und verurteilten ihn zusammen mit anderen OUN-Führern zum Tode. Das Todesurteil wurde in lebenslänglich umgewandelt, und Bandera blieb bis 1939, als die Nazis in Polen einmarschierten, inhaftiert. Es ist unklar, wer genau ihn freiließ, nachdem die Gefängniswärter vor den einmarschierenden Nazis geflohen waren: Die Nazis selbst oder seine Kameraden. Ich glaube nicht, dass die Unterscheidung wichtig ist: Seine Freilassung erfolgte wegen der Nazis, wenn vielleicht auch nicht direkt durch sie.

Nach seiner Freilassung begannen die Nazis mit den Vorbereitungen für die Operation Barbarossa (den Überfall auf die UdSSR), bei dem Bandera und die OUN eine wichtige Rolle spielen sollten.

Auf Anweisung der obersten Naziführung – darunter Hitler, Abwehrchef Wilhelm Canaris und die Generäle Wilhelm Keitel und Alfred Jodl – setzte die Abwehr ab 1940 Bandera und die OUN aktiv ein.

Ziel dieser Zusammenarbeit war es nicht nur, die Sowjets anzugreifen, sondern auch über eine brutale und effiziente Truppe zu verfügen, die Repressalien und Gräueltaten an der Zivilbevölkerung verüben konnte. Um aus der Zeugenaussage von General Erwin von Lahousen [7] bei den Nürnberger Prozessen zu zitieren:

„COL. AMEN: Damit das Protokoll ganz klar ist: Von welchen Maßnahmen genau sagte Keitel, sie wären bereits vereinbart worden?

LAHOUSEN: Nach Aussage des Chefs des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW), waren die Bombardierung Warschaus und die Erschießung der von mir erwähnten Personengruppen bereits vereinbart worden.

COL. AMEN: Und um wen handelte es sich dabei?

LAHOUSEN: Vor allem die polnische Intelligenz, der Adel, der Klerus und natürlich die Juden.

COL. AMEN: Was wurde – wenn über­haupt – über eine mögliche Zu­sammen­arbeit mit einer ukrainischen Gruppe gesagt?

LAHOUSEN: Canaris wurde vom Chef des OKW beauftragt. Dieser gab an, eine Anweisung zu übermitteln. Offenbar hatte er diese von Ribbentrop erhalten, denn im Zusammenhang mit den politischen Plänen des Außenministers sprach er davon, in der galizischen Ukraine einen Aufstand zur Vernichtung von Juden und Polen anzuzetteln.

COL. AMEN: Zu welchem Zeitpunkt stießen Hitler und Jodl zu diesem Treffen?

LAHOUSEN: Hitler und Jodl traten entweder nach den soeben geschilderten Gesprächen oder gegen Ende der gesamten Diskussion zu diesem Thema ein, als Canaris bereits mit seinem Bericht über die Lage im Westen begonnen hatte – das heißt, über die inzwischen eingetroffenen Nachrichten zur Reaktion der französischen Armee am Westwall.

COL. AMEN: Und welche weiteren Dis­kus­sionen fanden dann statt?

LAHOUSEN: Nach dieser Unterredung im Privatwagen des OKW-Chefs verließ Canaris den Wagen und führte ein weiteres kurzes Gespräch mit Ribbentrop, der, auf das Thema Ukraine zurückkommend, ihm noch einmal sagte, der Aufstand solle so inszeniert werden, dass alle Höfe und Wohnungen der Polen in Flammen aufgehen und alle Juden getötet werden.

COL. AMEN: Wer hat das gesagt?

LAHOUSEN: Das hat der damalige Außenminister Ribbentrop zu Canaris gesagt. Ich habe neben ihm gestanden.

COL. AMEN: Haben Sie auch nur den geringsten Zweifel daran?

LAHOUSEN: Nein. Daran habe ich nicht den geringsten Zweifel. Ich erinnere mich mit besonderer Deutlichkeit an die irgendwie neue Formulierung, dass ,alle Höfe und Wohnungen in Flammen aufgehen sollten‘. Zuvor war nur von ,Liquidierung‘ und ,Beseitigung‘ die Rede gewesen.“

Der aufgebahrte polnische Außenminister Bronisław Pieracki, der von der OUN-B erschossen wurde. (Bild: Polish National Archive)

Erwin Stolz [8], Oberst der Abwehr, klärte auf, wen Lahousen meinte:

„Während der Ausführung der oben erwähnten Anweisungen von Keitel und Jodl nahm ich Kontakt mit den ukrainischen Nationalsozialisten auf, die im deutschen Nachrichtendienst tätig waren sowie mit anderen Mitgliedern der nationalistischen faschistischen Gruppen, welche ich für die Ausführung der oben genannten Aufgaben einspannte.

Insbesondere wurden die Führer der ukrainischen Nationalisten, Melnik (Codename ,Konsul I‘) und Bandera, von mir persönlich angewiesen, sich sofort nach dem Angriff Deutschlands auf die Sowjetunion zu organisieren und Demonstrationen in der Ukraine zu provozieren, um die unmittelbare Nachhut der sowjetischen Armeen zu stören und auch die internationale Öffentlichkeit von einem angeblichen Zerfall der sowjetischen Nachhut zu überzeugen.

Wir haben auch spezielle Sabotagegruppen der Abwehr II für subversive Aktivitäten in den baltischen Republiken der Sowjetunion vorbereitet.“

Zwar gab es keine Einwände gegen die Kollaboration mit den Nazis, doch war die OUN in der Frage, wie es danach weitergehen sollte, tief gespalten. Der damalige Führer der OUN, Andriy Melnyk, befürwortete eine gemäßigtere Haltung, die den Nazis gegenüber unterwürfiger war. Bandera war damit nicht einverstanden. Er befürwortete eine revolutionäre Haltung und die Erklärung der ukrainischen Unabhängigkeit. Die Meinungsverschiedenheiten führten zu einer heftigen Spaltung, wobei Bandera die radikalsten Mitglieder mitnahm und mit ihnen die OUN-B gründete. Melnyks Gruppe, die durch weitere Spaltungen geschwächt war und nun von Bandera angegriffen wurde, wurde schnell übernommen. Die OUN-M überlebte zwar den Krieg, aber von diesem Zeitpunkt an kontrollierte Bandera die faschistische Bewegung der Ukraine mit wenig Widerspruch.

