POTUS besucht die Klagemauer in Begleitung des Rabbiners der Klagemauer, Shmuel Rabinovitz, und Mordechai „Solly“ Eliav, Generaldirektor der Western Wall Heritage Foundation. Jerusalem, 22.5.2017.
(Foto: U.S. Embassy Tel Aviv, Wikimedia Commons, CC-BY-2.0)

Von Patrick Lawrence | veröffentlicht am 10. August 2025, Kategorie: Gesellschaft & Geschichte

Zionist im Herzen

Wie groß ist der Einfluss der zionistischen Bewegung, die an unzähligen Stellen in den USA heraustritt und das Land gar bis zur Selbstaufgabe zwingt, den „jüdischen Staat“ mitsamt seinen Gräueltaten vor Kritik abzuschirmen? Trump wird es zeigen.

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Während seiner ersten Amtszeit im Weißen Haus, damals noch unbedarft bezüglich der finsteren Machenschaften Washingtons, hat Donald Trump nichts erreicht: Dafür sorgte ein Konsortium verschiedenster Vertreter des Tiefen Staates – die Führungsriege der Demokratischen Partei, der Geheimdienstapparat, das Justizministerium und das FBI sowie die Konzernmedien.

In den letzten vier Jahren hatte er beim Golfspielen in Mar-a-Lago wohl ausreichend Bedenkzeit für diesen Umstand. Denn vor zwei Monaten kehrte er ins Weiße Haus zurück, dieses Mal mit einem umfassenden Plan, um das zu erledigen, was ihm beim ersten Mal nicht gelungen war.

Und siehe da: Wir müssen anerkennen, dass ein gefallener Donald Trump bedachter als der vor Macht strotzende agiert. Wer hätte das gedacht? Je mehr Trump dieses Mal tut, desto mehr blickt man mit einer seltsamen Nostalgie auf die Tricks des ersten Trump-Kabinetts zurück, das so rechtswidrig und zersetzend für unsere angeschlagene Republik war wie kaum etwas vor ihm.

Simplicius, der stets geistreiche Kommentator, der seinen Namen von dem Neuplatoniker aus dem 6. Jahrhundert hat, veröffentlichte neulich eine interessante Zusammenfassung der aktuellen Lage [1]. „Trump“, schrieb er, „suhlt sich jetzt in einer post-euphorischen Phase der Flaute seiner schwächelnden zweiten Amtszeit, in der praktisch jedes seiner Wahlversprechen ins Stocken geraten oder gescheitert ist.“

Schwächelnde Präsidenten neigen dazu, ein Schlamassel anzurichten. Das Schlamassel, auf das sich Simplicius bezieht, betrifft den Ukraine-Krieg und die Beziehungen Washingtons zu Moskau. Ersteres zu beenden und Letzteres zu reparieren, war das größte von Trumps vielen großen Versprechen während der Wahlkampfzeit im vergangenen Jahr.

Trump hat sich zu dieser Schlüsselfrage sehr uneinheitlich geäußert. Sich eben noch klar gegen den Krieg aussprechend, beliefert er die Ukraine nun wieder mit Waffen und Schlachtfeldaufklärung. In der vergangenen Woche bot Marco Rubio, der eher als Schuljunge denn als Außenminister daherkommt, Moskau einen Waffenstillstandsvertrag mit dem Regime in Kiew an, als ob die USA der ehrliche Makler und nicht der Hauptkriegführende in dem Stellvertreterkrieg wären, den der ehemalige Präsident Joe Biden rücksichtslos provoziert hat – soll man lachen oder weinen?

Wo man auch hinschaut, es ist überall dasselbe – im Norden in Kanada, im Süden in Mexiko, auf der anderen Seite des Atlantiks in Europa, auf der anderen Seite des Pazifiks in China. Ein politischer Kurswechsel ist eine oftmals gerechtfertigte Sache. Hingegen Krisen zu verursachen, ist eine andere und in der Regel ein Zeichen für diplomatische Unzulänglichkeit.

Zölle, die Erinnerungen an die Folgen des Smoot-Hawley-Gesetzes in den 1930er Jahren wecken, Beziehungen zu Peking, die von Spannungen zu Feindseligkeiten driften, das alberne Gerede vom Besitz Grönlands, der Invasion Mexikos, der Wiederinbesitznahme des Panamakanals und so weiter und so fort: Man könnte gar meinen, Trumps Politik ließe Joe Biden in einem guten Licht dastehen. Eine Leistung, die jegliche menschliche Vorstellungskraft sprengen würde.

Doch wir müssen uns Israel und der Terrorkampagne der Zionisten gegen die Palästinenser in Gaza und neuerdings im Westjordanland zuwenden. Und dabei müssen wir jeden vergessen, der Joe Biden gut aussehen lässt – nicht jetzt, nicht in den Geschichten, die noch geschrieben werden müssen.

