Hotel „De Bilderberg“, Oosterbeek (Netherlands) — 30 Mai 1954. (Foto: Anefo / Nationaal Archief, public-domain, CC 0)
Eliten-Vereinnahmung und europäische Selbstzerstörung: Die verborgene Architektur der transatlantischen Hegemonie
Von der Sabotage der Nord Stream-Pipeline bis zur 5-Prozent-Rüstungsinitiative der NATO: Ein Blick hinter die Kulissen der Netzwerke, die den transatlantischen Wahnsinn anheizen
Vorbemerkung: Das Lansing-Memo kommt nach Berlin
Woodrow Wilsons Außenminister Robert Lansing diktierte 1924 das Memo über „ehrgeizige junge Mexikaner“ [1]. Sie kennen den Satz: „Öffnen Sie unsere Universitäten für Ihre Elite, durchtränken Sie sie mit amerikanischen Werten, und sie werden Mexiko für uns regieren: besser, billiger und ohne einen einzigen Marine.“ Diese Methode weckt heute bedrückend wahre Anklänge.
Hundert Jahre nachdem Lansing dieses Modell formulierte, ist Deutschland zum perfekten Musterexemplar geworden. Als Olaf Scholz‘ Kabinett grünes Licht für die Zerstörung von Nord Stream 2 gab – ein Akt wirtschaftlicher Selbstsabotage ohne plausiblen strategischen Nutzen für Deutschland – und der heutige Bundeskanzler Friedrich Merz versprach, das Projekt nie wieder in Gebrauch zu nehmen, haben sie Deutschland verraten. Gleichzeitig erfüllten sie damit ein biografisches Schicksal, das aus ihren begrenzten Horizonten heraus geschmiedet und in Ivy League-Seminaren, Pentagon-Workshops und den mit Samt ausgekleideten Kammern der Atlantik-Brücke geformt wurde.
Dies ist die Geschichte einer Elitegruppe, die darauf trainiert wurde, Atlantizismus als Synonym für die „westliche Zivilisation“ selbst zu betrachten. Die Kosten – zusammenbrechende Industrieproduktion, Energiearmut und das Schreckgespenst der Wehrpflicht – tragen alle anderen.
Einleitung: Der Wahnsinn und seine Methode
Deutschland, einst ein Exportgigant, der streng über seine wirtschaftliche Souveränität wachte, opfert nun seine Energieinfrastruktur, finanziert Langstreckenraketen (einschließlich der gemeinsamen Produktion von Langstreckenwaffen mit der Ukraine [2]) und kehrt zur Kriegsbereitschaft [3] (zur sogenannten Kriegstüchtigkeit) als Tugend zurück. Gleichzeitig werden Mobilisierungspläne für einen NATO-Russland-Konflikt durchgespielt, die in erster Linie deutschen Boden zerstören würden, wie es der Operationsplan Deutschland [4] darlegt. Dies ist eine strategische Neuausrichtung auf einer tieferen Ebene, die das Ergebnis einer ideologischen Automatisierung ist. Wie sonst lässt sich die anhaltende Kluft zwischen der öffentlichen Meinung und den Entscheidungen der Elite erklären?
Eine Umfrage aus dem Jahr 2024 zeigt, dass 60 Prozent der Deutschen weitere Waffenlieferungen an die Ukraine ablehnen [5]. Dennoch erklärt Lars Klingbeil, SPD-Vorsitzender, Vizekanzler und Finanzminister, dass die Bundeswehr attraktiver für potenzielle Wehrpflichtige werden müsse, um Deutschland „kriegstüchtig“ zu machen [6]-– beispielsweise durch die Möglichkeit, einen Führerschein kostenlos vom Bund zu erhalten. Darüber hinaus hält die Koalition an der sogenannten strategischen Ambiguität fest [7].
Das sind die Symptome einer seltsamen Verrücktheit, die sich in Berlin breitmacht. Eine Nation, die sich aus den Trümmern des Krieges und der Teilung wieder aufgebaut hat, marschiert nun freiwillig in einen Konflikt mit einem atomar bewaffneten Nachbarn. Diese Verrücktheit hat Methode.
Betrachten Sie die jüngste Erklärung von NATO-Generalsekretär Mark Rutte auf dem Gipfeltreffen 2025 [8]:
„Die NATO ist das mächtigste Verteidigungsbündnis der Weltgeschichte – mächtiger als das Römische Reich, mächtiger als Napoleons Imperium … Wir müssen eine Vorherrschaft Russlands verhindern, weil wir unsere Lebensweise schätzen.“
Die historische Unkenntnis bzw. Verschleierung (je nachdem, wie man Ruttes Äußerungen interpretiert) ist erschütternd. Ähnlich wie heute die NATO, rechtfertigte Napoleon die Herrschaft über den Kontinent als Befreiung. Seine Invasion in Russland, die katastrophal scheiterte, wurde als Präventivschlag gegen die „aggressive“ Expansion des Zarenreichs dargestellt. Die Parallelen liegen auf der Hand.
Der Historiker Jeff Rich, der die NATO-Sabotagekampagnen in Russland im Rahmen der Operation Spiderweb analysierte, stellte fest [9]:
„Die NATO ist die Machtbasis für Eliten, die im Einklang mit der geopolitischen Strategie der USA handeln. Wenn Rutte die NATO mit Napoleon vergleicht, vergisst er, dass es Russland war, das Europa letztendlich von diesem Imperium befreit hat. Vielleicht wird Russland Europa nach diesem Krieg von den Vereinigten Staaten befreien.“
Was ich damit sagen will: Es handelt sich hierbei nicht um eine Verschwörung. Es handelt sich um eine institutionalisierte Hegemonie, die durch das wirkt, was Gramsci als „kulturelle Führung“ einer herrschenden Klasse bezeichnet hat. Aber während Gramsci nationale Eliten im Verhältnis zu ihren Mitbürgern analysierte, sehen wir uns heute mit einer transnationalen Kaste konfrontiert: Deutsche Politiker wie Jakob Schrot (mehr zu ihm gleich), niederländische Technokraten wie Rutte (der kürzlich den aktuellen US-Präsidenten Trump beim NATO-Gipfel, bei dem die 5%-Verteidigungsausgaben zementiert wurden [10], als „Daddy“ bezeichnet hat [11]) und französische Eurokraten, deren Biografien, Ausbildung und Karriereanreize nicht mit ihren Bürgern übereinstimmen, sondern mit der Notwendigkeit, das Projekt der US-amerikanischen Unipolarität am Leben zu erhalten. Die Handlungen dieser Eliten auf dem geopolitischen Schachbrett sind nicht einfach irrational; die herrschenden Eliten sind schlichtweg einer anderen Bezugsgruppe gegenüber loyal.
I. Das Rätsel: Warum zünden die europäischen Eliten ihr eigenes Haus an?
Wie wir allmählich erkennen, liegt die Antwort nicht in reiner und unverblümter Korruption oder ideologischem Eifer. Sie ist weitaus banaler und weitaus wirksamer. Die Antwort liegt auch in Biografien, Netzwerken und Institutionen. Auf Ebene der funktionalen Elite findet man die Antwort auch in der Hegemonie: wenn Ideen der Herrschenden zum Allgemeinwissen werden. Und in diesem Fall wird Hegemonie nicht allein mit Gewalt durchgesetzt, sondern durch Bildung, Eliten-Rekrutierung und ritualisierte Wiederholung.
Elitäre-Wissensnetzwerke
Inderjeet Parmar (2019) bezeichnet dies als die „weiche Maschinerie der elitären Wissensnetzwerke“ [12]: „Ströme aus Menschen, Geld und Ideen“, die den Konsens von Washington bis Berlin institutionalisieren. Das Fulbright-Programm, der German Marshall Fund, die Atlantik-Brücke, die Münchner Sicherheitskonferenz und die Bilderberg-Treffen sind prägende Ökosysteme. Sie sortieren, schulen und fördern diejenigen, die die Weltanschauung weitertragen können.
Entscheidend ist, dass diese Netzwerke keine passiven Foren sind. Sie verkörpern „die wesentliche Machttechnik der amerikanischen Eliten“: eine Form der Wissensproduktion und Personalauswahl, die bei der weltweiten Reproduktion einer pro-amerikanischen Weltanschauung spektakulär erfolgreich ist. Die Sozialisierung der Elite ist an sich kein harmloser Prozess. Sie verfestigt Annahmen, definiert das politisch Vorstellbare und gewöhnt an Asymmetrien.
Die Weltordnung
Die liberale internationale Ordnung, die den Weltanschauungen dieser Eliten zugrunde liegt, ist keineswegs universalistisch, sondern basiert auf einer doppelten Logik. Wie Donald Tusk, ehemaliger Präsident des Europäischen Rates, 2017 während der ersten Trump-Regierung offen zugab, besteht der eigentliche Zweck des Euro-Atlantizismus darin, eine postwestliche Weltordnung zu verhindern [13]:
„Morgen treffe ich Präsident Trump und werde versuchen, ihn davon zu überzeugen, dass Euroatlantismus in erster Linie Zusammenarbeit der Freien für die Freiheit ist; dass wir, wenn wir das Szenario verhindern wollen, das schon unsere Gegner vor nicht allzu langer Zeit in München als ‚Post-westliche Weltordnungʻ bezeichnet haben, gemeinsam über unser Erbe der Freiheit wachen sollten.“
Innerhalb dieses Systems erfolgt die Einbindung selektiv. Japan und Südkorea wurden trotz ihrer Loyalität nie wie Westeuropa behandelt. Und aufstrebende Mächte werden entweder gezähmt, zur Konformität bewegt oder als Bedrohung eingedämmt. Diese Logik ist grundlegend: Wenn die Einbindung scheitert, muss die Eindämmung folgen.
Doch Eindämmung beginnt im Kopf, nicht mit Raketen. Die ideologische Assimilation ausländischer Eliten ist die erste Verteidigungslinie eines Imperiums. Die Aufrechterhaltung der Hegemonie beruht daher weniger auf Zwang als auf sanfter Einbindung. Elitäre Wissensnetzwerke, eingebettet in Universitätsprogramme, philanthropische Stiftungen und Thinktanks, fungieren als Vektoren dieser Soft Power. Sie sozialisieren, rekrutieren und zertifizieren aufstrebende Führungskräfte.
