Die 66 Toten im Moskauer Luschniki-Stadion – „Putins Spiele“ und die Qualitätsmedien (XIV)

Veröffentlicht am: 13. Juli 2018

Fußballweltmeisterschaft – und das auch noch in Russland! Diese explosive Mischung, kurz „Putins Spiele“ genannt, versetzt die deutschen Qualitätsmedien in strudelnde Erregung. – Ein kontinuierlicher genauerer Blick auf Berichterstattung und Kommentare.

von Leo Ensel

Zuerst die schlechte Nachricht: Im Moskauer Luschniki-Stadion, in dem am Sonntag das Endspiel der Fußballweltmeisterschaft stattfindet, kamen während einer Massenpanik mindestens 66 Menschen ums Leben! Mindestens 61 wurden zum Teil schwer verletzt. Viele hundert vermutlich für den Rest ihres Lebens traumatisiert.

Und nun die gute: Das schreckliche Ereignis ist bald 36 Jahre her! Es ereignete sich am 20. Oktober 1982.

Sie fragen mich, warum ich Ihnen das ausgerechnet jetzt mitteile? Weil Spiegel Online in seiner Historysparte Freitag dieser Woche sehr ausführlich darüber berichtete!1 Sie fragen sich, warum Spiegel Online ausgerechnet am Freitag vor dem Endspiel im Moskauer Luschniki-Stadion so ausführlich über ein schreckliches Ereignis berichtet, das schon fast 36 Jahre zurückliegt?

Tja, that‘s a very good question! Haben Sie irgendeine Idee?

Ich auch nicht!

PS:

Immerhin beruhigend: Im Rahmen des WM-Endspiels von 2018 ist keine besondere Veranstaltung geplant.“

Autor: Leo Ensel

Dr. Leo Ensel („Look at the other side!“) ist Konfliktforscher und interkultureller Trainer mit Schwerpunkt „Postsowjetischer Raum und Mittel-/Ost-Europa“. Veröffentlichungen zu den Themen „Angst und atomare Aufrüstung“, zur Sozialpsychologie der Wiedervereinigung sowie Studien über die Deutschlandbilder im postsowjetischen Raum. Im Neuen West-Ost-Konflikt gilt sein Hauptanliegen der Überwindung falscher Narrative, der Deeskalation und der Rekonstruktion des Vertrauens. – Der Autor legt Wert auf seine Unabhängigkeit. Er fühlt sich ausschließlich den genannten Themen und keinem nationalen Narrativ verpflichtet.