Schon bald sollte die Zusammenarbeit mit der Abwehr ihre schrecklichen Früchte tragen. Unter der Ägide des Abwehr-Kommando-Bataillons „Brandenburg“, aber unter dem Kommando der OUN, wurden zwei OUN-Einheiten gebildet, „Roland“ und „Nachtigall“. Letztere stand unter dem Kommando des berüchtigten Massenmörders Roman Shukhevych [9], der später einige der schlimmsten OUN-Gräueltaten planen sollte. Es gab auch andere OUN-Kräfte, die sowohl der Wehrmacht als auch der Gestapo angehörten und meist als Dolmetscher und Führer dienten. „Nachtigall“ und „Roland“ wurden 1941 zusammen mit Nazi-Truppen nach Lemberg geschickt, um ihre blutige Mission zu erfüllen.

Die blutige Nachtigall

„Wir sind alle UPA-Soldaten und vor allem alle Untergrundkämpfer. Und ich bin mir bewusst, dass wir früher oder später im Kampf gegen die brutale Gewalt sterben müssen. Aber ich versichere Ihnen, dass wir keine Angst vor dem Tod haben werden, denn wenn wir sterben, werden wir uns bewusst sein, dass wir Dünger für das ukrainische Land sein werden. Dies ist unsere Heimat, die viel Dünger braucht, damit in der Zukunft eine neue ukrainische Generation auf ihr heranwächst, die das vollendet, was uns nicht bestimmt war zu vollenden.“[Roman Shukhevych [10]]

Seit dem 13. Jahrhundert bis zum Jahr 1943 war Lemberg (Lviv) entweder unter polnischer oder österreichischer Kontrolle. Es war eine Stadt mit etwa 500.000 Einwohnern, von denen mehr als die Hälfte polnische Katholiken waren, mit einer beträchtlichen jüdischen Minderheit von 100.000-160.000 Einwohnern und Zehntausenden Flüchtlingen aus dem von den Nazis besetzten Europa. Der Anteil der ukrainischen Bevölkerung betrug etwa 20%. Die OUN verschwendete keine Zeit, daran was zu ändern.

Die OUN-Truppen rückten mit dem ausdrücklichen Befehl in die Stadt ein, die jüdische, polnische und russische Bevölkerung zu vernichten [11] – eine Aufgabe, die sie mit Bravour erfüllen sollten.

Das erste Blutvergießen wurde in den späten Stunden des 30. Juni 1941 von den Dolmetschern begangen. Ihnen wurde die zweifelhafte Ehre zuteil, das erste Massaker nach dem Fall von Lemberg zu begehen. Es handelte sich dabei um die Entführung, Folterung und Ermordung mutmaßlicher polnischer Anti-Nazi-Professoren.

Roman Shukhevych, Kommandant von „Nachtigall“. (Bild wikiquote / public domain)

Auf der Grundlage von Abschusslisten der OUN verhafteten nationalsozialistische und ukrainische Kräfte die Professoren und ihre Familien und hielten sie stundenlang unter Folter in den Wohnheimen fest. Bis auf einen wurden alle hingerichtet, und nach ihrem Tod wurden ihre Wohnungen von SS- und OUN-Offizieren geplündert und besetzt.

Um nicht ins Hintertreffen zu geraten, machte sich „Nachtigall“ bald darauf an die Arbeit [12]. Was sich ab dem 30. Juni 1941 in Lemberg abspielte, ist nicht als ein einziges Massaker zu verstehen, sondern als eine Massaker-Serie, die sich über einen Monat hinzog. „Nachtigall“ war eine der ersten beiden Einheiten, die in Lemberg einmarschierten. In Begleitung von Nazi-Elitetruppen nahm „Nachtigall“ die auf einem Hügel gelegene Burg ein, richtete dort ein Hauptquartier ein und begann, die örtlichen Juden zusammenzutreiben, wobei die Juden zunächst gezwungen wurden, die Straßen von Leichen und Bombenschäden zu befreien. Wahllose Morde und Plünderungen jüdischer Häuser und Besitztümer begleiteten diese Arbeit in der ersten Nacht.

Ein Einheimischer verprügelt einen Juden auf der Straße. (Bild: Wehrmacht Propaganda Kompanie / CC BY-SA 3.0)

Am Morgen wurden die OUN-Infiltratoren, Überläufer und Sympathisanten mobilisiert und begannen an der Seite der Nazis mit der systematischen Gewalt gegen Juden. In den Tagen vor dem Angriff wurden in Lemberg Propaganda-Flugblätter der OUN verbreitet, in denen die Bewohner aufgefordert wurden, sich zu melden: „Werft Eure Waffen noch nicht weg. Nehmt sie auf! Vernichtet den Feind. […] Moskau, Ungarn, die Juden – das sind Eure Feinde. Vernichtet sie!” [13]

Es scheint, dass viele von ihnen diesen Rat beherzigt haben. Bei dem darauf folgenden Pogrom verübten die ukrainischen Nationalisten am helllichten Tag Tausende brutale Gewalttaten gegen Juden in der ganzen Stadt. Sie zwangen viele Frauen auf die Straße, wo die Nationalisten sie nackt auszogen, vergewaltigten und ermordeten. Die Männer kamen nur wenig besser weg; viele wurden auf der Straße mit Knüppeln und Fäusten brutal geschlagen, während die Menge sie verspottete und mit Müll bewarf.

Die Reporter der Nazis filmten und fotografierten viele dieser Gewalttaten. Eine Propagandakompanie der Wehrmacht nahm beispielsweise das Bild oben auf, auf dem ein Einheimischer einen Juden auf der Straße verprügelt. Es diente in Zeitungen und Filmen in ganz Deutschland als Beweis dafür, dass die Nazis ihre seit langem geplanten und bekannten Vernichtungspläne durchführen würden und könnten. An diesem Tag im Jhar 1941 wurden zwischen 2.000 und 5.000 Juden willkürlich abgeschlachtet – nahezu alle von der OUN und den mit ihr verbündeten Kräften.