Elitäre Integrationsmaschinen

(Logo: Wikimedia Commons, gemeinfrei)
Wie Parmar feststellt, definieren diese Netzwerke, was als „denkbarer Gedanke“ und „stellbare Frage“ gilt. Die Ford- und Rockefeller-Stiftungen, die RAND Corporation, Brookings, die Carnegie Endowment und das Center for American Progress sind elitäre Integrationsmaschinen, in denen durch diese Integrations- und Sozialisierungsprozesse eine bestimmte Art von Wissen zu Macht wird. So wird eine Fulbright- oder Atlantik-Brücke-Anstecknadel zu einem All-Access-Pass für Brüssel und Washington und zum sichersten Weg, „dazuzugehören“.
Dieses Ökosystem umfasst jedoch nicht den gesamten Planeten. Eine Studie von Eelke Heemskerk und Frank Takes aus dem Jahr 2016 [14], in der 400.000 Verflechtungen in Unternehmensvorständen kartografiert wurden, zeigt, dass sich das dichteste transnationale Elitecluster nach wie vor auf der nordatlantischen Achse befindet. Die asiatische Unternehmenselite bildet dagegen eine separate, weit weniger verflochtene Gemeinschaft, die strukturell darauf ausgerichtet ist, eine eigene Machtbasis und vielleicht einen alternativen, chinesisch geprägten Kapitalismus aufzubauen. Je mehr sich die asiatischen Netzwerke abschotten, desto größer ist (aus Sicht der euro-atlantischen Eliten) das Risiko einer echten „Post-westlichen Weltordnung“.
Mit anderen Worten: Westliche Think Tanks versuchen, dieser Abweichung zuvorzukommen und ihre Elitenkreise zu schützen.
Die europäischen Eliten werden von den Vereinigten Staaten mehr als nur beeinflusst. Durch dieses System werden sie programmiert, professionell geformt und ideologisch an sie gebunden. Natürlich nicht vollständig oder gänzlich, als hätten sie keinerlei Autonomie oder als hätte die nationale Geschichte keinen Einfluss auf diese Eliten, doch die Besonderheiten jeder dieser europäischen Nationen verleihen der transatlantischen Weltanschauung, die ihre Politik prägt, eine einzigartige Note.
Das Ergebnis: Die außenpolitischen Ziele der USA werden Berlin nicht einfach aufgezwungen, sondern kommen aus den eigenen Reihen.
II. Die hegemoniale Architektur: Wie die Vereinnahmung der Elite funktioniert
Die liberale Ordnung verkauft sich als universell, doch wer sich ihr anschließt, muss sich an die (öffentlich) unausgesprochenen Regeln halten. Wer sich nicht anschließt, wird durch eine permanente US-Militärpräsenz in Schach gehalten und eingekreist. Mit anderen Worten: Der imperiale Kern bewahrt seinen Status, indem er andere Eliten in seine Weltanschauung sozialisiert, anstatt sie bloß zu unterwerfen. Nun wollen wir uns diese elitären Integrationsmaschinen genauer ansehen (insbesondere anhand einer Analyse der transatlantischen Verbindungen Deutschlands und der deutschen Funktionseliten):
1. Von Chatham House zur DGAP: Eine kurze institutionelle Genealogie
Die Macht der Thinktanks begann in London mit dem Royal United Services Institute (1831), das vom Herzog von Wellington als unabhängige Fachorganisation zur Untersuchung militärischer und strategischer Fragen gegründet wurde. Nach 1919 erweiterte sich ihr Einfluss, als Chatham House und die Carnegie Endowment die Debatten der Elite formalisierten (Roberts 2015 [15]). Auf der anderen Seite des Atlantiks verband der Council on Foreign Relations (CFR) (1921) den Reichtum der Wall Street mit der Wissenschaft der Ivy League, wobei Ford und Rockefeller für Beständigkeit sorgten. Letztendlich mittels Unternehmensfinanzierung. Tatsächlich waren die Gründer oft einflussreiche Eliten, die eine Koordinierung ihrer Politik in den Bereichen Verteidigung und strategisches Denken anstrebten – zunächst innerhalb des Britischen Empire und dann mit der aufstrebenden amerikanischen Hegemonialmacht.
Nach 1945 wurde diese Architektur in das zerstörte Europa exportiert. Die privat finanzierte Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP, 1955) kopierte das CFR-Modell in Bonn. Die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP, 1962) war eine eher regierungsnahe Schwesterorganisation, die Weißbücher direkt an das Kanzleramt lieferte. Wichtig ist jedoch, dass nach dem Zweiten Weltkrieg angloamerikanische Thinktanks und ihre Mitarbeiter zum Zentrum der Politikgestaltung und langfristigen Planung wurden. Thinktanks, die sich auf internationale Angelegenheiten spezialisiert hatten, galten allgemein als unverzichtbare Ergänzung zur Gestaltung der Außenpolitik. Sie dienten auch als Foren, in denen Politiker und Beamte mit Vertretern aus Wissenschaft, Medien und Wirtschaft sowie potenziellen Unterstützern oder Kandidaten für Regierungsaufgaben interagieren konnten.
In den 1960er Jahren stärkten der German Marshall Fund, das Atlantic Institute und die Atlantik-Brücke durch Galadinner, Young-Leader-Treffen und Medienstudienreisen den sozialen Zusammenhalt und beeinflussten gleichzeitig die politische Elite Westdeutschlands. Zetsche (2021 [16]) dokumentiert, wie die Brücke und ihre amerikanische Schwesterorganisation, die ACG (American Council on Germany), in geheimen Seminaren Parteifunktionäre als Fixer aufbaute und somit dafür sorgte, dass die SPD unter Willy Brandt von einer neutralen Haltung abrückte und sich nicht aus der NATO zurückzog.
In den 1970er und 1980er Jahren spürten US-Thinktanks bereits einen „amerikanischen Niedergang“ in einer zunehmend globalisierten Welt. In dieser Zeit entstanden neue institutionelle Konkurrenten um Einfluss, darunter Thinktanks, die sich meist konservativen Perspektiven verschrieben hatten, allen voran das American Enterprise Institute und die Heritage Foundation. (Zur Erinnerung: die Heritage Foundation hat das Projekt 2025 finanziert, eine Art Leitfaden für die heutige US-Politik.)
In den 1990er Jahren unterhielt jede deutsche Parteistiftung ein „Transatlantisches Referat“. SWP-Mitarbeiter waren regelmäßig auf der Münchner Sicherheitskonferenz vertreten, DGAP-Stipendiaten saßen in der Auswahljury des German Marshall Fund, Redakteure von Der Spiegel und Die Zeit sammelten Anstecknadeln der Atlantik-Brücke. Das Netzwerk entwickelte sich zu einem nahtlosen Trichter: von der Universität über die Parteizentrale bis hin zu den Vorstandsetagen und den NATO-Außenstellen. Letztendlich ist eine Abweichung fast schon ein Akt der Selbstverletzung, sobald die Anerkennung durch die USA zum Maßstab für berufliches Ansehen wird.
2. Warum die Geschichte von Think Tanks heute wichtig ist
Die Architektur normalisiert scheinbar selbstmörderische Entscheidungen. Die Einstellung billiger russischer Pipelinegas-Lieferungen ist für BASF schmerzhaft, aber sie erhält das Ansehen aller, die ein Atlantik-Stipendium innehaben. Dieser interne Anreiz überwiegt oft die nationale Bilanzlogik.
Darüber hinaus repräsentiert der Think Tank die Kräfte, die die globale politische Ökonomie vorantreiben, zumindest in ihrer westlichen Ausprägung. Dennoch tendiert die geopolitische Analyse heute dazu, sich auf Nationalstaaten und ihre politischen Akteure zu konzentrieren. Oftmals wird die Lücke zwischen Nationalstaaten und globalen Märkten durch solche Netzwerke privat finanzierter und beeinflusster Governance geschlossen (Heemskerk & Takes 2016 [17]).
3. Think Tanks als Motor für den Personalwechsel
Die Liste der Institutionen, die wir bisher nachgezeichnet haben, wäre ohne zirkulierende Führungskräfte, die zwischen Stiftungskontoren, Kabelfernsehstudios und Regierungsbüros hin- und herpendeln, bedeutungslos.
Finanziert durch Unternehmensspenden und philanthropische Zuwendungen fungieren US-amerikanische und europäische Thinktanks sowohl als Ideen-Raffinerien als auch als Talent-Pipelines: Sie legen im Voraus das Paradigma fest und entsenden dann ihre eigenen Mitarbeiter in Ministerien, die es in die Praxis umsetzen.
- Die Politökonomen Nano de Graaff und Bastiaan van Apeldoorn (2021 [18]) bezeichnen dies als „politisches Planungsnetzwerk“: ein Geflecht, das die Finanzierung durch Fortune-500-Unternehmen, ehemalige Kongressabgeordnete und Ivy-League-Abschlüsse zu einer einzigen Karriereleiter verbindet:
- Konsensworkshop – Think-Tank-Rundtischgespräche ermöglichen es Eliten, ihre Positionen unter sich abzustimmen, bevor sie in der Öffentlichkeit als „überparteiliches Fachwissen“ präsentiert werden.
- Rekrutierungspool – Dieselben Institute helfen Präsidenten und Kabinettsminister bei der Besetzung von Positionen in der Exekutive (McGann 2007 [19]).
- Revolvierender Hebel – Wie Joseph Nye es ausdrückt, ist der Einfluss am größten, wenn man nach der Mitverfassung des Briefings „selbst die Hebel in der Hand hat“ (Conversations with History, 1998 [20]).
Zusammen fungieren diese Zentren als transatlantische Personalabteilung für die derzeitige Ordnung und bereiten Nachfolger vor, die das Banner weitertragen werden.
4. Elitäre Vereinnahmung auf biografischer Ebene
Die Maschinerie der Elitenvereinnahmung funktioniert sowohl auf der Ebene der sozialen Gruppe als auch auf der Ebene individueller Biografien. Und sie ist ebenso einfach wie effektiv: eine einzige Prestige-Pipeline, die sich durch das gesamte Leben und die gesamte Karriere zieht, vom Fulbright-Stipendium über ein Stipendium des German Marshall Fund bis hin zur Mitgliedschaft bei Atlantik-Brücke und/oder Think Tanks. Eine solche Karriereleiter hat das symbolische Kapital monopolisiert, das für den Aufstieg in die außenpolitische Elite Berlins erforderlich ist. Die erste Kohorte trat in den 1960er Jahren in das System ein, aber erst nach der Wiedervereinigung gelang ihr die vollständige Selbstreplikation. Heute können viele Mitglieder des Kabinetts von Merz mit Stipendien des US-Außenministeriums, Praktika in Botschaften, einer Mitgliedschaft bei der Atlantik-Brücke oder ähnlichen transatlantischen Verbindungen aufwarten; einige sitzen in Vorständen von Washington-nahen Institutionen wie dem Atlantic Council.