Das israelisch-außenpolitische Kontinuum

Bei den Israelis hat Trump keine Probleme. Er macht genau da weiter, wo sein Vorgänger mit Hang zum Völkermord aufgehört hat, und erreicht damit genau das, was er will. Die beiden sind genau gleich, wenn es um den „jüdischen Staat“ geht. Genau wie Joe Biden ist Trump äußerst vorsichtig, um sich bei den Zionisten bloß keinen Fehltritt zu leisten.

Steven Witkoff, Trumps „Sondergesandter“ in Westasien – in Wirklichkeit ein weiterer Immobilienentwickler aus New York, der keine Ahnung von Diplomatie hat – hat angeblich kurz nach Trumps Amtsantritt einen mehrstufigen Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas ausgehandelt. Ich sage „anscheinend “, weil wir nicht wissen, was sich zwischen Witkoff und den Israelis abgespielt hat, und das werden wir vielleicht auch nie erfahren. Wir haben einen offiziellen Bericht, bei dem sich Trump zumindest nach außen hin als Staatsmann für den Frieden ausgibt.

Seitdem hat Witkoff – bleiben wir bei „anscheinend“, da Tel Aviv wahrscheinlich seine Bedingungen diktiert hat – eine siebenwöchige Verlängerung dieser ersten Phase organisiert, gerade als die zweite Phase beginnen sollte. Meiner Meinung nach ist das keine Diplomatie: Das ist eine mehrteilige Choreografie.

Trumps Mann hat also unterm Strich einen Waffenstillstand unterzeichnet und dann dafür gesorgt, dass er gebrochen wird, während die Israelis offen planen, ihren Terrorkrieg wieder aufzunehmen. Wie ich schon sagte, sieht es nur aus wie Stümperei.

Israel hat die Blockade humanitärer Hilfslieferungen in den Gazastreifen wieder aufgenommen. Dieses Mal betrifft es neben Lebensmitteln, Zelten und anderen lebensnotwendigen Gütern auch Wasser. Am Wochenende habe ich gelesen, dass Israel nun eine Rekordzahl an Ärzten und Helfern daran hindert, in den Gazastreifen einzureisen.

Aus dem Weißen Haus als Reaktion auf diese eindeutigen Kriegsverbrechen: Kein Ton.

Screenshot: Deutschlandfunk Kultur, erstellt am 11.7.2025 – 13:31:27, https://www.deutschlandfunkkultur.de/kommentar-israel-gaza-deutschland-presse-schweigen-100.html

Am Wochenende genehmigte Trump groß angelegte Luftangriffe gegen den Jemen; Reuters berichtet, es handele sich dabei um die umfangreichste Militäroperation der USA seit Trumps Amtsantritt. Man erinnere sich: Trump war einst gegen Amerikas militärische Eskapaden im Ausland. Der Jemen ist außerdem einer der Schauplätze des „Sieben-Fronten-Krieges“, in den Israel durch Bibi Netanyahu letztes Jahr gestürzt wurde.

Ich denke an diese Dinge und an die zahlreichen Berichte, die wir über viele Monate hinweg erhalten haben, dass Trump während seines Wahlkampfes 2024 100 Millionen Dollar von Miriam Adelson [2] angenommen hat, die die erzzionistischen Aktivitäten ihres verstorbenen Mannes weiterführt. Trumps Verbindungen – genauer gesagt seine Schulden – zu den Adelsons und anderen solchen Israel-über-alles-Besessenen stehen außer Frage.

Und in letzter Zeit denke ich an etwas anderes – etwas, worüber wir alle mehr nachdenken sollten.

Mahmoud Khalil und
der Angriff auf die Universitäten

Ich kenne nur wenige Menschen, die nicht schockiert sind über den Fall von Mahmoud Khalil, dem Absolventen der School of International and Public Affairs an der Columbia University, S.I.P.A. Er sprach sich öffentlich gegen den Völkermord Israels und dessen US-amerikanische Unterstützung aus. Da man ihm nichts vorwerfen konnte, wurde er ohne Anklage inhaftiert. Diejenigen, die sich für die palästinensische Sache einsetzen, Verfassungsrechtler und normalerweise zahnlose Medienkommentatoren: Alle halten Khalils Inhaftierung und den Plan der Trump-Regierung, ihn abzuschieben, für eine ungeheuerliche Grenzüberschreitung.

Die Verhaftung von Khalil ist Teil eines umfassenden Angriffs auf die Universität Columbia und der Startschuss für eine Kampagne gegen zahlreiche andere Universitäten. Trump strich mehr oder weniger zeitgleich 400 Millionen Dollar an etablierten staatlichen Zuschüssen, während die Einwanderungs- und Zollpolizei Khalil vorletztes Wochenende in einen Van steckte.

