Donald Trump und Benjamin Netanjahu bei der Vorstellung des „Gaza Peace Plan“ am 29.09.2025. (Foto: Weißes Haus, Joyce N. Boghosian, CC0)

Von Jan Øberg | veröffentlicht am 30. November 2025, Kategorie: Krieg & Frieden

Trumps „Friedensplan“ für Gaza: Ein grausamer Scherz in einer Welt, die weder etwas von Konflikten noch von Frieden versteht

Die Tatsache, dass Trumps abwegiger und unseriöser „Friedensplan“ für den Völkermord in Gaza vom UN-Sicherheitsrat verabschiedet wurde, bedeutet das Ende jedes Verständnisses von wahrem Frieden.

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Der UN-Sicherheitsrat verabschiedete am 17. November 2025 eine von den USA entworfene Resolution, in der Donald Trumps Friedensplan für Gaza befürwortet wurde. Darin wurde eine Internationale Stabilisierungstruppe (ISF) genehmigt, eine Übergangsregierung namens „Board of Peace“ unterstützt und erklärt, dass nun die Voraussetzungen für einen glaubwürdigen Weg zur Selbstbestimmung der Palästinenser und schließlich zur Staatsgründung gegeben sein könnten. Die Abstimmung fiel mit 13:0 Stimmen aus, wobei Russland und China sich der Stimme enthielten. Dies ist die Resolution 2803 des UN-Sicherheitsrats [1].

Das widerspricht allem, wofür die UN steht. Natürlich haben sich China und Russland klugerweise der Stimme enthalten. Sie wollen sich nicht an diesem falschen Friedensplan beteiligen und mitverantwortlich sein. Sie sind klug genug, um zu erkennen, dass er niemals zu echtem Frieden führen wird.

Ich frage mich: Hat das Trump-Regime der UN gestern den Todesstoß verpasst? Das bleibt abzuwarten, aber die Folgen werden verheerend sein und tragischerweise mit dem Namen ihres ansonsten anständigen Generalsekretärs in Verbindung gebracht werden, der völlig ausmanövriert wurde.

Am 14. Oktober führten die China Academy und ihre Redakteurin Mimi von „China Roughly“ ein Interview mit mir, das mit meiner scharfen Kritik an dieser unsinnigen, absurden und inakzeptablen Art der Friedensstiftung beginnt. „Frieden“. Kein Wunder, dass der Videotitel lautet:

„Trumps Waffenstillstandsplan für Gaza war von Anfang an lächerlich – der beste US-Witz aller Zeiten“.

Ich nenne es einen Witz und möchte hinzufügen: Wenn dies etwas mit Frieden zu tun hat, braucht es keine politische Satire mehr. Dies ist eine Satire auf Frieden, Intellekt, internationales Recht und politische Ethik.

Die ganz einfachen Gründe dafür im Kurzüberblick:

  • Eine Konfliktpartei kann nicht als Vermittler oder Friedensstifter auftreten; dies muss eine neutrale dritte Partei sein. Die USA standen stets auf der Seite Israels und sind der Hauptförderer des Völkermords.
  • Ein Kriegsverbrecher und gewohnheitsmäßiger Völkerrecht-Verletzer kann nicht als Vermittler auftreten oder einen Friedensprozess leiten; Trump und sein vorgeschlagenes Mitglied im „Friedens“-Rat Tony Blair haben beide diesen Status, auch wenn sie nicht verurteilt wurden.
  • Die Konflikte, die der unaussprechlichen Gewalt in Gaza zugrunde liegen und sie verursachen, gekennzeichnet durch Begriffe wie Apartheid, historische Ungerechtigkeiten, Asymmetrie, Nuklear-Politik, Besatzung und Zionismus sowie die Militanz der Hamas, werden weder analysiert noch thematisiert. Der zugrunde liegende Konflikt, nicht die oberflächliche Gewalt, ist der Schlüssel zur Lösung eines Konflikts. Dieser „Friedensplan“ ist reine Symptombehandlung.
  • Die größeren Konflikte in der Region des Nahen Ostens, zu denen dieser Konflikt gehört, werden nicht angesprochen.
  • Das gesamte Projekt riecht nach zeitgenössischem Kolonialismus – wir Westler erheben uns zu denjenigen, die Gaza regieren sollen, und wir haben beschlossen, dass es entmilitarisiert werden soll, während wir kein Wort über den israelischen Militarismus, die Besatzung und die Nuklear-Politik verlieren.
  • Es fehlt das Verständnis für diese besondere Art von asymmetrischem Konflikt, der andere Ansätze erfordert als symmetrische Konflikte.
  • Allen beteiligten Parteien wurden drei einfache, aber grundlegende Fragen nicht gestellt: Worum geht es Ihrer Meinung nach in diesem Konflikt? Was fürchten Sie am meisten? Und: Welche Zukunft würden Sie bevorzugen oder akzeptieren? – ausgehend davon beginnt ein Vermittler, mögliche Vereinbarungen und verschiedene mögliche Zukunftsszenarien zu prüfen.
  • Es gibt keine Vorstellung davon, wie Konsultationen zu Verhandlungen führen könnten. Alles wird von außen durch einen inkompetenten, unmöglichen „Vermittler“ getan, der der schwächeren Partei den Konflikt entrissen hat.
  • Professionelle Friedensstiftung würde wirtschaftliche und andere Beziehungen so in einen Plan einbauen, dass die Konfliktparteien es als vorteilhafter ansehen würden, zusammenzuarbeiten, statt sich in Zukunft gegenseitig zu bekämpfen. Von so etwas ist keine Rede, und natürlich wird es mehr Gewalt und keinen Frieden geben.
  • Professionelle Friedensstiftung hätte die weltweit erfahrenste Einrichtung dafür genutzt, nämlich die Vereinten Nationen. Anstelle von erfahrenen, prinzipientreuen, ausgebildeten und neutralen UN-Friedenstruppen und anderen UN-Elementen aus der ganzen Welt, wird im Rahmen dieses Plans, Personal aus Ländern mit besonderen politischen und/oder wirtschaftlichen Interessen eingesetzt, das keine Ausbildung in Friedenssicherung hat – vielleicht sogar, Gott bewahre, aus NATO-Ländern.
  • Eine professionelle Friedensarbeit hätte sich auf Prozesse und Institutionen nach der Gewalt konzentriert, wie Vergebung und Versöhnung, eine Wahrheitskommission, Reformen im Sicherheitssektor, die Entmilitarisierung aller Seiten und die Diskussion darüber, wie Schulbücher, Kultur und Kooperationsprojekte den Parteien helfen könnten, mit dem Geschehenen zu leben und langsam aber sicher zu Partnern in einem Prozess zu werden, der schließlich zu Frieden, Stabilität und Zusammenarbeit zwischen allen Parteien führt.