5. Die Bourdieu-Falle
Der französische Soziologe Pierre Bourdieu zeigt in seinem Modell, wie sich die konstruierten Lebenswege dieser Eliten selbst perpetuieren:
Wenn ein Weg dominiert (die US-amerikanische Karriereleiter), verkümmert die Vorstellungskraft des Fachgebiets hinsichtlich dessen, was möglich ist (in Bezug auf Maßnahmen und Strategien). Verkörpertes kulturelles Kapital (fließendes Hill-Englisch, ein Georgetown-Ausweis) wandelt sich in soziales Kapital (Alumni-Netzwerke) um, das sich als symbolisches Kapital (Legitimität in den Medien) herauskristallisiert.
Abweichende Meinungen werden nicht diskutiert. Sie werden unsichtbar gemacht und nur dann aktiv ausgeschlossen, wenn sie zu sichtbar und zu laut werden. Ein solches hegemoniales System, das in kleinerem Maßstab unter politischen Eliten funktioniert, gleicht einem theologischen Seminar, in dem Abweichungen als Ketzerei gelten und Konformität zur Heiligsprechung führt.
6. Die Vereinnahmung der Jugend
- Was ist das heimtückischste Merkmal dieser elitären Sozialisierungsmaschine? Es ist die Frage nach der Zeit. Der ideale Weg beginnt in der Jugend, in den prägenden Jahren, in denen sich politische Weltanschauungen festigen. Programme wie:
- Kongress-Bundestag-Jugendaustausch (CBYX [21])
- Global Young Leaders Conference (GYLC [22])
richten sich an Jugendliche ab 16 Jahren und lassen sie in Model Kriegsspielen der NATO und „Führungstrainings“ der US-Botschaft eintauchen.
Wenn diese Studenten an die Universität kommen, ist ihr Horizont bereits eingeschränkt. Ein 19-Jähriger, der von einem vom Außenministerium finanzierten Sommeraufenthalt an der American University zurückkehrt, bringt (hoffentlich) fließende Englischkenntnisse mit. Vor allem verinnerlichen sie eine Hierarchie der Legitimität: Washingtons Prioritäten sind neutral, universell und gesunder Menschenverstand. Alternative Denkweisen in der Außenpolitik, wie Blockfreiheit, Entspannungspolitik und eurasischer Handel, werden als extremistisch oder naiv abgetan.
Dies ist ideologische Prägung und die psychologische Konstruktion von Hegemonie auf individueller Ebene. Das Ergebnis ist eine Generation politischer Eliten, deren Biografien sich wie Schulungshandbücher des US-Außenministeriums lesen.
Die Tragik dabei ist, dass diese geformten Eliten, wenn sie Machtpositionen in Politik, Medien oder Unternehmen erreichen, ihre Konformität als selbstverständlich empfinden. Sie dienen nicht den amerikanischen Interessen, weil sie dazu gezwungen werden, sondern weil sie sich nichts anderes vorstellen können.
Die abstrakten Modelle, die ich hier gerade vorgestellt habe, werden klarer, wenn wir den Blick auf ein einzelnes nationales Drehkreuz richten. Die deutsche Atlantik-Brücke ist ein Musterbeispiel dafür.
III. Der deutsche Fall: Die Atlantik-Brücke als Transmissionsriemen

John Jay McCloy, Initiator der Atlantik-Brücke, war Präsident der Weltbank, Direktor des Council on Foreign Relations (CFR) sowie Vorstandsvorsitzender von Rockefellers Chase Manhattan Bank. (Foto: Yoichi Okamoto, U.S. National Archives and Records Administration, gemeinfrei)
Anne Zetsches tiefgreifende Archivrecherche [23] zur Atlantik-Brücke [24] und ihrer US-amerikanischen Schwesterorganisation, dem American Council on Germany [25] (ACG), zeigt, wie eine vordergründig „private“ Freundschaftsgesellschaft zu einem Präzisionsinstrument für die Ausrichtung der Nachkriegs-Eliten wurde. Ähnlich wie Think Tanks ist sie eine wichtige Institution im Integrations- und Sozialisationsapparat der Elite.
1. Gründer & Struktur
- Eric Warburg, Erbe der Hamburger Bankendynastie, nutzte seine Wall-Street-Verbindungen zu John J. McCloy, um die deutsche Finanzwelt wieder an die US-Kapitalmärkte anzubinden; Brinckmann, Wirtz & Co. vermittelte bald darauf die erste US-Kreditlinie für Volkswagen.
- Marion Dönhoff nutzte die Soirées der Zeitschrift Foreign Affairs und die Mentorenschaft von George F. Kennan, um die deutsche Neutralität als „unverantwortlich“ darzustellen.
- Der kosmopolitische Habitus der Elite verband diese Bankiers, Redakteure und Grafen. Ihre Mission war es, Westdeutschland in eine von den USA geführte „Gemeinschaft der Nationen“ einzubinden, bevor Moskau oder das gaullistische Paris dies tun konnten.
2. Die Vereinnahmung der SPD
- Eine neutrale oder frankozentrische Bundesrepublik Deutschland wurde als Abweichung vom gewünschten atlantischen Kurs angesehen: So korrespondierten zum Beispiel Emmet Hughes und ACG-Gesandte mit dem Hamburger Bürgermeister Max Brauer, um den Antimilitarismus der SPD abzuschwächen (1950–54). (Anm. d. Red.: Emmet Hughes war nach dem 2. Weltkrieg Presse-Attachee an der US-Botschaft in Spanien, leitete dann das Büro des Time-Life-Magazins in Rom und Berlin. In den 50ern war er Redenschreiber für Präsident Eisenhower bevor er in den späten 50er Jahren politischer Berater der Rockefeller Familie wurde. Während der erfolglosen Präsidentschaftskandidatur von Governor Nelson Rockefeller 1968 fungierte er als Berater und Redenschreiber.)
- Bis 1963 trug das Tandem ACG/Atlantik-Brücke dazu bei, den Élysée-Vertrag mit einer NATO-freundlichen Präambel zu verwässern.
- Auch Willy Brandts Ostpolitik musste von einem nachhaltigen und souveränen Friedensprojekt zu einer von der NATO gebilligten „Entspannungspolitik“ umgelenkt werden.
- Mit Mitteln der Ford Foundation (über den von der CIA finanzierten Congress for Cultural Freedom und die Gewerkschaften AFL-CIO) wurden Jugendseminare finanziert, die die Partei von ihren marxistischen Unterströmungen säuberten – ein frühes Beispiel dafür, dass Philanthropie einen tiefgreifenden Einfluss haben kann, ähnlich wie Geheimdienstarbeit.
3. Die Medien
- Die jährlichen Brücke-Dinner mit dem Oberbefehlshaber der NATO dienen gleichzeitig als Redaktionsklausur:
- Josef Joffe (Die Zeit), Kai Diekmann (Bild) und Stefan Kornelius (Süddeutsche Zeitung) sind langjährige Mitglieder; ZDF-Moderator Claus Kleber gehörte einst zum Kuratorium der Brücke.
- Das Ergebnis ist kein Diktat, sondern eine vorausschauende Angleichung: Mainstream-Medien stellen die deutsche Wiederbewaffnung selten als Option dar. Sie stellen sie vielmehr als einzigen Weg dar und sorgen dafür, dass der Mainstream-Diskurs niemals von der atlantischen Orthodoxie abweicht.
4. Synergieeffekte auf Vorstandsebene
Der Brücke-Vorstand repräsentiert den Querschnitt des atlantischen Kapitalismus – mit prominenten Unternehmen wie der Amerikanischen Handelskammer, der Deutschen Bank, Goldman Sachs, Pfizer und BASF. Medien, Justiz und Pharma sitzen neben CDU- und SPD-Schwergewichten – ein Beweis dafür, dass „Überparteilichkeit“ hier die Treue zu einem gemeinsamen transatlantischen Geschäftsmodell und einer gemeinsamen Weltordnung bedeutet.
5. Konsensbildung in der Praxis
- 2009 – Friedrich Merz (CDU) wird Vorsitzender der Brücke und anschließend Deutschlandchef von BlackRock.
- 2019 – Sigmar Gabriel (SPD) übernimmt das Amt; Kritiker befürchten einen „Provokateur“, doch die Ernennung neutralisiert vor allem die verbleibende Skepsis der SPD gegenüber dem NATO-Ziel von 2% (das mittlerweile auf 5% angehoben wurde).
Was wie eine höfliche Salonkultur wirkt, fungiert als transatlantischer Transmissionsriemen, der US-amerikanische Präferenzen ohne eine einzige Anweisung aus dem Pentagon in deutsche Parteiprogramme, Vorstandsetagen und Nachrichtenredaktionen transportiert.
Nachdem wir nachgezeichnet haben, wie die Atlantik-Brücke dazu beigetragen hat, die deutschen Nachkriegsinstitutionen in den transatlantischen Kreis einzubinden, werden wir nun die Bilderberg-Treffen als weiteren Kanal für die transatlantische Sozialisierung der Eliten untersuchen.
IV. Bilderberg und das Geschäft der Hegemonie

Heft zur ersten Bilderberg-Konferenz 1954 (Bild: Wikimedia Commons, Gemeinfrei)
Die Bilderberg-Gruppe [26], die oft als Obsession von Verschwörungstheoretikern abgetan wird, ist in Wirklichkeit ein entscheidender Knotenpunkt in dem, was der Soziologe Kantor (2017 [27]) als transnationale Kapitalistenklasse (TCC) bezeichnet. Eine Analyse ihrer Treffen von 2010 bis 2015 zeigt:
1. Wer sitzt am Tisch?
- 67% der Teilnehmer waren CEOs, Banker oder Unternehmensleiter (Deutsche Bank, Goldman Sachs, BP).
- Es wurden keine Gewerkschaftsvertreter eingeladen. Der „Dialog“ schließt Arbeitnehmer bewusst aus.