Die New York Times veröffentlichte in ihrer Sonntagsausgabe einen merkwürdigen Kommentar zu Trumps inzwischen offensichtlichem Angriff auf die Hochschulbildung [3]. Meghan O’Rourke lehrt Englisch in Yale. Dies ist der Kern ihres Arguments unter der Überschrift „Das Ende der Universität, wie wir sie kennen“:

„Was hier wirklich passiert, ist ein Angriff auf den amerikanischen Glauben an Wissen als Wert und öffentliches Gut, das uns gute Dienste geleistet hat …

Wenn es im Kampf um die Universitäten nur um Budgets ginge, wäre der Kampf vielleicht anders. Aber was ins Visier genommen wird, ist etwas Tiefgreifenderes: die Fähigkeit von Institutionen, die Freiheiten zu wahren, die das Fundament unserer Demokratie bilden.“

Meghan O’Rourke spricht die Wahrheit, aber nicht die ganze Wahrheit. Trumps Operation gegen Amerikas höhere Bildungseinrichtungen hat zwar eine lange Geschichte unter Konservativen, wird aber durch die Besessenheit dieser Regierung von Antisemitismus ausgelöst – ich meine „Antisemitismus“, um es klar zu sagen. Dies ist die Besessenheit, die Zionisten seit Jahrzehnten absichtlich kultivieren; Trump, mit seinem Adelson-Geld und seiner Nachsicht gegenüber dem israelischen Terror, bringt dies lediglich in eine neue Phase der Aggression.

Meghan O’Rourke erwähnt dies kein einziges Mal, auch kein einziges Mal den Fall Khalil. O’Rourke ist praktisch ein Symptom genau dieses fortgeschrittenen Krebsgeschwüres, das sie nicht beim Namen nennen will.

Während ich wie viele andere auch über himmelschreiende Ungerechtigkeit im Fall von Mahmoud Khalil und alles, was dahintersteckt, nachdachte, erreichte mich ein Bericht von MintPress News, der mich aus allen Wolken fallen ließ. Es handelte sich um einen Artikel von Alan MacLeod mit der Überschrift „Professorin im Zentrum des Columbia-Universitäts-Abschiebungsskandals ist ehemalige israelische Spionin“ [4]. Der Artikel erschien drei Tage, nachdem Khalil aus seiner Wohnung in der Nähe der Columbia University geholt worden war.

Mit einem Schlag erlangte die Verhaftung von Mahmoud Khalil eine völlig neue Tragweite. MacLeod hat eine ganz eigene Art, bereits unter die Leute gekommenen Ereignissen neue, gewichtige Bedeutung hinzuzufügen: Er gehört zu den besten investigativen Journalisten, die derzeit in unabhängigen Medien veröffentlichen.

Er schreibt unter anderem:

„Dr. Keren Yarhi-Milo, Dekanin der Columbia University und Hauptverantwortliche für die Säuberung der Universität von Studenten, ist eine ehemalige Offizierin des israelischen Militärgeheimdienstes. Jetzt wird sie beschuldigt, die Abschiebung eines palästinensischen Studentenführers mitorganisiert zu haben und abweichende Meinungen auf dem Campus, die gegen den Krieg Israels gegen Gaza gerichtet sind, zum Schweigen gebracht zu haben …

Khalils Dekanin, … Direktorin der School of International and Public Affairs, ist eine ehemalige israelische Offizierin des Militärgeheimdienstes und Beamtin der israelischen Vertretung bei den Vereinten Nationen [5]. Yarhi-Milo spielte eine bedeutende Rolle dabei, die öffentliche Besorgnis über eine angebliche Welle des unerträglichen Antisemitismus auf dem Campus zu schüren [6], und legte damit den Grundstein für das umfassende Durchgreifen gegen die bürgerlichen Freiheitsrechte, das auf die Proteste folgte.“

Columbia University – School of International and Public Affairs, 30.6.2019.
(Foto: Ajay Suresh, Wikimedia Commons, CC BY 2.0)

Es ist ein langer, ausführlicher Artikel, der gründlich recherchiert wurde, und er hat mich nochmals zum Nachdenken gebracht. Wie hat eine ehemalige IDF-Offizierin im Nachrichtendienst ihren Weg zur Leitung des Columbia-Äquivalents der Kennedy School of Government in Harvard gefunden? Zugegebenermaßen ist es schon ein nachvollziehbarer Weg, zunächst bei der israelischen Gesandtschaft der Vereinten Nationen herumzuspionieren. Aber wie kam Yarhi-Milo von dort zum S.I.P.A der Columbia University? Wie könnte der Weg dorthin ausgesehen haben?