Bald darauf trafen die Einsatzgruppen ein. Sie waren professionelle Mörder, die Elitetruppe der faschistischen Henker, die bereits zahllose Städte und Dörfer in ganz Polen und der UdSSR „gesäubert“ hatte.

Die Einsatzgruppen gingen von Tür zu Tür, jagten und fanden ihre vorrangigen Ziele. In einer einigermaßen geordneten Art und Weise führten die Männer der Einsatzgruppen sie zu vorher ausgehobenen Gruben, zwangen sie in die Knie und exekutierten sie durch Schüsse. Sie wiederholten diesen Vorgang stundenlang, bis etwa 3.000 Juden tot waren. „Nachtigall“, [14] die OUN-Milizen und verschiedene andere faschistische Kollaborateure waren an jedem Aspekt dieses Massakers beteiligt. In ihrer Funktion als Polizei halfen sie dabei, die Juden auf Lastwagen zu verladen und sie zu den Stadien zu fahren, wo sie mit Maschinengewehren hingerichtet werden sollten.

Diese Ausrottungsaktionen zogen sich über Tage dahin, zusammen mit der systematischen Plünderung des Eigentums der jüdischen Bevölkerung. Die Buchhalter der Nazis in Berlin verlangten, dass die unterworfenen Menschen in höchstem Maße wirtschaftlich ausgebeutet werden sollten, was so weit ging, dass man ihnen die Zahnfüllungen entfernte, wobei ein Großteil des Geldes direkt an deutsche Industrielle ging, die von den Arbeits- und Vernichtungsprogrammen der Nazis enorm profitierten. Dabei wurden mehr als 4.000 Menschen getötet, viele von ihnen mit Knüppeln zu Tode geprügelt. Der Gesamtwert all dessen, was den Opfern dieses Massakers und vieler anderer dieser Art gestohlen wurde, wird nie bekannt werden.

Traurigerweise waren „Nachtigall“ und Co. noch nicht fertig. Am 25. Juli 1941 [15] begannen die ukrainischen Streitkräfte ein weiteres Pogrom, das etwa drei Tage dauerte. In den sogenannten Pelitura-Tagen (benannt nach einem ermordeten ukrainischen Führer ), marschierten ukrainische Nationalisten vom Lande unter dem Kommando der OUN in Lemberg ein. Anhand von Listen, zur Verfügung gestellt von der ukrainischen Hilfspolizei, machten die nationalistischen Kräfte Jagd auf die verbliebenen Juden, Polen, Kommunisten und andere „Unerwünschte“.

In einem dreitägigen Aderlass wurden etwa 2.000 Menschen ermordet; die meisten von ihnen wurden mit landwirtschaftlichen Geräten zerhackt. Diese Art von Brutalität sollte das Aushängeschild von Shukhevych und der OUN für den Rest ihrer gesamten Existenz bleiben.

Als die Rote Armee 1944 Lemberg befreite, waren nur noch 150.000 Menschen übrig, von denen nur 800 Juden waren. Die OUN, die ukrainischen Hilfstruppen und die Nazis brachten den Rest entweder um oder verhafteten und deportierten sie in das Konzentrationslager Belzec. Dort ermordeten die Nazis sie alle im Rahmen der „Operation Reinhard“ [16]. Belzec war so effizient, dass weniger als ein Dutzend Überlebende übrigblieben.

Hoch oben in der Burg war die OUN-Führung nicht untätig. Während das Gemetzel in Lemberg weiterging, rief Jaroslaw Stetsko, der zweite Befehlshaber der OUN, ein gebürtiger Lemberger und selbst ein militanter Faschist, eine unabhängige, mit den Nazis verbündete ukrainische Regierung aus [17]. Damit wurde der Grundstein für ein komplizierteres Kapitel in der Geschichte der OUN gelegt.

Exhumierte Überreste von OUN-Opfern, Polen, 1990er Jahre. (Bild: kresy.pl)

Die Frage der Kollaboration

„Der neu gebildete ukrainische Staat wird eng mit dem nationalsozialistischen Großdeutschland unter der Führung seines Führers Adolf Hitler zusammenarbeiten, das eine neue Ordnung in Europa und in der Welt schafft und dem ukrainischen Volk hilft, sich von der moskowitischen Besatzung zu befreien. Die Ukrainische Revolutionäre Volksarmee, die sich auf ukrainischem Boden gebildet hat, wird mit der Alliierten Deutschen Armee gegen die moskowitische Besatzung für einen souveränen und geeinten Staat und eine neue Ordnung in der ganzen Welt weiter kämpfen. Es lebe die ukrainische Souveräne Vereinigte Ukraine! Es lebe die Organisation der ukrainischen Nationalisten! Es lebe der Führer der Organisation der ukrainischen Nationalisten und das ukrainische Volk!” [Stepan Bandera, Ruhm Der Ukraine! [18], Yaroslaw Stetsko, aus dem „Gesetz zur Wiederherstellung des ukrainischen Staates“ [19]]

Hier würden die Nationalisten wohl empört erwidern: Bandera wurde verhaftet! Er war in den Lagern! Er war weder ein Faschist noch ein Nazi! Die OUN hat die Nazis bekämpft!

Ich finde diese Argumente aus verschiedenen Gründen nicht überzeugend. Erstens können Bandera und die OUN für sich allein genommen als Faschisten gelten [20]. Sie waren gewalttätig und militant antisemitisch, polenfeindlich, antikommunistisch und ethno-nationalistisch. Selbst wenn sie keine Nazi-Kollaborateure waren, würden ihre eigenen schrecklichen Gräueltaten einen bleibenden schwarzen Fleck auf ihrer Weste hinterlassen.

Die vielleicht schockierendste dieser Aktionen fand in Wolyna [21] statt, eine ethnische Säuberungskampagne, die in zweijährigen Kämpfen zwischen polnischen und OUN-Kräften durchgeführt wurde und mit dem „Blutsonntag“ ihren Höhepunkt erreichte. Am 11. Juli 1943 griff Roman Shukhevych etwa 100 polnische Siedlungen gleichzeitig an. Die UPA (Ukrainische Aufständige Armee, militärischer Arm der OUN, Anm. d. Red.) ermordete an diesem Tag etwa 8.000 polnische Zivilisten, von denen viele während der Messe in ihren Kirchen erschossen oder lebendig verbrannt wurden. Anschließend verteilte sich die UPA auf dem Land und jagte und tötete mit Äxten, Hämmern und Messern alle, die entkommen waren. Mehr als zwei Jahre lang metzelte die OUN die lokale Bevölkerung nieder, wobei etwa 100.000 Menschen starben, die meisten von ihnen waren Frauen und Kinder.