- Unternehmensvertreter dominieren die TCC; Politik wird zunehmend zu einer Dienstleistung des Kapitals.
- Andererseits zeigt uns eine Analyse von Gijswijt (2019 [28]) die Zusammensetzung der Bilderberg-Treffen während des Kalten Krieges, als sie sich zwischen 1954 und 1968 etablierten:
- Etwa 25% der Teilnehmer kamen aus den Vereinigten Staaten, 14% aus dem Vereinigten Königreich und jeweils 9% aus Frankreich und Westdeutschland.
- 30% waren „Geschäftsleute, Banker und Anwälte“, 20% „Politiker und einige Gewerkschaftsführer“, weitere 16% Diplomaten; der Rest setzte sich aus Akademikern, Journalisten und hochrangigen Beamten der NATO, der Weltbank, der OECD und des IWF zusammen.
- Frauen waren „auffällig abwesend“.
- Doppelte Vertretung durch Kernunternehmen und Staaten
- Die Deutsche Bank entsandte sowohl den CEO als auch den Vorstandsvorsitzenden (2016); die Niederlande schickten den Premierminister und den König (2016).
- Zusätzliche Sitze sichern die Festlegung der Tagesordnung und dienen als Beweis dafür, dass die Wirtschaft innerhalb der elitären Koordination Vorrang vor der Politik hat.
Diese Zahlen zeigen, wie eng der Schwerpunkt der Bilderberg-Gruppe mit dem Kern der liberalen Ordnung während des Kalten Krieges verbunden war, der die Finanz-, Verteidigungs- und Diplomatie Politik im atlantischen Raum umfasste – während gleichzeitig eine ausreichende nationale Vertretung aufrechterhalten wurde, um einen panwestlichen Auftrag für sich zu beanspruchen.
2. Rekrutierung durch Anerkennung
Die Organisatoren „waren immer auf der Suche nach neuen Talenten“, die in den Club integriert werden konnten (Gijswijt 2019). Die Teilnahme wurde zu einer Referenz: Bill Clinton, Tony Blair und Angela Merkel traten alle vor ihrem Amtsantritt dort auf. Der Wert lag keineswegs im Hinterzimmer-Königsmachen, sondern vielmehr in der Prestige-Pipeline selbst: eine Zeile im Lebenslauf, die ideologische Zuverlässigkeit signalisiert und Türen in der Wall Street, in Whitehall und im Bundeskanzleramt öffnete.
3. Informelle Diplomatie statt formeller Entscheidungen
Es wurden keine Beschlüsse gefasst und keine Protokolle veröffentlicht, doch „die wahre Bedeutung der Treffen wurde dadurch bestimmt, was die Teilnehmer mit dem symbolischen Kapital taten, das sie zusammengefügt hatten“ (Gijswijt 2019). Die Konferenz fungierte als Proberaum mit hohem Vertrauensniveau: Ideen konnten ausprobiert, Reputationen überprüft und gegensätzliche Standpunkte harmonisiert werden. Dieser latente Konsens tauchte dann in NATO-Kommuniqués oder Whitepapers der Europäischen Kommission wieder auf.
4. Identitätsarbeit und Allianzmanagement
Von Anfang an pflegte Bilderberg „ein starkes Gefühl der emotionalen Gemeinschaft, das auf Vorstellungen von der freien Welt oder dem Westen beruhte“ (Gijswijt 2019). Allein die Anwesenheit, insbesondere von prominenten US-Persönlichkeiten, „förderte die Akzeptanz der Führungsrolle der Vereinigten Staaten innerhalb der NATO“. Das Treffen war eine Therapie für die transatlantischen Nerven: ein Ort, um einseitige Schocks zu absorbieren, Gesprächspunkte neu zu setzen und mit einer bekräftigten Hierarchie, in der Washington weiterhin primus inter pares blieb, wieder abzureisen.
5. Netzwerk-Multiplikatoren
Die Mitgliedschaft überschneidet sich mit dem CFR, Chatham House, IFRI, DGAP und später der Trilateralen Kommission, wodurch „ein dichtes Netz transnationaler Beziehungen: eine informelle Allianz“ (Gijswijt 2019) entstand. Zahlreiche Ableger entstanden. Denis Healey sicherte nach einem Nebengespräch beim Bilderberg-Treffen 1957 Gelder der Ford Foundation für das Londoner International Institute for Strategic Studies [29]. Andere Satellitenorganisationen wie die Münchner Sicherheitskonferenz [30], die Königswinter-Konferenz [31] und die halbjährlichen Deutsch-Amerikanischen Konferenzen [32] der ACG/Atlantik-Brücke kopierten das Format, um die politischen Kreise auf nationaler Ebene zu stabilisieren.
6. Die Drehtür
- Ein weiteres Merkmal der Bilderberg-Teilnehmer ist ihre übergreifende „Mitgliedschaft“ in verschiedenen Bereichen der Politik, Wirtschaft, Medien und Wissenschaft:
- Peter Sutherland (Bilderberg-Stammgast) wechselte zwischen Goldman Sachs, der WTO und der EU-Kommission.
- Robert Rubin wechselte vom US-Finanzministerium zur Citigroup und zum CFR: ein perfektes Beispiel für die Verflechtung verschiedener Elitefraktionen.
- „Stammgäste“ in Think Tanks
- Regelmäßige Gäste von CFR, Carnegie, IFRI, AEI, Economist.
- Zeigt die Durchlässigkeit zwischen verschiedenen Fraktionen der TCC – Unternehmen, Politik, Technik, Konsum – und verwischt die Grenzen zwischen Expertenmeinungen und Macht in den Vorstandsetagen.
7. Der ideologische Filter
Wie der Forscher Lukáš Kantor feststellt:
„In den FAQ von Bilderberg heißt es, dass „unterschiedliche Standpunkte“ willkommen seien, doch Noam Chomsky hat nie eine Einladung erhalten. Der „Dialog“ beschränkt sich auf diejenigen, die bereits einer Meinung sind.“
Das ist Ultraimperialismus (ein Begriff von Kautsky) in Aktion: Nationale Eliten arbeiten grenzüberschreitend zusammen, um gemeinsame Klasseninteressen zu schützen, auch wenn ihre Bevölkerungen darunter leiden.
8. Warum das für Deutschland wichtig ist
Die deutsche Quote bei Bilderberg hat die zehn Prozent nie überschritten. Doch die Karrieren, denen Bilderberg Auftrieb gegeben hat, wie beispielsweise die von Friedrich Merz, Karl-Theodor zu Guttenberg oder Josef Ackermann, flossen zurück in das Netzwerk Atlantik-Brücke–DGAP–München, das wir gerade untersucht haben. Mit anderen Worten: Die Atlantik-Brücke ist der deutsche Ableger, die Bilderberg-Treffen sind die transatlantische Wurzel, die das ideologische Saatgut fruchtbar halten. Bilderberg ist außerdem ein Qualitätskontrolllabor für den euro-atlantischen Kapitalismus: Es überprüft Personal, harmonisiert Gesprächspunkte und sichert die Vorherrschaft der Unternehmensfraktion innerhalb der größeren TCC.
IV-a. Die Ford Foundation: Risikokapital des Atlantizismus
„Neue Generationen würden Machtpositionen übernehmen, ohne persönliche Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg oder den Marshallplan zu haben. Um das Bündnis aufrechtzuerhalten, mussten sie zunächst darin sozialisiert werden.“ – Zetsche (2015 [33])
1. Von Anfang an öffentlich-privat
In Lehrbüchern über Philanthropie wird die Ford-Foundation nach wie vor als neutrale, technokratische Wohltätigkeitsorganisation dargestellt. Die Archivarbeit von Anne Zetsche zeigt jedoch das Gegenteil: Die Stiftung stand im Zentrum eines dichten öffentlich-privaten Dreiecks – bestehend aus dem Außenministerium, Fortune-500-Unternehmen und akademischen Eliten –, das zur Steuerung der Außenpolitik der USA aufgebaut worden war. Parmar bezeichnet diesen Verbund als „weiche Maschinerie“, die Unternehmensvermögen in strategisches Wissen und Personal umwandelt.
2. Finanzierung des deutschen Knotens
Ford finanzierte die frühen deutsch-amerikanischen Konferenzen der Atlantik-Brücke (ab 1959) und Stipendienprogramme, die die DGAP, die SWP und Parteistiftungen versorgten. Wenn Mitarbeiter befürchteten, dass die Einladungslisten zu alt aussahen, fügten sie Jugend- und „Next-Gen“-Studienstipendiaten hinzu, um die Weltanschauung mit Jahrgängen ohne eigene Erinnerungen an Trümmer und Antikommunismus zu reproduzieren.
3. Strategische Zielvorgaben
- Die interne Korrespondenz in den frühen Tagen der Ford Foundation wies auf zwei ideologische Bedrohungen hin:
- Gaullistisches Europa ohne Amerika – ein von Frankreich angeführter kontinentaler Block.
- Brandt’s frühe Ostpolitik – deutsche Neutralität zwischen den Blöcken.
Die Lösung bestand darin, die Finanzierung von Austauschprogrammen, Sommerkursen und Startkapitalzuschüssen nur noch an Kandidaten zu geben, von denen man erwarten konnte, dass sie einen Fuß in der Washingtoner Tür behalten würden. Bis 1970 beschäftigte jedes westdeutsche Ministerium Ford-Alumni, bis 1980 auch die Redaktionen von Der Spiegel, Die Zeit und FAZ.
4. Geld als Lehrplan
Im Gegensatz zu den Salons von Bilderberg, zu denen nur geladene Gäste Zutritt haben, waren die Stipendien der Stiftung mit Lehrplänen verbunden: Module zur Geschichte des Atlantiks, Rückblicke auf den Marshall-Plan und vertrauliche Briefings beim Council on Foreign Relations. Die Finanzierung diente somit gleichzeitig als Orientierung. Das Ergebnis war eine Führungsriege, die die Sicherheit Europas intuitiv mit der Vorherrschaft der USA gleichsetzte und Alternativen wie Blockfreiheit und europäische Autonomie als historische Ausrutscher/Verirrung betrachtete.
Eine Generation später hat sich der Unterricht von den Seminarräumen der Eliteuniversitäten in Konferenzhotels außerhalb des Netzwerks verlagert. Die soziale Logik ist dieselbe geblieben, nur dass die Dozenten jetzt vier Sterne tragen, Cloud-Computing-Cluster betreiben oder beides.