Während ihrer Zeit bei der UN-Mission bewarb sie sich bei der S.I.P.A. und der Dekan rief sie bald darauf an. In einem anschließenden Gespräch berichtete Yarhi-Milo: „Wir haben uns auf Anhieb verstanden.“ Sie führten „ein tiefgründiges Gespräch“, und die angehende Wissenschaftlerin mit Spionagehintergrund wurde angenommen.

Das passiert natürlich ständig. Ich war eine Zeit lang Masterstudent an der S.I.P.A., und ich kann Ihnen sagen, dass ich nie einen Anruf vom Dekan erhalten habe und nie ein tiefgründiges Gespräch mit jemand anderem als meinem Fakultätsberater geführt habe.

Sie verstehen schon, worauf ich hinaus will. Nach allen vorliegenden Erkenntnissen, und da meine Bullshit-Detektoren gerade frisch von der Wartung zurück sind, ist dies eine zu niedliche Tarngeschichte, die offenbar dazu gedacht ist, die Ernennung eines zionistischen Spitzels an der Spitze einer bedeutenden Institution an einer bedeutenden amerikanischen Universität zu beschönigen.

Wie Alan MacLeod ganz klar darlegt, hat Yarhi-Milo sich seit ihrer Ankunft bei S.I.P.A. vor sechs Jahren für zionistische Motive eingesetzt. Sie hat Khalils Verhaftung stillschweigend gebilligt, da sie als seine Dekanin(!) seit seiner gewaltsamen Inhaftierung keinen Kommentar abgegeben hat.

Donald Trump ist der bedenklich offenkundige Beweis dafür, wie Zionisten bis in die höchsten Ebenen der US-Regierung vorgedrungen sind. Dieses Phänomen ist natürlich nicht neu. Trump wird zeigen, wie groß der Einfluss der zionistischen Bewegung ist, die an unzähligen Stellen in den USA heraustritt und den „jüdischen Staat“ mitsamt seinen Gräueltaten bis hin zur nationalen Selbstaufgabe vor Kritik abschirmt.

Die Karriere Keren Yarhi-Milos – von einer israelischen Geheimdiensteinheit an die Spitze einer führenden amerikanischen Hochschule – sagt uns noch etwas anderes. Die heimtückische Durchdringung des Gefüges des amerikanischen Lebens durch Zionisten ist sehr umfangreich und unkalkulierbar. Die Auswirkungen dieser Realität – die Korruption, die Kompromisse, die Doppelzüngigkeit, die Erniedrigungen, denen unser Gemeinwesen ausgesetzt ist – können gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Dieser Text wurde zuerst am 17.03.2025 auf www.consortiumnews.com unter der URL <https://consortiumnews.com/2025/03/17/patrick-lawrence-the-zionists-within/> veröffentlicht. Lizenz: Patrick Lawrence, Consortium News, CC BY-NC-ND 4.0

Autor: Patrick Lawrence

Patrick Lawrence, langjähriger Auslandskorrespondent, vor allem für die International Herald Tribune, ist Kolumnist, Essayist, Autor und Dozent. Sein jüngstes Buch ist „Time No Longer: Americans After the American Century“. Sein Twitter-Konto, @thefloutist, wurde dauerhaft zensiert. Seine Website lautet http://patricklawrence.us/.

Quellen:


[1] Substack, Simplicius „US and Ukraine Hatch ‚Ceasefire‘ Travesty”, a:m 12.3.2025
<https://simplicius76.substack.com/p/us-and-ukraine-hatch-ceasefire-travesty>
[2] Forbes Magazin, Antonio Pequeño IV „Billionaire GOP Megadonor Miriam Adelson Gives $95 Million To Pro-Trump Super PAC”, am 15.10.2025:
<https://www.forbes.com/sites/antoniopequenoiv/2024/10/15/billionaire-gop-megadonor-miriam-adelson-gives-95-million-to-pro-trump-super-pac/>
[3] New York Times, Meghan O’Rourke „The End of the University as We Know It”, am 16.3.2025:
<https://www.nytimes.com/2025/03/16/opinion/university-defunding-trump-rufo.html>
[4] MintPress, Alan Macleod „lumbia University Deportation Scandal is Former Israeli Spy“, am 11.3.2025:
<https://www.mintpressnews.com/professor-columbia-university-scandal-former-israeli-spy/289231/>
[5] Owl Magazine, Arnold A. Saltzman „Spotlight on Keren Yarhi-Milo ’03”, in 2021:
<https://issuu.com/columbiags/docs/columbia-gs-owl-magazine-2021/s/14026669>
[6] Ynet Nachrichtenportal, Daniel Edelson „Israeli Columbia University professor sounds the alarm on political climate, rising antisemitis”, am 26.3.2023:
<https://www.ynetnews.com/magazine/article/hj6vbotx2>