Ukrainische Hilfspolizei bei der Hinrichtung einer Mutter mit Kind in Miropol, UdSSR, 1941 (Bild: static01.nyt.com)

Diese Art von Brutalität war sehr typisch für die OUN. Moshe Maltz, ein ukrainischer Jude, der sich vor den Banderiten versteckt hielt, notierte dies in seinem Tagebuch, das später als seine Memoiren veröffentlicht wurde [22].

„Die Bandera-Männer […] machen keinen Unterschied, wen sie töten; sie erschießen die Bevölkerung ganzer Dörfer…. Da es kaum noch Juden zu töten gibt, haben sich die Bandera-Banden gegen die Polen gewandt. Sie hacken die Polen buchstäblich in Stücke. Jeden Tag […] kann man die Leichen von Polen sehen, mit Drähten um den Hals, die den Fluss Bug hinuntertreiben.“

Daher braucht die OUN keinen Hitler, um sie schlecht aussehen zu lassen. Zweitens waren sie Nazi-Kollaborateure. Einige Monate nach der Unabhängigkeitserklärung, die von den Nazis übrigens nicht akzeptiert wurde, nahmen die Spannungen so stark zu, dass die Nazis Bandera, Stetsko und andere Führer verhafteten. Nach einer Zeit des Hausarrests wurden sie 1943 in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht.

Der Aufenthalt von Bandera war jedoch nicht typisch [23]. Bandera hatte eine Zweizimmersuite mit Gemälden und Teppichen, durfte seine Frau besuchen, leistete keine Zwangsarbeit, trug keine Uniform, war vom Appell befreit, aß mit den Wärtern und seine Zellentür wurde nachts nicht verschlossen. [24]

Die Nazis ließen Bandera 1944 nach einem Treffen mit Hitlers oberstem Befehlshaber Otto Skorzeny frei [25], um eine Terrorkampagne gegen die vorrückende Rote Armee durchzuführen. Die Nazis hätten Bandera und Stetsko in der Zwischenzeit jederzeit töten können, taten es aber nicht. Stattdessen unternahmen sie große und erfolgreiche Anstrengungen, um sie zu rekrutieren.

Die OUN ging zwar gegen die Nazis vor, aber nur kurz und halbherzig. Im Jahr 1942 kam es praktisch zu keinerlei Kampfhandlungen.

Anfang 1943 änderte sich dies, und in der Westukraine kam es zu Kämpfen. Wie es ihrem Ruf als Banditen entsprach, überfielen die OUN hauptsächlich Bauernhöfe und kleine Siedlungen und branntschatzten und mordeten dabei. Bei den meisten dieser, mit der typischen Brutalität durchgefhührten, OUN-Angriffe, gab es mehr zivile als militärische Tote.

Im Jahr der Kämpfe tötete die OUN etwa 12.000 „Deutsche“. Nur 700-1.000 von ihnen gehörten der Wehrmacht an [26]; der Rest waren Zivilisten, die entweder in der NS-Verwaltung arbeiteten oder einfache Bauern in den von den Nazis kontrollierten Gebieten waren. Sowjetischen Partisanenberichten aus dieser Zeit zufolge hat sich die OUN nur dann mit Nazi-Soldaten angelegt, wenn es nötig war: „Die Nationalisten betreiben keine Sabotage; sie nehmen nur dann am Kampf mit den Deutschen teil, wenn die Deutschen die ukrainische Bevölkerung verhöhnen und wenn die Deutschen sie angreifen.“

Die Nazis, die planten, beide Gruppen irgendwann zu vernichten, nutzten die Situation, indem sie polnische Kollaborationseinheiten in die Region verlegten. Diese polnischen Kollaborateure führten zusammen mit ungarischen Hilfstruppen den Großteil der Kämpfe gegen die OUN.

Der sowjetische Sieg bei Stalingrad versetzte jedoch sowohl die Nazis als auch die OUN in Angst und Schrecken und zwang sie zu Verhandlungen und einer Abkühlung der Spannungen.

Auf ihrer dritten Ratsversammlung Ende 1943 bekräftigte die OUN-Führung noch einmal, dass die Sowjets ihr Hauptfeind sind und beendete die aktiven Bemühungen gegen die Nazis. Einige Scharmützel zwischen den Nazis und der OUN wurden bis 1944 fortgesetzt, aber es waren keine nennenswerten Kämpfe mehr [27]. Um den Historiker Russ Bellant [28] zu zitieren:

„Die OUN organisierte 1943 unter deutscher Schirmherrschaft eine multi­nationale Truppe, die für die sich zurückziehende deutsche Armee kämpfen sollte. Nach der Schlacht von Stalingrad 1943 hatten die Deutschen ein größeres Bedürfnis, mehr Verbündete zu bekommen. Und so schlossen sich die rumänische Eiserne Garde, das Ungarische Pfeilkreuz, die OUN und andere, die über militärische Formationen verfügten, zusammen und bildeten die Einheitsfront, die sich Komitee der unterworfenen Nationen nannte und wiederum für das deutsche Militär arbeitete. Im Jahr 1946 benannten sie es in Antibolschewistischer Block der Nationen (ABN) um. Stetsko war bis zu seinem Tod im Jahr 1986 dessen Leiter.“

Es ist verlockend, die OUN nur mit ihren Anführern in Verbindung zu bringen, aber in Wirklichkeit bestand die OUN immer aus Tausenden von meist anonymen einfachen Kämpfern. Viele dieser Kämpfer wechselten von nationalistischen Milizen zu den Nazis und wieder zurück.