IV-b. Bilderberg 2025: Von der Großstrategie zur Tech-Kriegsübung
Die Tradition wird fortgesetzt. Im Juni 2025 verschob sich die Gästeliste der Bilderberg-Konferenz noch weiter in Richtung Generäle, KI-Giganten und Nuklearstrategen – ein Zeichen dafür, dass die heutige „informelle Allianz“ weniger ein Salon als vielmehr eine gemeinsame Einsatzzentrale ist.
Diskussionsthemen für 2025: Auf der Tagesordnung standen die transatlantischen Beziehungen, die Ukraine, das Gleichgewicht zwischen der US-Wirtschaft und Europa, der Nahe Osten, die „autoritäre Achse“, Innovationen und Resilienz im Verteidigungsbereich, KI, Abschreckung und nationale Sicherheit, Geopolitik im Bereich Energie und kritische Mineralien, Entvölkerung und Migration sowie interessanterweise Proliferation –︎ Beachten Sie das Fehlen des üblichen „non“.
Wer hat den Ton angegeben? Teilnehmer der Cluster-Befragung (und aktuelle Funktionen):
Hard Power: Mark Rutte (NATO-Generalsekretär), Jens Stoltenberg (ehemaliger Generalsekretär), General Chris Donahue (US-Armee Europa-Afrika), Admiral Sam Paparo (US INDOPACOM)
Überwachungskapital: Satya Nadella & Mustafa Suleyman (Microsoft AI), Demis Hassabis (Google DeepMind), Alex Karp (Palantir), Eric Schmidt (ehemals Google), Scherf Gundbert (Helsing GmbH), Peter Thiel (Thiel Capital)
Medienchor: Mathias Döpfner (Axel Springer), Zanny Minton Beddoes (The Economist), Anne Applebaum (The Atlantic)
Das aussagekräftigste Wort der Tagesordnung: „Proliferation“. Nicht „Non-Proliferation“, sondern die offene Anerkennung, dass die gemeinsame Nutzung von Atomwaffen (Polen, Rumänien?) nicht mehr tabu ist, sondern zum Gesprächsthema wird. Nur wenige Tage später veröffentlichte das GLOBSEC-Forum 2025 [34] (eine Bilderberg-ähnliche Organisation, die von vielen der gleichen Unternehmen finanziert wird, sich aber eher auf Technologie und Verteidigung konzentriert) einen Policy Brief, in dem die NATO [35] aufgefordert wird,
„sich ausdrücklich auf alle drei wesentlichen Säulen der nuklearen Abschreckung auszuweiten: Fähigkeiten, Entschlossenheit und Kommunikation. Dieser ganzheitliche Ansatz ist nicht nur entscheidend, um Russland in einem gefährlicheren Sicherheitsumfeld abzuschrecken, sondern auch, um den inneren Zusammenhalt des Bündnisses zu stärken, das Vertrauen der Öffentlichkeit zu sichern und Gegner davon abzuhalten, die roten Linien der NATO zu testen.“
- Ein Paradebeispiel für diese konvergierende Tech-Verteidigungs-Elite ist Dr. Gundbert Scherf [36] (Teilnehmer des Bilderberg-Treffens 2025 und der Globsec-Konferenz 2024):
- 2000er Jahre: Cambridge/Sciences Po/Freie Universität Berlin (standardmäßige transatlantische Ausbildung)
- 2014–2016: Sonderberater, Bundesministerium der Verteidigung
- 2017–2020: Partner bei McKinsey für Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung
- 2021– : Mitbegründer und Co-CEO von Helsing AI, Europas heißestem Start-up im Bereich KI für den Einsatz auf dem Schlachtfeld (bereits Pilotprojekte für die NATO)
- 2024–2025: Rednerauftritte auf Foren mit Bezug zur Bilderberg-Gruppe sowie bei der Bilderberg-Konferenz (GLOBSEC, MSC „Innovation Track“ usw.)

Dr. Gundbert Scherf mit der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas, damals estnische Premierministerin. (Screenshot am 23.11.2025: <https://www.airforce-technology.com/news/helsing-bring-ai-capabilities-to-estonia-in-strategic-expansion/?cf-view&cf-closed>)
Scherf hat sich noch nie einer Wahl gestellt, doch er bewegt sich in denselben Kreisen der Atlantic Fellowship wie amtierende Minister: eine Erinnerung daran, dass im Jahr 2025 wichtige politische Hebel ebenso selbstverständlich in Cloud-Computing-Start-ups zu finden sind wie in Parlamenten. Wenn Bilderberg ein Thema namens „Proliferation“ diskutiert, steht Helsings Code-Basis schon bereit, Monate später als neuer Absatz in den Einsatzregeln in einem NATO-Weißbuch zu erscheinen.
- Betrachten Sie diese Kaskade von politischen Entscheidungen:
- Bilderberg-Agenda 2025 [37]: „Proliferation”
- GLOBSEC-Forum 2025 [38] & Bericht [39]: „Nukleare Abschreckung und Lastenteilung der NATO“
- Live-Tweet von GLOBSEC auf dem NATO-Gipfel 2025 [40]: „Während die Verbündeten eine Bilanz des #NATOSummit2025 ziehen [41] , erläutert Jim Stokes, Direktor für Nuklearpolitik bei @NATO [42], welche Rolle die nukleare Teilhabe der NATO heute angesichts der sich wandelnden Sicherheitsdynamik in Europa und der Debatten über die Lastenteilung spielt.“
Die Idee entsteht zunächst in einem inoffiziellen Hotelballsaal, taucht dann als Thema einer Podiumsdiskussion in Bratislava wieder auf und festigt sich schließlich in Brüssel zu einer operativen Richtlinie. Diese Netzwerke diskutieren nicht mehr nur über großangelegte Strategien, sondern entwickeln Prototypen und verkaufen diese dann als unvermeidbaren nächsten Schritt an die Verteidigungsministerien zurück. Proliferation, Hyperschall, KI-Zielauswahl: Jeder Zyklus beginnt mit „informeller“ Diplomatie, wandert in ein Hochglanz Strategiepapier und endet als Posten im Beschaffungsbudget eines Verantwortlichen.
Nationale Besonderheiten bleiben bestehen: Die Integration in den Atlantikraum beginnt nie mit einem unbeschriebenen Blatt; jedes Land bringt seine eigenen historischen Sedimente mit. In Deutschland war dieser Prozess mit dem verbliebenen westdeutschen Antikommunismus und der nur teilweise vollzogenen Entnazifizierung verflochten, sodass eine politische Klasse entstand, die Moskau als „ewigen Feind“ (so der deutsche Außenminister Johann Wadephul [43]) brandmarken kann, während sie gleichzeitig Familienstammbäume recycelt, die einst in Brilon oder Breslau für Großdeutschland marschierten. Die aktuelle Eskalation ist somit gleichzeitig ein Akt transatlantischer Loyalität und eine, wenn auch sublimierte, Wiederbelebung des westdeutschen Nationalismus des Kalten Kriegs (und möglicherweise auch des Nationalismus vor dem Kalten Krieg). Jeder Knotenpunkt im Netzwerk der Elite hat seinen eigenen lokalen Charakter, doch das Rezept wird nach wie vor in Washington ausgeheckt.
Nachdem wir die Geldströme zurückverfolgt haben, die das Förderband am Laufen halten, können wir nun beobachten, wie diese Stipendien in konkrete Lebensläufe umgesetzt werden, indem wir einige deutsche Entscheidungsträger von ihrem ersten von Ford finanzierten Auslandssemester bis in die Kabinettsränge nachverfolgen.
V. Die biografische Fließbandproduktion: Konsens aus der Retorte
Betrachtet man die Lebensläufe von Merz‘ Kabinett, so zeichnet sich ein Muster ab, das nicht nur berufliche Meilensteine umfasst, sondern auch eine ideologische Prägung durch drei verschiedene Phasen der elitären Sozialisation: drei aufeinanderfolgende Phasen, die einen Konsens schaffen. Jacob Schrot und Lars Klingbeil veranschaulichen diesen Prozess aus zwei Blickwinkeln, der eine auf der akademischen Überholspur, der andere durch Krisenerfahrungen, doch beide zeigen dieselben atlantischen Reflexe.
1. Akquisitionsphase – Ideologische Taufe
Hier werden nach und nach Weltanschauungen geprägt. Der Prozess beginnt mit von den USA finanzierten Programmen, die sich an junge Menschen richten, die an einem beruflichen oder sogar persönlichen Wendepunkt stehen.
- Jacob Schrot (Stabschef des Kanzlers und Leiter des neu gegründeten Nationalen Sicherheitsrats) – vertritt die atlantische Orthodoxie über Lehrpläne [44]:
- TransAtlantic Masters, 2013–2016: Ein gemeinsamer Masterstudiengang in Transatlantischen Beziehungen führte ihn an die University of North Carolina in Chapel Hill, die Humboldt-Universität und die Freie Universität Berlin.
- Washington Semester, American University 2012–2013: Ein Forschungsjahr im Washington-Semester-Programm der American University zum Thema US-Außenpolitik brachte ihn in den Beltway [den inneren Zirkel der Macht, Anm. Übersetzung]. Vormittags arbeitete er beim German Marshall Fund (einem Think Tank der NATO), nachmittags war er als Praktikant im Büro von Eliot Engel (Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten des Repräsentantenhauses) auf dem Capitol Hill tätig, der auch der Hauptarchitekt des CAATSA [45]/Countering America’s Adversaries Through Sanctions Act war.
- 25 Jahre alt, NGO-Gründer (2014): Gründet die Initiative junger Transatlantiker [46]; ein Jahr später Vorsitzender der Föderation Deutsch-Amerikanischer Clubs (30 Alumni-Gruppen).
Als Schrot 30 Jahre alt war und nach Berlin zurückkehrte, war seine Weltanschauung bereits fest verankert: Die NATO und der Atlantizismus waren zur einzigen legitimen Weltanschauung geworden. Die Führungsrolle der USA war eine moralische Tatsache, sodass deutsche Interessen gleichbedeutend mit denen Washingtons wurden.