Man könnte die Liste beliebig fortsetzen.

Die Tatsache, dass der UN-Sicherheitsrat diese zynische, erbärmliche „Friedensresolution“ verabschiedet hat und praktisch alle Parteien und Medien dies als Friedensplan bezeichnen, spricht Bände über die Unkenntnis der Welt in Sachen Frieden, über ihre Friedenspolitik und ihre überwältigende Befürwortung des Militarismus.

Dass der UN-Generalsekretär diese Ausgrenzung seiner Organisation und die Schändung all dessen, wofür die UN steht, mitmacht, macht die Tragödie nur noch größer.

Und warum ist wahrer Frieden, so vorhersehbar wie tragisch, nun tot?

Weil Menschen mit geringer Intelligenz und/oder ohne Konfliktverständnis Gewalt gegenüber Gewaltlosigkeit bevorzugen.

Weil wir keine Friedenserziehung, keine Friedensakademien, keine Friedensforschung auf Universitätsniveau und keine öffentliche Bildung haben. Weil Medien, Politik und Forschung seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Auflösung Jugoslawiens – also seit der Verwüstung der von den USA angeführten unipolaren Welt, die nun mit dieser Resolution ebenfalls zu Ende geht – Frieden weitgehend gestrichen, tabuisiert und und aus der Öffentlichkeit verbannt haben.

Denn kein einziger Regierungschef hat einen Berater, der auch nur das Geringste über Alternativen zu militaristischen „Lösungen“ weiß – über Mediation, Friedensstiftung und Versöhnung als Wissenschaft und Kunst.

Weil Kakistokraten und der MIMAC – der militärisch-industrielle-medial-akademische Komplex – alle Probleme als etwas betrachten, auf das man mit einem Hammer einschlagen muss, weil sie nur einen Hammer in ihrem Werkzeugkasten haben (Anm. d. Red.: Kakistokratie = Herrschaft der Schlechtesten).

Denn Frieden erfordert Kreativität, Wissen und Empathie – Eigenschaften, die in der Außen- und Sicherheitspolitik nicht mehr charakteristisch sind oder benötigt werden.

Ich bin mir sicher, dass Trump mit diesem Las VeGaza-„Friedensplan“ ein hochrangiger Kandidat für den NATO-konformen Friedensnobelpreis 2026 sein wird – vorausgesetzt, dieser wird nicht doch noch posthum an Adolf Hitler verliehen …

P.S.: Die Länder des Sicherheitsrats, die diese fatale Entscheidung getroffen haben, sind: USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien (alle ständige Mitglieder) + Algerien, Dänemark, Griechenland, Guyana, Pakistan, Panama, Republik Korea, Sierra Leone, Slowenien und Somalia – mit anderen Worten, überwiegend Länder, die den Anweisungen Washingtons folgen werden. Wie bereits erwähnt, haben sich China und Russland der Stimme enthalten.

Außerdem veröffentlichte Francesca Albanese am 19. November eine vernichtende Kritik an dieser Resolution, da sie sowohl das Selbstbestimmungsrecht des palästinensischen Volkes als auch die UN-Charta selbst verletze [2].

Dieser Text wurde zuerst am 18.11.2025 unter der URL <https://substack.com/home/post/p-179245612> veröffentlicht. Lizenz: Jan Oberg, TFF Transnational Foundation, CC BY-NC-ND 4.0

Autor: Jan Øberg

Jan Oberg und seine Frau Dr. Christina Spännar sind die Gründer der Transnational Foundation (TFF). Er wurde 1951 geboren, ist dänischer Staatsbürger und lebt seit 1971 in Lund, Schweden. Er ist ein international angesehener Friedensforscher, Mediator und Friedenskommunikator sowie Kunstfotograf.

Quellen:


[1] Wikipedia, „United Nations Security Council Resolution 2803“, <https://en.wikipedia.org/wiki/United_Nations_Security_Council_Resolution_2803>
[2] United Nations Human Rights Office of the High Commissioner, Francesca Albanese, „UN Security Council resolution a violation of Palestinian right of self-determination and UN Charter, UN expert warns“, am 19.11.2025, <https://www.ohchr.org/en/press-releases/2025/11/un-security-council-resolution-violation-palestinian-right-self>