Diese „Polizeieinheiten“ [29] erledigten den größten Teil der schmutzigen Arbeit, des von den Nazis so genannten „Sicherheitskrieges“, erledigten. Dies war wenig mehr als ein Euphemismus für die Terrorisierung und den Massenmord an allen, die sich der Naziherrschaft widersetzten. Abwehrkommando-Einheiten [30] boten den OUN-Kämpfern eine weitere Möglichkeit zur Zusammenarbeit und wurden fast ausschließlich zur Befriedung von Widerstandsbewegungen eingesetzt. Die berüchtigte SS-Division Galizien wurde ebenfalls 1943 gebildet, und die Überschneidungen zwischen dieser Division und der OUN waren groß. Trotz umfangreicher Versuche, ihren Ruf reinzuwaschen, war die Galizien-Division so kriminell [31], wie man es von einer SS-Division nur erwarten kann [32]. Märsche und Denkmäler zu Ehren der Galizien-Division sind noch heute in der Westukraine üblich.

„Die russische Ukraine kann nicht mit dem österreichischen Galizien verglichen werden […] Die österreichisch-galizischen Ruthenen sind eng mit dem österreichischen Staat verflochten. Daher ist es in Galizien möglich, der SS zu gestatten, eine Division aus der örtlichen Bevölkerung zu bilden.“ [Adolf Hitler, 1942]

Der größte Teil dieser Debatte ist jedoch müßig, da die Ukrainer selbst diese Frage 1993 entschieden geregelt haben. Auf Anweisung der ukrainischen Regierung [34] unter dem damaligen Präsidenten Leonid Kravchuk [35] wurde der SBU (ukrainische Staatssicherheit) angewiesen, das Ausmaß der Zusammenarbeit der OUN mit den Nazis zu untersuchen. Kravchuk beabsichtigte, die Rehabilitierung der OUN einzuleiten, und wollte dafür eine historische Rechtfertigung. Er sollte sie nicht bekommen.

Aus den Ergebnissen dieser Untersuchung geht hervor: „Die Archive enthalten Materialien, Trophäendokumente der OUN-UPA und deutscher Sonderdienste, die nur von kleineren Scharmützeln zwischen den UPA-Einheiten und den Deutschen im Jahr 1943 zeugen. In den Dokumenten wurden keine bedeutenden Offensiv- oder Defensivoperationen, keine groß angelegten Schlachten verzeichnet. Die Taktik des Kampfes der UPA-Einheiten mit den Deutschen in diesem Zeitraum beschränkte sich auf Angriffe auf Posten, kleine militärische Einheiten, die Verteidigung ihrer Stützpunkte und Hinterhalte auf der Straße.“ [Sicherheitsdienst der Ukraine, „Über die Aktivitäten der OUN-UPA“, 7.3.1993 [36]]

Wie ich bereits dargelegt habe, gab es 1942 überhaupt keine Kämpfe. 1944 hatte die OUN den bewaffneten Kampf gegen die Nazis offiziell beendet. Da die OUN laut der SBU-Untersuchung auch 1943 kaum gegen die Nazis kämpfte, liegt die Schlussfolgerung nahe, dass sie die Nazis überhaupt nicht bekämpfte.

Vor diesem Hintergrund braucht der ehemalige Komiker Zelensky [37] vielleicht bessere Witze.

Ukrainische Faschisten marschieren unter dem Logo der SS-Division Galizien, 2018, Quelle: ria.ru

Dreizack und Gladius

„ABN (Anti-Bolschewistischer Block der Nationen, Anm. d. Red.) waren die besten Auftragskiller, von denen man je gehört hat.“ [L. Fletcher Prouty, Chef für Sondereinsätze für die Vereinigten Stabschefs unter Kennedy [38]]

Bandera und die OUN blieben bis zum Ende des Krieges Gefolgsleute der Nazis [39]. Der deutlichste Beweis dafür ist, dass Jaroslaw Stetsko fast in einem Nazi­konvoi ums Leben kam, der 1945 von amerikanischen Streitkräften beschossen wurde. Bis in die 1950er Jahre hinein verübte die OUN weiterhin verschiedene Terroranschläge in der West­ukraine. Nach Angaben des KGB war die OUN jedoch nicht in der Lage, ihre Verluste auszugleichen. Dies und andere aktive Gegen-Maßnahmen führten dazu, dass die OUN um 1954 als Kampforganisation aufgelöst wurde. Der Tod von Roman Shukhevych bei einem Überfall der sowjetischen Streitkräfte 1950 war ebenfalls ein schwerer Schlag für die UPA, von dem sie sich nicht mehr erholen konnte.

Zunächst aber brauchte die OUN zum Ende des 2. Weltkrieges hin dringend neue Unterstützer, und sie verschwendeten keine Zeit bei der Suche.

Im Jahr 1944 gründete die OUN zusammen mit anderen nationalistischen Gruppen den Obersten Ukrainischen Befreiungsrat (UHVR). Die üblichen Verdächtigen der OUN-nahen Organisationen wurden zu Mitgliedern. Präsident der UHVR war Iwan Hrinioch, ein ehemaliger Kaplan von „Nachtigall“, Außenminister wurde Mykola Lebed, Chef der berüchtigten Geheimpolizei der OUN [40]. Später bezeichnete ihn die US-Armee als einen „bekannten Sadisten und Kollaborateur der Deutschen“ (und er sollte später ein Kollaborateur der CIA werden, Anm.d.Verf. [41]).

Zusammen mit dem UPA-Verbindungsoffizier Juri Lopatinski begaben sich Iwan Hrinioch und Mykola Lebed 1944 auf eine Mission in den Vatikan, um die Unterstützung westlicher Regierungen einzuholen. Es ist unklar, was genau bei diesem Treffen herauskam, aber es ist erwiesen [42], dass die Briten etwa zu dieser Zeit begannen, die Gruppe zu unterstützen.

Wie schon zuvor bei der OUN löste Bandera schnell eine heftige Spaltung innerhalb der UHVR aus. Diese wurde 1947 in der Frage der Ostukraine zwischen Bandera/Stetsko und Lebed/Hrinioch offen ausgetragen. Die Ostukraine ist größtenteils russisch und war schon immer – eine große Schwachstelle für die heftig anti-russische OUN.

Bandera bestand nicht nur auf einer Einparteien-Diktatur (die er anführen würde), sondern auch auf einem rein ukrainischen Ethnostaat, der von jeglichem russischen Einfluss befreit war. Lebed und Hrinioch waren der Ansicht, die Ostukrainer müssten in die Bewegung einbezogen werden, damit sie erfolgreich sein könne.