Lars Klingbeil (Vizekanzler und Finanzminister) – lernt durch Krisen und Sozialisation:

Lars Klingbeil, Vizekanzler und Finanzminister bei einer Veranstaltung der SPD. (Foto: Dr. Frank Gaeth, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)
- 9/11-Praktikum (2001, Manhattan): Die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) – die politische Stiftung der SPD – vermittelte den 23-jährigen Politikstudenten während der Anschläge vom 11. September ein Praktikum bei einer NGO in Manhattan. Diese prägende Erfahrung wurde zum emotionalen Grundstein seiner atlantischen Weltanschauung. In seinen eigenen Worten [47]:
- „Danach habe ich mich sehr intensiv mit Außen- und Sicherheitspolitik beschäftigt. Später bin ich in die USA nach Washington zurückgekehrt und habe dort meine Masterarbeit über die US-Verteidigungspolitik geschrieben. Durch diese schrecklichen Anschläge hat sich mein Verhältnis zur Bundeswehr und zu militärischen Einsätzen grundlegend verändert. Ohne den 11. September hätte ich vielleicht nie mein Interesse an Sicherheitspolitik entdeckt und wäre vielleicht nicht im Verteidigungsausschuss gelandet.“
- Georgetown-Austauschprogramm und Praktikum auf dem Capitol Hill, 2002–2003: Lars Klingbeil kehrte zurück und nahm 2002–2003 an einem US-Austauschprogramm an der Georgetown University in Washington teil, um sich mit der amerikanischen Verteidigungspolitik zu befassen [48]; dieser Aufenthalt in den USA vermittelte Klingbeil von Anfang an eine transatlantische Perspektive und war gewissermaßen eine „sanfte Einweihung“ in das strategische Denken der USA. Während seiner Zeit in Washington absolvierte er ein Praktikum im Büro der Kongressabgeordneten Jane Harman [49] (damals Mitglied des Geheimdienstausschusses des Repräsentantenhauses und spätere Präsidentin des Woodrow Wilson Center, einer mit der CIA verbundenen Denkfabrik) im Kapitol. Harmans Ständiger Geheimdienstausschuss [50] beaufsichtigte die Massenüberwachungsprogramme der NSA und die Gesetzgebung zum „Globalen Krieg gegen den Terror“ nach dem 11. September [51].
2. Umwandlungsphase – Vernetzter Aufstieg
Wo Loyalität und Regelbefolgung mit Zugehörigkeit belohnt werden:
In der Umwandlungsphase könnte man Schrot als unternehmerischen Netzwerker beschreiben. Wie bereits erwähnt, gründete Schrot im Alter von 25 Jahren noch während seines Studiums eine Jugend-NGO (Initiative junger Transatlantiker) und war Vorsitzender des Bundes der Deutsch-Amerikanischen Vereine (über 30 Alumni-Vereinigungen). Damit schuf er, anders als die meisten, transatlantische Vereinigungen aus dem inneren.
Im Gegensatz dazu, schlug Lars Klingbeil in dieser Phase einen eher traditionellen Weg auf der Karriereleiter mit einem leicht progressiven Anstrich ein, wie seine SPD-Mitgliedschaft vermuten lässt.
Zurück in Deutschland knüpfte er an alte Verbindungen an und wurde Mitglied der Atlantik-Brücke. Interessanterweise erscheint Klingbeil in einem Bericht der Atlantik-Brücke aus dem Jahr 2018 neben der US-Botschafterin Amy Gutman und dem heutigen Bundeskanzler Friedrich Merz, ehemals Chef von BlackRock Deutschland [52].
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Schrot elitäres Sozialkapital aufbaut, während Klingbeil es anzapft. Das Ergebnis ist derselbe Kreis aus Gartenparties, nur mit unterschiedlichen Eintrittskarten.
3. Verstärkungsphase – Systemische Reproduktion
Absolventen werden zu Torwächtern; der Kreislauf schließt sich.
Nun ist Jakob Schrot Chef des Kabinetts von Bundeskanzler Merz und Koordinator des Nationalen Sicherheitsrats. Er überprüft die Auswahllisten der Berater und entwirft alle Sicherheitsmemos. Schrot kontrolliert nun die Personalpipeline im Kanzleramt; Klingbeil drängt auf einen 100 Milliarden Euro schweren Zeitenwende-Aufrüstungsfonds und belebt die Diskussion über ein TTIP-light-Abkommen. Klingbeil (neben mehreren anderen deutschen Politikern) nahm 2025 am Bilderberg-Treffen teil (ebenso wie Friedrich Merz 2024) und sicherte sich damit seinen Platz im Flüsternetzwerk der NATO-Generalsekretäre, US-Generäle und Tech-CEOs, das als „informelle Allianz“ der politischen Elite fungiert.
Schrot wählt aus, wer die Briefings schreibt; Klingbeil entscheidet, was finanziert wird. Gemeinsam schmieden sie die Politik Deutschlands. Vor allem aber tun sie dies nach den Vorgaben Washingtons. Mit ihren Biografien könnten sie gar nicht anders handeln.
Neben Anreizen gibt es noch eine andere Seite: Der Schröder-Effekt: Wer sich dem transatlantischen Diskurs widersetzt, muss mit beruflicher Vernichtung rechnen. Die Befürwortung von Nord Stream 2 und die Diplomatie gegenüber Moskau führten dazu, dass dem ehemaligen Bundeskanzler die offiziellen Vergünstigungen für ehemalige Kanzler entzogen wurden, wobei seine Weigerung, die Beziehungen zu russischen Energiegiganten abzubrechen, als Verstoß gegen die Pflichten seines Amtes ausgelegt wurde. Infolgedessen wurde er praktisch aus dem Mediendiskurs getilgt.
Das operative Ergebnis: Ein geschlossenes epistemisches Universum
- Diese Fließbandarbeit sorgt für eine Angleichung der Politik. Noch wichtiger ist jedoch, dass sie ein gemeinsames Wahrnehmungsgefängnis schafft. Wenn die Mehrheit der politischen Elite Deutschlands und auch Europas dieselben US-Programme durchläuft:
- verengen sich ihre kognitiven Grenzen: Entspannung wird zu „Beschwichtigung“. Neutralität ist gleichbedeutend mit „Kollaboration“. Energieabkommen mit Russland sind „geopolitischer Verrat“.
- sind ihre emotionalen Reaktionen konditioniert: Die finstere Miene eines Pentagon-Beamten löst mehr Angst aus als die Wut der Wähler. Die Zustimmung von The Economist fühlt sich wertvoller an als Umfragen im eigenen Land.
- verkümmert ihre Vorstellungskraft: Sie können sich Alternativen wie OSZE-basierte Sicherheitsarchitekturen nicht vorstellen. Sie tun Chinas Aufstieg als „vorübergehende Abweichung“ von der unipolaren Weltordnung der USA ab.
Das Schlimmste daran ist, dass sie dies (möglicherweise) nicht als Zwang empfinden. Wenn sie ihr Amt antreten, ist der Atlantizismus bereits politischer Common Sense, so instinktiv wie das Atmen.
Die Tragödie liegt in dem, was verloren gegangen ist: Politiker wie Willy Brandt, dessen Jahre im Exil ihn gelehrt haben, dass Souveränität mit dem Mut zum Ungehorsam beginnt. Im heutigen Berlin hingegen gibt es wenig Raum für Politiker mit unorthodoxen Biografien; die Pipeline produziert Kader, die sich nicht mehr für die Konformität entscheiden müssen, weil sie sich nichts anderes vorstellen können. Kein Wunder also, dass der damalige Vizekanzler Robert Habeck bei einem Besuch in Washington im Jahr 2022 versprechen konnte, dass Deutschland bereit sei, eine „dienende Führungsrolle“ zu übernehmen [53] – eine Phrase, die von einer ganz eigenen Logik geprägt ist, so dass sich niemand wagte, die offensichtliche Frage zu stellen: Wen führen und wem dienen?
Bevor wir über das Aufbrechen von Scharnieren sprechen, sollten wir uns an einige europäische Staats- und Regierungschefs erinnern, denen es gelungen ist, sich vollständig aus dem etablierten System zu lösen – und wie dies den Spielraum für neue Möglichkeiten erweitert hat.
VI. Biografien, die einst den Horizont erweiterten und dies wieder tun könnten

Willy Brandt, Olof Palme und Bruno Kreisky 1975. (Foto: SPÖ, Flickr, CC BY-ND 2.0)
Die transatlantische Pipeline war nicht immer so luftdicht. Eine Handvoll europäischer Politiker der Nachkriegszeit lösten sich aus der Atlantikschule und erweiterten damit den Horizont ihrer Länder. Ihre Lebensgeschichten lesen sich eher wie Umwege, die von Exil, Neutralität und Entkolonialisierungsarbeit geprägt sind. Sie beweisen, dass sich das Spektrum „realistischer“ politischer Optionen plötzlich erweitert, wenn das prägende Netzwerk eines Politikers außerhalb der Washington-zentrierten Kreise aufgebaut ist.
Willy Brandt [54], der Exilant, der niederkniete
- 1933 aus dem Reich geflohen und in Norwegen und Schweden gelebt: Brandt floh 1933 aus Nazideutschland und lebte während der Kriegsjahre in Oslo und Stockholm, wo er als Journalist arbeitete und von den Patronagenetzwerken der Nazis und der BRD abgeschnitten war.
- Politische Sozialisierung durch die skandinavische Sozialdemokratie und den norwegischen Widerstand: Seine politische Entwicklung wurde eher von der skandinavischen Sozialdemokratie und den Kontakten zum norwegischen Widerstand beeinflusst als von westlichen Nachkriegsinstitutionen wie dem Marshall-Plan-Netzwerk.
- 1948 Rückkehr nach West-Berlin, versiert in der Bildung nordischer Koalitionen: Brandt erhielt 1948 die deutsche Staatsbürgerschaft zurück und engagierte sich in der Berliner Politik, wo er seine Erfahrungen aus der skandinavischen Koalitionspolitik einbrachte.
- Betrachtete Moskau als Nachbarn und Verhandlungspartner, nicht als existenziellen Feind: Brandts Ostpolitik (1969–1974) war eine pragmatische Politik der Entspannung und Normalisierung gegenüber den Ostblockstaaten. Er betrachtete Moskau als Verhandlungspartner und nicht als absoluten Feind.
Olof Palme [55]: der Neutrale, der sprach
- Geboren in der schwedischen Oberschicht, aber radikalisiert in der Arbeiterbewegung: Palme stammte aus der Oberschicht, wurde jedoch zu einer führenden Persönlichkeit der schwedischen Sozialdemokratischen Partei und vertrat eine progressive Arbeiterpolitik.