Wegen dieser Meinungsverschiedenheit schloss Bandera 1948 Lebed und Hrinioch aus der UHVR aus. Schlussendlich führte diese Entscheidung zu Banderas Untergang, denn die CIA fand, er sei viel zu extrem und zu wenig kompromissbereit, um ein für die CIA nützlicher Agent zu sein.

Bandera genoss zwar in der faschistischen Untergrundbewegung großes Ansehen, doch seine jahrelangen gewaltsamen Angriffe auf Rivalen führten dazu, dass viele nicht mit ihm zusammenarbeiten wollten. Die CIA wollte eine ­geeinte Front und war sich darüber im Klaren, dass dies mit Bandera an der Spitze nicht möglich war.

Es gibt immer noch einige Lücken in der Chronologie der frühen Nachkriegszeit. Die jüngsten Freigaben von Dokumenten haben jedoch zu einem besseren Verständnis von Banderas Rolle und der OUN als Agenten der CIA und des Westens geführt.

Gehlen und Mitarbeiter besuchen ein russisches Kriegsgefangenenlager auf der Suche nach Rekruten für die so genannte Russische Befreiungsarmee, Quelle: allthatsinteresting.com

Was wir mit Sicherheit sagen können, ist: Sehr bald nach dem 2. Weltkrieg entdeckte die Spionageabwehr der US-­Armee, dass sich Bandera in der amerikanischen Besatzungszone vor den Sowjets versteckte. Dies geht aus freigegebenen KGB-Dokumenten hervor, in denen eine gescheiterte Sonderaktion zur Entführung Banderas im Jahr 1946 beschrieben wird. Dieser Entführungsversuch wurde erst nach einem Jahr voller gescheiterter Auslieferungsverhandlungen zwischen Sowjets und US-Amerikanern unternommen. [43]

Mindestens seit 1946 lebte Bandera in München. Dort arbeitete er unter dem Schutz von und in enger Zusammenarbeit mit Reinhard Gehlen [44], dem Nazi-Spionagemeister, der zum CIA-Agenten [45] und künftigen Chef des westdeutschen Geheimdienstes wurde.

Gehlen war ein reueloser Nazi, der im Verborgenen die berüchtigten „Rattenlinien“ betrieb, die unzähligen Nazis halfen, vor der Justiz zu entkommen – in mit den USA verbündete Staaten! Er tat dies mit der vollen Unterstützung und Rückendeckung der CIA, die diese Männer als Aktivposten in den Bünsnisstaaten nutzen wollte.

Allein im Jahr 1946 erhielt Gehlen rund 3,5 Millionen Dollar [46] und beschäftigte 50 Mitarbeiter, davon 40 ehemalige SS-Leute. Unter denen, denen Gehlen zur Flucht verhalf, waren Adolf Eichmann [47] und Otto Skorzeny.

Schon früh arbeiteten Bandera und die OUN (oder vielmehr die SB, die von Lebed gegründete Geheimpolizei) als Attentäter für den MI6 in den Lagern für „Vertriebene“. Die SB nahm Kommunisten, rivalisierende Faschisten und jeden ins Visier, der zu viel über die blutige Vergangenheit der OUN wusste. Tausende Flüchtlinge fanden ihr Ende in den Händen der OUN bzw. SB im Rahmen der vom Westen sogenannten „Operation Ohio“. OUN/SB erwarben sich einen Ruf als erschreckend effiziente Killer, und hier verdiente sich Lebed seinen Codenamen „Teufel“.

1946 gründeten Bandera und Stetsko in München den Block der Antibolschewistischen Nationen (ABN). Als eine Art faschistische Internationale vereinigte er rechtsextreme antikommunistische Terror­gruppen aus der ganzen Welt zu einer einzigen, gut finanzierten Front. Jaroslaw Stetsko war der Anführer; seine enge Freundschaft mit Bandera bedeutete jedoch, dass er für die CIA zu diesem Zeitpunkt nicht akzeptabel war [48].

Bandera hatte zwar anfangs einige Kontakte zum OSS (dem Vorläufer der CIA), wurde aber schnell als viel zu extrem [49], operativ gefährlich (er weigerte sich oft, verschlüsselte Kommunikation zu verwenden) und widerspenstig eingestuft. Daher arbeitete Bandera hauptsächlich mit dem MI6 zusammen, während die CIA Lebed unterstützte. Die Situation zwischen den beiden war schließlich so angespannt, dass die CIA 1954 intervenierte, um den MI6 dazu zu bringen, Bandera als Agent zu entlassen.

Auf der OUN-Konferenz 1954 wurde er aus der OUN-Führung entfernt und durch „Reformisten“ ersetzt. Abgesehen davon schützten die CIA und die Deutschen Bandera auch vor mehreren Attentatsversuchen. Zu verschiedenen Zeiten wurde er entweder von Amerikanern des Army-CIC (Counter Intelligence Corps) oder von Gehlens SS-Schlägern bewacht. Mindestens einmal gab die CIA per Funk geheime Informationen an die westdeutsche Polizei weiter, um Bandera zu schützen. Sie waren zwar nicht mehr bereit, sich voll hinter Bandera zu stellen, wollten aber auch nicht, dass er zum Märtyrer wird.

Ab 1954 scheint die CIA-Strategie bzgl. Bandera darin bestanden zu haben, die Bestie einfach auszuhungern. Sie wollten Bandera loswerden, indem sie ihn aus der ABN-Führung entfernten und von der Finanzierung abschnitten.

Banderas Karriere würde so einfach im Sande verlaufen und sterben. Bandera würde zwar für den Rest seines Lebens in gewisser Weise weiter für Gehlen arbeiten, aber seine Rolle und sein Profil würden gezielt heruntergeschraubt.

Dennoch hatte auch der KGB Bandera weiterhin unter Beobachtung. Seit Ende des Krieges gab es Auslieferungsverhandlungen zwischen Sowjets und den USA, (Bandera galt bei den Sowjets als Kriegsverbrecher). Die Amerikaner lehnten jedoch rundherum ab. Daher unternahm der KGB wiederholt Versuche, Bandera zu töten. Wir wissen von gescheiterten Versuchen in den Jahren 1947, 1948, 1952 und 1959. Ein zweiter Versuch im Jahr 1959 sollte dann schließlich gelingen.