- Schwedens Bündnisfreiheit schränkte die Beziehungen zur NATO und zum US-Establishment ein: Aufgrund der strikten Neutralität Schwedens hatte Palme nur begrenzte Kontakte zu US-amerikanischen außenpolitischen Institutionen; seine einzige nennenswerte Verbindung zu den USA war ein Stipendium am Kenyon College (1948–1949). Er durchlief nicht die Karriereleiter der Think Tanks, um Teil des transatlantischen außenpolitischen Establishments zu werden.
- Mentor war UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld; Fokus auf den Globalen Süden: Zu Beginn seiner Karriere arbeitete Palme bei den Vereinten Nationen und engagierte sich intensiv für die neu dekolonisierten Staaten in Asien und Afrika, wodurch sich seine Weltanschauung eher an globaler Gerechtigkeit als an atlantischen Allianzen orientierte. Konferenzen zum Globalen Süden prägten sein moralisches Vokabular stärker als Atlantik-Gipfel.
- Behandelte Supermächte symmetrisch; kritisierte US-Maßnahmen wie die Bombardierung von Hanoi: Palme kritisierte offen das Vorgehen der USA in Vietnam, verglich die Bombardierungen mit Guernica und setzte sogar die schwedisch-amerikanischen Beziehungen für ein Jahr aus, während er den Dialog mit Moskau aufrechterhielt.
- Verfechter einer europäischen „gemeinsamen Sicherheit“ außerhalb der NATO: Palme setzte sich für ein von der NATO unabhängiges europäisches Sicherheitskonzept ein, das Entspannung und Zusammenarbeit in den Vordergrund stellte.
- Beide Männer erwarben ihre prägenden Netzwerke in Umfeldern, die geografisch und ideologisch am Rande des wichtigsten atlantischen Indoktrinierungs-Gürtels lagen:
- Brandts Kreis war die nordische Anti-Nazi-Diaspora;
- Palmes Kreis war der UN/Entkolonialisierungskreis.
Da ihre Karrieren bereits gut etabliert waren, bevor von den USA finanzierte Stipendien zum Standard der EU wurden, konnten sie sich atlantische Instrumente zu eigen machen, ohne atlantische Reflexe zu übernehmen. Diese Ausreißer zeigen, dass die Entfernung zum atlantischen Sozialisationsnetzwerk keine Garantie für Weisheit oder eine absolute Distanz zu diesem Netzwerk ist; eine Biografie als Außenseiter erweitert jedoch den Denkhorizont. Ihre Wege sind seitdem schmaler geworden; sie wieder zu öffnen, ist die Voraussetzung für jede souveräne deutsche oder europäische Strategie.
Den Griff brechen: Realistische Optionen
- Was kann getan werden? In gewisser Weise wird und muss dies die Aufgabe sowohl der Menschen in diesen westlichen Ländern innerhalb der transatlantischen Spinnennetze als auch der neu entstehenden multipolaren Welt sein:
- Prestigewettbewerb: In dieser Anfangsphase könnte ein EU-BRICS-Friedensstipendium (oder einfach BRICS) mit derselben Stipendienhöhe und denselben Fototerminen wie Fulbright eingerichtet werden. So würden auch junge Studierende verstehen, dass auch Nicht-NATO-Sicherheit für ihre Karriere von Vorteil sein kann (und für die Welt sogar noch besser).
- Verpflichtende multipolare Entsendungen: Keine Beförderung in ein staatlich-politisches Amt ohne eine 12-monatige Rotation bei der OSZE in Wien, der AU in Addis oder dem UNIDIR in Genf.
- Register für ausländische Einflussnahme: Bundestagsabgeordnete beispielsweise legen bereits ihre Aktienanteile offen; hinzugefügt werden sollten alle von Stiftungen finanzierten Reisen, Vorstandsmandate und Einladungen zum Bilderberg-Treffen (und ähnlichen Veranstaltungen).
- Think-Tank-Matching-Fonds: Der Wissenschaftliche Dienst des Parlaments soll private Spenden aus der Rüstungsindustrie Euro für Euro aufstocken, um deren Einfluss zu verwässern. Hier könnte allerdings noch mehr getan werden.
Das sind Scharniere, die nur dann quietschend aufspringen, wenn exogene Schocks sie aufbrechen: ein Zahlungsausfall der USA, der die Finanzierung der Ukraine beendet, oder eine Protestwelle, die die Polizei nicht eindämmen kann. Allerdings zerstört keines dieser Ereignisse das bestehende Netzwerk. Sie bringen lediglich etwas Pluralismus hinein.
Schlussbemerkungen: Hegemonie oder Überleben
Die Beweise, die sich über Stiftungen, Think Tanks und geschlossene Konklaven ziehen, lassen kaum Zweifel offen:
Das transatlantische Eliteprojekt ist fest auf Selbsterhaltung ausgerichtet.
Die kulturelle Hegemonie des Projekts zwingt Europa, ein US-zentriertes Imperium und die Eliten aller Verbündeten zu unterstützen, selbst wenn dieses Imperium die materiellen Interessen Europas sabotiert. Hegemonien brechen selten aus ethischer Verlegenheit zusammen; sie geben erst nach, wenn äußerer Druck oder innere Brüche die Anpassung teurer machen als den Widerstand. Eines von drei Dingen (oder alle zusammen) könnte diese Maschinerie ins Wanken bringen:
1. Narrative Brüche von unten
Organisierte Verweigerung, sei es durch Massenstreiks, Boykotte, Wahlverschiebungen oder anhaltende Gegenkampagnen in den Medien, kann den Konsens über die Kriegswirtschaft delegitimieren und die atlantische Gefolgschaft politisch toxisch machen.
2. Systemischer Schock von außen
Ein entscheidender Verlust der finanziellen oder militärischen Vorherrschaft der USA (z.B. ein Zusammenbruch des Petrodollars oder ein gescheiterter Stellvertreterkrieg) würde die europäischen Eliten zwingen, ihre Loyalitäten zu überdenken.
3. Rechenschaftspflicht von oben
Nürnberger Tribunale, so unwahrscheinlich sie heute auch sein mögen, bleiben der einzige Mechanismus, der historisch gesehen die Abenteuerlust der Eliten eindämmt, indem er strategische Torheit mit persönlichem Risiko verbindet.
Jede Sprosse auf ihrer Karriereleiter hat die nächste Eskalation normalisiert. Die heutigen europäischen Staats- und Regierungschefs entscheiden sich nicht bewusst für einen permanenten Krieg; sie erben ihn als sichersten Weg innerhalb eines Ökosystems, das die atlantische Anpassung mit beruflicher Legitimität gleichsetzt.
Ein Aufruf für eine Neu-Vernetzung
Es reicht nicht aus, nur Persönlichkeiten auszutauschen. Die Aufgabe besteht darin, die biografische Fließbandproduktion zu demontieren, die mit von Stiftungen finanzierten Jugendaustauschprogrammen beginnt, über Stipendien für Think Tanks führt und in Ministerien oder Unternehmensvorständen endet. Solange dieses Fließband nicht zerstört oder zumindest über den Atlantik hinaus diversifiziert wird, werden alle „frischen Gesichter“ dieselben strategischen Reflexe reproduzieren.
Die Alternative ist klar: Entweder man sieht zu, wie das eigene Land im Dienste der Eliten eines anderen Imperiums blutet, oder man fordert die Fähigkeit zurück, über die eigene Zukunft zu entscheiden.
Die Wahl besteht also nicht mehr zwischen Status Quo und Reform, sondern zwischen Hegemonie und Überleben. Das Zeitfenster für eine friedliche Loslösung mag sich schließen, aber es ist noch nicht endgültig zugefallen. Aus der Geschichte zu lernen bietet keine Garantien, aber es bietet Möglichkeiten für eine Unterbrechung.
Dieser Text wurde zuerst am 28.06.2025 auf www.substack.com unter der URL <https://themindness.substack.com/p/elite-capture-and-european-self-destruction> veröffentlicht. Lizenz: Nel Bonilla, Worldlines, CC BY-NC-ND 4.0
Quellen:
[1] Memoria Politica de Mexico, „1924 Carta de Robert Lansing“, <https://www.memoriapoliticademexico.org/Textos/6Revolucion/1924CRL.html>
[2] euro news, Sasha Vakulina, „Germany agrees €5bn in aid to Ukraine and joint production of long-range weapons“, am 28.05.2025, <https://www.euronews.com/my-europe/2025/05/28/germany-to-jointly-produce-long-range-weapons-with-ukraine-friedrich-merz-says>
[3] The Irish Times, Derek Scally, „After decades of pacifist politics, Germany embraces new ‘war-ready’ reality“, am 26.02.2024, <https://www.irishtimes.com/world/europe/2024/02/26/after-decades-of-pacifist-politics-germany-embraces-new-war-ready-reality/>
[4] euro news, Giulia Carbonaro, „Germany lays out ‘exercise scenario’ for a potential conflict between NATO and Russia“, am 16.01.2024, <https://www.euronews.com/2024/01/16/germany-lays-out-exercise-scenario-for-a-potential-conflict-between-nato-and-russia>
[5] Independent, Alex Croft und Kirsten Grieshabner, „Taurus cruise missiles: Weapons Germany could be sending Ukraine to strike deep into Russia“, am 29.05.2025, <https://www.independent.co.uk/news/world/europe/taurus-cruise-missiles-germany-ukraine-russia-weapons-b2759928.html>
[6] Spiegel, „Klingbeil gegen Wiedereinführung der Wehrpflicht, Kretschmann für republikanisches Pflichtjahr“, am 20.04.2025,<https://www.spiegel.de/politik/wehrpflicht-lars-klingbeil-ist-gegen-die-wiedereinfuehrung-winfried-kretschmann-fuer-ein-republikanisches-pflichtjahr-a-3265a0ed-40c6-4404-b774-ace520593a8e>
[7] Politico, John Kampfner, „Can Merz have an effective foreign policy?“, am 09.06.2025, <https://www.politico.eu/article/friedrich-merz-germany-effective-foreign-policy/>
[8] Youtube, EU Debates, „Wir sind mehr als Athen, Rom und das napoleonische Reich! Rutte antwortet … dem kanadischen Premi…“, am 05.06.2025, <https://www.youtube.com/watch?v=BtCgt4CI04A>
[9] Youtube, The Burning Archive, Jeff Rich, „War in Ukraine – how is it changing the world we all share?“, am 08.06.2025, <https://www.youtube.com/watch?v=f2joQVPdd6Q>
[10] Reuters, Anthony Deutsch und Gram Slattery, „NATO’s Rutte likens Trump to a ‚daddy‘ in Israel-Iran conflict“, am 25.06.2025, <https://www.reuters.com/business/media-telecom/natos-rutte-compares-trump-daddy-after-presidents-profane-comments-2025-06-25/>
[11] Reuters, Farouq Suleiman, Deborah Kyvrikosaios, Kylie MacLellan, Ros Russell, Reagan Yip, Rajaa Bint Talal, Christina Anagnostopoulos, Vanessa Balintec, Heather Timmons und Zoe Law, „NATO summit 2025 as it happened: Alliance commits to raising defence spending to 5% – as it happened“, am 25.06.2025 <https://www.reuters.com/world/leaders-gather-nato-summit-trump-brokered-israel-iran-ceasefire-holds-2025-06-25/>
[12] ingenta, Inderjeet Parmar, Security Studies, Volume 28, Number 3, 27 May 2019, pp. 532-564(33), „Transnational Elite Knowledge Networks: Managing American Hegemony in Turbulent Times“, <https://www.ingentaconnect.com/content/routledg/ss/2019/00000028/00000003/art00006;jsessionid=2kmr3xxxk36gs.x-ic-live-03>
[13] europäischer Rat, „Speech by President Donald Tusk at the Charlemagne Prize ceremony 2017“, am 24.05.2017, <https://www.consilium.europa.eu/en/press/press-releases/2017/05/24/tusk-speech-charlemagne-ceremony/>
[14] Taylor and Francis Online, Eelke M. Heemskerk und Frank W. Takes, „The Corporate Elite Community Structure of Global Capitalism“, New Political Economy, 21(1), 90–118. <https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/13563467.2015.1041483>
[15] JSTOR, Priscilla Roberts, „A Century of International Affairs Think Tanks in Historical Perspective.“ International Journal, vol. 70, no. 4, 2015, pp. 535–55. <https://www.jstor.org/stable/24709306>
[16] HSozKult, „A. Zetsche: The Atlantik-Brücke and the American Council on Germany, 1952–1974“, <https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-97782>
[17] Routledge, New Political Economy, Eelke M. Heemskerk & Frank W. Takes, „The Corporate Elite Community Structure of Global Capitalism“, am 19.09.2016, <https://scispace.com/pdf/the-corporate-elite-community-structure-of-global-capitalism-1cpny3luf2.pdf>
[18] Vrije Universiteit Amsterdam, Naná De Graaff und Bastiaan Van Apeldoorn, „Trump and the foreign policy elite think tank networks“, Edward Elgar Publishing Ltd. am 01.01.2021, <https://research.vu.nl/en/publications/trump-and-the-foreign-policy-elite-think-tank-networks>
[19] Routledge, James G. McGann, „Think Tanks and Policy Advice in the US Academics, Advisors and Advocates“, 2007, <https://www.routledge.com/Think-Tanks-and-Policy-Advice-in-the-US-Academics-Advisors-and-Advocates/McGann/p/book/9780415543446?srsltid=AfmBOorMly3zS-XjsJU9vtulUMiwxb-zfdHMwsfLBCIYenagRvCPUBsK>
[20] UC Berkeley, Institute of International Studies, „Conversations with History: Theory and Practice in International Relations“, am 07.04.1998, <https://iis.berkeley.edu/publications/joseph-s-nye-jr-theory-and-practice-international-relations>
[21] US State Department, „Congress-Bundestag Youth Exchange“, <https://exchanges.state.gov/us/program/congress-bundestag-youth-exchange>
[22] Envision, „Global Young Leaders Conference “, <https://www.envisionexperience.com/explore-our-programs/global-young-leaders-conference>
[23] Springer Nature, Anne Zetsche, „The Atlantik-Brücke and the American Council on Germany, 1952–1974“, 2021,<https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-030-63933-4>
[24] Atlantik-Brücke, „About Atlantik-Brücke“, <https://www.atlantik-bruecke.org/en/atlantik-brucke/>
[25] American Council on Germany, „History“,<https://www.acgusa.org/about-us/history/>
[26] Bilderberg Meetings, „BRIEF HISTORY“, <https://bilderbergmeetings.org/background/brief-history>
[27] Taylor and Francis Online, Kantor, L. (2017). Bilderberg Group and Transnational Capitalist Class: Recent Trends in Global Elite Club as Vindication of neo-Marxism. Critique, 45(1–2), 183–204. <https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/03017605.2016.1268458>
[28] Routledge, Thomas Gijswijt, „Informal Alliance – The Bilderberg Group and Transatlantic Relations during the Cold War, 1952-1968“, 2019, <https://www.routledge.com/Informal-Alliance-The-Bilderberg-Group-and-Transatlantic-Relations-during-the-Cold-War-1952-1968/Gijswijt/p/book/9780367587659?srsltid=AfmBOooN6ioOnG_qBHn8c7ptMShLgxB4z9FaAUXbX9HCtH17GHuZCqkp>
[29] International Institute for Strategic Studies, „About Us“, <https://www.iiss.org/about-us/>
[30] Münchner Sicherheitskonferenz, „Geschichte der Münchner Sicherheitskonferenz“, <https://securityconference.org/en/about-us/history/>
[31] Deutsch-Britische Gesellschaft, „Königswinter Konferenz“, <https://www.debrige.de/en/2022/12/07/koenigswinter-conferenz/>
[32] German American Conference 2025, „GAC 2024 – Hard Conversations“, <https://germanamericanconference.org/2025-home/history>
[33] Anne Zetsche. The Ford Foundation’s role in promoting German-American elite networking during the Cold War. J Transatl Stud 13, 76–95 (2015). <https://link.springer.com/article/10.1080/14794012.2014.990737>
[34] GLOBSEC Forum 2025, Start 12.06.2025, <https://www.globsec.org/sites/default/files/2025-06/GLOBSEC%20Forum%20Schedule_13.6_EXT%20%284%29.pdf>
[35] GLOBSEC, Tomáš Nagy, „From Assurance to Resilience – Adapting NATO’s Nuclear Deterrence Policy“, am 05.06.2025, <https://www.globsec.org/what-we-do/publications/assurance-resilience-adapting-natos-nuclear-deterrence-policy-0>
[36] GLOBSEC Forum 2025, „Gundbert Scherf“, <https://forum2024.globsec.org/speakers/dr-gundbert-scherf/>
[37] Bilderberg Meetings, „71ST BILDERBERG MEETING“, 12.-15.06.2025, <https://www.bilderbergmeetings.org/meetings/meeting-2025/press-release-2025>
[38] siehe [34]
[39] siehe [35]
[40] X, GLOBSEC „As Allies take stock of the #NATOSummit2025 underway, Jim Stokes, Director of Nuclear Policy at @NATO, elaborates on what role NATO’s nuclear sharing plays today amid shifting European security dynamics and burden-sharing debates.“, am 26.06.2025, <https://x.com/GLOBSEC/status/1938166836601749799>
[41] <https://x.com/hashtag/NATOSummit2025?src=hashtag_click>
[42] X, NATO, <https://x.com/NATO>
[43] NachDenkSeiten, Marcus Klöckner, „„Russland wird für immer ein Feind für uns bleiben“ – das Feindbild Russland wird noch fester in der deutschen Politik zementiert“, am 30.04.2025, <https://www.nachdenkseiten.de/?p=132269>
[44] Columbia, Alumni Germany, „Jacob Schrot will talk on Transatlantic Trade an Investment Partnership (TTIP)“, am 12.01.2016, <https://germany.alumni.columbia.edu/ttip_get_together>
[45] U.S. Government Publishing Office, House Hearing, 115 Congress, „ OVERSIGHT OF U.S. SANCTIONS POLICY“, am 13.09.2018, <https://www.govinfo.gov/content/pkg/CHRG-115hhrg31453/html/CHRG-115hhrg31453.htm>
[46] Initiative junger Transatlantiker, „Unsere Arbeit“, <https://junge-transatlantiker.de/projekte/>
[47] Kreizeitung, Guido Menker, „„Ich war mittendrin“: SPD-Generalsekretär erinnert sich an „9/11““, am 11.09.2021, <https://www.kreiszeitung.de/lokales/rotenburg/rotenburg-ort120515/und-ich-war-mittendrin-90973883.html>
[48] EU Perspective, Daniel Deyl, „Lars Klingbeil: The ascent of an unlikely revolutionary“, am 14.04.2025, <https://euperspectives.eu/2025/04/lars-klingbeil-unlikely-revolutionary/>
[49] Freedom House, „Jane Harman“, <https://freedomhouse.org/expert/jane-harman>
[50] Commission on the National Defense Strategy, Commissioner Bio, „Jane Harman“, <https://www.ndscommission.senate.gov/bio-jane-harman/>
[51] Office of the Director of National Intelligence, „Reforming Intelligence – The Passage of the Intelligence Reform and Terrorism Prevention Act“, <https://irp.fas.org/dni/reform-ocr.pdf>
[52] Atlantik-Brücke, „Jahresbericht 2018/19“, Foto von Lars Klingbeil zusammen mit Friedrich Merz auf einer Gartenparty der Atlantik Brücke, S.19 <https://www.atlantik-bruecke.org/wp-content/uploads/190606_Atlantik_Bruecke_final_web.pdf#:~:text=Wolfgang%20Ischinger%20unten%20links%20Sawsan,Diekmann%2C%20Lars%20Klingbeil%2C%20Friedrich%20Merz>
[53] Focus, „Habeck sieht Deutschland in einer „dienenden Führungsrolle““, am 02.03.2022, <https://www.focus.de/politik/deutschland/besuch-in-den-usa-habeck-sieht-deutschland-in-einer-dienenden-fuehrungsrolle_id_61552626.html>
[54] Bundeskanzler Willy Brandt Stiftung, Willy Brandt online biografie, „SPD-Politiker im geteilten Berlin“ <https://www.willy-brandt-biografie.de/spd-politiker-im-geteilten-berlin-1947-1956-2/>
[55] Olof Palmes International Center, „About Olof Palme“, <https://www.palmecenter.se/eng/about-palme-center/about-olof-palme/>