Am 15. Oktober 1959 drang der KGB-Agent Bohdan Stashynsky in Banderas Wohnung in München ein und schoss ihm mit einer speziell entwickelten Giftpistole ins Gesicht.

Bandera brach zusammen, blutete aus dem Mund und erlitt bei einem Treppensturz einen Schädelbasis-Bruch. Als Todesursache wurde zunächst ein Schlaganfall als Folge des Sturzes angenommen. Weitere Untersuchungen ergaben Spuren von Kaliumcyanid in Banderas Körper; bis zur Verhaftung von Stashynsky im Jahr 1961 war jedoch unklar, wer ihn vergiftet hatte. Ein Hauptverdächtiger war Theodor Oberländer [50], ein westdeutscher Politiker und Ex-Nazi, der 1941 als politischer Offizier für „Nachtigall“ gearbeitet hatte.

Nachdem Bandera ins Abseits seiner Organisation gedrängt wurde und dann starb, wurden die CIA-Sanktionen gegen ABN aufgehoben, und Yaroslav Stetsko übernahm eine stark erweiterte aktive Rolle als CIA-Kollaborateur. In dieser Rolle sollte er für den Rest seines Lebens brillieren.

In zukünftigen Artikeln dieser Artikelserie werde ich die Geschichte der Zusammenarbeit von Stetsko mit der CIA näher beleuchten. Denn es gibt eine klare Verbindung zwischen dieser Zusammenarbeit und den Ereignissen des Maidan-Putsches.

Quellen:

[1] Wikipedia, „Ukrainian Military Organization“, <https://en.wikipedia.org/wiki/Ukrainian_Military_Organization>
[2] Wikipedia, „Sanation“, <https://en.wikipedia.org/wiki/Sanation>
[3] ukrstor.com, A.A. Voitsekhovsky und G.S. Tkachenko, „Ukrainische antisowjetische Auswanderung. UVO-OUN“, am 05.09.2008, <https://web.archive.org/web/20141228093117/http:/www.ukrstor.com/ukrstor/bezprava-kniga1-1.2.html>
[4] Wikipedia, „Friedrich Gempp“, <https://en.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Gempp>
[5] Wikipedia, „Ivan Babij“, <https://en.wikipedia.org/wiki/Ivan_Babij>
[6] pk.org, „Zamach na ministra Bronisława Pierackiego i proces zamachowców (18 XI 1935 – 13 I 1936) w świetle publikacji prasowych“, <https://archive.ph/vzF2O>
[7] Yale Law School, The Avalon Project, „Nuremberg Trial Proceedings Volume 2“, am 30.11.1945, <https://avalon.law.yale.edu/imt/11-30-45.asp>
[8] Yale Law School, The Avalon Project, „Nuremberg Trial Proceedings Vol. 7“, am 11.02.1946, <https://avalon.law.yale.edu/imt/02-11-46.asp>
[9] United States Holocaust Memorial Museum, „The Holocaust in Ukraine“, 2013 <https://www.ushmm.org/m/pdfs/20130500-holocaust-in-ukraine.pdf>
[10] tyzhden.ua, „Кулебська трагедія“, 02.12.2011, <https://tyzhden.ua/History/17986>
[11] Canadian Slavonic Papers, „The Lviv Pogrom of 1941: The Germans, Ukrainian Nationalists, and the Carnival Crowd“, 2011, <https://www.academia.edu/3181252>
[12] Brill, Per Anders Rudling, „The Cult of Roman Shukhevych in Ukraine: Myth Making with Complications“, am 26.05.2016, <https://brill.com/view/journals/fasc/5/1/article-p26_3.xml?language=en>
[13] Google Books, Martina Bitunjac und Julius H. Schoeps, „Complicated Complicity: European Collaboration with Nazi Germany during …“, <https://books.google.com/books?id=1dIuEAAAQBAJ&pg=PT106&lpg=PT106&dq=%22Don%27t+throw+away+your+weapons+yet.+Take+them+up.+Destroy+the+enemy.+…+Moscow,+the+Hungarians,+the+Jews%E2%80%94these+are+your+enemies.+Destroy+them.%22>
[14] siehe [9]
[15] Yad Vashem The Holocaust Martyrs‘ and Heroes‘ Remembrance Authority, „July 25: Pogrom in Lvov“, <https://archive.ph/20050311225417/http:/www1.yadvashem.org/about_holocaust/chronology/1939-1941/1941/chronology_1941_18.html%23top>
[16] Holocaust Encyclopedia, United States Holocaust Memorial Museum, Washington, DC, „OPERATION REINHARD (EINSATZ REINHARD)“, 14.05.2021, <https://encyclopedia.ushmm.org/content/en/article/operation-reinhard-einsatz-reinhard>
[17] Wikipedia, „Ukrainian national government (1941)“, <https://en.wikipedia.org/wiki/Ukrainian_national_government_(1941)>
[18] AP News, Mary Clare Jalonick, „‘Slava Ukraini’: Zelenskyy becomes Congress’ great unifier“, am 16.03.2022, <https://apnews.com/article/russia-ukraine-zelenskyy-europe-nancy-pelosi-impeachments-dbef6b1eadb5ee1794d56878d1046ed9>
[19] Wikiwand, „Act of restoration of the Ukrainian state“, <https://www.wikiwand.com/en/Act_of_restoration_of_the_Ukrainian_state>
[20] The Carl Beck Papers in Russian & East European Studies, Per A. Rudling, „The OUN, the UPA and the Holocaust: A Study in the Manufacturing of Historical Myths “, November 2011 <https://carlbeckpapers.pitt.edu/ojs/index.php/cbp/article/view/164/160>
[21] Slavic Review Vol. 75, No. 3 (FALL 2016), S. 630-654 , Jared McBride, „Peasants into Perpetrators: The OUN-UPA and the Ethnic Cleansing of Volhynia, 1943–1944“, 2016 <https://www.jstor.org/stable/10.5612/slavicreview.75.3.0630?read-now=1&seq=11>
[22] Shengold, Moshe Maltz, „Years of Horror–glimpse of Hope: The Diary of a Family in Hiding“, 1993, <https://books.google.com/books/about/Years_of_Horror_glimpse_of_Hope.html?id=81amAAAACAAJ>
[23] siehe [20]
[24] Zaxid.net, Василь Расевич, „Кого і чому не вчить історія“, 2016, <https://zaxid.net/kogo_i_chomu_ne_vchit_istoriya_n1397286>
[25] istpravda.com.ua, „“Спритний, фанатичний слов’янин“. Як нацисти характеризували Степана Бандеру“, 2018, <https://www.istpravda.com.ua/articles/2018/12/31/153492/>
[26] Acta studiosa historica, 2014 Ч. 4 С. 84-89, „БОРОТЬБА ОУН-УПА ПРОТИ НІМЕЦЬКИХ ВІЙСЬК: МІФ ЧИ РЕАЛЬНІСТЬ?“, <https://er.ucu.edu.ua/bitstream/handle/1/505/8.pdf?sequence=1>
[27] history.neu.edu, Jeffrey Burds, „Gender and Policing in Soviet West Ukraine, 1944-1948“, <https://web.archive.org/web/20070127004924/http:/www.history.neu.edu/fac/burds/Gender.pdf>
[28] <https://fpif.org/seven-decades-nazi-collaboration-americas-dirty-little-ukraine-secret/>
[29] Wikipedia, „Ukrainian Auxiliary Police“, <https://en.wikipedia.org/wiki/Ukrainian_Auxiliary_Police>
[30] istmat.org, „Приложение №14. Протокол допроса сотрудника «Абверкоманды-202» З.М. Мюллера об обучении в школах «Абверкоманды-202» украинских националистов“, <https://istmat.org/node/40613>
[31] Esprit de Corps Canadian Military Magazine, David Pugliese, „WHITEWASHING THE SS: THE ATTEMPT TO RE-WRITE THE HISTORY OF HITLER’S COLLABORATORS“, am 30.10.2020, <http://espritdecorps.ca/history-feature/whitewashing-the-ss-the-attempt-to-re-write-the-history-of-hitlers-collaborators>
[32] The Guardian, Geoffrey Goodman, „An unshown film“, 12.06.2000 <https://www.theguardian.com/politics/2000/jun/12/freedomofinformation.uk>
[33] Institute of National Remembrance, „Investigation into the Crime committed at the Village of Huta Pieniacka“, am 26.06.2001, <https://web.archive.org/web/20140301051417/http:/ipn.gov.pl/en/commission/selected-investigations/investigation-into-the-crime-committed-at-the-village-of-hut>
[34] Verkhovna Rada of Ukraine, „До питання про перевірку діяльності ОУН-УПА“, am 18.09.1995, <https://zakon.rada.gov.ua/laws/show/2964-12>
[35] Wikipedia, „Leonid Kravchuk“, <https://en.wikipedia.org/wiki/Leonid_Kravchuk>
[36] Wikisource, „Довідка Служби безпеки України № 113 «Про діяльність ОУН-УПА» від 30.07.1993“, <https://uk.wikisource.org/wiki/%D0%94%D0%BE%D0%B2%D1%96%D0%B4%D0%BA%D0%B0_%D0%A1%D0%BB%D1%83%D0%B6%D0%B1%D0%B8_%D0%B1%D0%B5%D0%B7%D0%BF%D0%B5%D0%BA%D0%B8_%D0%A3%D0%BA%D1%80%D0%B0%D1%97%D0%BD%D0%B8_%E2%84%96_113_%C2%AB%D0%9F%D1%80%D0%BE_%D0%B4%D1%96%D1%8F%D0%BB%D1%8C%D0%BD%D1%96%D1%81%D1%82%D1%8C_%D0%9E%D0%A3%D0%9D-%D0%A3%D0%9F%D0%90%C2%BB_%D0%B2%D1%96%D0%B4_30.07.1993>
[37] Kyiv Post, Oleksii Chaharnyi, „Lawmakers ask Zelensky to return ‘Hero of Ukraine’ title to Bandera, Shukhevych“, am 05.07.2021, <https://www.kyivpost.com/ukraine-politics/lawmakers-ask-zelensky-to-return-hero-of-ukraine-title-to-bandera-shukhevych.html>
[38] Wikipedia, „L. Fletcher Prouty“, <https://en.wikipedia.org/wiki/L._Fletcher_Prouty>
[39] siehe [30]
[40] Wikipedia, „Sluzhba Bezpeky“, <https://en.wikipedia.org/wiki/Sluzhba_Bezpeky>
[41] CIA, Memorandum For The Chief Plans, „Project AERODYNAMIC (Renewal)“, am 28.08.1953, <https://cryptome.org/2016/01/cia-ua-aerodynamic.pdf>
[42] The Carl Beck Papers in Russian & East European Studies, Jeffrey Burds, „The Early Cold War in
Soviet West Ukraine, 1944–1948“, Januar 2001, <https://carlbeckpapers.pitt.edu/ojs/index.php/cbp/article/download/116/117>
[43] siehe [42]
[44] The National Security Archive, Tamara Feinstein, „The CIA and Nazi War Criminals“, am 04.02.2005, <https://nsarchive2.gwu.edu/NSAEBB/NSAEBB146/index.htm>
[45] Wikipedia, „Gehlen Organization“, <https://en.wikipedia.org/wiki/Gehlen_Organization>
[46] izvestia.ru, „Ветеран разведки Виталий Коротков: „Курта“ обменяли на целый автобус западных шпионов“, 2007, <https://archive.ph/20120714063121/izvestia.ru/hystory/article3111475/>
[47] The New York Times, Scott Shane, „C.I.A. Knew Where Eichmann Was Hiding, Documents Show“, am 07.06.2006, <https://www.nytimes.com/2006/06/07/world/americas/07nazi.html>
[48] CIA, „AERODYNAMIC VOL. 9 (DEVELOPMENT AND PLANS)“, 23.-25.04.1951, <https://www.cia.gov/readingroom/docs/AERODYNAMIC%20%20%20VOL.%209%20%20(DEVELOPMENT%20AND%20PLANS)_0039.pdf>
[49] siehe [48]
[50] Wikipedia, „Theodor Oberländer“, <https://en.wikipedia.org/wiki/Theodor_Oberl%C3%A4nder>